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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Quai - Quäker
Baukunst zu studieren und die berühmten Denkmale derselben, wie die Münster zu Freiburg, Ulm, München, Straßburg und Köln, das Rathaus zu Löwen, die Sebalduskirche zu Nürnberg, den Dom zu Regensburg u. s. w. zu malen. Von seinen Ölbildern besitzt die Münchener Neue Pinakothek 14, darunter: Inneres der Sebalduskirche zu Nürnberg, Dom zu Orvieto, Villa Malta in Rom; die Nationalgalerie zu Berlin 6, darunter: Fischmarkt zu Antwerpen (1824), Klosterkirche Kaisheim an der Donau, Die Pfalzburg am Rhein; das Museum in Leipzig eine Ansicht des Freiburger Münsters (1821). Auch gab er "Sammlung merkwürdiger Gebäude des Mittelalters in Deutschland" (2 Bde., Karlsr. 1810), "Ansichten merkwürdiger Gebäude in München" (2 Hefte, Münch. 1811) und "Denkmale der Baukunst des Mittelalters in Bayern" (ebd. 1816) heraus. Er hatte im Auftrage des damaligen Kronprinzen Maximilian von Bayern die Restauration der Burg von Hohenschwangau angefangen, als er 9. April 1837 zu Hohenschwangau starb.
Angelo Q., ein älterer Bruder (geb. 1778, gest. 2. April 1815), Dekorationsmaler, lieferte die Zeichnungen zu Sulpiz Boisserées "Dom zu Köln".
Lorenz Q., ein jüngerer Bruder, geb. 19. Dez. 1793, widmete sich vorzugsweise der Genremalerei. Seine Gemälde bestehen teils in Darstellungen aus dem Mittelalter, teils in Schilderungen ländlicher Scenen aus dem bayr. Hochlande; so: Tiroler Schenke mit spielenden Bauern (1824; Nationalgalerie zu Berlin). Auch lieferte er mehrere Steinzeichnungen zum Münchener Galeriewerk. Er starb 15. März 1869 zu München.
Der jüngste Bruder, Simon Q., geb. 23. Okt. 1795, Hoftheatermaler und Dekorateur in München, folgte als Maler und Lithograph dem Vorbild seines ältesten Bruders, wurde 1815 an Angelos Stelle Hoftheaterarchitekt und dann Hoftheatermaler; er starb 8. März 1878 zu München. Sein Sohn, Angelo Q., geb. 13. Dez. 1829, gest. 5. Jan. 1890 in München, folgte ihm in derselben Richtung nach.
Quai (frz., spr. kä), auch Kai, Kaje, Koje, Kajung oder Bollwerk (Bohlwerk, s. d.), ein künstlich gegen Abbruch und Überflutung gesichertes Ufer, das den Verkehr der Schiffe mit dem Lande vermittelt. Auch heißt Q. oft das künstlich gesicherte User innerhalb der Stadt, die ganze Straße und die sie einseitig begrenzende Häuserreihe. Den Verkehr mit größeren Schiffen vermitteln die Landungsbrücken, die sich mit dem einen Ende auf den Q., mit dem andern auf das Schiff oder einen im Wasser schwimmenden Ponton stützen. Dieser Ponton ist oft zu einer großen Plattform, einem schwimmenden Q., erweitert, so zu Liverpool und Hamburg, wo acht einzelne eiserne Pontons in ihrer Länge zusammengekoppelt einen 205 in langen schwimmenden Q. bilden, der zum Anlegen der Boote dient und durch drei Brückenklappen mit festen Brückenpfeilern verbunden ist. Die Konstruktion der Q. wird als hölzerne oder eiserne Pfahlwand, meist aber als Ufermauer ausgeführt.
Quaimauer, s. Erddruckmauer.
