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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Raffineur - Ragatz
Raffineur (frz., spr. -nöhr), s. Holzstoff (Bd. 9,
S. 322 k).
Raffinieren (frz.), reinigen, verfeinern, läutern,
besonders in der Chemie und Technologie das Neini-
gen gewiffer Substanzen. Vorzugsweise wird R. von
der Läuterung des Zuckers (f. Zuckerraffinerie), des
Kampfers, des rohen Borax, Rüböls, Petroleums
u. s. w. gebraucht, sowie in der Eisenerzeugung (s. d.,
Bd. 5, S. 930) und Kupfergewinnung (s. Kupfer,
Bd. 10, S. 813 u. 814 a). Raffiniert, verfeinert,
ausgeklügelt, verschmitzt, abgefeimt.
Raffiniertes Harz, f. Fichtenbarz.
Raffinöse, Melitose, Gossypose, Meli-
triose, eine Zuckerart von der Zusammensetzung
O^II^Oie ^ 5II2O, welche in der Manna von
austral. Eucalyptus-Arten, in der )Nelassö des Rüben-
zuckers und im Baumwollsamen vorkommt. Sie kry-
stallisiert in Nadeln, ist in Wasser lcickter, in Alkohol
schwerer löslich als Rohrzucker und leicht löslich in
Methylalkohol. Sie ist stärker polarisierend (reckts-
dredend) als der Rohrzucker, reduziert Fehlingsche
Lösung nicht, gärt aber leicht mit .Hefe. Bei der
Inversion durch Erwärmen mit verdünnten Säu-
ren giebt sie zunächst Lävulose und Melibiose,
^12^22^11, welch letztere dann weiter in Galaktose
und Traubenzucker zerfällt.
/?<////., hinter lateinischen naturhistor. Namen
Abkürzung für Thomas Etamford Rafflcs (s. d.).
Raffles (spr. räffls), Sir Tbomas Stamford,
brit.-ind. Staatsmann, geb. 5. Juli 1781 aus dem
Sckiff Anna vor Jamaika, wurde im 14. Jahre im
Qstindischen Hause zu London als Schreiber ange-
stellt und 1805 Sekretär des Gouverneurs der Insel
Pinang, begleitete 1811 den Generalgouverneur
von Britisch-Indien, Lord Minto, auf dem Zuge
nach Java und wurde nach der Eroberung Batavias
Lieutenantgouverneur von Java. Als solcher ging
er zu der Radikalreform aller Zustände daselbst und
auf den Molukken über, lieh sich auch die wissen-
schaftliche Erforschung der ind. Inseln nach allen
Richtungen angelegen sein. Nach Zurückgabe der
ind. Inseln an Holland (1816) kehrte er mit großen
Sammlungen nach England zurück. 1818 wurde er
Lieutenantgouverneur von Venkulen. Das groß-
artigste Werk seiner Thätigkeit von dort aus war
die Besetzung von Singapur und Gründung des
dortigen Handelshafens 1819. Als er seiner Ge-
sundheit wegen 1824 nach England zurückkehren
wollte, geriet das Schiff in Brand. Er verweilte
hierauf noch mehrere Monate in Venkulen, suckte
den Verlust seiner reichen naturhistor. Sammlungen
zu ersetzen und ging nach England zurück. Mit
wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, starb er 8. Juli
1820. Sein Hauptwerk ist die "liistor^ ol^a.vH"
(2 Bde., Lond. 1817; neue Aufl. 1830). - Vgl. das
von seiner Witwe herausgegebene "Neinoii- 0k t^6
Iil6 and pudlic 86rvic<38 of 8ir ^noinilg ZtHiut'oi'li
N." (2 Bde., Lond. 1830; 2. Aufl. 1M5).
".".ttissia. li. ^Li'.,Rafflesle, Pflanzengattung
aus der Familie der Rafflesiaceen (s. d.) mit vier
auf den Inseln des Malaiischen Archipels vorkom-
menden Arten, eigentümliche Scbmarotzergewachse,
die anf den Wurzeln von Cissus- und Vitis-
arten leben. Die bekannteste Art ist ü. ^rnoläi
S. F,-. auf Sumatra, deren Blüte im geschlossenen
Zustande die Größe eines mächtigen, mit dachziegel-
artig liegenden Schuppen bedeckten Kohlkopfes hat.
