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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Potsdam (Stadt)

Der Regierungsbezirk wird eingeteilt in die 10 Reichstagswahlkreise: Westprignitz (Abgeordneter 1894: von Podbielski, deutschkonservativ); Ostprignitz (von Dallwitz, deutschkonservativ); Ruppin-Templin (Bohm, freisinnige Volkspartei); Prenzlau-Angermünde (von Winterfeldt-Menkin, deutsch-konservativ); Oberbarnim (Pauli, Reichspartei); Niederbarnim (Stadthagen, Socialdemokrat); Potsdam-Osthavelland (Schall, deutschkonservativ); Westhavelland (Wiesike, nationalliberal); Zauch-Luckenwalde (Kropatscheck, deutschkonservativ); Teltow-Storkow-Charlottenburg (Zubeil, Socialdemokrat).

2) Hauptstadt des Reg.-Bez. P. und Stadtkreis, zweite Residenz, liegt in der schönsten Gegend der Mark, am Einflusse der Ruthe in die schiffbare Havel, auf einer Insel von 30 km Umfang (Potsdamer Werder), welche von der Havel, einigen Seen und einem Kanal gebildet wird, an der Linie Berlin-Magdeburg der Preuß. Staatsbahnen, mit Vorortverkehr nach Berlin (Potsdamer Bahnhof, Wannseebahnhof, Schlesischer Bahnhof), ist Sitz des Oberpräsidiums der Provinz, der königl. Bezirksregierung, des Rechnungshofs des Deutschen Reichs, der preuß. Oberrechnungskammer, eines Landgerichts (Kammergericht Berlin) mit 11 Amtsgerichten (Baruth, Beelitz, Belzig, Brandenburg, Dahme, Jüterbog, Luckenwalde, P., Rathenow, Treuenbrietzen, Werder), eines Amtsgerichts, einer Oberpostdirektion, eines Hauptsteuer- und Katasteramtes sowie der Kommandos der 1. Gardeinfanterie-, 2. und 4. Gardekavalleriebrigade und einer Kommandantur und hat (1890) 54125 (27876 männl., 26249 weibl.) E., darunter 4278 Katholiken und 535 Israeliten, in Garnison die kaiserl. Leibgendarmerie, ein Detachement der Schloßgardecompagnie, das 1. Garderegiment zu Fuß, Gardejäger-, Lehrinfanteriebataillon, Regiment der Garde du Corps, Leibgardehusaren-, 1. und 3. Gardeulanen- und 2. Gardefeldartillerieregiment, ferner ein Postamt erster Klasse mit drei Zweigstellen, Telegraphenamt erster Klasse und Fernsprecheinrichtung, ein Gymnasium, Realgymnasium, eine Realschule, höhere Knaben-, höhere Mädchenschule mit Lehrerinnenseminar, Charlottenschule für Mädchen, Präparandenanstalt, königl. Gärtnerlehranstalt mit Landesbaumschule, zahlreiche Privatschulen, eine Kriegsschule, Unteroffizierschule, Kadettenvoranstalt, ein Militärwaisenhaus für 800 Zöglinge, städtisches Krankenhaus, Augusta-Victoria- und St. Josephs-Krankenhaus, Eisenhardtsches Krankenhaus, Anstalt Pniel für Epileptische. (Hierzu eine Karte: Potsdam und Umgebung.) ^[Abb.: Wappen von Potsdam]

Anlage, Plätze, Denkmäler. Die zum großen Teil schön gebaute Stadt besteht aus der Altstadt und vier Vorstädten (Berliner, Nauener, Brandenburger und Teltower). Die Teltower Vorstadt ist mit der Altstadt durch eine über die Freundschaftsinsel führende Brücke aus Sandstein (1886‒88) verbunden. Die Straßen sind breit, gerade, mit palastähnlichen Häusern und, wie die Plätze, zum Teil mit Bäumen besetzt. Unter den Plätzen sind erwähnenswert der Wilhelmsplatz mit dem Denkmal Friedrich Wilhelms Ⅲ. von Kiß (1845), der Bassinplatz mit einem Gebäude nach holländ. Art auf einer ehemaligen Insel, das als Friedrich Wilhelms Tabakskollegium bezeichnet wird, und der neuen kath. Kirche; der Lustgarten, aus dem Paradeplatz und Park bestehend, mit dem Bronzestandbild Friedrich Wilhelms Ⅰ. von Hilgers (18. Aug. 1885), 14 Büsten preuß. Feldherren aus dem Befreiungskriege von Rauch, einer des Kaisers Alexander Ⅰ. von Rußland, 12 Marmorstatuen und 8 Kanonen aus den J. 1680‒1858; endlich der Alte Markt mit einem Obelisk von rotem und weißem Marmor (23 m). ^[Spaltenwechsel]