Quakenbrück, Stadt im Kreis Bersenbrück des preuß. Reg.-Bez. Osnabrück, nahe der oldenb. Grenze, an der Haase, der Linie Oldenburg-Osnabrück und der Nebenlinie Löningen-Q. (19,8 km) der Oldenb. Eisenbahn und der Nebenlinie Q.-Rheine (60,7 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Osnabrück), hat (1890) 2808 E., darunter 933 Katholiken und 31 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, evang. und kath. Kirche, Realgymnasium, höhere Mädchen-, Ackerbauschule; Gerberei, Seilerei, Bürstenfabrikation, Spinnerei, Baumwollweberei und -Färberei, Lachsfang und Handel mit Getreide, Wein und Wolle.
Quäker (engl. Quakers, d. i. Zitterer), die Mitglieder einer um die Mitte des 17. Jahrh. in England entstandenen Religionsgesellschaft. Ursprünglich war Q. Spottname, weil ihr Stifter, G. Fox (s. o.), eine Rede vor Gericht mit den Worten schloß: "Zittere vor dem Worte des Herrn." Die Q. selbst nennen sich die Christliche Gesellschaft der Freunde, weil das Band der Freundschaft und Gleichheit ihre Gemeinden vereinigen soll, oder Söhne oder Bekenner des Lichts. Fox trat 1649 als Religionslehrer auf. Trotz aller Verfolgungen bildeten sich in mehrern Teilen von Großbritannien, wie in Wales und Leicester, seit 1654 auch in London, Quäkergemeinden, die von den Regierungen anfangs geschont wurden, bis sie den Gegensatz gegen das geordnete Kirchenwesen bis zu fanatischem Enthusiastentum trieben und so eine allgemeine Verfolgung heraufbeschworen. Vielfach wurden die Q. für Agenten des Papstes gehalten. Viele von ihnen wanderten nun nach Nordamerika und Westindien, auch nach Holland, Ost- und Westfriesland aus. Unter Jakob II. setzten sie sich in Schottland und Irland fest. Ein besonderes Verdienst um ihre innere Organisation erwarb sich William Penn (s. d.), der am Delaware eine Quäkerkolonie gründete. Unter Wilhelm III. verschaffte ihnen endlich in England die Toleranzakte (1689) kirchliche Freiheit, und in Amerika wurde ihnen bald auch bürgerliche Gleichstellung mit den ältern Religionsparteien gewährt. Die Quäkersekte hat sich besonders in England und in den Vereinigten Staaten erhalten, und zählt (1894) in England 16102 Mitglieder mit 340 Bethäusern, während für Amerika 150000 angegeben werden. In Deutschland leben Q. nur vereinzelt in der Gegend von Pyrmont und Minden; in Südfrankreich in der Nähe von Nimes. Wo sie jetzt geduldet werden, gilt ihr einfaches Wort vor Gericht an Eidesstatt. Statt Kriegsdienste zu leisten, entrichten sie bestimmte Abgaben.
Ein eigentliches kirchliches Glaubensbekenntnis haben die Q. nicht aufgestellt. So muß man aus der "Catechesis et fidei confessio" Robert Barclays (Rotterd. 1676) und dessen "Theologiae verae christanae apologia" (Amsterd. und Lond. 1676) sowie aus den Schriften von George Fox, George Keith, Samuel Fisher, William Penn, Henry Tuke, J. J.^[Joseph John] Gurney u. a. nebst den gedruckten Urkunden und Sendschreiben ihrer jährlichen Versammlungen in London ihre Glaubensansichten entnehmen. Maßgebend ist das "Book of christian discipline of the Religions^[korrekt: Religious] Society of Friends in Great Britain" (neue Aufl., Lond. 1883). Als Kern ihrer Lehren ist die von einem innern göttlichen Lichte zu betrachten, das über einen jeden zur rechten Zeit kommt und das als Heiliger Geist, als innerer Christus die einzige richtige Quelle der Gotteserkenntnis und eines wahrhaft christl. Lebens ist. Aus dieser Quelle stammt auch die Heilige Schrift; aber sie ist doch nur Urkunde der Thaten und der Weissagungen Gottes. Zwar nicht die Erbsünde, wohl aber allgemeine Sündhaftigkeit wird anerkannt; auch die Gottmenschheit Christi wird statuiert, sein Versöhnungstod jedoch so gefaßt, daß durch ihn das