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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Produit net - Produktivgenossenschaften
eines ?. I0n^i8iiinu8 D"v.) Die Familie enthält
die größten aller Armfüßer und hatte im Kohlen-
kalkmeer ihre Hauptverbreitung.
?roüuit nst (frz., spr. -düih neh), Reinertrag,
s. Netto und Physiokratismus.
Produkt (lat.), etwas Hervorgebrachtes, Erzeug-
nis der Natur oder Kunst, speciell uuvcrarbeitetes
Naturerzcugnis (Gegenstand des Produktenhandels,
s. d.). über P. in der Mathematik s. Multiplikation.
(S. auch Edukt.)
Produktenhandel, der Handel mit Landes-
erzeugnissen (Landesprodukten), in Deutschland
vorzüglich der Haudel mit Erzeugnissen der Land-
wirtschaft, z. V. Getreide, Hülsenfrüchten, Kartof-
feln, Olsaat, Spiritus, Sämereien u. s. w. Dieser
Handel ist im 19. Jahrh, von großer Wichtigkeit
geworden und hat an vielen Orten des Inlandes,
namentlich an den Exportplätzen der Seeküsten,
eigene Börsen, Makler und Kursberichte. Zugleich
aber ist auch die internationale Konkurrenz, beson-
ders die der überseeischen Länder, zu einer außer-
ordentlichen Entwicklung gelangt. Da die Ernte-
ergebnisse in den einzelnen Ländern oft stark schwan-
ken, so spielt die Spekulation im P. eine große Rolle.
(S. Getreidehandel.)
Produktion (lat.), Güterproduktion, die
Erzeugung von wirtschaftlichen Gütern, wie auch die
weitere Verarbeitung bereits vorhandener Güter zur
Erhöhung ihres Gebrauchswertes. Es handelt sick
bei der P. vom Standpunkte der Volkswirtschaft
wesentlich nur um Erzeugung von Gebrauchswert;
jedoch geht mit der letztern bei der bestehenden Ge-
sellschaftsordnung im großen und ganzen auch die
Hervorbringung und Vermehrung von Tauschwert
Hand in Hand. Jede P. im volkswirtschaftlichen
Sinn schließt eine menschliche Arbeitsthätiakeit mit
ein. Bei der P. im engern Sinn, nämlich der P.
von Sachgütern (materielle P.), erscheinen neben
der Arbeit, wenn auch nicht in gleichartiger Bedeu-
tung mit dieser, als weitere Faktoren der P. einer-
seits das Kapital, bestehend aus Arbeitsmitteln, die
selbst Produkte sind, und andererseits die Natur-
grundlage (Boden und Naturkräfte), welche die nicht
produzierten, sondern ursprünglich von der Natur
gegebenen Produktionsmittel umfaßt. Die P. eines
Sachgutes ist erst abgeschlossen, wenn dasselbe kon-
sumtionsrcif in die Hand des Konsumenten gelangt,
weshalb neben der Landwirtschaft und der Industrie
auch der Handel und das Transportgeschäft zum
Bereich der materiellen P. zahlen. Außer der Er-
zeugung von Eachgütern betrachtet man jedoch auch
alle Arbeits- und Dienstleistungen als P., die
irgendwie für einzelne Menschen oder für die Ge-
samtheit nützlich oder angenehm sind, wenn sie anch
nicht in ein materielles Substrat übergehen, wie die
Dienste der gelehrten Berufszweige, der Beamten,
die Leistungen der Schauspieler, der Dienstboten
u. s. w. Jedwede P. kann endlich entweder für den
eigenen Bedarf des Produzenten (hauswirt-
schaftliche P., Eigengewinnung) stattfinden oder
zum Zweck des Absatzes an dritte Personen (ge-
werbliche, verkehrsmäßige P.). Der ganze
Charakter einer Volkswirtschaft hängt davon ab,
welche dieser beiden Formen der P. überwiegt.
Produktionsfutter, s.Futter (Bd.7, S.445I)).
