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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Quecksilbervitriol; Quecksilberzittern; Queda; Quedlinburg; Queen; Queen Elisabeth style; Queenborough; Queens

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Quecksilbervitriol - Queens

Hinsichtlich der Verhütung der chronischen Q. ist bei allen Quecksilberkuren eine sachverständige ärztliche Überwachung durchaus erforderlich; über die hierbei nötigen Vorsichtsmaßregeln s. Syphilis. Zur Verhütung der technischen Q. kommen vor allen Dingen eine möglichst vollkommene Ventilation der Arbeitsräume, eine angemessene Beschränkung des Aufenthalts in denselben, das Verbot der Nahrungsaufnahme im Arbeitslokal, Waschen der Hände und Wechseln der Kleidung beim Verlassen desselben, häufige Bewegung in freier Luft u. s. w. in Betracht. Als feinstes Reagens, ob Quecksilberdünste in den Arbeits- oder Wohnräumen vorhanden, können lebende Blumen dienen; sie sterben in quecksilberhaltiger Atmosphäre schnellstens ab. Beim Auftreten der ersten Symptome muß der Kranke schleunigst aus der quecksilberhaltigen Atmosphäre entfernt werden; die eigentliche Behandlung besteht in warmen Bädern, Sorge für gute Ernährung, adstringierenden Mundwässern und in längerm Gebrauch des Jodkaliums.

Vgl. Overbeck, Merkur und Syphilis (Berl. 1861); Kußmaul, Untersuchungen über den konstitutionellen Merkurialismus (Würzb. 1861); Hermann, über die Wirkung des Quecksilbers auf den menschlichen Organismus (2. Aufl., Berl. 1878); Kaufmann, Die Sublimatintoxikation (Bresl. 1888).

Quecksilbervitriol, s. Quecksilberoxydsulfat.

Quecksilberzittern, s. Quecksilbervergiftung.

Queda, auf Malaka, s. Keda.

Quedlinburg, ehemaliges freiweltliches, reichsunmittelbares Frauenstift im Obersächsischen Kreise, ward von König Heinrich I. gegründet, erhielt aber erst durch Otto I. 13. Sept. 936 seine innere Verfassung. Das Stift, dessen vier erste Äbtissinnen Töchter von deutschen Kaisern waren, wurde von letztern mit Gütern und Privilegien ausgestattet. Seine Besitzungen erstreckten sich bis zum Vogt- und Havellande; es besaß die Reichsstandschaft mit Sitz und Stimme auf der rhein. Prälatenbank und die obersächs. Kreisstandschaft. 1539 fand der Übertritt zur Reformation statt. Die Schutzherrschaft war ursprünglich bei dem sächs. Kaiserhause, nach dessen Aussterben sie vielfach neu und weiter verliehen, verkauft und verpfändet ward. Nachdem sie 1479 erblich geworden war, fiel sie 1485 der Albertinischen Linie des sächs. Kurhauses zu, welche sie mit andern Gerechtsamen 1697 für 340 000 Thlr. an das Kurhaus Brandenburg verkaufte. Durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 ward das Stift, das noch 110 qkm mit 13 200 E. umfaßte, der Krone Preußen als erbliches Fürstentum überwiesen, 1807 zum Königreich Westfalen geschlagen und 1813 dem preuß. Staate wieder einverleibt. - Vgl. Voigt, Geschichte des Stifts Q. (3 Bde., Lpz. 1786 u. 1787; Quedlinb. 1791); Fritsch, Geschichte des vormaligen Reichsstifts und der Stadt Q. (2 Bde., Quedlinb. 1828); Düning, Stift und Stadt Q. im Dreißigjährigen Kriege (ebd. 1894).

