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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pritzerbe - Privatdiskont
den Pionieren ein und wurde 1815 zu dem Occupa-
tionskorps nach Frankreich geschickt. 1818 wurde
er zum Festungsbau nach Koblenz kommandiert,
1828 Festungsbaudirektor in Posen. In dieser
Eigenschaft bis 1841 thätig, gründete er eine Schule
der Festungsbaukunst, deren Grundzüge mehrere
Jahrzehnte maßgebend blieben. Die unter seiner
Leitung entstandene Sammlung von 100 Blatt-
zeichnungen, die sog. "Prittwitzschen Blätter", be-
gründeten seinen Ruf als Festungsbaumeister. Nach-
dem er 1837 Major geworden war, wurde er 1841
-50 mit der Leitung der Festungsbauten in Ulm
beauftragt. Auch die Wiederherstellung der Burg
Hohenzollern geschah unter seiner Leitung. Er
wurde 1849 Oberst, 1858 Generallieutenant und
1860 zum zweiten Generalinspecteur der Festungen
ernannt.. 1863 zur Disposition gestellt, blieb er
Mitglied der Ingenienrkommission bis zu deren
Auflösung 1868. Bei Ausbruch des Krieges 1870
wurde er zum Gouverneur von Nlm ernannt. Bei
Entbindung von dieser Stellung 27. Juli 1871 er-
hielt er den Charakter als General der Infanterie.
Er starb 21. Okt. 1885 zu Berlin. Von seinen zahl-
reichen Schriften sind zu erwähnen: "Repertorium
für den Festungskrieg" (Berl. 1856; mit Nachtrag,
ebd. 1860), "Über die Verwendung der Infanterie
bei der Verteidigung der Festungen" (ebd. 1858),
"Zusammenstellung allgemeiner, die Fortifikations-
thätigkeit, die Bauordnung und die Bautechuik in
den Festungen betreffenden Bestimmungen" (ebd.
1863), "Lehrbuch der Befestigungsknnst und des
Festungskrieges für alle Waffen" (ebd. 1865).
Pritzerbe, Stadt im Kreis Westhavelland des
preuß. Reg.-Bez. Potsdam, rechts an der Havel,
hat (1890) 1867 E., darunter 31 Katholiken, Post,
Telegraph; Schiffahrt, Fischerei und Ziegeleien. .
Pritzwalk, Stadt im Kreis Ostprignitz des preuft.
Reg.-Vez. Potsdam, links an der Dömnitz und an
den Nebenlinien Neustadt a. d.
Dosse - Meyenburg der Preuft.
Staatsbahnen und Perleberg-
Wittstock der Prignitzer Eisen-
bahn, Sitz eines Amtsgerichts
(Landgericht Neuruppin) und
Steueramtes erster Klasse, hat
(1890) 6369 E., darunter 106
Katholiken und 25 Israeliten,
Postamt erster Klasse, Telegraph,
got. Kirche, Hospital (Veguincnstift, 13. Jahrh.),
Johanniterkrankenhaus, Gasanstalt, Schlachthaus,
landwirtschaftliche Vereinsbank, Vorschuh- und Kre-
ditverein; Eisengießerei und Maschinenfabrik, Tuch-
fabrik, Dampftischlereien, Färbereien, Ofen-, Seifen-
fabrik, Brauerei, Brennerei und Prehhefenfabrik,
Vieh- und Getrcidchandel.
Privas (spr. -wä). 1) Arrondisfement im franz.
Depart. Ardöche, hat auf 1743,22 ^m (1891)
122 828 E. in 10 Kantonen und 108 Gemeinden. -
2) Hauptstadt des Depart. Ardeche, 322 m ü. d. M.,
links an der Ouveze, rechtem Nebenfluß der Rhone,
am Nordostfuß der Montagne de Coirons, an der
Nebenlinie Livron-P. (33kin) der Mittelmeerbahn,
ist Sitz des Kommandos der 60. Infanterielnigade,
emes Gerichtshofs erster Instanz, einer Ackerbau-
kammer, hat (1891) 4012, als Gemeinde 7312 E., in
Garnison einen Teil des 40. Infanterieregiments;
ferner ein College, Lehrer- und Lchrerinnenseminar,
ein Spital, Irrenhaus, Gefängnis; Eisenbergbau,
Seidenmüllerei, Lohgerberei, Getreide-, Wein- und
Seidenbau und Handel mit Häuten, Kastanien,
Trüffeln und Wein.
