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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Prag

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Prag'

Hörsälen und Sammlungen der beiden mediz. Fakultäten; die Irrenanstalt, das Allgemeine Krankenhaus, das Krankenhaus der Elisabethinerinnen, die von Hlávka erbaute Gebäranstalt, das städtische Siechenhaus im sog. Karlshof mit dem got. Kuppelbau der Maria-Himmelfahrtskirche, die Krankenanstalt des Prager Handelsgremiums, das Militärkrankenhaus (ehemaliges Jesuitenkollegium) mit der St. Ignazkirche und das Franz-Joseph-Kinderspital, die beiden letztern auf dem Karlsplatz, dem größten Platz der Stadt, an dem ferner das sog. Neustädter Rathaus (Kriminalgerichtsgebäude) und das Gebäude der czech. Polytechnischen Hochschule liegen. Sonstige Gebäude der obern Neustadt: der neue städtische Bauhof, die czech. Staatsrealschule, die städtische höhere Mädchenschule, das deutsche Mädchenlyceum und die Gemeindeschulen bei St. Trinitas und am Hrádek die neue böhm.-slaw. Handelsakademie, die got. Pfarrkirchen zu St. Stephan und St. Adalbert, die alte Stiftskirche des Klosters Emaus, die got. Marienkirche in Slup und das neue städtische Bartholomäi-Armenhaus. Die letzten zwei Bauten liegen schon unterhalb der steil aufsteigenden Citadelle des Wyšehrad, wo einst die sagenhafte Burg Libussas (s. d.) stand, mit der spätgot. Kollegiatkirche zu St. Peter und Paul und der neuen Propstei. Der neueste Stadtteil, Holešowitz-Bubna, in halbkreisförmiger und ebener Lage am linken Moldauufer, ist nur als Industrieort bemerkenswert, besitzt jedoch mehrere große Bauten, so die neue Gasanstalt, den neuen Viehhof (für P. und Vororte) u. a.

Gemeindeverwaltung. Die Stadt wird nach der 27. April 1850 erlassenen Gemeindeordnung (mit spätern Zusätzen und Linderungen) verwaltet von einem Bürgermeister (6000 Fl. Gehalt, 3000 Fl. Pferdepauschale), 2 Bürgermeisterstellvertretern (je 3000 Fl.). Die Stadtvertretung (Stadtverordnetenkollegium) zählt 90, der aus ihrer Mitte nach Stadtteilen gewählte Stadtrat 24 Mitglieder. Der Magistrat (6 rechtskundige Mitglieder, an deren Spitze der Bürgermeister steht) ist zugleich polit. Behörde. Die öffentliche Sicherheit wird (soweit die Besorgung derselben nicht der Gemeinde oder dem Magistrate zusteht) durch die k. k. Polizeidirektion mit 12 Polizeikommissariaten besorgt, für P. und 19 polit. Gemeinden mit etwa 400000 E. Ferner bestehen ein Feuerlöschkorps (98 Mann), ein Wasserwerk (jährliche Produktion etwa 8 Mill. cbm Flußwasser), 3 städtische und 1 Privatgasanstalt (jährliche Produktion 12,25 Mill. cbm), ein städtisches Elektricitätswerk, ein Viehhof und eine Centralmarkthalle. Die Neukanalisation der Stadt, die Anlage einer Wasserleitung, sowie die Assanierung der Josefstadt und gewisser Teile der Alt- und Neustadt durch vollständigen Umbau u. a. sind geplant.

Finanzen. Die ordentlichen Einnahmen betrugen (1893) 7568015, die Ausgaben 8295579, die Gemeindeschuld samt jener des Schulfonds 17978964, das Reinvermögen 5471682 Fl. Unter den Ausgaben entfielen auf die Gemeindeverwaltung 624427, das Armenwesen 698775, das Schulwesen 1438485 Fl. In der städtischen Versicherungsanstalt (seit 1865) für P. und Vororte betrugen (1893) die versicherten Summen 91,1 Mill., der Reservefonds 511795 Fl., in der städtischen Sparkasse (seit 1875) der Einlagenstand 47,3, Darlehnstand 3,7, Reservefonds 3 Mill. Fl. Letztere ist seit 1878 Pächterin der staatlichen Linienverzehrungssteuer. ↔

