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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Porzellanblümchen - Porzellanmalerei
krischer .Hinsicht hohe Bedeutung erlangt hat. Das
harte, dem chinesischen vollkommen äbnliche P.
erfand im Anfang des 18. Jahrh, ein Teutscher,
Joh. Friedr. Böttger (s. d.), unter dessen Leitung
1710 die nachmals so berübmt gewordene Fabrik
in Meißen (s. Königlich Sächsische^Porzellan-Manu-
faktur zu Meißen) angelegt wurde. Obwohl man
hier das Verfahren geheim zu halten suchte, fand
dasselbe doch bald durch bestochene Beamte Ver-
breitung. So entstand schon 1720 die Porzcllan-
fabrik zu Wien, deren Erzeugnisse (Marke: Bienen-
korb) anfangs viel weiße Flächen mit darüber hin-
gestreuten Blumen zeigten, während später der
Grund unter Gemälden und breiter Vergoldung
verschwand; sie ging 1864 ein. Die kurmainzische
Porzellanfabrik zu Höchst (Marke: Rad) lieferte seit
1740 mit das beste P. Verdient um die Förderung
der Porzellanfabrikation machte sich Kurfürst Karl
Theodor von der Pfalz, unter dem seit 1756 Nym-
phenburg blühte, das sich nach seinem Tode, als
die tüchtigsten Kräfte der (seit 1761 kurfürstlichen)
1799 eingegangenen Franlcnthaler Fabrik (Zeichen:
Springender Löwe) dorthin kamen, zu noch grö-
ßerer Bedeutung erhob. 1763 übernahm Friedrich
d. Gr. die von Gotzkowsky gegründete Berliner Por-
zcllansadrik. (S. Königliche Porzellan-Manufaktur
zu Berlin.) Andere nennenswerte Stätten dcntscher
Porzellansabrikation waren Wallcndorf und Kloster
Veilsdorf im Sachsen-Meiningenschen; Fulda, Cas-
sel, Gotha, Ansbach; die 1744 gegründete, noch
heute blühende Fabrik zu Fürstenberg an der Weser
(Zeichen: l'), die 1758 gegründete Fabrik zu Lud-
wigsburg (s. Ludwigsburger Porzellan); die Por-
zellanfabrik zu Kahla in Sachsen-Altenburg, erst
1843 gegründet, leistet schon Tresfl.icbes. Zu den
ältesten Unternehmungen dieser Art gehören auch die
Fabriken Noerstrand bei Stockholm, in Kopenhagen
und Petersburg. Bis in die Mitte des 19. Jahrh,
waren die Porzellanfabriken ausschließlich sürstl.
Eigentum, arbeiteten lediglich für die sürstl. Hof-
haltung und dienten mehr dem Lurus als dem
praktischen Bedürfnis. Sie hatten indes eine Tech-
nik ausgebildet, die sich merkwürdigerweise mit
dem ckinef. Verfahren übereinstimmend erwies, als
dasselbe durch Julien 1850 in Europa bekannt
wurde. Allmählich emancipierte sich die Porzellan-
fabrikation von den Köfcn; teils stellten die sürstl.
Fabriken ihre zumeist künstlerisch vollendeten Er-
zeugnisse zum Verkauf, teils erstanden Privatunter-
nehmungen. Aber noch jetzt sind die ältern Erzeug-
nisse der chines. und auch der japan. Porzellanfabri-
kation in der Schönheit und Güte des Materials,
in der geschmackvollen Wahl der Ornamente und
in der Pracht des Kolorits unerreicht; dagegen bat
in neuerer Zeit der Einfluß europ. Zandelsinteressen
verschlechternd auf den Kunstgeschmack beider Natio-
nen eingewirkt. In Enropa übt in dekorativer.Hin-
sicht die franz. Porzcllanindustrie seit zwei Jahr-
hunderten den mächtigsten Einfluß auf die In-
dustrie anderer Länder aus. Der Nuhm von Sövres,
wo man 1770 hartes P. herzustellen begann, grün-
det sich ebensowohl auf die Reinheit der zur Ver-
wendung kommenden Materialien als auf die künst-
lerifche Schönheit der Zeichnung, die Eleganz der
Form und den Reichtum der Farben; Limoges er-
reicht das Höchste in der Verzierung durch Email-
arbeit. Auch das weiche englische P., das zuerst in
Chelsca 1745, seit 1772 in Staffordshire hergestellt
wurde, steht heute in der Ausbildung der Technik
Vrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
sowie der kommerziellen Wichtigkeit in erster Linie.
