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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Radziwill
Hinterleibe der N. stehen die in der Ruhe zusammen-
geneigten Spinnwarzen an der Unterseite etwas vor
dem Ende. Die vordere der beiden Augenreihen
liegt nahe dem Rande des Kopfbruststücks. Die
R. fertigen sehr kunstvolle, senkrecht stehende, rad-
fönnige Fangnetze, die aus strahlenförmig vom
Mittelpunkte ausgehenden trocknen und aus den
Mittelpunkt ringartig umkreisenden, klebrigen, zum
Fange der Beute bestimmten Fäden bestehen. Die
Spinne lauert im Mittelpunkte des Netzes oder in
einem mit diesem durch Fäden verbundenen Schlupf-
winkel. Hierher gehören die Kreuzspinnen (s. d.).
Nadziwill, eine der ältesten litauischen Fürsten-
familien mit großen Besitzungen in Litauen, Polen
und Posen. Der Erste des Namens R. kommt als
ein Marschall von Litauen 1405 vor, wurde mit
Iagello getauft und starb 1442. Sein Urenkel, der
Palatinus von Wilna und Kanzler von Litauen,
Nikolaus R., Fürst von Goniadz und Medele, er-
langte 1515 den Reichsfürstenstand. Da aber mit
Nikolaus' Söhnen die Linie von Goniadz und Medele
1546 ausstarb, so dehnte Kaiser Karl V. 1547 die
Reichsfürstenwürde auf dessen Vrudersöhne, Niko-
laus und Johann, als Herzöge von Olyka und
Nieswiesz aus.
Zu den 1669 erloschenen Linien von Birze und
Dubinki gehören: Barbara R., geb. 1523, mit der
sich Sigismund II. August von Polen als Kronprinz
heimlich vermählte. Nach seiner Thronbesteigung
widersetzte sich aber der Reichstag ihrer Krönung
und forderte die Trennung der Ehe, weil der König
sich nicht ohne Wissen des Reichstags vermählen
dürfe. Als die Krönung dennoch zu Krakau erfolgte,
starb Barbara an empfangenem Gift 1551. Ferner:
Ianusz R., Kastellan von Wilna, gest. 1621, der
seines evang. Glaubens wegen vom poln. Könige
Sigismund III. von allen höhern Staatsämtern
ausgeschlossen wurde, offen gegen den König auf-
trat, jedoch bei Guzowo geschlagen wurde. Von
seiner zweiten Gemahlin Sophia, einer Tochter des
brandenb. Kurfürsten Johann Georg, hinterließ er
einen Sohn, Boguslaw R.) geb. 1620, der 1657
vom Großen Kurfürsten von Brandenburg zum
Generalgouverneur in Preußen ernannt wurde und
sich sowohl durch seine Verwaltung wie auch durch
seine Stiftungen für Universität und Schulen ver-
dient machte. Er starb 1669. Seine einzige Tochter,
Charlotte Luise, wurde zuerst mit dem zweiten
Sohne des Großen Kurfürsten, Ludwig, und nach
dessen Tode mit dem Pfalzgrafen Karl Philipp von
Neuburg vermählt.
Der Stammvater des jetzt noch blühenden Hauses
ist der genannte Nikolaus R., Reichsfürst (1547)
und Herzog von Olyka und Nieswiesz, mit dem Bei-
namen der Schwarze. Er war Woiwodo von Wilna
und Gesandter bei Kaiser Karl V., ging zur reform.
Kirche über, lieh 1563 zu Vrzesc die berühmte poln.
"Radziwiller Bibel" drucken und starb 1565.
Seine Söhne traten wieder zur kath. Kirche zurück.
Der älteste, Fürst Christoph Nikolaus R. (gest.
1616), unternahm eine Pilgerreise nach Jerusalem,
die in poln. Sprache (hg. von Wargocti, Bresl.
1847) sowie lateinisch in dem Werke "i'oi'SZi-inÄtio
llieroZoi^iuiwna" (Braunsberg 1601; deutsch von
Vorkau, Mainz 1603) beschrieben ist, und setzte 5000
Dukaten aus, um Exemplare der voll seinem Vater
besorgten Bibel aufzukaufen und verbrennen zu lassen.
