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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Raben - Rabî'
ungcmein originellen, vielseitig gelehrten, sein Jahr-
hundert überschauenden kühnen Kopfes, in seinen
Übertreibungen und Roheiten der Ausdruck eines
reichen, in seiner Jugend der Zucht und Erziehung
nickt teilhast gewordenen Ingeniums.
Die besten Ausgaben sind die von Leduchat und
B. de Lamonnoye (5 Bde., Amsterd. 1711 u. ö.),
von Burgaud des Marets und Rathery (2 Bde.,
Par.1857-58),von Che'ron(5Bde., ebd.1877),von
Martv-Laveaur (Bd. 1-4, ebd. 1868-73). Die
engl. Übersetzung von Th. Urchard und P. Lemoteur
<2 Vde., Lond. 1653; seitdem öfter wieder aufgelegt,
vermehrt und verbessert) wird von den Engländern
als ein Muster in ihrer Art betrachtet. Eine Holland.
Übersetzung erschien bereits 1682 (2 Bde., Amsterd.).
Am frühesten aber ward N. in Deutschland eingeführt
durch seinen Geistesverwandten Job. Fiscbart, der
1575 den "Gargantua" und "Pcmtagruel" frei be-
arbeitete. Eine klassische archaisierende deutsche Über-
setzung mit Kommentar gab Negis (2 Tle. in 3Vdn.,
Lpz. 1832 - 41), eine in der heutigen gebildeten
Sprache geschriebene A. Gelbcke (2 Bde., ebd. 1880)
heraus. - Vgl. Fleury, 1^. ot Le3 wuvi-63 (2 Bde.,
Petersb. 1877); Gebhart, 15., 1a Nsn^iäZancs 6t
w I^'forms (Nancy 1877); Arnstädt, Francois R.
und sein 'I'i'^itü ä'öäucation (Lpz. 1872); A.'Virch-
Hirschfeld, Geschichte der franz. Litteratur seit Be-
ginn des 16. Jahrh., Vd.1 (Stuttg.1889); Stapfer,
1t,. -. 83. ^LI-30NN6, 80N FÜnik, LOH (LU^6 (Par. 1889) ;
Millet, IladellliZ (ebd. 1892).
Naben, echte ((^oi-vinao), eine aus 12 Gattungen
und einigen 80 Arten bestehende Unterfamilie der
Rabenvögel (s. d.) von meist einfach schwarzer oder
schwarz und weißer oder brauner Farbe. Sie sehten
nur in Neuseeland. Zu ihnen gehören u. a. die be-
kannten Feldraben: Kolkrabe, Rabenkrähe, Ncbel-
krähe, Saatkrähe, ferner die Dohlen, die Elster, der
Tannenheher.
Nabenau, Stadt in der Amtshauptmannschast
Dresden-Altstadt der sächs. Krcishauptmannschaft
Dresden, rechts über der Roten Weißeritz, an der
Nebenlinie Hainsberg-Kipsdorf der Sächs. Staats-
bahnen, hat (1890) 2720 E., darunter 55 Katho-
liken, Post, Telegraph und Fernsprechverbindung,
neues Rathaus, Wasserleitung; bedeutende Möbel-
fabrikation und Stuhlbauerei (Sächs. Holzindustrie-
Gesellschaft). R. und der Raben au er Grund
(Weißeritzthal) werden von Dresden aus viel besucht.
Nabener, Gottlieb Wilh., Satiriker, geb.17.Sept.
1714 auf seines Vaters Gute Wachau bei Leipzig,
besuchte die Fürstenschule zu Meißen und studierte
seit 1734 in Leipzig die Rechte. 1741 wurde er
Eteucrrevisor des Leipziger Kreises, 1753 Obcr-
stcuersekretär in Dresden und 1763 Steucrrat. Er
starb 22. März 1771. Seit 1741 trat er als Sati-
riker auf in Schwabes "Belustigungen des Ver-
standes und Witzes", dann in den "Bremer Bei-
trägen". 1751-55 veröffentlichte er eine selbstän-
dige, viel gelesene "Sammlung satir. Schriften"
(4 Bde., Leipzig). Seine "Sämtlichen Schriften" gab
C. F. Weiße mit kurzer Biographie heraus (6 Bde.,
Lpz. 1777; neueste Ausg., 4 Bde., Stuttg. 1839). ^
R.s Satiren, in denen er ängstlich alles Persönliche !
vermied, stellen mit gutmütigem Witz, heiterer Welt- !
beobachtung und in mannigfaltigster Einkleidung,
dazu in einer behaglich gefalligen Prosa die Thor- !
heiten der mittlern Stände dar; fehlt ihnen auch die
männliche Krast, so haben sie doch Geist und Abwech-
selung. - Vgl. P. Richter, R. und Liscow (Dresd.
