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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Putiwl - Puttkamer (Alberta von)
im SO. von Bari, hat (1881) 11831, als Gemeinde
12 098 E.; Weberei und Schuhnägelfabrikation.
Putiwl. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gou-
vernements Kursk, im Gebiet des Sejm, hat 2866,2
hkm, 143638 E., davon 55 Proz. Kleinrussen; Ge-
treide-, Hanf-, Zuckerrübenbau, Vieh- und Bienen-
zucht, Zuckerfabriken und Branntweinbrennereien.
- 2) Kreisstadt im Kreis P., rechts am Sejm und
an der Bahn Kursk-Kiew, hat (1890) 12 085 E., 11 Kir-
chen, 1 Mo'nchskloster, Reste alter Befestigung; Han-
del mit Vieh, Getreide, Hanf, Manufakturwarcn.
Putlitz, Stadt im Kreis Westprignitz des preuft.
Reg.-Bez. Potsdam, an der Stepenitz, hat (1890)
1794 meist evang. E., Post, Telegraph; Holzschuh-
und Pantosfelfabrikation, Ackerbau und Vieh-,
besonders Schweinezucht. Nahebei die Rittergüter !
Burghof-Putlitz und Philippshof-Putlitz mit 130
und 119 E. P., Stammsitz des Geschlechts "Gänse
Edle Herren zu P.", des ehemals mächtigsten der
Prignitz, wird 946 als Pothlustim im Linagga (in
der Nordmark), später als Pudlist erwähnt.
Putlitz, Gust. Heinr. Gans, Edler Herr zu, Dich-
ter, aus einem alten kurmärk. Geschlecht, geb.
20. März 1821 auf dem Familiengute zu Retzien bei
Perleberg in der Prignitz, studierte in Berlin und
Heidelberg die Rechte, war 1846-48 als Verwal-
tungsbeamter bei der Negierung in Magdeburg be-
schäftigt und lebte seitdem teils auf seinem Gute
Netzicn, teils in Berlin, teils auf Reisen. 1863
wurde er Intendant des Hoftheaters zu Schwerin,
war 1867 - 68 Hofmarschall des preuh. Kronprin-
zen, widmete sich dann wieder ganz der schriftstelle-
rischen Thätigkeit und lebte in Berlin. 1873-89
führte er die Generaldirektion des Hoftheaters in
Karlsruhe. Seit 1889 lebte er auf seinem Erbsitze
zu Netzien, wo er 9. Sept. 1890 starb. Seinen Ruf
als Dichter begründete P. mit dem lieblichen Mär-
chenstrauh "Was sich der Wald erzäblt" (Berl.1850;
48. Aufl. 1892). Ihm verwandt ist "Vergißmein-
nicht" (19. Aufl., ebd. 1890). Ferner schrieb P. seit
1847 eine Reihe von Lustspielen, die in vier Bän-
den (Berl. 1850-55; Neue Folge, 4 Bde., ebd.
1869-72) gedruckt erschienen. Ihre Haupteigen-
schaftcn sind heitere Anmut und gemütreicher Hu-
mor. Als besonders gelungen sind "Die blaue
Schleife", "Badekuren", "Der Salzdirektor", "Spielt
nicht mit dem Feuer", "Um die Krone", "Rolf
Verndt" (1881), "Die Idealisten" und der Schwant
"Das Schwert des Damokles" (1863) hervorzu-
heben. Auch die Schauspiele "Das Testament
des Großen Kurfürsten" (Berl. 1858), "Wal-
demar" (ebd. 1862), "Wilhelm von Oranien" (ebd.
1864), das Trauerspiel "Don Juan d'Austria" (ebd.
1860) hatten Erfolg. Außerdem veröffentlichte P.
"Brandend. Geschichten" (Berl. 1862), "Novellen"
(Stuttg. 1863), eine Biographie Immcrmanns
(2 Bde., Verl. 1870), die Romane "Die Halben"
(1868), "Walyurgis" (1869), "Die Nachtigall"
(2 Bde., 1872), "Funken unter der Asche" (1871),
"Theater-Erinnerungen" (2 Bde., 1873), endlick
seine "Ausgewählten Werke" (6 Bde., Verl. 1872
-78; Ergänzungsband, ebd. 1888). Dazu kamen
später Romane und Novellen, wie "Croquet" (2 Bde.,
1878), "Eisen" (2 Bde., 1879), "Das Frölenhaus"
(1881), "Das Maler-Majorle" (1883) und "Mein
Heim. Erinnerungen aus Kiudheit und Jugend"
(Berl. 1885). - Vgl. Gustav zu P. Ein Lebens-
bild. A.us Bricsen zusammengestellt und ergänzt
von Elisabeth zu Putlitz (Tl. 1, Verl. 1894).