Fürst Karl R., geb. 1734, einer der reichsten
Magnaten seiner Zeit, widersetzte sich nach dem Tode
Augusts III. 1764 der Wahl des Königs Stanis-
laus II. August und mußte vor den Russen, die sein
Schloß Nieswiesz erstürmten, ins Ausland fliehen.
Nach seiner Rückkehr wurde er 1767 zum Gencral-
marschall der gegen den König und die Familie
Czartoryski gebildeten Radomer Konföderation ge-
wählt, worauf er sich wieder ins Ausland begeben
mußte. Durch Protektion der Kaiserin Katharina
erhielt er seine Güter zurück, auf denen er wie ein
souveräner Fürst waltete und ein eigenes Heer unter-
hielt. Er starb 22. Nov. 1790 kinderlos.
Im I. 1686 spaltete sich das fürstl. Haus in zwei
Hauptlinien. Die ältere erlosch 1813 im legitimen
Stamm, worauf der Familienbesitz der jüngern Linie
zufiel. Doch ist es den Nachkommen eines illegitimen
Sprossen des letzten Fürsten dieser Linie 1882 ge-
lungen, ihren Fürstenstand in Österreich zur An-
erkennung zu bringen. Sie bilden somit eine außer-
halb des Geschlechtsverbandes stehende neue, selb-
ständige Linie des Hauses R.
Die jüngere Linie zerfällt in drei Zweige: a. den zu
Klek, Nieswiesz, Olyka, Nieborow; d. den zu Vykön,
und c. den zu Verdyczöw. Die beiden letztern blühen
ausschließlich in Rußland. Von den vier Söhnen des
Fürsten Michael Hieronymus R., aus dem
Hauptzweig, Woiwode von Wilna, Fürst von Nie-
borow, geb. 10. Okt. 1744, gest. 28. März 1831,
vermählte sich der zweite Anton Heinrich R.,
Fürst zu Olyka und Nieswiesz, geb. 13. Juni 1775,
gest. 7. April 1833, 1796 mit der einzigen Tochter
des Prinzen Ferdinand von Preußen, Friederike
Dorothea Luise Philippine (geb. 24. Mai 1770, gest.
7. Dez. 1836) und wurde 1815 preuß. Statthalter
im Großherzogtum Posen. Seine Kompositionen
zu Goethes "Faust" erwarben ihm einen geachteten
Namen als Musiker. Seine Tochter Elise Prin-
zessin N., geb. 28. Okt. 1803, gest. 27. Sept. 1834,
war die Jugendliebe Kaiser Wilhelms I.
Sein Sobn Fürst Wilhelm R., geb. 19. März
1797, befehligte 1848 als Generallieutenant eine
preuß. Division in Holstein und nahm 1849 unter
dem Prinzen von Preupen an dem Zuge nach Ba-
den teil. Als General der Infanterie und Cbef des
Ingenieurkorps starb er 5. Aug. 1870 zu Berlin.
Nach ihm wurde 1889 das ostpreuß. Pionierbataillon
Nr. 1 benannt.
Dessen Bruder Voguslaw R., geb. 3. Jan.
1809, preuß. Major a. D., galt als eins der Häupter
der Ultramontanen und starb 2. Jan. 1873 zu Berlin.
Anton Heinrichs jüngerer Bruder Fürst Michael
R., geb. 24. Sept. 1778, focht unter Kosciuszko und
später im Dienste Napoleons gegen Rußland und
wurde 25. Jan. 1831 zum Oberbefehlshaber der
poln. Nationaltruppen ernannt, legte aber schon
nach der Schlacht bei Grochow, 26. Febr., den Ober-
befehl nieder. Nachdem der Aufstand niedergeworfen
war, wurde N. bis 1836 in Rußland interniert,
lebte dann in Dresden und starb 24. Mai 1850.
Von den drei Söhnen des Fürsten Wilhelm R.
ist der älteste, Fürst Anton, geb. 31. Juli 1833,
Besitzer des Herzogtums Nieswiesz in Rußland,
prcuß. General der Artillerie und General ü. 1a
8uit6 des Deutschen Kaisers und Mitglied des preuß.
Herrenhauses.
Von den fünf Söhnen des Fürsten Boguslaw R.
ist Fürst Ferdinand, geb. 19. Okt. 1834, erbliches
Mitglied des preuß. Herrenhauses und seit 1874
Mitglied des Deutschen Reichstags für den Wahl-
kreis Adelnau-Schildberg, der poln. Fraktion an-