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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Puerto-Pozo - Pugatschew
Pukrto-Pozo, s. Pailon.
Puerto-Principe oder Ciudad del Prin-
cipe, Stadt auf der sftan. Insel Cuba, 475 km im
OSO. von Habana, durch Bahn (701cm) mit ihrem
Seehafen Nuevitas oder San Fernando de
Nuevitas (6618 E.) verbunden, zahlt (18871
40 958 E. Die Stadt hat große Cigarrenfabriken
und Handel mit Zucker, Tabak, Wachs, Honig und
treibt starke Viehzucht. P. liegt in einer feuchten
Niederung zwischen zwei zur Regenzeit weithin aus-
tretenden Flüssen und gewährt mit seinen auf Pfäh-
len erbauten Häusern einen elenden Anblick.
Puerto Real, Stadt im Bezirk Puerto de Sta.
Maria der span. Provinz Cadiz, 10 km östlich von
Cadiz, an der innern Bai (von Portales) und der
Bahn Sevilla-Cadiz, wo eine Linie (5 km) nach dem
Fort Trocadero abgebt, ist regelmäßig gebaut
und hat (1887) 9694 E., schöne Gebäude und Gärten
wohlhabender Gaditanos (Bewohner von Cadiz),
einen Einschiffungsplatz am Bahnhof, Schiffsbau-
werfte bei Trocadero und große Niederlagen der
vielen Salinen in der Nähe.
Puerto Rico, s. Portoriko.
Pufendorf, Samuel, Freiherr von, Jurist, geb.
8. Jan. 1632 zu Dorf-Chemnitz in Kursachsen, be-
suchte die Fürstenschule zu Grimma, dann die Uni-
versitäten zu Leipzig und Jena, wurde 1658 Hof-
meister bei dem schwcd. Gesandten Coyet in Kopen-
hagen und befand fich infolge des Bruchs zwifcben
Dänemark und Schweden acht Monate in dän. Ge-
fangenschaft. Er folgte dann Coyet nach Holland,
wurde 1661 Professor des Natur- und Völkerrechts zu
Heidelberg, ging 1670 in gleicher Eigenschaft an
die schwed. Universität Lund, wurde 1677 königl.
Historiograph in Stockholm und folgte 1686 einem
Rufe des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Bran-
denburg als Hofrat, Historiograph und Kammer-
gerichtsbeisitzer nach Berlin, wo er 16. Okt. 1694
starb, nachdem er kurz vorher von Karl XI. von
Schweden in den Freiherrenstand erhoben war. P.
ist einer der Gründer des Natur- und Völkerrechts.
Besonders auf ersterm Gebiet vertrat er die klare
Idee einer die Rechtsverhältnisse bloß nach Gesetzen
der Vernunft, unabhängig von den Einflüssen des
positiven Rechts und der Theologie, bestimmenden
Wissenschaft. Er schrieb: "NlLMkiN^ui-izpi-uä^n-
tig.6 univeräaiiL" (Haag 1660), "Oe 8t3,tu imperii
<F6i-manici" (Genf 1667 u. ö., unter dem Pseudonym
Severinus de Monzambano; deutsch von H.
Breßlau, Verl. 1870; vgl. O. Franklin, Das Deut-
sche Reich nach S. von Monzambano, Greifsw.
187^), "1)6 Mi-6 na.tura6 6t ^6ntium" (Lund 1672),
"v6 (Mcio dominiä 6t civig" (ebd. 1673), "1)6 i-6-
du3 3u6cici8" (Utrecht 1686), "1)6 i'kdus a (^rolo
(-U8WV0 8u6cia61-6F6 F68ti8" (2Bde., Nürnb. 1696).
Für das Kirchenrecht sind wichtig die Schriften "v6
likditu r6ii^i0ni8 clii'i8tianii6" (Vrem. 1687 u. ö.)
sowie "^118 iecillle divinnni" (Lül). 1695), worin
er das Kollegialsystem und Toleranz vertrat. Nach
seinem Tode erschienen: "1)6 i-odus F68ti8 ^ri-
ll6i'ici >Vi11i6imi Na^ni" (2 Bde., Verl. 1695 u.
1734) und "1)6 i-6du8 A68ti8 I^i-iä6lici III" (ebd.
1784). - Vgl. Droysen, Zur Kritik P.s (in den "Ab-
bandlungen zur neuern Geschichte", Lpz. 1876); von
Treitschke in den "Preuß. Jahrbüchern", Bd. 35 u.