F^n., hinter der lat. Benennung von Tieren,
besonders Fischen, Abkürzung für F. W. Putnam
(spr. pöttnem), einen engl. Forscher.
Putna, rechter Nebenfluß des Sereth und Kreis
Rumäniens mit 3249 hkm, 169 638 E. und der
Hauptstadt FocHani.
Putney (spr. pöttne), Vorstadt von London,
10 kin südwestlich der Paulskirche, in Surrey, am
südl. Themseufer, gegenüber Fulham, in anmuti-
ger, von Parks und Villen erfüllter Gegend, hat
(1891) in 2987 Häusern 17 771 E. P. ist Haupt-
station für die Bootfahrten auf der Themse, auch
Ausgangspunkt des jährlichen Wettruderns zwi-
schen Oxsord und Cambridge. Thomas Cromwell
und der Historiker Gibbon wurden in P. geboren;
der jüngere Pitt starb dort.
I>ntorw3, s. Iltis und Marder.
Putrescenz (lat.), Fäulnis, Verwesung.
Putrescin, s. Leichcnalkaloide.
Putrld (lat.), faulend, faul.
Putride Fieber, s. Faulfieber.
Putride Infektion, s. Pyämie.
Putte, Isaak Tignus Fransen van de, nieder-
länd. Staatsmann, geb. 22. März 1822 in Goes,
machte als Matrose, später als Steuermann mehrere
Reisen nach Ostindien; 1849 ward er Besitzer einer
Zuckerfabrik sowie einer Tabakpflanzung auf Java
und kehrte 1859 ins Vaterland zurück. Von Rotter-
dam wurde er 1862 zum Abgeordneten für die Zweite
Kammer gewählt und war 1863 - 66 sowie Juli
1872 bis Aug. 1874 Minister der Kolonien. Er war
dann wieder als Mitglied der Zweiten Kammer
thätig; seit 1880 gehört P. der Ersten Kammer an.
Puttelange-les-Saaralbe (spr. püttlängsch
la ßahralb), franz. Name der Stadt Püttlinaen (s. d.).
Putten (ital. Mti, d. h. Kinder, Knaben), Be-
zeichnung der seit der Renaissance in der dekorativen
Malerei und Plastik mit Vorliebe angebrachten
Kindergestalten. (S.z.B.Tafel: Intarsia,Fig.5.)
Putten, Insel, s. Voorne-en-Puttcn.
Pütter, Joh. Steph., Staatsrechtslehrer, geb.
25. Juni 1725 zu Iserlohn, studierte zu Marburg,
Halle und Jena, wurde 1744 Docent zu Marburg,
1747 außerord., 1753 ord. Professor zu Göttingen,
wo er 12. Aug. 1807 starb. P., der auch merkwür-
dig ist durch seine frühe geistige Reife (er bezog schon
im 13. Jahre die Universität), war auf das Staats-
recht seiner Zeit von maßgebendem Einfluß. Sein
Hauptwerk "Histor. Entwicklung der heutigen
Staatsverfassung des Deutschen Reichs" (3 Bde.,
Gott. 1786; 3. Aufl. 1799) hat auch jetzt noch Wert,
ebenso seine "Litteratur des deutschen Staatsrechts"
(3 Bde., ebd. 1776 - 83; Bd. 4 von Klüber, Er-
langen 1792). Ferner sind hervorzuheben: "Nie-
in6nt^uri8 pudlici Fernianici" (Gott. 1754), "Bei-
träge zur nähern Erläuterung des deutschen Staats-
und Fürstenrecbts" (2 Tle., ebd. 1777 - 79), "Er-
örterung und Beispiele des deutschen Staats- und
Fürstenrechts" (3 Tle., ebd. 1790 - 97), "Voll-
ständiges Handbuch der deutschen Reichshistorie"
(ebd. 1762; 2. Aufl. 1772) u. s. w. Im Privat-
fürstenrccht nimmt P. die erste Stelle ein. Seine
Selbstbiographie erschien in 2 Bänden (Gott. 1798).
Püttig, bei Essenzweinen gebräuchliche Bezeich-
nung (ein-, zwei-, dreipüttig u. s. w.), soviel
wie buttig (s. Ausbruch).
Puttkamer, Alberta von, Dichterin, geborene
Weise, geb. 5. Mai 1849 zu Großglogau, Ge-
mahlin von Marimilian von P. (i. d.). Sie ver-