Produktionskosten, privatwirtschaftlich alle
Auslagen und Aufwendungen zur Herstellung eines
Gutes (s. d.). Dahin gehören die Kosten der Roh-
und H^MdHe, dei aufgewandten Arbeit, der Ab-
nutzung an Werkzeugen, Maschinen u. dgl., für
Unterhalt des Anfsichts- und Verwaltungspersonals,
die Versicherungskosten, die Kosten der Aufbewah-
rung und des damit etwa verbundenen Abgangs
sowie die in vielen Fällen unmittelbar vom Pro-
duzenten getragenen Kosten der Zufuhr auf den
Markt und die Zinsen der für die Produktion in
Anspruch genommenen Kapitalien. Volkswirt-
schaftlich ist der Begriff der P. enger zu fassen,
indem z.B. Arbeitslöhne und Kapitalzinsen, welche
im Inlande bleiben, als Reineinkommen anfznfassm
sind, weil ihr Abgang nur in der Verteilung des
gesamten Volkseinkommens eine Änderung bewirkt.
Produktionskrisis, s. Handelskrisen und über-
produltion.
Produktionssteuern, diejenigen Arten der in-
direkten Besteuerung, welche den steuerpflichtigen
Gegenstand bei seiner Produktion und nach Maß-
gabe derselben erfassen. Sie sind entweder Rohstoff-
steuern, wenn sie nach der Menge des verarbeiteten
oder erzeugten Rohstoffs bemessen werden, oder
Fabrikatsteuern, wenn sie von dem fertigen Erzeug-
nis am Erzeugungsorte erhoben werden.
Produktiv (lat.), schaffend, erzeugend, schöpfe-
risch, frucktbar. ^kohlenformation.
Produktive Steinkohlenformation, s.Stein-
Produktivgenossenfchaften, Vereinigungen
von Arbeitern oder kleinern Unternehmern behufs
Herstellung industrieller oder landwirtschaftlicher Er-
zeugnisse auf gemeinfame Rechnung und Gefahr.
Sie gehören zu den sog. Erwerbs- und Wirtschafts-
genossenschaften (s. d.) und unterscheiden sich von
verwandten Arten derselben dadurch, daß sie nicht
bloß auf die gemeinschaftliche Beschaffung einzelner
Bedingungen oder Erleichterungsmittel der Pro-
duktion, wie z. B. gemeinsame Beschaffung von
Rohstoffen, Verkaufslokalen u. s. w., abzielen, fon-
dern das Ganze des Geschäftsbetriebes umfassen.
Ihre Bedeutung für die Lösung der industriellen
Arbeiterfrage wurde früher vielfach überschätzt. Man
glaubte uämlich in ihnen das Mittel zu besitzen,
wie der Arbeiterstand ohne Verzichtleistung ans den
dnrch die moderne Entwicklnng einmal unvermeid-
lich gewordenen Großbetrieb gleichwohl ähnlich wie
in frühern Zeiten in den Stand der selbständigen
Unternehmer aufrücken und an Einkommen und
socialer Stellung gewinnen könnte. In diesem Sinne
befürworteten die P. als Mittel zur Emancipation
der Lohnarbeiter insbesondere auch Socialisten, so
Vuchez (s. d.) und Louis Blanc (s. d.) in Frankreich,
und Lassalle (s. d.) stellte die Forderung auf, der
Staat solle eine Summe von 100 Mill. Thlrn. zur
Dotierung von P. der Arbeiter widmen. Die Er-
fahrung hat jedoch gezeigt, daß die industriellen P.
mit ungemein großen Schwierigkeiten zu kämpfen
haben und daß die Erwartung, sie würden sich den
Privatbetrieben allgemein überlegen zeigen, weil
bei ihnen das Interesse aller Beteiligten am Ge-
deihen des Unternehmens am höchsten angespornt sei,
irrig war. Sehr hänfig fällt es gerade P. schwierig,
die richtige Gcschästsleitung zu finden; es bedarf bei
den einzelnen Genossen großer Verträglichkeit und
freiwilliger Unterordnung, damit die Geschüfts-
leitung nicht durch mangelnde Disciplin gestört
werde; namentlich im Anfang werden auch oft hohe
Ansprüche an die Opferwilligkeit der Mitglieder ge-
stellt. Soweit man überblicken kann, sind auch weit
mehr P. an Fehlern der Geschäftsleitung oder innern
Zwistigkeiten gescheitert als an Kapitalmangel.