Backhaus' Konvc'e-s^ions-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
1884); Bremer Beiträge, hg. von Muncker, Vd. 2
(in Kürschners "Deutscher Nationallittcratur").
Nabenfisch, s. Adlerfisch.
Rabengeier (OliHt^rtLä ati-awZ >N?-ic/^.), eine
rabengroße und rabenschwarze Geierart, die im
südl. Nordamerika, Mittel- und Südamerika vor-
kommt und wegen ihres Nutzens, der in dem Fort-
schaffen von Tierleichen besteht, geschützt wird.
Nabenhorst, Ludwig, s. A"ö/i.
Nabenkakadus, Nabenpapageien, Helm-
kakadus (^Äi^t0r1i)'iic1iu3), wegen ihrer vor-
wiegend schwarzen Färbung so genannt, stattliche
Vögel, von denen man sieben Arten in Australien
kennt. Der bekannteste und auch in der Gefangen-
schaft häufigste ist der Bartkakadu (Oai^to
i-1i)'ncdu8 Uluikzi ^ttt/l.) mit glänzend schwarzem
Gefieder, das Männchen mit breiter scharlachroter,
das Weibchen mit rot und gelb gebänderter Quer-
binde über dem Schwanz. Preis 400 M., Haltung
wie die der übrigen Kakadus (s. d.).
Nabenkrähe, s. Krähe.
Rabenpapaqeien, s. Nabenkakadus.
Nabcnschlacht, eine strophische Dichtung aus
der Tietrichsage, die um 1280 ein Spielmann, wahr-
scheinlich Heinrich der Vogler, aus einem ältern Ge-
dicht mit grandios epischen Zügen, die noch durch
die verderbte Gestalt durchschimmern, zurechtmachte.
Den Inhalt bilden die Kämpfe vor Raben (Na-
vennaj, das Ermenrich belagert, während Dietrich
vor Padua liegt. Etzels jngendliche Söhne und
Dietrichs jüngerer Bruder Diether verlassen das
Heer, verirren sich nach Ravenna und werden von
Witich erschlagen. Wütend versolgt Dietrich den
Mörder bis ans Meer, wo eine Meersrau den
Fliehenden aufnimmt. Ausgabe von E. Martin im
"Deutschen Heldenbuch", Bd.'2 (Berl. 1866); neuhoch-
deutsche Bearbeitung von Vückmann (in Reclams
"Ilniversalbibliothek").
Nabenftcin, der erhöhte, aus Steinen aufge-
mauerte Platz, wo früher die Enthauptung von Ver-
brechern stattfand und sich gewöhnlich Raben in Masse
aufhielten. R. fanden sich einst fast in allen den
Städten, denen die peinliche Gerichtsbarkeit zustand.
Nabenvögel (lüorviä^s), eine aus 24 Gat-
tungen und gegen 200 Arten bestehende kosmo-
polit. Familie der Sperlingsvögel von meist an-
sehnlicber Größe, mit großem, derbem Schnabel;
die Nasenlöcher sind mit Federn bedeckt, die Flügel
sind, wenn auch nickt lang, so doch kräftig, abgerun-
det, der Schwanz ist lang bis sehr lang; die Läufe
und Zehen sind mittellang, kräftig. Die R. fressen
sowodl tierische wie pflanzliche Stoffe und haben
sehr allgemein die Gewohnheit, glänzende Gegen-
stände namentlich in ihre Nester zu verbergen. Die
Familie zerfällt in die Unterfamilien der 1) Nackt-
schnäbler ((^vmnordinina^), australisch; 2) der Heher
(s. d., (^i-rulinae); 3) der Schweifkrähcn (Oenäro
cininne), südasiatisch und afrikanisch, australisch und
neuseeländisch; 4) der Alpenkrähen (s. d., I^regilinae),
und 5) der echten Raben (s. d., Oorviiike).
^?"b/<. oder Aabe,l/i., hinter lat. Pstanzennamen
Abkürzung für Ludwig Rabenhorst, geb. 1806
in Treuenbrietzen, lebte als Privatgelehrter in Dres-
den und später in Meißen, wo er 24. April 1881
starb; er gab zum Teil selbständig, zum Teil mit
andern Botanikern zusammen zahlreiche Abhand-
lungen über Kryptogamen sowie Sammlungen ge-
trockneter Kryptogamen heraus.
Nabi', Name mohammed. Monate, s. Rebi'.
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