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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Postsparkassen
rungen in dem Geldverkehr, darin bestehend, daß
die Einleger an jedem beliebigen, für den Postspar-
kassendienst geöffneten Orte fernere Einzahlungen
vornehmen und Auszahlungen erhalten können,
und die unbedingte Garantie des Staates waren
Faktoren, welche' die stetige Vermehrung der Post-
sparkasseneinlagen in bohem Maße begünstigten,
obwohl daneben die Privatsparkassen, und zwar
unter besserer Kontrolle des Staates, fortbestehen
blieben und zum Teil höhere Zinsen als die P. ge-
währten. Zehn Jahre nach dem Erlaß des Gesetzes
waren bereits sämtliche sür den Postanweisungs-
dienst eingerichteten Stellen für den ^parkassendienst
geöffnet. Ende 1893 betrug die Zadl der Einleger
m Großbritannien und Irland 5,i Ml!., das Gut-
haben derselben mit Ende dieses Jahres 71,6 Mill.
Psd. Et. Die Einzahlungen hatten den Betrag von
26,5, die Rückzahlungen jenen von 21,8 Mill. Psd.
St. erreicht. Dem Vorbild des Mutterlandes sind
die meisten Kolonien gefolgt, besonders erfolgreich
Canada und Britisch-Indien. Mit den englischen
P. ist auch eine Lebens- und Nentenvcrsicherungs-
anstalt bescheidenen Umfangs verbunden.
Auf dem curop. Kontinent war es zuerst Bel-
gien, welches die britischen P. nachahmte, indem
1865 mit der Belgischen Bank ein Abkommen wegen
Errichtung einer staatlich garantierten (^i886 ^6-
noi-ais ä'"pai-Fii6 et äs retraitL getroffen, 1870
aber die Mitwirkung der Postanstalten als Filialen
dieser Staatssparkasse ins Werk gesetzt wurde.
1803 waren 793 Postanstaltcn als P. thätig, durch
welche 1321695 Einzahlungen von zusammen
108 426 404 Frs. und 361789 Auszahlungen von
zusammen 77 603851 Frs. vermittelt wurden. Die
Zahl der bei den 798 Postanstalten beteiligten Spa-
rer betrug Ende 1893: 715 470, das Gesamtspar-
gutbaben 258088 312 Frs. Inbegriffen in die Zahl
der Einzahlungen bei den Postanstaltcn sind die Er-
gebnisse der Schulsparkassen, die seit 1884 bestehen.
Von 775 593 Schulkindern sparten 1884: 173 203
Kinder zusammen 3050176 Frs. 1893 sparten von
964354 Kindern 249551 zusammen 5165228 Frs.
Am 1. Jan. 1876 folgte Italien mit der Ein-
führung von P. dem Beispiel Englands und machte
sehr günstige Erfahrungen damit. Die unter Staats-
leitung stehende Postsparkasse, als deren Zweig-
stellen über 4000 gleichmäßig über das Land ver-
breitete Postanstaltcn fungieren, batte Ende 1892
eincn Bestand von 2521798 Sparbüchern mit einem
Gesamtguthaben von 344 Mill. Lire. Ilm den im
Auslande lebenden Italienern die Sparmöglickkcit
zu erleichtern, bestehen in Alexandria, Tunis, Assab
und Massaua Filialen der P. Die Niederlande
errichteten durch Gesetz vom 25. Mai 1880 eine
I^kLpoztLMlN'Imnk, die 1881 in Thätigkeit trat
und nach lOjährigcr Wirksamkeit 292409 Sparer
mit einem Guthaben von 21,8 Mill. Fl. zählte.
Ende 1892 betrug die Zahl der Sparbücher 358483,
oie Einlagen 27562108 Fl.; auf 1000 E. entfielen
1881: 5,7, 1892: 77,0 Einleger.
Frankreich führte durch das Gesetz vom 9. April
1881 ebenfalls Sparkassen unter Benutzung der
Postanstalten ((^ki3363 ä'epgrFns poLt^iLZ) ein,
wobei die Einlagen unter Garantie des Staates
bei der (^i336 ä<33 l1oiwt8 6t con^natini^ in franz.