Privat (lat.), dem Öffentlichen entgegengesetzt;
häuslich, auf einen Einzelnen bezüglich, in dessen
Besitz befindlich.
Privat, Dorf, s. Saint Privat-la-Montagne.
?riva.ta., s. Privatier.
Privatakten, s. Manualakten.
Privataltertümer, s. Altertum.
Privatbahn-Berufsgenossenfchaft für das
Gebiet des Deutschen Reichs; obne Sektionsbildung.
Sitz ist Lübeck. Ende 1893 bestanden 126 Betriebe
mit 27 227 versicherten Personen, deren anzurech-
nende Jahreslöhne 23542 948 M. (864,69 M. auf
den Kopf) betrugen. Die Jahreseinnahmen und
Ausgaben beliefen sich auf 376 964 M., der Reserve-
fonds (Ende 1893) anf 895494 M. Entsckädigt
wurden (1893) erstmalig 153 Unfälle (5,02 auf 1000
versicherte Personen) mit 44544 M., darunter 33
Unfälle mit tödlichem Ausgang, 5 mit völliger Er-
werbsunfähigkeit. ^Eisenbahnpolitik.
Privatbahnfystem, s. Eisenbahnsystem und
Privat-Beamten-Verein,s. Deutscher Privat-
BeamtewVerein.
Privatbeichte, s. Beichte.
Privatbeteiligter,nachdcrOsterr. Strafprozeß-
ordn. §. 47 jeder durch ein Verbrechen oder durch
ein von Amts wegen zu verfolgendes Vergehen
in seinen Rechten Verletzte. Seine Rechte nimmt
die genannte Prozeßordnung in wirksamster Weise
wahr. Während der durch ein nur auf Begehren
des Beteiligten strafbares Vergehen Verletzte das
Recht der Privatklage (s. d.) hat, kann sich der P.
bis zum Beginn der Hauptverhandlung seiner pri-
vatrechtlichen Ansprüche wegen dem Strafverfahren
anschließen. Damit der Verletzte dieses Recht nicht
verliert, soll er nach §. 172 bei seiner Zeugenverneh-
mung deswegen befragt und nach §. 365 auch sonst
von dem stattfindenden Verfahren in Kenntnis gesetzt
werden. Der P. hat das Recht, dem Staatsanwalt
und dem Untersuchungsrichter alles an die Hand zu
geben, was zur Überweisung des Beschuldigten oder
zur Begründung des Entschädigungsanspruchs dien-
lich ist, von den Akten Einsicht zu nehmen und zur
Hauptverhandlung, die indes im Fall seines Nicht-
erscheinens auch ohne ihn vor sich geht, geladen zu
werden, in derselben Fragen an Angeklagte, Zeugen
und Sachverständige zu stellen und das Wort zur
Stellung und Begründung seiner Anträge zu ver-
langen. Vertretung oder Beistand durch einen Ver-
teidiger ist zulässig und auf Anweifung des Gerichts
geboten. Der P. ist aber auch weiter berechtigt, falls
der Staatsanwalt die Verfolgung ablehnt oder von
derselben zurücktritt, selbst die öffentliche Klage in
Gemähheit der §F. 48 und 49 zu erheben und durch-
zuführen (subsidiäre Privatklage, s. d.). Das Nähere
wegen der Entscheidung über die privatrechtlichen
Ansprüche in: Strafverfahren s. Anschliehung. Für
das deutsche Verfahren s. Nebenklage.
Privatbörsen, s. Börse (Bd. 3, S. 325 a).
Privatconto, in der doppelten Buchführung,
s. Hauptbuch.
Privatdiskont (engl. n^i-kst i-aw), im Gegen-
satz zu dem offiziellen Bankdiskont (s. d.) der großen
Notenbanken der Zinssatz, zu welchem inländische
Wechsel an der Börse gekaust werden. Der P. wird
also durch Angebot und Nachfrage "auf dem offenen
Geldmarkte" bestimmt und ist häufig niedriger als
der offizielle Bankzinsfuß. (S. auch Diskont.)