Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

346
Präcisionssteuerung - Pradier
stellung der feinen mathem. und Physik. Instru-
mente, die man auch Präcisionsinstrumente
nennt, beschäftigt. - ^S. 740a).
Präcisionsfteuerung,s.Dampfmaschine(Vd.4,
Präcisionstechnik, s. Präcisionsmechanik.
Präcisionswaffe, um die Mitte des 19. Jahrh.
Bezeichnung für eine mit Zügen versehene Hand-
feuerwaffe im Gegensatz zu dem glatten Gewehr
und dessen geringer Treffgenauigkeit.
Präcisionswage, s. Chemische Wage.
Präciswechsel, s. Tagewechsel.
?ra.Voo (lat.), öffentlicher Ausrufer, Herold;
präkonisieren, etwas laut verkünden, lobpreisen.
(S. Präkonisation.)
?ra.soox (lat.), frühzeitig, vor der Zeit reis
oder reifend, vor der Zeit Früchte tragend; auch in
übertragener Bedeutung frühreif. (S. Frühreife.)
?rHoäa. (lat.), die Beute.
Prädamnation (lat.), Vorherverdammung.
Prades (spr. prahd). 1) Arrondissement im franz.
Depart. Pyrs^es-Orientales, hat auf 1826,9i ykm
(1891) 45319 E. in 6 Kantonen und 102 Gemein-
den. - 2) Hauptstadt des Arrondissements P., am
Nordsuh des Canigou, rechts an der Tet schön ge-
legen und an der Linie Perpignan-P. (41 km) der
Südbahn, hat (1891) 3319, als Gemeinde 3762 E.,
einen Gerichtshof erster Instanz, roman. Kirche mit
großartigen Skulpturen am Hauptaltar, eine Acker'
baukammer, ein Seminar, Hospital; Tuchfabrika-
tion, Hüttenwerke, Lohgerberei, Handel mit Ge-
treide, Eisen, Wein. 3 km von P. Ruinen der Abtei
St. Michel de Cuixa. fter Prädestination.
Prädeftinatianer, Anhänger der Lehre von
Prädestination (lat., d. i. Vorherbestimmung),
Gnadenwahl, Erwählung, in der Dogmatil
der absolut freie Ratschluß Gottes, vermöge dessen
aus der durch den Sündenfall verderbten Rasse des
Menschengeschlechts nur die von Ewigkeit her per-
sönlich Erwählten zur Seligkeit gelangen. Die Lehre
entsprang der Erwägung, daß dem gefallenen Men-
schen alles Heil nur von Gott allein kommen könne
und das christl. Heil doch thatsächlich nur einer
Minderzahl unter den Menschen wirklich zuteil werde.
Dies mußte also im Willen Gottes begründet sein.
Doch hat innerhalb der kath. Kirche erst Augustinus
(s. d.) diese Erwägung mit voller Schärse angestellt,
ohne daß indes seine, den Pelagianern (s. d.) gegen-
über ausgebildete Prädestinationslehre mit der kath.
Anschauungsweise sich jemals ganz hätte vereinigen
lassen. Obwohl Thomas von Aquino der Augustin-
schen Lehre sehr nahe blieb, verleugnete er doch ihre
strengern Konsequenzen, und von Gottsckalk (s. d.),
Wiclif (s. d.) bis herab zu den Iansenisten (s. d.)
sind alle Versuche, den Augustinismus in der kath.
Kirche zur Anerkennung zu bringen, als ketzerisch
verdammt worden. Dagegen traten die Reforma-
toren anfangs sämtlich aufs entschiedenste für die
P. ein. Luther hat seine zunächst in schroffster Form
vorgetragenen präoestinatianischen Anschauungen
niemals zurückgenommen, doch trat zuerst, schon seit
1535, Melanchthon davon zurück, und auch der Ab-
schluß der luth. Lehrbildung in der Konkordienformcl
(s. d.) suchte der konsequenten P. dadurch zu ent-
gehen, daß man inkonsequent, aber im Interesse der
menschlichen Wahlfreiheit und Verantwortlichkeit,
die Erwäblung davon abhängig machte, ob Gott
den rechten Gebrauch der Gnademnittel von feiten
des Menschen vorhersehe oder nicht. Dagegen hiel-
ten die Reformierten nicht nur an der P. unerschüt-
terlich fest, sondern prägten sie unter dem Einfluß
Calvins allseitig aus. Die Milderungen, die der
niederländ. Theolog Arminius versuchte, veran-
laßten ihre ausdrückliche symbolische Feststellung
auf der Synode zu Dordrecht (1618) und die Aus-
scheidung der Arminianer (s. d.) aus "der resorm.
