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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Präzeptor - Predazzo
1881 zugleich zum Leiter des Justizministeriums
ernannt und in den Freiherrenstand erhoben. Seine
Sprachenverordnung, worin er Kenntnis der Lan-
dessprachen von feiten der Richter und Abfassung
der Erkenntnisse in der Sprache forderte, in der die
Parteien ihr Anliegen vor Gericht angebracht hat-
ten, war Gegenstand der herbsten Kritik von feiten
der Deutsch-Liberalen, weil dadurch die deutfche
Sprache bei den Gerichten zu Gunsten der andern
Landessprachen eingeschränkt wurde. 1888 wurde
ihm die Leitung des Justizministeriums wieder ab-
genommen, während er Minister ohne Portefeuille
blieb; doch legte er Aug. 1892 auch dieses Amt nie-
der, als Taaffe sich den Deutschen zu nähern be-
gann. Nach seinem Rücktritt wurde er auf Lebens-
zeit in das Zerrenhaus des Reichsrats berufen.
Prazeptor, f. Prä'ceptor.
Präzefsion, s. Präcession.
Präzipitat u. f. lv., f. Präcipitat u. s. w.
Präzis u. s. w., s. Präcis u. s. w.
Prazmowsky, Mathematiker, s. Hartnack.
Preanger Regentschaften, größte Resident-
schaft auf^Iava im westl. Dritteit der Insel, be-
grenzt aegen W. von Bantam, gegen N. von Va-
tavia, Krawang und Tscheribon, gegen O. von letz-
term und Banjumas, gegen S. vom Indischen
Ocean, hat 20874 cikm und (1892) 2 000033 E.,
darunter 1699 Europäer und 4165 Chinesen. Ob-
gleich im allgemeinen gebirgig (Hauptgipfel sind der
Gunung Tjikurai 2820 m, Guntur 2240 m, und
Gede), enthält das Land auch große Flächen äußerst
fruchtbaren, für den Anbau sowohl aller einheimi-
schen als auch eingeführten Pflanzen sehr geeigneten
Bodens. Große Strecken sind noch mit Urwald be-
standen. Das wichtigste Produkt'ist Kaffee. Haupt-
ort ist B a n d o n g, Station der Vahn Vatavia-Tjitja-
lengka, hoch gelegen, mit 21190 E., wichtig ist auch
Tjandjur. - Vgl. ^opo^r^iscdL Xaart van äo
H68icienti6 I^e^nFei-rsFentLckl^ön (Haag 1894).
Pröault (spr. preoh), Auguste, franz. Bildhauer,
geb. 8. Okt. 1809 zu Paris, war der bedeutendste
Schüler von David d'Angers, dessen ideale ro-
mantische Anschauungen er sich aneignete. 1834
stellte er im Salon aus: Das Elend (ein in den
Armen seiner Mutter sterbendes Mädchen), seine
ersten Porträtmedaillons und Die Parias. 1835
schuf er Die Undine, die beiden Basreliefs Der
Amazonenstrom und Die Königin von Saba sowie
die sitzende Statue der Hekuba, 1836 die Kolossal-
statue Karls d. Gr., 1838 die Statue Karthagos.
1850 vollendete er für die Stadt Chartres das
Denkmal des Revolutionsgenerals Marceau und
das schöne Basrelief Ophelia. Neben dem Porträt-
Medaillon, der Porträtstatue und den allegorischen
oder niytholog. Darstellungen schuf er :nit Vor-
liebe Grabdenkmäler berühmter Toter für Kirchen
und Friedhöfe. Zu Paris befindet sich in der Kirche
St. Roch das Denkmal des Taubstummcnlehrcrs
Abbe de l'Epee, in St. Gervais sein Christus (1839),
in Ste. Clotilde der heil. Valerius (1853); auf dem
Pöre-Lachaise das berühmte Vasrelief Schweigen,
auf dem Friedhof von Montmorency das Porträt-
mcdaillon des Dichters Markiewicz (1868), das der
Künstler selbst für sein Meisterwerk hielt. Die Icna-
brücke ziert sein G allischer Reiter; die Genien des Frie-
dens und Krieges sind im Louvre, die Statuen von
Mansard und Lenötre in Versailles. Eine seiner letz-
ten Arbeiten ist die Marmorstatue des Jacques Coeur
zu Vourgcs. P. starb 11. Iau. 1879 iu Paris.
