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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Quästur - Quattrocento
Q. hießen in der franz. Nationalversammlung
von 1848 und 1849 die drei Mitglieder einer Kom-
mission, welche das Rechnungswesen der Versamm-
lung sowie die Sicherheit und Ordnung derselben
ausrecht zu erhalten hatte. Ebenso werden im Deut-
schen Reichstage und im preuß. Abgeordnetcnhause
die vom Präsidenten für die Dauer seiner Amts-
führung ernannten, das Kassenwesen verwaltenden
zwei Abgeordneten Q. genannt.
Quäftür, s. Quästor.
Quatömber (vom lat. <iuatii0i- t^ipora, d. i.
die vier Jahreszeiten), ein im Jahre viermal wieder-
kehrender Termin, besonders der Zeitpunkt, an
welchem Mietverträge oder Rechnungen abgeschlos-
sen und die Steuern bezahlt zu werden pflegen.
Als solche Termine findet man in einigen Gegenden
Maria Verkündigung (25. März), Johannis, Mi-
chaelis und Weihnachten; in andern, z. B. in Sach-
sen, den auf den Aschermittwoch, Pfingsten, Kreuzes-
erhöhung (14. Sept.) und Luciä (13. Dez.) jedesmal
folgenden Mittwoch; in noch andern, z. V. in Nürn-
berg, Lichtmeß, Walpurgis, Laurentii (10. Aug.)
und Allerheiligen. Doch haben gegenwärtig die Q.
ihre frühere Bedeutung in geschäftlicher Hinsicht
vielfach eingebüßt.
^uatemberfasten, das in der röm.-kath. Kirche
vorgeschriebene Fasten (s. d.) am Mittwoch, Freitag
und Sonnabend der Quatemberwocken. Als letztere
sind die Wochen nach Invocavit, nach Pfingsten, nach
Kreuzeserhöhung (14. Sept.) und nach Lucientag!
(13. Dez.) festgesetzt. Die Q. werden auch Anga-
rienfasten, Fronfasten (s. d.) und Weihfasten
(s. d.) genannt.
Quatembergeld, s. Vergwerksabgabe.
Quaternär, s. Quartär.
Quaterne (lat.), im Buchdruck Lage von vier
Bogen; im Lottospiel, s. Lotto.
Hu2.tsrnio torluinörnin (lat.), s. Fehlschluß.
Quathlambaberge (Kathlambaberge), s.
Drakenberge.
y,/"^., hinter den wissenschaftlichen Namen
von Tieren Abkürzung für Jean Louis Armand de
Quatrefages (s. d.) de Vre'au.
Quatrain (frz., spr. käträng), Strophe von vier
Verszeilen, als Einzelstrophe vornehmlich im Sinn-
gedicht verwendet; sonst heißen auch Q. besonders
die beiden ersten Vierzeilen des Sonetts.
Quatre-Bras (spr. kattr brah), Meierei in der
belg. Provinz Südbrabant im Bezirk Nivellcs,
wurde während der Schlacht bei Ligny (s. d.) wichtig.
Während Napoleon I. die Preußen 16. Juni 1815
bei Ligny angriff, follte Ney die engl.-braunschw.-
niederländ. Armee bei Q. festhalten. Auf beiden
Seiten blieben in den Gefechten zu Q. ungefähr
4000 Mann, darunter der Herzog Friedrich Wil-
helm von Vraunschwcig. An seinen Heldentod er-
innert ein in Kupfer getriebener Löwe auf 8 in
hohem Granitsockel (1890).
Quatrefages de Breau (spr. kattrefahsch de
breoh), Jean Louis Armand de, franz. Naturforscher,
geb. 10. Febr. 1810 zu Verthezeme (im Depart.
Gard), studierte zu Straßburg Medizin und Natur-
wissenschaften, ließ sich daselbst als Arzt nieder und
wurde 1838 ebenda zum Professor der Zoologie
ernannt, welche Stellung er jedoch bald aufgab,
um sich behufs eingehender naturwissenschaftlicher
Forschungen nach Paris zu begeben. 1842 bereiste
er die Küsten des Atlantischen Oceans und desMittel-
ländischen Meers und wurde 1850 als Professor an
das I^css Ka^olson zu Paris berufen, welche
Stellung er jedoch 1855 mit der Professur der Ana-
tomie und Ethnologie am^In36s ä'Iii3toii-s natni-siis
daselbstvertauschte. Erstarb 12. Jan. 1892 in Paris.
Q.' Verdienste bestehen wesentlick in den zahlreichen
Forschungen über die niedern Tierklassen und in
einer Reihe anthropolog. Untersuchungen. Sein
Hauptwerk ist eine "Hi^oii-s F6ii6rg.Is ä68 i-Hc63
1mminn68" (2 Bde., Par. 1886-89). Mit Virchow
hatte er wegen seiner Schrift "1^3. race i)i-u38isiiii6"
(Par. 1879) eine wissenschaftliche Fehde zu bestehen.
