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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Preradovic - Presbyterianer
evang. Lehrerseminar, Molkerei-Lehranstalt, Pro-
vinzial-Landarmen- und Korrektionsanstalt, Hospi-
täler, Sparkasse, Schlachthaus; Eisengießereien und
Maschinenfabriken, bedeutende Zucker-und Cigarren'
fabrik, Wollspinnereien, Gerdereien, Molkereien,
Schäfte-, Margarincfabrik, Brauereien, Mälzerei,
Mühlen, Steinhauereien und holzbearbcitungsan-
stalten sowie Kornbörsen. Vei P. mußte sich 28. Okt.
1806 das von Jena her auf dem Rückzüge begriffene
11800 Mann starke preuß. Korps unter Hohenlohe
nach einem unglücklichen Gefecht den Franzosen
unter Murat ergeben. - Vgl. Ziegler, P., die ehe-
malige Hauptstadt der Ukermark (Prenzlau 1886).
Preradoviö (spr. -witsch), Peter, kroat. Dichter,
geb. 19. März 1818 in Grabovnica (in Kroatien),
kam 1830 in die Militärakademie in Wiener-Neu-
stadt, wurde 1838 Offizier und rückte nach vielfachem
Wechsel der Regimenter 1866 zum General aus.
P. starb 18. Aug. 1872. Eine Sammlung seiner
ersten in Almanachen erschienenen Gedickte ver-
öffentlichte er 1346 u. d. T. "^ai-H" ("Erstlinge"),
dann gab er "Neue Lieder" heraus (Agram 185)1)
und ein Bruchstück eines dramat. Epos "N^rko
Xra^Lviö" (1852). Besondern Beifall fanden die
Epen "Die ersten Menschen" und "Slaw. Dios-
kuren". Seine gesammelten Werke erschienen u. d. T.:
"I^68iiickH äMa?6tl3.1'i't;i'3ä0vi6ii" (Agram1873).
Prerau. 1) Bezirkshauptmannschaft in Müh-
ren, hat 433,09 ywn und (1890) 60 761 (28 675
männl., 32086 wcibl.) E. in 81 Gemeinden mit
91 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Koje-
tein und P. - 2) P., czech. lrerov, Stadt und Sitz
der Bezirkshauptmannschaft P. und eines Bezirks-
gerichts (181,2? cikm, 33 292 E.), südöstlich von
Olmütz, an der Betschwa und den Linien Wien-
Krakau, P.-Olmütz (23 km) und P.-Vrünn (90 km)
der Kaiscr-Fcrdinands-Nordbahn, hat (1890) 12 955,
mit der Israelitengcmeinde 13172 meist czech. E.,
Comcniusdcnkmal (1871), 3 Kirchen, got. Ratbaus
lMt Turm, alte Burg, einst Residenz des Königs
Mattbias Corvinus, czech. Etaats-Obergymnasium,
Maschinenfachschule, landwirtschaftliche Landes-
Mittelschule; bedeutende Tuchweberei und Fabri-
kation von Zucker, Seiler- und Metallwaren, Wa-
gen und landwirtschaftlichen Maschinen. P. war
cbemals Hauptsitz der Mährischen Brüder, an deren
Schule Amos Comenius (1614-16) Rektor war.
Prerowstrom, s. Bodden.
Prefanella, der 3564 m hohe Kulminations-
punkt der Adamellogruppe <s. Ostalpen, Bd. 12,
S. 695a), der durch die Val di Gcnova und den
Passo del Lago scuro von der ausgcdchntern Masse
des Adamello geschieden ist.
Presburg, s. Prehburg.
Presbyöpie (grch.), s. Alterssichtigkeit.
Presbyter (grch., d. i. Älteste), nach dem Vor-
gange der jüd. Synagoge in dcr ältesten christl. Kirche
die mit dcr Sittenaufsicht betrauten, durch Alter
und Erfahrung angesehenen Mitglieder, die meist
mit den Bischöfen, d. h. den Verwaltern des Ge-
mcindevermögens, zusammengefallen zu sein schei-
nen, daher in der Urkirche die Ausdrücke P. und
Bischof (s. d.) häusig weckseln. Erst um die Mitte
des 2. Jahrh, wurde "Bischof" Ehrentitel für den
Vorsitzenden des Presbyterkollcgiums (Presbyte-
rium), der bald alle kirchliche Machtvollkommen-
heit in seiner Perion vereinigte. Doch war noch im
3. Jahrh, das Ansehen der P. sehr bedeutend. Erst
im 4. Jahrh, wurden die P. als Pfarrer einzelner
Kirchen den über einen ganzen Sprengel gesetzten
Bischöfen förmlich Unterthan. Der priesterliche Cha-
rakter und damit das Recht dcr Sakramentsverwal-
tung blieb ihnen jedoch mit den Bischöfen gemein-
sam und wies ihnen ihren Platz im höhern Klerus
an. Noch gegenwärtig bedeutet derPresdyierat
den eigentlich priesterlichen Weihegrad in der katb.