Quedlinburg, Kreisstadt im Kreis Aschersleben des preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, ehemalige Stifts- und Hansestadt, in der Nähe des Unterharzes, an der Bode, der Linie Magdeburg-Thale und der Nebenlinie Frose-Ballenstedt-Q. (29,9 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Halberstadt) und einer Reichsbanknebenstelle, hat (1890) 20 761 (10 097 männl., 10 664 weibl.) E., darunter 788 Katholiken und 87 Israeliten, in Garnison die 3. Eskadron des Kürassierregiments von Seydlitz Nr. 7, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, noch teilweise erhaltene Mauern und Türme, 7 evang. und eine neuere kath. Kirche. Der nördl. Arm der Bode oder Mühlengraben scheidet die Altstadt (von Kaiser Heinrich I. als Stadt begründet) von der im 12. Jahrh. angelegten Neustadt, während der südl. Arm (die Wilde Bode) diese beiden Stadtteile mit den Vorstädten Neuerweg, Westendorf und Münzenberg von der erst 1862 angelegten Vorstadt Süderstadt trennt. Die Stifts- oder Schloßkirche, dreischiffige, flachgedeckte Basilika, 1021 geweiht, nach dem Brande 1070 neu gebaut, 1320 im Chor vollendet, 1862 hergestellt, birgt die Gräber Heinrichs I., seiner Gemahlin Mathilde und seiner Enkelin Mathilde sowie den 1868 wieder aufgefundenen, in den Felsen gehauenen Gruftbau Heinrichs I. und die Betkapelle der Königin (10. Jahrh.) in der Krypta und eine sehr reiche Schatzkammer; die 986 erbaute Kirche des Marienklosters (Coenobium ad Montem Zionis) auf dem Münzenberg liegt in Trümmern, die ehemalige Wipertikirche, eine Basilika des 12. Jahrh., mit wohlerhaltener Krypta (10. Jahrh.), dient wirtschaftlichen Zwecken. Das Schloß auf hohem Sandsteinfelsen war einst Sitz des Frauenstifts Q., das sehr alte Rathaus, mit Anbauten der got. und Veränderungen aus der Renaissancezeit, hat vorn einen steinernen Roland. Ferner hat die Stadt ein Gymnasium, 1540 von der Äbtissin Anna II. von Stolberg gestiftet, mit alter Bibliothek (10 000 Bände), Real-, höhere Mädchenschule, Präparandenanstalt, ein städtisches Museum mit Bronze- und Steingeräten, Waffen, Urkunden, Siegel- und Münzstempeln; einen Park, den Brühl, mit Denkmälern der hier geborenen Klopstock (1824) und Karl Ritter (1865). Die Stadt besitzt eine sehr ausgedehnte Feldmark, und Acker- und Gartenbau bilden den Haupterwerbszweig. Wichtig ist der Samenbau, der neben dem von Erfurt den ersten Rang in Deutschland einnimmt, daneben Fabrikation von Tuch, Stärkezucker, Anilinfarben und Drahtwaren. Der Handel mit Vieh, zumal auf dem Viehmarkte im Oktober, ist erheblich. - Vgl. Ranke und Kugler, Beschreibung und Geschichte der Schloßkirche zu Q. (Berl. 1838); Janicke, Urkundenbuch der Stadt Q. (2 Bde., Halle 1873-82); Hase und Quast, Die Gräber in der Schloßkirche zu Q. (Quedlinb. 1877).

^[Abb.]

Queen (engl., spr. kwihn), Königin.

Queen Anne style (spr. kwihn änn steil), der Stil der Englischen Kunst (s. d., Bd. 6, S. 126 a), der im Anfang des 18. Jahrh. herrschte, ein aus dem Palladianismus (s. d.) hervorgegangenes Barock, das in derben, einfachen und massigen Formen sich ergeht. Christopher Wren und John Vanbrough sind die hervorragendsten Architekten dieses Stils.

Queenborough (spr. kwihnbörö), Ort (1050 E.) in der engl. Grafschaft Kent, auf der Insel Sheppey in der Themsemündung, bei Sheerneß, ist Endpunkt der Postdampferlinie Vlissingen(Flushing)-Q.

Queen Elisabeth style (spr. kwihn elisa-steil), die eigenartige Frührenaissance der Englischen Kunst (s. d., Bd. 6, S. 125 b).

Queens (engl., spr. kwihns), eine Art der weichen Biskuits (s. d., Bd. 3, S. 44 a).