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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Radevormwald - Radialsystem
R. in Oberitalien 1848 und 1849 (Berl. 1890);
Krones, Feldmarschall R. Ein Lebensbild (Wien
1891)-, Smolle, Feldmarschall N. Sein Leben und
seine Thaten (ebd. 1891).
Radevormwald, Stadt im Kreis Lennep des
preuß.Neg.-Bez. Düsseldorf, an der Nebenlinie Krcb-
söge-N. (8,4 wn) der Preuß. Staatsbahncn, hat
(1890) 10237 (5232 männl., 5)005 wcibl.) E., dar-
unter 1652 Katholiken, Post, Telegraph, 6 evang.,
2 kath. Kirchen, Krankenbaus; 5 Woll- und Vaum-
wollspinnereien und Tuchfabriken, 3 Schloß-, 2 Feilen-
fabriken, je 3 Brauereien und Branntweinbrennereien.
- Vgl. Kind, Geschichte der evang.-reform. Ge-
meinde N. (Nadevormwald 1891).
Radewins, Florentius, Stifter der Brüder des
gemeinsamen Lebens (s. d.).
Radfahrsport. Die systematische Ausbildung
des Fahrens mit Zwei-, Dreirädern u. s. w. (s. Velo-
ciped) hat, von England kommend, seit etwa 1880
auch in Deutschland eine weite Verbreitung gesun-
den. Es wird unterschieden zwischen Amateuren
oder Herren fabrcrn, die den N. nur aus Lieb-
haberei betreiben, und Berufsfahrern, die sich
durch den N. ihren Lebensunterhalt oder wenigstens
Geld verdienen. Die wichtigste Art des R. ist das
Tourenfabren, das zum Distanzfahren wird,
wenn es fich um schnellste Erreichung eines be-
stimmten entfernten Ziels handelt; bei einer solchen
Distanzfahrt wurde 1893 die Strecke Wien-Berlin
(582,5 kin) in 31 Stunden 22^ Sekunden zurück-
gelegt und 1894 die Strecke Mailand-München
über den Vrennerpah (590,4 kni) in 29 Stunden
32 Minuten 30 Sekunden. Wettfahrcn finden
auf eigens dazu eingerichteten Fahrbahnen statt
(s. Nennbahn), und es wurden dabei als höchste
Leistungen erzielt: 100 km in 2 Stunden 20 Mi-
nuten 352/5 Sekunden (Paris), in 24 Stunden
741,4?"; kin (London). (Zur Vcrgleichung s. Ge-
schwindigkeit ^Tabellc^ und Dauerritte.) Eine weni-
ger verbreitete Specialität bildet das Kunstfah-
ren, bestehend in den schwierigsten Evolutionen auf
dem Nade in eng begrenztem Raum (Podium, Saal).
Zur Forderung des N. haben fich Vereinigungen
gebildet: in Deutschland der Deutsche Nadfahrer-
bund (1884 in Leipzig gegründet, aus 40 Gauen in
Deutfchland und Deutsch-Österreich bestehend mit
814 Vereinen und ^1. Dez. 1894^ 22 283 Mitglie-
dern, darunter 6010 Einzelfahrer), die Allgemeine
Nadfahrer-Union (1886 in Nürnberg gegründet
mit sIan. 1895^ 7929 Mitgliedern); in Österreich
der Bund deutscher Nadfabrer Österreichs; in Eng-
land ^1i6 XlUioi^i Ovcliätg' Union (für Wett-
fahren), ^1i6 Ovcliätä' "loui-wx Owd (für Touren-
fahren); in Frankreich Union vLioci^llihus äe
?i-a,ncO; in Amcrita 11^ I^e^Fiit; 0t' ^Vinoi-iolin
>V1i66liuLii u. a.; ausierdem als Weltbund "N10
Iiitoi'NlrtioiiHi 0)'c1i3t3' ^880ci^tinn, dein 11 Lan-
desvereinigungcn, darunter Deutschland, angehören.
Es giebt auch Damcn-Vicycleklubs, z. V. in
Berlin, Wien u. s. w. Meisterschaftsfahren
werden veranstaltet, um den besten Fahrer inner-
halb eines Landes, eines Bezirks oder einer Ver-
einigung festzustellen. Weltmeisterschafts -
fahren kommen alljährlich einmal zum Austrag.