Kirche. (S. 0räw68.) Der erste H. hieß Archi-
presbyter oder Protoprcsbyter.
Etwas wesentlich anderes als die kath. Kirche ver-
steht die evangelische unter dem Amt der P. Indem
man die apostolische Gcmeindcvcrfassung wieder
aufnehmen wollte, wurden in den reform. Kirchen
der Schweiz, Frankreichs, der Niederlande und na-
mentlich Sckottlands schon in dcr Reformationszeit
dcn Gcistlicbcn angesehene und kirchlich gesinnte
Laien zur Wahrung der Kirchenzucht und zur Lei-
tung der äußern Gcmcindcangelegenheiten beige-
geben, die mit den Geistlichen gemeinsam das durch
Kooptation sich selbst ergänzende Presbyterium bil-
deten. Diese alten rcform. Prcsbyterien waren so-
nach kirchliche Aufsichtsbehörden von aristokratisch-
theokratiscbem Charakter, dcncn die Gemeinden recht-
los gegenüber standen. Erst seit neuerer Zeit versteht
man unter P., wofür aber meist der deutsche Name
>Ältcste (Kirchenälteste) angenommen ist, die er-
wählten Vertreter und Bevollmächtigten der Kirchen-
gemeinden, die deren Angelegenheiten in Gemein-
schaft mit dcn Geistlichen selbständig zu ordnen
babcn und den Geistlichen beim religiösen und sitt-
lichen Aufbau der Gemeinden helfen sollen. Gegen-
wärtig bestehen solche freigewäblte Prcsbyterien
(Kirchgemeinderäte, Kirchgemeindevor -
stünde, Gemeindekirchenräte) in den meisten
deutschen Landeskirchen. Bedingung der Wählbar-
keit ist außer persönlicher Unbescholtenheit und einem
Alter von mindestens 30 I. kirchlicher Sinn.
Presbyteriälverfassung, s. Presbyter und
Synodalvcrfassrmg.
Presbyterianer (grch.), Kirchenpartei in Eng-
land, Schottland und Amerika, die die bischöfl. Ver-
fassung der Anglikanischen Kirche (s. d.) verwirft
und an der reform. Vrcsbyterialvcrfassuna,, ebenso
wie an den übrigen Grundsätzen der schweiz. Refor-
matoren , namentlich auch an der Einfackbcit und
Schmucklosigkeit dcs reform. Kultus festhält. Sie
traten seit dem Regierungsantritt der Königin Eli-
sabetb hervor, als viele Flüchtlinge aus Genf, Zü-
rich, Basel und Straßburg mit streng resorm. An-
schauungen nach ihrem Vaterland zurückkehrten.
Als Elisabeth vom Parlament sich die oberste Kircken-
gewalt übertragen ließ (Febr. 1559) und die schon
halbtath. Liturgie Eduards VI. nach einigen noch
mehr katholisierendcn Linderungen durch die Unifor-
mitätsakte (Ium 1559) für alle Kircben des Reichs
bestätigte, verwarfen die calvinistisck Gesinden den
Episkopat der Königin und die bischöfl. Würde über-
haupt und forderten die Unabhängigkeit der Kirche
vom Staat, eine schärfere Kirchenzucht und die Ein-
führung der Genfer Kirchcnverfassung, wie sie Knor
(s. d.) der schott. Kirche gegeben hatte. Als Gegner
der Unisormitätsakte wurden diese P. auch Non-
konformistcn, wegen ihres Eifers für Herstellung
eincr von allen katholisierenden Elementen gereinig-
ten Fvirchcnordnung Puritaner (s. d.) genannt.
Da die Regierung die widerstrebenden Prediger ab-
setzte und verfolgte, gründeten diese seit 1567 eine
eigene, auf den strengen Genfer Grundsätzen be-
ruhende kirchliche Gemeinschaft und führten mit der