Quatremere (spr. kattremähr), Etienne Marc,
franz. Orientalist, geb. 12. Juli 1782 zu Paris,
erhielt 1809 die Professur der griech. Litteratur
an der Fakultät zu Rouen, kebrte1811 nach Paris
zurück, wurde 1815 in die Akademie der Inschriften
aufgenommen, 1819 Professor des Hebräischen und
Syrischen am ^o1l6F6 äs I^rancs und 1838 auch
Lehrer des Persischen an der Schule für orient.
Sprachen. Er starb 18. Sept. 1857 zu Paris. Seine
wichtigsten Arbeiten sind: "1!6c1i6rc1is3 ci'iNHii63
ot 1ii8t0ri(iu63 Lur Ia lanFlis 6t Ia littsraturs äs
i'I^F^ts" (Par. 1808) und /(Hlsiuoil^ FsoZi-a-
p1iiciu63 st Iii3t0riciu63 8ur i'I^vpts" (2 Bde., ebd.
1811) , "01)861^^10118 8UI- HU6i(1U63 P0int3 (16 1a
F60FrHi)1ii6 ä6 I'I^3vpt6" (ebd. 1812), die Aus-
gabe von Raschid eddins "IIi3t0irs äs3 ^IoiiF0i8
äs la, 1^6i'86" (ebd. 1836), die Übersetzung von
Makrizis "IIi3t0il6 668 3u1taii3 mainl0uic3 äs
1'^37I)t6)) (2 Bde. in 4 Tln., ebd. 1837-41), "^Is-
N101I'68 8U1' 168 XHi)Ht66H3" (ebd. 1835), die erste
Ausgabe der "?i-ol6F0ni6N63" (3 Bde., ebd. 1858)
des Ibn Ehaldun (s. d.). Q.s an orient. Manuskrip-
ten reiche Bibliothek nebst seinem handschriftlichen
Nachlaß kaufte König Maximilian II. von Bayern
für die Münchener Hof' und Staatsbibliothek.
Quatremere de Quincy (spr. kattremähr de
kängßih), Antoine Chrysostome, franz. Kunstforscher,
geb. 21. Okt. 1755 zu Paris, studierte zuerst die
Rechte, widmete sich aber dann in Italien dem Stu-
dium der antiken Kunst. Während der Revolution
wurde er Mitglied der Gesetzgebenden Versamm-
lung und nahm später am Rat der Fünfhundert
teil. 1804 wurde Q. zum Mitglied des Instituts,
1816 zum Intendanten der Künste und Denkmäler
und 1818 zum Professor der Archäologie ernannt.
Er starb 28. Dez. 1849 zu Paris. Von'seinen zahl-
reichen Werken sind zu nennen:, "N6in0ir6 3ur
l'6wt ä6 1'HrcIiit6cwi-6 cli62 168 ^Fvptisiiä " (Par.
1803), "OictiomiHii^ äs I'arcliiwctui-s" (3 Bde.,
ebd. 1795 -1825: neue Ausg. in 2 Bon. 1833),
"I^s^upitsr oi^nipisii" (ebd. 1814), "N33ai 8ui- 1a
naturo, 1s dut st Is8 ni0^6ii3 äs i'iinitHtion äaii3
163 I)6HUX-Hrt3>> (ebd. 1823), "Hi3toii-6 äs 1a vis
6t ä63 011VI-I.F68 äs liakllsi" (ebd. 1824; 2. Aufl.
1833), "Iliztoirs äs 1a. vis äs Hlicksi-^iiFs " (ebd.
1835), "^I0nuiii6iit3 6t 0uvrÄF63 ä'Hi't anri(iu,63
rs3titus3" (2 Bde., ebd. 1826-28), "Hi3toii's äs 1a
vis st äs8 0uvi-a^68 äs3 p1u3 csi6l)i-63 ai-c1iitsct68)
än "li^isms 8iscls ^'iiz^u'^ la ün äu äix-tiuitiems"
(2 Bde., ebd. 1830). Seine Lobreden auf verstorbene
Akademiker erschienen gesammelt (2 Bde.) Paris
1834-37. - Vgl. Iouin, ^utoins Oiii^o^oiiis
H. ä. y. (Par. 1892).
Quattrtno, päpstl. Münze, ^5 des Baiocco
(s. d.) und der Crazia (s. d.).
yrla.ttrooonto (ital., spr. -tschento, d. i. vier-
hundert, abgekürzt für 1400), in der Italienischen
Kunst (s. d.)' der Stil des 15. Jahrh., soviel wie