Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

464

Promille - Pronucleus

absichtlich betrügen und strafte nun den P. und die Menschen, indem er diesen das Feuer vorenthielt, nach dessen Raub dann P. jene Pein erdulden muß, bis Herakles ihn erlöst, während die Menschen mit der alles Unheil über sie bringenden Pandora (s. d.) heimgesucht werden. Spätere Dichter lassen den P. auch den Menschen erschaffen. Er formt ihren Körper aus Lehm und mit Benutzung mancher Teile und Eigenschaften von Tieren. Sodann beseelt er die Gestalten selbst oder erlangt die Beseelung von wohlwollenden Göttern, wie von Pallas Athena. Vielfach ist der Mythus von P., sowohl von Dichtern als Philosophen, je nach ihrem Zweck und Bedarf, modifiziert worden; von den neuern hatte Goethe den Stoff in einer Tragödie zu bearbeiten begonnen.

Ursprünglich ist P. ein wohlthätiger Feuergott. Er ist daher dem Hephaistos nahe verwandt und wurde mit diesem und der Athena zusammen in Athen verehrt; sein Altar und Tempel befand sich bei der Akademie; sein Fest, die Prometheia, wurde mit einem Fackellauf begangen.

Die bildende Kunst hat P. in älterer Zeit mehrfach jugendlich, später regelmäßig als gereiften Mann mit Bart dargestellt. Während auf archaischen Bildern der Titan gepfählt oder in eigentümlicher Weise gefesselt ist, scheint der Maler Parrhasios den spätern Typus erfunden zu haben: P. aufrecht stehend mit ausgebreiteten Armen durch Ringe an dem senkrechten Felsen festgekettet, das rechte Bein hoch emporgezogen; vor ihm der Adler, der an der rechten Seite des Gefesselten hackt. (Vgl. Milchhöfer, Befreiung des P. Berliner Winckelmann-Programm, 1882; Furtwängler in der "Archäologischen Zeitung", 1885.) Am vollständigsten giebt den Sagenkreis von P. im Sinne der spätern Zeit ein berühmter Sarkophag im Kapitolinischen Museum zu Rom, wo auch die Bildung des Menschen durch P. und die Beseelung durch Athena dargestellt ist. Aus der Neuzeit sind die von Chr. Griepenkerl (1875-85) gemalten Wandbilder, die Prometheussagen darstellend, in der Akademie der Wissenschaften zu Athen, sowie die Marmorgruppe des Gefesselten P. mit den Oceaniden von Ed. Müller in der Berliner Nationalgalerie hervorzuheben.

Vgl. Welcker, Die Äschyleische Trilogie P. u. s. w. (Darmst. 1824; Nachtrag, Frankf. 1820); Weiske, P. und sein Mythenkreis (hg. von Leyser, Lpz. 1842); Lasaulx, P., die Sage und ihr Sinn (Würzb. 1845); Schömann, Des Äschylus Gefesselter P. (Greifsw. 1843); A. Kuhn, Die Herabkunft des Feuers (Berl. 1859); Eichhoff, Die Sage und Dichtung von P. (in den "Jahrbüchern für klassische Philologie und Pädagogik", 1879, 2. Abteil.); Konitzer, De fabulae Prometheae in arte litterisque usu (Halle 1885).

Promille (pro mille, lat., "für Tausend"), auf je 1000, 1/10 Prozent; Zeichen ‰.

Prominent (lat.), hervorragend, tonangebend.

Pro ministerio (lat.), für das Predigtamt.

Promiscue (lat.), vermischt; Promiskuität, Vermischung; Gemeinsamkeit (der Frauen).

Promittieren (lat.), versprechen; Promission, Versprechen; promissorisch, ein Versprechen machend oder enthaltend; Promissorium, schriftliche Zusage.