36 (1875); Iastrow, P.s Lehre von der Monstrosität
der Reichsverfassung (Berl. 1882).
Puff, eine Art Brettspiel, wird von zwei Personen
auf dem Tricktrackbrett mit je 15 Damensteinen ge-
spielt. Die Spieler würfeln abwechselnd mit 2 Wür-
feln und fetzen ihre Steine auf die durch den Wurf
bezeichneten Felder. Wer einen Pasch wirft, setzt
nicht nur die oben liegenden Augen, sondern auch
die entgegenstehenden und darf außerdem noch ein-
mal werfen. Jeder einzelnstehende Stein kann von
dem Gegner hinausgeworfen werden, falls er das-
selbe Feld besetzen kann, dagegen bilden zwei auf
demselben Feld zusammenstehende Steine ein sog.
Band, das der Gegner nicht berühren darf. Hat ein
Spieler alle seine Steine gesetzt, so beginnt er, mit
ihnen in derselben Weise vorzurücken. Wer alle seine
Steine zuerst aus dem Brett herausgewürfelt hat,
ist der Gewinner.
Puffbohne, s. Bohne. ^S. 904d).
Puffer, s. Betriebsmittel der Eisenbahnen (Bd. 2,
Pufferstaat, neuerdings Bezeichnung für einen
kleinern Staat, der die Gebiete zweier Großmächte
voneinander trennt, dadurch gleichsam als Puffer
zwifchen ihnen gefährliche Reibungen und Zusam-
menstöße verhindert, und den man aus diesem
Grunde möglichst in seiner Integrität zu erhalten
sucht. So wird jetzt Afghanistan als P. für die
Besitzungen Rußlands und Englands in Asien be-
trachtet.
Puffotter ((^lotlio krietaiiZ 6^a?/), eine 1,5 m
lange, giftige, zu den echten Vipern gehörige
Schlange, mit sehr dickem Leib, kurzem Schwanz und
gekielten Schuppen; ihre Heimat ist Südafrika.
Pugatschew (spr.-tschöff), Iemeljan Iwanow,
Abenteurer, der sich für Kaiser Peter III. (s. d.) von
Rußland ausgab, war der Sohn eines Kosaken und
1726 in dem Dorfe Simowejsk am Don geboren.
Im Siebenjährigen Kriege diente er erst im russ.,
dann im preuß., zuletzt im österr. Heer. In sein
Vaterland zurückgekehrt, faßte er, durch eine angeb-
liche 'Ähnlichkeit mit dem Kaiser Peter III. veranlaßt,
den Entschluß, sich für diesen auszugeben. Seine
Anhänger verbreiteten das Gerücht, man habe statt
Peter III. einen ihm ähnlichen Soldaten auf dem
Totenbette ausgestellt, jener aber sei verkleidet ent-
kommen und erscheine nun wieder in der Mitte sei-
ner getreuen Kosaken, um mit deren Hilfe Krone
und Reich zurückzugewinnen. Der Aufruhr brach
Mitte Aug. 1773 aus, wo ein Manifest P.s im
Namen des Kaisers Peter III. verbreitet wurde. P.
wußte die 500 Mann starke Besatzung der Festung
Iaizk für sich zu gewinnen, und als ein Teil der
durch harte Verfolgungen erbitterten Altglänbigen
sich für ihn erklärte, traten viele seiner Landsleute
sowie der größte Teil der Bauern zu ihm über. Er
eroberte mehrere russ. Festungen und Stanizen am
Ural und am Don, wobei er furchtbare Grausam-
keiten beging. Sein Heer belief sich bereits auf
mehr als 15000 Mann, als sich ihm die Mehrzahl
der Baschkiren sowie der Wotjaken, Permjaken und
anderer sinn. Völkerschaften anschloß und auch die
eigentlichen Tataren unterwarfen. General Michel-
son konnte anfangs nichts gegen P. ausrichten,
^ogar Kasan erlag P.s Angriff, und nachdem er
die Wolga überschritten, gedachte er sich Moskaus
zu bemächtigen. Da gelang es endlich den vereinten
Anstrengungen Panins und Suworows, P. von
seinem Hauptheer abzuschneiden. Von seinen eigenen
Anhängern verraten, wurde P. durch Michelson nach
Moskau gebracht, wo ihn ein Kriegsgericht zum
Tode verurteilte. P. wurde 21. Jan. 1775 nebst den
Rädelsführern zu Moskau hingerichtet. Gutzkow
hat die Geschichte P.s zum Stoss eines Trauerspiels