Hinsichtlich der künstlerischen Vebandlung des Ma-
terials hat sich gegenwärtig das Berliner und Mei-
ßener P. dem von Sövres würdig zur Seite gestellt.
- Vgl. Falke, Die k. k. Wiener Porzellanfabrik
(Wien 1887); Graesse, 6uiä6 do I'amatsur äsporcL-
laino ot, 5lü6ncE (8. Aufl. von Iännicke, Dresd. 1894).
Porzetlmtblümchen, s. L^xil'i-a^.
Porzellaublume, s. II07H; in der Porzellan-
fabrikation, f. Porzcllanwaren.
Porzellanbrenner, s. Galvanokaustik.
Porzcllandruck. Der P. entspricht dem tech-
nischen Verfahren bei den Abziehbildern (s. d.),
indem auf lithogr. Wege erzeugte Muster auf De-
kalkierpapier abgedruckt und auf das unglasierte
Porzellan übertragen werden.
Porzellanerde, f. Kaolin und Mörtel.
Porzctlanfarbeu, s. Porzellanmalerei.
Porzellaufriesel, soviel wie Nesselsucht (s. d.).
Porzellanjafpis oder Porzellanit, alter
Name für ein auf natürlichem Wege erzeugtes kau-
stisches Ilmwandlungsprodukt von Thonen und
Schicfcrthonen. Durch brennende Vrauntohlenstöze
ist der P. der Umgegend von Vilin, Teplitz und
Komotau in Böhmen, von Abterode in Hessen
u. a. O. entstanden, lavcndelblaue, perlgraue, gelb-
liche bis ziegelrote, vielfach stückige oder etwas zu-
sammengesintcrte Massen, mit gefleckter oder gestreif-
ter Farbcnzeichnung versehen, matt und mit mu-
scheligem Bruch, oft geradezu an künstliches Steingut
erinnernd. Mitunter finden sich sehr schöne und
deutliche Pflanzcnaborücke darin enthalten. Der P.
von Tuttweiler bei Saarbrücken, von Zwickau und
Planitz in Sachsen ist in derselben Weise durch
brennende Steinkohlenflöze verglaster (gefritteter)
Echieferthon.
Porzcllanlichtbilder, s. Lithophanien.
Porzellanmalerei, das kunstvolle Bemalen
von Geaenständcn aus Porzellan (s. d.) mittels der
P 0 rzellanfarben. Letztere sind aus zwei Sub-
stanzen zusammengesetzt, den Farbenkörpern (Metall-
orydcn und Mineralien) und dem sog. Fluß, der aus
Quarz, Feuerstein, Mennig, kohlensaurem Kalium,
Wismutoryd, auch Salpeter, Borax und Natrium
besteht und die Vcr- und Ausschmelzung des Farben-
körpcrs auf die Glafur herstellt. Beim fcharfcn
Brennen der bemalten Gegenstände in der Muffel
(s. d.) wird die Farbe flüfsig oder weich und teilt
sich so der Glasur des Porzellans mit. Die P.
wird von den Chinesen und Japanern seit alter
Zeit geübt, seit dem Ende des 17. Jahrh, auch in
Europa betrieben; die weiße Oberfläche des Por-
zellans reizte dazu, derselben einen einfarbigen oder
bunten Dekor zu geben. Entfprechend der künstleri-
schen Ausbildung versah man die Porzellangegen-
stände nlit gcometr. oder Vlattornamenten, Blumen,
Vouauets, Insekten und Vögeln, Wappen und sogar
mit Gemälden (Kopien berühmter Meisterwerke).
Vorzügliches wurde in der P. besonders in der Zeit
des Nokoko geleistet, und auch noch heute werden
Muster dieses Stils in Verbindung mit der Form
bevorzugt. Auch in den Farben machte man bald
Fortschritte. Die Porzellanmaler früherer Zeit be-
saßen nur die sog. Goldserne, ein Goldpräparat
von violetter Farbe, die zugleich als Kontur- und
Schattierfarbe diente. Sie enthielt wenig oder gar
kein Flußmittel; die Zeichnung mußte deshalb vor
dem Brennen lasiert (f. Lasieren) werden. Dann kam
hinzu: Violettpurpur, Eisenrot-Dunkcl,Vlau, Gelb,
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