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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rabiat – Rachen

Rabiat (rabbiat, ital.), wütend.

Rabĭes (lat.), Wut; R. canina, Hundswut.

Rabinschen, soviel wie Rapünzchen, s. Feldsalat.

Rabiosa, Bergwässer in Graubünden, s. Rabiusa.

Rabitz-Patent, Rabitzwand, eine von Rabitz (Berlin) gegen Ende der siebziger Jahre erfundene Drahtputzwand, bestehend aus einem Drahtnetz, auf welches der Mörtel (aus Gips, Kalk, Sand, Leim und Kälberhaaren) aufgetragen wird. Die Rabitzwand, die sich durch verschiedene Proben als feuersicher erwiesen hat, wird hauptsächlich angewendet für innere Scheidewände in Wohn- und Fabrikgebäuden, als Wandungen von Lüftungs- und Heizungskanälen, Dunstschloten, Darrschloten und Darrgewölben in Malzdarren, an Stelle massiver Brandmauern, da wo letztere wegen ungenügender Unterstützung nicht ausführbar sind u. s. w. In der Neuzeit verwendet man die Rabitzkonstruktion auch als feuerfeste Überspannung weiter Räume, als dekoratives Gewölbe unter Holzkonstruktionen oder feuerfesten nicht architektonisch ausgebildeten Decken.

Rabiusa oder Rabiosa, zwei wilde Bergwässer im schweiz. Kanton Graubünden, von denen das eine, auch Safierrhein genannt, am Bärenhorn (2932 m) entspringt, das Safierthal und das Versamtobel durchfließt und nach 20 km langem Laufe oberhalb Reichenau rechts in den Vorderrhein mündet, das andere von der Wasserscheide der Lenzerheide nördlich durch das Thal von Churwalden fließt und sich bei Araschga, 1 1/2 km südlich von Chur, in die Plessur ergießt.

Rabnitz, ungar. Repcze, linker Nebenfluß der Raab, entspringt in Niederösterreich westlich vom Sticklberg (880 m), durchfließt die ungar. Komitate Ödenburg und Raab sowie den Sumpf Hanság, dessen vom Neusiedlersee ausgehenden Hauptkanal sie links aufnimmt, und mündet bei Raab.

Rabouge (spr.-buhsch’), Kartenspiel unter beliebig viel Personen und mit einem oder mehrern vollständigen Spielen der Whistkarte. Die Karten werden unter alle Mitspielenden gleichmüßig verteilt und verdeckt auf den Tisch gelegt; nur die oberste Karte wird von jedem aufgedeckt. Dann wird von der Vorhand die oberste Karte als Auslage in die Mitte gelegt, auf die in aufsteigender Reihenfolge weiter gebaut wird. Kann der Spielende nicht mehr in die Mitte ablegen, so ist er berechtigt, seine Karten in aufsteigender und absteigender Reihenfolge auf die Auslagekarten der übrigen Mitspieler zu legen. Kann er auch dies nicht mehr, so kommt der Nächstfolgende an die Reihe. Gewonnen hat, wer zuerst keine Blätter mehr hat oder die wenigsten übrigbehält, falls niemand mehr legen kann. Außer dieser einfachsten Art der R. wird das Spiel auch noch auf andere kompliziertere Art gespielt.

Rabulist (lat. rabula), Zungendrescher, Rechtsverdreher.

Rabutin, Roger de, s. Bussy-Rabutin.

Racahout (spr. -kăuh), mehlhaltiges Nahrungsmittel, das zu verhältnismäßig hohem Preise verkauft wird und hauptsächlich aus Reis- und Kartoffelmehl sowie aus Zucker besteht, dem noch einige andere Zusätze, wie Schokoladenpulver, Saleppulver, Dextrin (Röstgummi), Vanille u. s. w. beigefügt sind. Ursprünglich war das R. ein schwach geröstetes Pulver der in Algerien wachsenden eßbaren Eicheln (der Früchte von Quercus ballota Desf.) und kam als R. des Arabes in den Handel. Weder das echte noch das nachgeahmte R. besitzt den hohen Nahrungswert, welchen die Reklame ihm beilegt. ↔

Racalmuto, früher auch Realmuto, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Girgenti auf Sicilien, an der Eisenbahn Girgenti-Caltanissetta (-Catania), hat (1881) 13440 E. und Bergbau auf Schwefel, Salz und Quecksilber.