Promontore, Premantura, Kap, die Südspitze der Istrischen Halbinsel, in deren Nähe auf dem kleinen Felseneiland Scoglio Porer der große Leuchtturm und Semaphor Porer sich befindet. Das auf einer Landzunge gelegene Dorf P. in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Pola zählte (1890) 580 meist kroat. E.

Promontorium (lat.), Vorgebirge; in der Anatomie (P. pelvis) die vordere, in die Höhle des kleinen Beckens vorspringende Fläche des obern Kreuzbeinendes; auch ein kleiner Knochenvorsprung in der Paukenhöhle (P. tympani), unmittelbar unterm ovalen Fenster.

Pro mortuo (lat.), für tot (erklären).

Promotion (lat.), Beförderung, hauptsächlich zu akademischen Würden, wie zum Doktor, Magister u. s. w. (S. Doktor.)

Promotor fidei (lat.), s. Kanonisation.

Promovieren (lat.), befördern, auch zur Beförderung gelangen (s. Promotion).

Prompt (lat.), rasch, pünktlich; Promptuarium, Ort, wo man das Nötige in Bereitschaft findet, Titel von Nachschlagebüchern.

Promulgieren (lat.), öffentlich bekannt machen, namentlich ein Gesetz; davon das Hauptwort Promulgation.

Pro mundo (lat.), für die Reinschrift.

Promycelium, die kurzen Mycelien, die bei einigen Pilzen, bei den Uredineen und Ustilagineen als Keimschläuche aus den Sporen hervortreten und an ihren Enden kleine, sofort keimfähige Sporen, Sporidien, abschnüren. (S. Generationswechsel.)

Próna, ungar. Name von Proben.

Pronaos, die vor der Cella eines Tempels liegende Vorhalle; Gegensatz ist Opisthodomos oder Posticum.

Pronation (lat.), Einwärtsdrehung, diejenige Bewegung des Vorderarms und der Hand, infolge deren der Handteller nach hinten, der Daumen nach einwärts zu stehen kommt, im Gegensatz zur Supination, durch welche der Handteller nach vorn, der Daumen nach auswärts kommt. Die P. erfolgt durch zwei Muskeln, welche deshalb auch Pronatoren heißen; der eine, Pronator teres, verläuft vom innern Knorren des Oberarmbeins schräg nach auswärts und abwärts zur Speiche, der andere, Pronator quadratus, dagegen dicht oberhalb des Handgelenks von der Speiche zum Ellbogen. Ihre Antagonisten sind die Supinatoren, welche die Supination ausführen.

Pro nihilo (lat.), für nichts, umsonst.

Pronomen (lat.) oder Fürwort, der grammatische Name für eine Wortklasse, die ursprünglich sehr verschiedene Elemente enthält. Das P. dient dazu, den Namen eines Gegenstandes (ein Substantivum) zu ersetzen, enthält eine adjektivische Bestimmung ("mein", "solcher") und unterscheidet sich vom Nomen durch eine eigentümliche Art der Deklination, vgl. z. B. im Deutschen die Deklination von "der" mit der von "Mann". Man teilt die P. gewöhnlich in: P. personalia (persönliche Fürwörter) "ich", "du" u. s. w.; P. demonstrativa (hinzeigende) "der", "dieser"; P. relativa (bezügliche) "welcher", "der"; P. interrogativa (fragende) "wer"; P. indefinita (unbestimmte) "jemand", lat. aliquis; P. possessiva (zueignende) "mein", "dein" u. s. w.; unter den persönlichen Fürwörtern scheidet man noch die P. reflexiva (auf das Subjekt des Satzes sich zurückbeziehend) "sich", zuweilen auch P. reciproca (gegenseitige Beziehung ausdrückend) "einander".

Prononciert (frz., spr.-nongß-), ausgesprochen, scharf ausgeprägt, deutlich hervortretend.

Pro novitate, s. Neuigkeiten.

Pronucleus, s. Befruchtung (Bd. 2, S. 630 b).