Behörden. P. ist Sitz des Statthalters, des Oberlandesgerichts, der Finanzlandesdirektion, einer Polizeidirektion, des Landesgerichts, dreier Bezirksgerichte, eines Handelsgerichts, der Finanzbezirksdirektion, eines Fürsterzbischofs mit Domkapitel und zweier Kollegiatkapitel, einer k. k. Post- und Telegraphendirektion für Böhmen, einer Berghauptmannschaft sowie der Kommandos des 8. Korps, der 9. Infanterietruppendivision, der 17. und 18. Infanterie-, 8. Kavallerie- und 8. Artilleriebrigade.

Unterrichts- und Bildungsanstalten. Nachdem die im 13. Jahrh. bestehende höhere Schule wieder eingegangen war, erließ Karl IV. 7. April 1348 den Stiftsbrief für die Hochschule und organisierte sie nach dem Muster der Pariser Universität. 1366 gründete er das Collegium Carolinum für 12 magistri artium, welches 1383 durch Wenzel IV. ein eigenes Gebäude erhielt. Infolge von Maßregeln gegen die sog. Deutschen Nationen der Universität wanderten 1409 zahlreiche Lehrer und Studierende nach Leipzig, Rostock, Ingolstadt und Krakau aus. 1654 verband Ferdinand III. die Hochschule mit dem Jesuitenkollegium, und die Jesuiten errichteten für die ihnen übergebene Universität das Clementinum. Infolge erheblicher Zunahme der Vorlesungen in czech. Sprache trennte sich 1882/83 die böhm. Universität mit czech. Unterrichtssprache und drei Fakultäten ab, zu denen 1891/92 eine theologische hinzukam. Doch ist die Bibliothek im Verbande der deutschen Universität geblieben. Die deutsche Karl-Ferdinand-Universität hatte (1894) 155 Docenten und 1287 Studierende, die böhmische gleichnamige 150 Docenten und 2110 Studierende. Ferner hat die Stadt eine böhm. Kaiser-Franz-Joseph-Akademie der Wissenschaften, Litteratur und Kunst, 1890 von dem Baurat Hlávka gestiftet, eine königl. Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften, eine Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Litteratur in Böhmen und eine deutsche Technische Hochschule, 1803 als Polytechnikum aus der Ingenieurschule entstanden. 1868 wurde die Abtrennung einer eigenen böhm. Technischen Hochschule mit czech. Unterrichtssprache beschlossen, und 1875 nahm der Staat beide Anstalten in seine Verwaltung. Die technischen Hochschulen hatten (1894) 47 und 70 Docenten und 244 und 417 Studierende.

An Schulen hat die Stadt (1894) 4 deutsche und 3 czech. Obergymnasien, 2 czech. Oberrealgymnasien, 2 deutsche und 1 czech. Oberrealschule, 1 czech. Mädchenmittelschule des Vereins Minerva, je 1 czech. und deutsche höhere Mädchenschule, je 2 Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten, 10 czech. und 2 deutsche Bürgerschulen, 34 Volksschulen, darunter 5 deutsche, 1 Kadettenschule, Malerakademie, 1 Konservatorium für Musik und 1 Taubstummeninstitut. An Privatanstalten bestehen 1 czech. Lehrerinnenbildungsanstalt, 2 deutsche Bürgerschulen und 14 Volksschulen, darunter 2 czechische, je 2 czech. und deutsche Musterschulen; ferner je 1 czech. und deutsche Handelsakademie, 1 Staatskunstgewerbeschule, Staatsgewerbeschule, Korbflechtschule, je 1 Lehranstalt des böhm. und deutschen Frauenerwerbsvereins u. a. In den Vororten zahlreiche Schulen.

Sammlungen. Den ersten Rang nehmen die wissenschaftlichen Institute und Sammlungen der Universität und der technischen Hochschulen ein, dann folgen die Sammlungen des Museums des Königreichs Böhmen, 1818 gestiftet, das Rudolfinum mit dem kunstgewerblichen Museum, Kon-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 352.