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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pote - Potenz
Pote, portug. Flüssigkeitsmaß, s. Alqueire.
Potelot (frz., spr. pottloh), chem. Fachausdruck
für Schwefelmolybdän.
Potemkin (spr. patjöm-), Grigorij Alexandro-
witsch, Fürst von Taurien (russ. I<nM3 ^^vri"
t8c^o8l(i^), russ. Feldmarschall und der bekannteste
unter den Günstlingen der Kaiserin Katharina II.,
war ein Nachkomme Peter Iwanowitsch P.s,
SlaMMers von Vorowsk, der 1608 Botschaf-
ter des Zaren Alerej Michailowitsch bei Karl II.
von Spanien und Ludwig XIV. war und der den
merkwürdigen Gesandtschaftsbericht "1^ 15u88i6 du
17^ 8i6ci6 ällii8 808 I'll^0i-t8 avec 1'IHui'0p6 occi'
äk^^I^ (Par. 1855) verfaßte. Im Sept. 1736 auf
dem väterlichen Gute Tschishowo im Gouvernement
Smolensk geboren, kam P. frühzeitig nach Moskau,
wurde im dortigen Seminar erzogen und trat als
Fäbnrich in die Gardekavallerie, wo er von der
Kaiserin infolge einer Galanterie sogleich zum Oberst
befördert wurde und bald die Orlow aus der Gunst
der Kaiserin verdrängte. Er war nicht allein im
Innern allmächtig, sondern leitete auch die aus-
wärtigen Angelegenheiten und war seit dem Ende
der siebziger Jahre der bedeutendste Träger der russ.
Politik in Europa. Obwohl ohne militär. Kennt-
nisse, ward er doch an die Spitze der Armeen ge-
stellt, zum Fcldmarschall und Präsidenten des Kriegs-
kollegiums ernannt und mit der Verwaltung der
wichtigsten Provinzen betraut. Im Wettbewerb um
das russ. Bündnis erhob ihn Joseph II. zum Fürsten
des Nömischen Neichs und bot ihm Friedrich d. Gr.
den Erwerb des Herzogtums Kurland an. P. starb
16. (5.) Okt. 1791 unweit ^kuljany in Vcssarabien.
Obwohl von persönlichen Interessen geleitet, ist P.
doch der Anreger und Schöpfer manches nützlichen
und bleibenden Werks geworden. So veranlaßte
er im Heer die Abschaffung des Zopfes und eine
dem Klima angemessenere Bekleidung, ferner die
Vereinigung der Krim mit Rußland, welche ihm
dcn Fürstenrang eintrug, die Gründung von Cher-
son, Kertsch, Nikolajew, Sewastopol u. s. w., die
Hebung des Fabrikwesens, die Errichtung der Flotte
des Schwarzen Meers. 1836 wurde in Cherson
eine Bildsäule P.s aufgestellt. 1891 erhielt das
19. russ. Dragouerregiment seinen Namen. - Vgl.
Cttcnville, Vi6 äu princs?. (Par.1808); Lewschin,
Das Leben P.s (russisch, 2 Bde., Petersb. 1808);
Vrückner, Potemkin (russisch, ebd. 1892).
Potent (lat. potei^), mächtig, vermögend;
Potentat, Machthaber, Souverän.
^ Potential (lat.; frz. Potentiell), eine Mög-
lichkeit bezeichnend, ausdrückend; nur der Möglich-
keit nach (in pot6iitiH) vorhanden (s. Aktus); von
Arzneien: mittelbar, später wirkend.
Potential, ein Rechnungsausdruck, der die Be-
handlung aller Aufgaben über Kräfte erleichtert,
welche indirekt proportional dem Quadrat der Ent-
fernung abnehmen. (S. Elektrisches Potential und
Magnetisches Potential.) - Vgl. Mathieu, Theorie
des P. (deutsch von Maser, Verl. 1890).
Potentiälis (lat.), in der Grammatik ein
Modus des Verbums Zum Ausdruck der Möglich-
keit (s. Modus).
Potentiell, ^. Potential.
Potentielle Energie, s. Energie.
