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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Räderalbus - Radetzky
beitcn sind gesammelt als "Gesammelte komische
Theaterstücke" (4 Bde., Dresd. 1859-67), "Sing-
spiele für kleine Bühnen" (3 Hefte, ebd. 1868), "Ko-
mische Conplets" (5 Hefte, ebd. 1862-70).
Räderalbus, Beiname einer kleinen Silber-
münze, seit 1409 von den Kurfürsten von Main;,
Trier und Köln, später anch von Pfalz und Hessen
geprägt und nach ihrem Gepräge, einem grosicn
von einem Kreise umgebenen Kreuz, das dadurch
einem Nade ähnlich sah, benannt. (S. Albus.)
Räderbohrer, s. Bohrer (Bd. 8, S. 239k).
Räderdrehbank, s. Rad (technisch).
Rädern, s. Rad (Strafwerkzeug).
Rädersteinchen, s. Vonifaciuspfennige.
Rädertiere (I^t^toria 8. I^otit'^'i), kleine Tiere,
die, obgleich ihr Körper einer innern Gliederung
entbehrt, der ganzen Organisation nach zu den
Würmern (s. d.) gehören. Es sind teils frei-
schwimmende und mit einem gezabnten Sckwanz^
anhange ausgerüstete, teils mit .Hilfe des Sckwanz-
anhangs festsitzende und meist von einer Gallert-
Hülfe geschützte (z. B. ^topIiHnocoi-oz I^icillwi-nii
^/i?'b., das K r o n enrädchen, s. Tafel: W ürmer,
Fig. 27), in der Mehrzahl Bewohner des süßen, nur
in einigen Arten des salzigen Wassers, die einen ein-
ziehbaren "Rä'derapparat" am Kopfe besitzen. Tiefer
dient teils zur Bewegung, teils zurHerbcistrudelung
der Nahrung', er umgiebt die Mundösfnung, die
ihrerseits in den mit einem beständig klappenden
Kiefcrpaare ausgestatteten Schlundkopf führt; der
mehrfach mit Drüsen ausgestattete Darm mündet
rückenwa'rts nach außen. Atmungs- und Kreio-
laufsorgane fehlen, hingegen ist ein flimmerndes
Erkrctionsgefä'ßsystem, wie bei den Plattwürmern,
sowie ein über dem Schlunde gelegenes Nerven-
system vorhanden. Bemerkenswert sind die R. durch
die auffällige Verschiedenheit der Geschleckter, indem
die viel kleinern Männchen Schlund uno Tarmkanal
entbehren (so H^itiu". 86uta ^/ii/?., das Kry-
stallfischchen, s. Fig. 35 Vtännchen und Fig. 32
Weibchen), sowie durch die Fähigkeit, einer nicht
allzu intensiven Austrocknung widerstehen zu können.
Sie legen dünnschalige ^wahrscheinlich partbeno-
gcnetisch sich entwickelnde) Sommer- und hartschalige,
befruchtete Wintercicr ab; die Entwicklung erfolgt
obne Verwandlung. - Vgl. Ehrcnberg, Die In-
fusionstierchen u. s. w. (Lpz. 1838); Cohn, Über R.
(in der "Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie",
1856); ferner die Arbeiten von Plate, Eckstein u. a.
Räderwerk, eine Vereinigung von Zahn- oder
Friktionsrädcrn zur libcrtragung einer drehenden
Bewegung von einer Welle auf eine andere.
Radesyge (norweg., "langwierige Krankheit")
oder^naeria (Vöck) nennt man in Skandinavien eine
auf tertiärer Syphilis (s. d.) beruhende Krankbeit,
ausgezeichnet durch ausgebreitete Hautgeschwüre,
die mit Hinterlassung weißer netzförmiger Narben
beilen, oder immer weiter um sich arcifen und soqar
tiefer liegende Teile, z. V. die Nase, zerstören ton-
nen. DerN. verwandt sind: die sog. Dithmarsche
Krankheit in Holstein, der Skcrljevo im illyr.
Küstcnlande, die Sibbcns Schottlands. Nicht zu
verwechseln mit der N. sind die sog. norwegische oder
Borken kratze (8cal)i63 ci-u8to?3.), d. h. jener
höchste Grad der gemeinen Krätze, bei dem die Haut
dick mit Grinden bedeckt ist, und der nordische Aus-
satz (s. d.).