Kirchen. P. hat fünf evang. und eine kath. Kirche, darunter die Garnisonkirche, 1731‒35 nach Plänen von Gerlach erbaut, mit Turm (90 m) und schönem Glockenspiel, einer marmornen Kanzel, unter der Friedrich Wilhelm Ⅰ. und Friedrich Ⅱ. beigesetzt sind, und eroberten franz., dän. und österr. Feldzeichen; die nach Schinkels Entwürfen 1830‒37 von Persius, Stüler und Prüfer erbaute Nikolaikirche, 1842‒50 mit einer prächtigen Kuppel (75 m) und vier Glockentürmchen geschmückt; die Heilige-Geistkirche mit Turm (90 m), die franz.-reform. Kirche, eine Rotunde, ähnlich dem Pantheon zu Rom; die Friedenskirche, 1845‒50 in Form einer Basilika mit freistehendem Glockenturm (nach San Clemente in Rom) nach Plänen von Persius aufgeführt, mit der Gruft Friedrich Wilhelms Ⅳ. und seiner Gemahlin; an den Krenzgang stößt das Atrium mit der 1855‒56 von Rauch modellierten Marmorgruppe des von Aaron und Hur gestützten, den Sieg erflehenden Moses, und an dieses das nach dem Muster der Kapelle von Innichen in Tirol 1890 von Raschdorff erbaute Mausoleum Kaiser Friedrichs Ⅲ., ein Rundbau mit Avsis, den Marmorsarkophagen des Kaisers von R. Begas und seiner Söhne Waldemar und Sigismund von Raschdorff und Begas und einer Pietà von Rietschel.

Weltliche Gebäude. Das Brandenburger Thor, 1770 in Form eines röm. Triumphbogens von Unger erbaut, bildet den Ausgang von der Stadt nach dem Park von Sanssouci, das Weinbergthor ist von Hesse entworfen und von Schievelbein und Bläser mit Terracottaskulpturen und Reliefs geschmückt. Die Stadt ist reich an Schlössern und bedeutenden Privatbauten. Das Stadtschloß, 1670 zuerst aufgeführt und 1750 von Knobelsdorff umgebaut, enthält die reich ausgestatteten Zimmer Friedrichs d. Gr., Friedrich Wilhelms Ⅰ., Friedrich Wilhelms Ⅲ., der Königin Luise und Friedrich Wilhelms Ⅳ.; das Rathaus, 1754 nach dem Muster des Amsterdamer erbaut, trägt einen aus Kupfer getriebenen Atlas mit der Weltkugel. Ferner sind zu erwähnen das großartige vierstöckige Militärwaisenhaus mit Turm (45 m), das Kasino, 1823‒24 von Schinkel erbaut; das Landgerichtsgebäude, die Kasernen und der Park von Sanssouci (s. d.) mit mehrern Schlössern, darunter Charlottenhof, 1826 von Schinkel aus einem einfachen Landhaus zu einer ital. Villa umgeschaffen.

Unter den Fabriken sind die Zuckerfabrik, mehrere Brauereien und Seifenfabriken, eine Dachpappen- und Wachstuchfabrik und das berühmte optische Institut von Hartnack (s. d.) zu erwähnen. P. ist Sitz der 2. Sektion der Nordöstlichen Baugewerks- und der 3. der Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft. Mehrere Pferdebahnlinien führen durch die Stadt, welche außerdem durch Dampfer mit Spandau, Berlin und Wannsee verbunden ist.

Umgebung. Die Stadt wird wegen ihrer Schlösser und der wald- und wasserreichen Umgebung sehr besucht. Vor den meisten Thoren befinden sich schöne Alleen und weiterhin, größten-^[folgende Seite]