?otonti11a. 2^., Fingerkraut, Pflanzengat-
wng aus der Familie der Nosacecn (s. d.), Abtei-
lung der Potentilleen, mit gegen 120 Arten, besonders
in der nördlichen gemäßigten Zone, krautartige, sel-
tener strauchartige Gewächse mit verschieden ge-
formten, am bäusigsten fingerförmig zerteilten Blat-
tern und meist trugdoldig, selten einzeln gestellten
Blüten, die aus fünf mit dem scheibenförmigen
Blütenboden verwachsenen Kelchblättern, fünf gelb,
selten weiß oder rot gefärbten Blumenblättern, zahl-
reicken, mit dcn Blumenblättern perigynisch ein-
gefügten Staubgefäßen und ebenfalls zahlreiche
kleinen Stempeln bestehen, aus deren Fruchtknoten
sicb einsamige Nüßchcn entwickeln.
Außer einer Menge wildwachsender, ausdauern-
der Arten, unter denen 1'. vei-na. ^., das Früh-
lings fing er kraut, mit handförmigen Blättern
und kleinen gelben Blüten, auf sonnigen Hügeln
und Heiden, ?. aii36i-inH 2^., der Gänserich,
das Gänsekraut, mit unterbrochen gefiederten,
unterseits silberglänzenden Blättern, und?. r^p-
tau3 ^., mit langgestielten, fingerförmigen Blät-
tern, deren Stengel fadenförmig, kriechend und
wurzelnd sind, und deren Blüten einzeln auf langen
Stielen stehen, als Unkräuter auf Schutt, bebautem
Boden, an Mauern und Hecken auftreten, sind auch
einige asiat. und amerik. Arten Zierpflanzen in
Gürten, besonders I>. Nti-o^n^ninog. i^ockci. mit
prächtig dunkelrotcn Blumen und 1^. N6p5ll6ii8i8
//oo/c. aus Nepal mit großen purpurnen Blumen,
die gelbblühende ?. ^eng^iv^nica, ^. u. a., die alle
im Freien aushalten und sich durch Zerteilung der
Wurzelstöcke leicht vermehren lassen. Zu erwähnen
ist außerdem noch ?. li-nticosH 2^., ein aufrechter
Kleinstrauch mit siederschnittigen Blättern und gelben
Blumen, der in Nordasicn und Nordamerika, auch
in Rußland und in den Pyrenäen wächst und oft
als Zierstrauch kultiviert wird.
Von der weitverbreiteten, in Deutschland sehr
bäusigen Blut- oder Rotwurz (I>. wi-niontMa
>3c/ii',l/c., lorinLiitiiig. Lrocta />., s. Tafel: Nosi-
floren II, Fig. 4), mit gewöhnlich vierzähligen
Blüten, war der Wurzelstock als I^äix torinentilia."
gegen Durchfall offizinell und wird auch jetzt noch
vielfach als Hausmittel verwendet. Er enthält einen
in Alkohol und 'Äther löslichen roten Farbstoff, das
sog. Tormentillrot.
Potentilleen, s. Nosaceen.
Potönz (lat.), das Vermögen oder dic Möglich-
keit, im Gegensatz zum Aktus (s. d.).
Die Naturphilosophen, namentlich Schelling,
versuchten dem Worte P. eine tiefere Bedeutung
unterzulegen, indem der letztere unter bildlicher An-
wendung des mathcm. Sinns des Wortes (s. unten)
die einzelnen Stufen der Natur als P. des Subjekts-
Objekts (d. i. des "Absoluten") auffaßte.
In der Mathematik bedeutet P. oder Digni-
tät ein Produkt gleicher Faktoren, deren Anzahl
der Exponent genannt wird. Nach dem letztern
wird die P. benannt: zweite, dritte u. s. w.; die-
jenige Größe, die mehrmals als Faktor gesetzt oder
auf cinc P. erhoben wird, heißt die Grundzahl
oder die Basis der P., auch wohl der Dignano.
Die erste P. einer Zahl ist von der Zahl nicht ver-
schieden. Dic zweite P. pflegt man Quadrat, die
dritte Kubus, die vierte Biquadrat zu nennen.
Uni eine P. zu bezeichnen, setzt man den Ex-
ponenten rechts oben neben die Grundzahl, z. B.
ii^3.-H-.i-Ä-a. Ist die Basis ein Produkt oder ein
Bruch, so gilt: (a -1))" ^ a" - d" und ^v )"-- v" .
Nach der obigen Erklärung ist der Exponent eine
ganze und positive Zahl. Man kann jedoch auch