Prebischthor, Felsbogcn in der Sächsischen
Schweiz, auf böhm. Gebiet, auf dem rechten Elb-
ufer, in 438 m Höhe, 10 km südöstlich von Schan-
dau, unten 30, oben 20 m breit, mit Hotel und
schöner Aussicht.
Preblau, Kurort im Gerichtsbezirk St. Leon-
hard der österr. Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg
in Kärntm, zur Gemeinde Grübern-Prebl (963 E.)
gehörig, in 828 m Höhe, hat einen kohlensäurereichen,
alkalischen, eisenfreien Säuerling, dessen Wasser
gegen Magen-, Darm-, Nieren- und Blasenleiden
gebraucht und in etwa 600000 Flaschen jährlich ver-
sendet wird. Ferner werden Inhalationen, Douchen,
elektrische und Fichtennadelbäder gebraucht.
?rooa.riuin, s. Prekarium.
Prechtl, Joh. Ios., Ritter von, Technolog, geb.
16. Nov. 1778 zu Vischofsheim an der Rhön, wid-
mete sich philos. und kameralistischen Studien zu
Würzburg und kam nach kurzem Aufenthalt in Wetz-
lar 1802 nach Wien, um bei dem Reichshofrat seine
Praxis fortzusetzen. Hier wendete er sich physik.-
mathem. und chem. Studien zu. Seine Abhandlung
"über die Physik des Feuers" wurde 1804 von der
Holland. Gesellschaft der Wissenschaften zu Haarlem
preisgekrönt. 1809 ward er Direktor der in Trieft zu
errichtendenReal-undNavigationsakademieundmit
deren Organisation beauftragt, kehrte aber bald nach
Wien zurück und übernahm hier 1810 an der Real-
akademie das Lehrfach der Physik und Chemie. 1814
ward er zum Direktor des Polytechnischen Instituts
in Wien ernannt. Er trat 1849 in den Ruhestand
und wurde bald darauf in den österr. Ritterstand
erhoben. P. starb 28. Okt. 1854 zu Wien. Unter
P.s Schriften ist vor allen die "Technolog. Encyklopä-
die" (20 Bde., Stuttg.1830-55; Supplemente, hg.
von Karmarsch, 5 Bde., 1857-69) zu nennen, für
die er eine große Anzahl Artikel selbst bearbeitete.
Ferner sind hervorzuheben: "Grundlehren der Chemie
in technischer Beziehung" (2 Bde., Wien 1813; 2. Aufl.
1817), "Anleitung zur zweckmäßigen Einrichtung der
Apparate zur Beleuchtung mit Steinkohlengas" (ebd.
1817), "Praktische Dioptrik" (ebd. 1828), "Unter-
suchungen über den Flug der Vögel" (ebd. 1846).
Viele Abhandlungen enthalten die von ihm heraus-
gegebenen "Jahrbücher des Polytechnischen Insti-
tuts" (20 Bde., Wien 1819-39) sowie andere tech-
nische Zeitschriften.
Prechtler, Joh. Otto, deutsch-österr. Dichter,
geb. 21. Jan. 1813 zu Grieskirchcn in Oberösterreich,
studierte in Linz und Wien, trat 1834 in die allge-
meine Hofkammer in Wien als Beamter ein, wurde
1856 an Grillparzers Stelle Archivdirektor im Fi-
nanzministerium, lebte seit 1866 pensioniert meist in
Linz und starb 6. Aug. 1881 zu Innsbruck. P. machte
sich zunächst durch lyrische "Dichtungen" (Wien 1836)
bekannt. Diesen folgten "Gedichte" (Wien1844), das
romantische Gedicht "Das Kloster am Traunsee"
(ebd. 1847; 2. Aufl., Gmunden 1869), "Ein Jahr
in Liedern" (Wien 1849), "Zeitlosen" (ebd. 1855),
"Sommer und Herbst" (Stuttg. 1870) u. s. w. Von
seinen dramat. Werken sind zu nennen: "Die Kro-
nenwächter", "Falkoniere", "Adricnne", "Die Rose
von Sorrent", "Er sucht seine Braut". Auch schrieb
P. gegen 40 Operntexte, darunter "Diana von So-
lange", komponiert vom Herzog Ernst von Coburg.
Hreciös, Preciofen, s. Pretiös.
Pröcis (frz., spr. Preßih), kurzer Abriß.
Predazzo, Marktflecken in der österr. Vezirks-
hauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Cavalese