Staatspapieren angelegt werden. Die Einlagen
oürfen 2000 Frs. nicht übersteigen, der Zinsfuß
beträgt 3 vom Hundert. Arbeiterkorporationen,
Wohlthätigkeitsinstitute, Vormünder u. s. w. können
bis 8000 Frs. einzahlen. Am 1. April 1884 wurde
der franz. Postsparkassendienst aus Algier und Tunis
ausgedehnt. Auch in Frankreich steigt das Vostspar-
kassenkapital fortwährend: Ende 1892 zählte man
(einschließlich Algier und Tunis) 1973 694 Ein-
leger mit einem Guthaben von 610^ MiU. Frs.,
d. i. auf 1000 Einwohner 43 Einleger.
Frankreich und Belgien haben unterm 31. Mai
1882 eine internationale Übereinkunft wegen Über-
tragung der Sparguthaben von den P. des einen
Landes auf diejenigen des andern Landes getroffen;
doch wird dieser Dienst wenig benutzt. Ein ähn-
liches übereinkommen wurde von Belgien noch mit
Holland abgeschlossen.
Außcr den bereits genannten Ländern giebt es
in Europa noch P. in Rumänien seit 1880 und
in Schweden seit 1884. Außerhalb Europas sind
P., außcr in den engl. Kolonien, 1875 von Japan
eingerichtet worden. In den Vereinigten Staa-
ten ist ihre Einführung seitens des Gencralpost-
meisters mehrfach empfohlen worden, bisher aber
stets an dem Widerstreit der Interessen gescheitert.
Eine eigentümliche Entwicklung hat das Post-
sparkasscnwescn in Österreich durch die mit dem-
selben erfolgte Verbindung von Zahlungseinrich-
tungen genommen. Daselbst wurde durch das Gesetz
vom 28. Mai 1882 die Einführung von P. verfügt.
Das Guthaben eines Einlegers darf zu keiner Zeit
mehr als 1000 Fl. betragen; für den etwaigen Über-
schuß wird einheitliche Notcnrente, mindestens im
Nominalwerte von 200 Fl., angeschafft. Der Zins-
fuß wird im Verordnungswege festgesetzt; das zu-
lässige Marimum ist 3 Proz. Das Mindestmaß
der einzelnen Einlage ist 50 Kr., doch giebt es
Postsparkarten. (S. Sparmarken.) Mit der Post-
sparkasse ist ein umsassender Anweisungs-(Check-
und Clearing-) Verkehr verbunden, der durch das
Gesetz vom 19. Nov. 1887 seine gesetzliche Regelung
ersahren hat. Dieser Anwcisungsverkehr ist in Ge-
barung und Verrechnung vom Eparverkehr ge-
trennt. Die Teilnahme an denselben ist an die Er-
legung einer unantastbaren sog. Stammeinlage
(derzeit 100 Fl.) gebunden. Einziehung ausstehen-
der Forderungen und Zahlungen können auf diesem
Wege äußerst einfach und mit unbedeutenden Kosten
bewirkt werden; bci Beitritt zum Clearingverkehr
erfolgt der gegenseitige Austausch von Schuldig-
keiten und Forderungen durch Ab- und Zuschrei-
bung der mittels Check angewiesenen Beträge; für
die Gutschrift und Lastschrift wird nur eine Mani-
pulationsgebühr von 2 Kr. berechnet. Thatsäch-
lich hat sich durch diese äußerst populären Ein-
richtungen die österr. Postsparkasse zu einem um-
fassenden Bankinstitut erweitert. 1893 betrugen die
Einlagen (einschließlich der kapitalisierten Zinsen)
im Sparverkehr 29,5, im Chcckvcrkehr 1256,2 Mill.
Fl., die Rückzahlungen im Sparverkehr 25,2, im
Chcckverkchr 1249,5 Mill. Fl. Seit Inslebentreten
der Postsparkasse (Jan. 1883) bis Ende 1893 wur-
den Einlagen insgesamt im Betrage von 7258,
Rückzahlungen von 7175 Mill. Fl. bewirkt. Das
Guthaben der Einleger bezifferte sich Ende 1893 im
Sparverkehr auf 32,9, im Chcckverkehr auf 49,4
Mill. Ft.; die Zahl der Teilnehmer im erstern war
971506, im letztern 23 096. Der Sparverkehr
dient wirklich den kleinen Sparern, der Checkverkehr
namentlich der Geschäftswelt, deren Geldumsätze
hierdurch eine bedeutende postalische Erleichterung
erfahren haben. - Ungarn hat mit Gesetz vom