Kirchengemeinschast. Die innern Differenzen der
reform. Theologen über die P., unter denen der
Streit über die Frage am wichtigsten ist, ob die
göttliche Vorherbestimmung den Fall Adams und
die Erlösung durch Christum mit befasse, also
oberhalb des Falles einsetze (daher Supralap-
sarier) oder erst unterhalb des FaUes, ^o daß
dieser selbst, wie bei Augustinus, noch ein freigewoll-
ter war (Infralapsarier), machen für die prak-
tisch-religiöse Frage keinen Unterschied. Später ver-
suchten namentlich franz.-reform. Theologen, wie
Moses Amyrault und die Schule von Saumur, die
Lehre so zu mildern, daß sie lehrten, Gott wolle im
Grunde das Heil aller Menschen, lasse aber freilich
doch nur einen Teil derselben selig werden, was auf
Widerspruch hinauslief, aber das Wankendwerden
der strengreform. Lehre bekundete. Im 18. Jahrh,
mußte daher auch sie dem Rationalismus weichen.
Eine tiefsinnige, aber von der ältern Kirchenlehre
wesentlich abweichende Begründung der P. hat
Schleiermacher gegeben, der das Dogma im Sinne
des philos. Determinismus deutete und gerade das
dem sittlichen Gefühl Anstößigste daran, die willkür-
liche Auswahl mit dem bleibenden Resultat der Ver-
dammnis Vieler, dadurch beseitigte, daß er darunter
nur eine in der geschichtlichen Entwicklung des Rei-
ches Gottes notwendig begründete frühere oder spä-
tere Berufung der Völker und der Einzelnen zum
Heile verstand. In neuester Zeit ist unter den sepa-
rierten Lutheranern Amerikas ein heftiger Streit
über die P. entbrannt, in den auch das landeskirch-
liche Luthertum Deutschlands verwickelt wurde.
Prädeterminieren (lat.), im voraus entscheiden.
Prädiäl (lat.), aus Prädien (d. h. liegende
Güter) bezüglich; Prädiallasten, Grundsteuer;
Prädialservitut, Grunddienstbarkeit.
Pradier (spr. -dich), James, franz. Bildhauer,
geb. 23. Mai 1790 zu Genf, ging 1809 nach Paris
und studierte die Zeichenkunst bei Meynier und die
Bildncrei im Atelier Lcmots. 1813 gewann er den
ersten Rompreis mit: Odysseus bei Philoktet. Nach
seiner Rückkehr aus Rom (1823) arbeitete er in
Paris eine Menge größerer und kleinerer Bild-
bauerwcrke, wie eine Venus, die Gruppe der drei
Grazien, das Modell der Statue des I. I. Rousseau,
nach welchem das Gußwerk für Genf ausgeführt
wurde, die Statue dor lackten Poesie (Museum in
Nimcs; s. Tasel: Französische Kun st IV, Fig. 8),
Toilette der Atalante (1850; im Louvre), Prometheus
und Phidias (beide im Tuileriengarten), den Faun
und die Bacchantin, die Basreliefs am Giebel der
Deputiertenkammer, die kolossalen allegorischen Fi-
guren der Städte Lille und ^trahburg auf dem Con-
cordeplatz u. s. w. Hierzu kamen später die allego-
rischen Figuren um das Zifferblatt der Uhr im Giebel-
sclde des neuen Flügels am Lurembourg, die beiden
Musen am Postament des Moliöre-Vrunnens, die
Phryne, die Flora, die 12 kolossalen Victorien
am Grabdenkmal Napoleons I. im Invalidendom.
P. war seit 1827 Mitglied der Akademie und starb
l4. Juni 1852 bei Paris. In Bezug auf die formale
Ausführung, die er mit blendender Technik und
leichter Eleganz beherrschte, ist er ein Künstler ersten