Um mit Erfolg an den Wettfahrten teilnehmen zu
können, ist eine Trainicrung (f. Trainieren) des
Körpers erforderlich. Das Nadfabrcn ist im all-
gemeinen eine heilsame und nützliche Leibesübung,
vorausgesetzt, daß der Nadfahrer gefunde Brust-
organe besitzt, während des Fahrens eine mög-
lichst gerade, uicht vornüber gebeugte Haltung ein-
nimmt und sich hinsichtlich der Geschwindigkeit und
der Dauer des Fahrcns keine übermäßigen An-
strengungen zumutet. Überanstrengung beim Nad-
fahrcn kann Hypertrophie und andere fchwere Er-
krankungen des Herzens zur Folge baben. In recht-
licher Beziehung giebt es über das Nadfahren bisher
nur ortspolizeiliche Verordnungen, die keine Ein-
heitlichkeit haben. Zu militärischen Zwecken (be-
sonders Ordonnanz- und Meldedienst) wurde das
Fahrrad schon 1870 von der franz. Armee bei der
Verteidigung Belforts angewendet. In England
gab es schon 1889 bei 30 Freiwilligenbataillonen
Nadfahrabteilungen von je 1 Offizier, 2 Unteroffi-
zieren, 20 Mann und 1 Hornist. In Italien machte
man die ersten Versuche 1878. In Österreich-Ungarn
wurde das Fahrrad 1884 im Heer eingeführt, in
Belgien 1888. In Deutschland begannen die Ver-
suche 1886; durch kriegsministerielle Verordnung vom
11. Okt. 1892 ist Offizieren und Mannschaften das
Nadfahren in und außer Dienst gestattet. Im Militär-
etat von 1894 bis 1895 findet sich zum erstenmal ein
Posten zur Anschaffung und Instandhaltung von
Fahrrädern ausgeworfen. Bei den Aushebungen
und beim Einziehen von Beurlaubten werden im Nad-
fahren geübte Leute besonders berücksichtigt. Auch
in den andern Staaten Europas und Amerikas
giebt es Militärradfahrer. - Aus der zahlreichen
Litteratur seien nur erwähnt: Höfer, Leitfaden
für das Kunstfahren beim N. (Lpz. 1891); derf.,
Illustrierter Leitfaden für das Neigenfahren beim
N. (4. Aufl., ebd. 1893); Hindcnburg, Festalbum für
Nadfahrer (4. Aufl., Magdeb. 1892); Stadelmann,
Das Zwcirad bei den verschiedenen Militärstaatcn
Europas und seine Verwendung im Kriegsfall
(Berl. 1891); von Puttkammer, Das Nadfahren.
Die militär. Brauchbarkeit des Nadcs u. s. w. (ebd.
1894); Hillier und Walker, Die Kunst des Trainie-
rens für Nadwettfahrer (in drei Sprachen, Lpz.
1888); Siegfried, Wie ist Nadfahren gesund?
(Wiesb. 1894); Mahner, Tourenbuch des deut-
schen Radfahrcrbundes (Scharley 1894); Deutsche
Straßenprosilkarte für Nadfahrer (Lpz. 1890 fg.).
Zeitungen: "Der deutfche Nadfahrer" (1885 fg.),
"Das Stahlrad" (Lpz. 1886 fg.), "Nadfahr-Humor
und Nadfahr-Chronik" (Münch. 1887 fg.), "Deut-
scher Nadfahrer-Bund" (Magded. 1888 fg.), "Nad-
fahr-Sport" (Wien 1893 fg.), "Ziehung Xe^vä"
(London), "^Iio (^cliät" (Coventry), "1^6 Veioco
^port" (Bordeaux), "11i6 ^V^L0i" (Neuyork) u. a.
Radfenster, Katharinenrad, im Gegensatz
zur Fensterrose
(s. d.) ein mit
speichenförmig
gestaltetem Maß-
werk versehenes
rundes Fenster,
häusig im roman.
und frübgot. Stil;
so z. B. an den
Domen zu Mo-
dena und Ve-
rona. (S. bei-
stchende Figur.)
Radial (lat.),
in der Gestalt von Nadien, strablig; in der Anato-
mie: auf den Nadius oder die Speiche bezüglich.
Radiälsystem, s. Kanalisation (Bd. 10, S. 84d).