Racconigi (spr. -dschi), Stadt im Kreis Saluzzo der ital. Provinz Cuneo, rechts an der Maira und an der Linie Turin-Cuneo des Mittelmeernetzes, hat (1881) 9565 E., ein königl. Schloß mit Park (1755 von Le Nôtre angelegt), wo Karl Albert von Sardinien gern weilte, ein Gymnasium, großes Hospital; Seidenkultur und Spinnerei, Woll- und Schuhwarenfabrikation.

Race (frz., spr. rahß), soviel wie Rasse (s. Art und Menschenrasse).

Race (engl., spr. rehß), Wettlauf, Wettrennen, s. Regatta.

Racemate, die Salze der Traubensäure (s. Weinsäure.)

Racemös, Racemus, s. Blütenstand.

Rachegöttinnen, sowiel wie Erinnyen (s. d.).

Rachel, s. Erzlagerstätten (Bd. 6, S. 342 a).

Rachel, Berg im Böhmerwald (s. d.), aber noch in Bayern gelegen, 1454 m hoch; an seinem Fuße, 1074 m, der malerische Rachelsee (15 ha, 14 m tief) mit schwarzer Farbe.

Rachel (spr. raschéll), Elisa (eigentlich Elisa Rachel Félix), auch Rachel-Félix genannt, franz. Schauspielerin, geb. 28. Febr. 1820 zu Mumpf im Kanton Aargau, kam 1830 nach Paris, wo sie auf Chorons Veranlassung in der Deklamationsschule von Pagnon Saint-Aulaire studierte und 1836 Mitglied des Gymnase wurde. Dann studierte sie noch bei dem Schauspieler Samson und wurde 1838 Mitglied des Théâtre francais. Seit 1840 erhielt sie hier jährlich einen dreimonatigen Urlaub, den sie zu Gastspielen in allen Ländern Europas, zuletzt auch in Nordamerika benutzte. Die bedeutenden Erfolge, die Adelaide Ristori 1856 in Paris errang, versetzten sie in große Aufregung, Um ihrer Nebenbuhlerin auszuweichen, trat sie eine Kunstreise nach Amerika an, von der sie körperlich gebrochen zurückkehrte, ohne die gewünschten künstlerischen und finanziellen Erfolge erreicht zu haben. Vergeblich suchte sie Genesung in Ägypten; sie starb 3. Jan. 1858 in einem Landhause zu Canet bei Toulon. Die R. brachte namentlich die altklassische franz. Tragödie (Racine, Corneille, Voltaire) wieder zu Ehren. – Vgl. Janin, R. et la tragédie (Par. 1858); d’Heylli, R. d’après sa correspondance (ebd. 1882).

Rachen oder Schlund (Fauces, Pharynx), der im Hinterhaupte und Halse gelegene Raum, in den die Nasen- und Mundhöhle gemeinschaftlich münden (s. Tafel: Mund- und Nasenhöhle des Menschen, Fig. 2, Bd. 12, S. 72). Von der Mundhöhle ist der R. durch den Racheneingang oder die Rachenenge (s. Gaumen) getrennt; mit der Nasenhöhle hängt er durch die beiden hintern Nasengänge, die Choanen (s. d.), zusammen. Im Halse ist die vordere Wand desselben durch die Zungenwurzel gebildet. Die hintere Wand ist gewölbt und besteht oben aus dem Boden der Schädelhöhle, unten aus den Weichteilen des Halses. Unten spaltet sich der R. in zwei Kanäle, die hinten gelegene Speiseröhre und die vorn gelegene Luftröhre mit dem Kehlkopf. Durch den R. gelangt also der aus der Nase abfließende Schleim entweder in den Magen oder in die Mundhöhle, ferner die Luft in die Lunge und aus derselben, ebenso Mageninhalt (beim Erbrechen) und Lungensekret (Schleim) in die Mundhöhle. nach außen wird die Rachenschleimhaut von einer kräftigen Muskelhaut

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 579.