Radetzky, Joseph Wenzel, Graf R. de Nadetz,
östcrr. Fcldmarschall, geb. 2. Nov. 1766 zu Trzeb-
nitz bei Klattau in Böhmen, trat 1784 als Kadett
in ein Kürassierregiment und wohnte 1788-89 dem
Kriege gegen die Türken, 1792-95 den Feldzügen
in den Niederlanden und am Rhein bei. 1796 Ritt-
meister und Adjutant Veaulicus, zeichnete er sich
bei Voltri aus, ward zum Major im Pionierkorps
befördert und stieg 1799 zum Oberst auf. 1800 focht
er rühmlich in der Schlacht von Hohcnlinden. Bei
Beginn des Fcldzugs von 1805 ward er als General-
major nach Italien versetzt. Im Kriege von 1809
dem 5. Armeekorps zugeteilt, focht er als Befehls-
haber der Vorhut mit Auszeichnung bei Vraunau,
Wels und Gunzendorf, stieg nach der Schlacht bei
Aspern zum Feldmarschalllieutenant auf und wohnte
auch der Schlacht bei Wagram bei. Nach dem Frie-
den wurde R. zum Chef des Generalquartiermeister-
stabes ernannt, in welcher Stellung er für die Re-
organisation des österr. Heers und in den Feldzügen
von 1813 bis 1815 im Stäbe des Fürsten Schwarzen-
berg Hervorragendes leistete. Nach dem Frieden
von 1815 kam R. als Divisionär nach Odenburg,
später nach Ofen, 1821, nachdem er kurz zuvor zum
General der Kavallerie ernannt worden war, als
Festungskommandant nach Olmütz und 1831 nach
Italien, wo er den Befehl über die dortigen österr.
Truppen übernahm.
Als 18. März 1848 der Aufstand in Mailand
losbrack, fübrte R. (feit 1836 Fcldmarschall) einen
mehrtägigen Straßenkampf, zog sich indessen in der
Nacht vom 23. März nach Verona zurück. (S. Ita-
lien, Bd. 9, S. 766 a.) Wäbrend König Karl Al-
bert mit den ital. Strcitkräften über den Mincio
vordrang, zog R. das aus dem Norden herankom-
mende Korps Nugents an sich, rückte nach Mantua
ab und sah sich endlich im stände, einen Hauptschlag
zu fübren, der 25. Juli in der siegreichen Schlacht
bei Custozza ss. d.) erfolgte. N. bewilligte dem Kö-
nige einen Waffenstillstand, den dieser aber schon
12. März 1849 kündigte. R. zog rasch seine Haupt-
macht bei Pavia zusammen, überschritt 20. März
den Tieino, scblug 21. März den Feind bei Vige-
vano, 22. bei Mortara und siegte 23. März in der
Schlacht bei Novara so entscheidend, daß Aarl Al-
bert die Krone niederlegte. Am 26. März schloß R.
mit dem neuen Könige Victor Emanuel Wasfenstill^
stand, dem der Friede folgte. Venedig fiel jedoch
erst nach harter Belagerung in seine Hände. R. hielt
seitdem als Generalgouverncur und Ätilitärkom-
mandant die Rub ein Öberitalien mit großer Strenge
aufrecht, bis ibn auf sein Ansuchen der Kaiser 28. Febr.
1857 seiner Stelle enthob. Er starb an den Folgen
eines unglücklichen Falles 5. Jan. 1858 zu Mai-
land. 1858 erschienen zu Stuttgart "R.s Denk-
schriften militär.-polit. Inhalts aus dem hand-
schriftlichen Nacblaß desselben"; die "Briefe des
Feldmarschalls R. an seine Tochter Friederike 1847
-57" (Wien 1892) gab Duhr heraus. 1858 wurde
ibm auf dem Ktcinseitcner Ring zu Prag ein Denk-
mal (von Burgschmict), 1892 in Wien vor dem
Kriegsministerium ein Reiterstandbild (von Zum-
busck) errichtet. R.s Husarenregiment (das 5. un-
garische) fübrt auf alle Zeiten seinen Namen. - Vgl.
Strack, Feldmarschall R. (Wien 1849); Schneida-
wind, Fcldmarschall N. (Augsb. 1851); Der k. k.
östcrr. Feldmarsckall Graf N. Von einem österr.
Veteranen fton Schönhals'j (Stuttg. 1858); Fürst
Troubetzkoi, ^amM^iiLL äuI^eläiNÄi'^ci^i comte l^.
äanä 16 uoi-ä d6 I'lwlie 6u 1848-49 (neue Ausg.,
Lpz. 1860); H. Kunz, Die Feldzüge des Feldmarschalls