Die geöffnete Blüte bat einen Durchmesser von
etwa 1 m und ist somit wohl die größte aller be-
kannten Blumen. Sie besteht aus einem fünfteiligen
fleischigen Perigon von lebhaft roter Farbe und einer
dicken roten Säule von zahlreichen Staubgefäßen
oder Griffeln. Die Blüten sind zweihäusig und ver-
breiten nach dem Aufblühen einen starken aasartigen
Geruch, der Fliegen herbeilockt und so die Bestäu-
bung ermöglicht. Kleinere Arten sind li. patma
Z?iiM6 und 15. lla886iti >3tt?-ini?a5- (s. Tafel: hyste-
rophyten 1, Fig. 1) auf Java, deren Blüten
40-60 cm Durchmesser besitzen.
Rafflesiaceen oder Cytinaceen, Pflanzen-
familie aus derAbteilung der Dikotyledonen, wenige,
sämtlich auf Wurzeln oder Zweigen anderer Pflanzen
schmarotzende chloropbylllose Arten umfassend, vor-
zugsweise in den wärmern Gegenden Europas,
Afrikas und Amerikas, einige Individuen auch in
den Tropenlündern Asiens. Sie haben fleischige,
nur mit wenigen Schuppen besetzte Stengel und
regelmäßige, zwittrige oder eingeschlechtige Blüten,
die bei einigen Arten ganz bedeutende Größe an-
nehmen, z. B. bei 1^fÜ68ia. (s. d.).
Rafin (spr. -fang), Catharine Iostphine, franz.
Tragödin, f. Duckesnois.
Rafn, Karl Christian, nordischer Sprach- und
Altertumsforscher, geb. 16. Jan. 1795 zu Brahes-
borg auf Fünen, studierte in Kopenhagen feit 1814
die Recbte und wandte sich dann ausschließlich der
Geschickte und Poesie des alten Skandinaviens zu.
^eit 1821 Unterbibliothekar an der Universitäts-
bibliothek zu Kopenhagen, unternahm er eine Haupt-
revision der dort aufbewahrten altnord. Handschrif-
ten, die zum Arna-Magnäanischen Legat gehören;
auch gründete er 1825 die Gesellschaft für nordifche
Altertumskunde, als deren Sekretär er die Redak-
tion der von ihr herausgegebenen Schriftdenkmäler
führte. R. starb als Konferenzrat 20. Okt. 1864 in
Kopenhagen. Er veröffentlichte eine dän. Bearbeitung
der "Nordischen Heldengefchichten oder mythischen
und romantischen Sagas" (2. Aufl., 3 Bde., 1828
-30), die Ausgabe der "XiMumki" (Kopenh.1826)
und der "I^oi-nIidai'-sc^ui- XorärlemäH" (3 Bde.,
ebd. 1829-30), eine Sammlung mythisch-histor.und
romantischer Sagas des Nordens u.a. Zu der großen
Sammlung der "I^orninknnH 80Fur" (12 Bde., ebd.
1825 fg.) hat R. einen großen Teil der Tertbearbei-
tung und von der dän. Übersetzung dieser Sagen die
drei ersten und den elften Band geliefert. In den
"^Qtihuiwt63 americHNNs" (ebd. 1837) fuchte er den
Beweis zu führen, daß die alten Skandinavier im
10. Iabrh. Amerika entdeckt, vom 11. bis 14. Jahrh,
eine große Strecke des Küstenlandes von Nordamerika
zu wiederboltenmalen besucht und sich namentlich
in Rhode-Island und Massachusetts niedergelassen
hätten. Neue Forschungen haben die Ansicht als irrig
erwiesen. (Vgl. E. Mogk, in den "Mitteilungen"
des Vereins für Erdkunde zu Leipzig 1892.)
Rafraichisseur (frz., spr. -fräschissöhr), s. Dro-
sopbor und Gartengeräte (Bd. 7, S. 557 3.).
Ragatz oder Ragaz, Dorf und Bad im Bezirk
Sargans des schweiz. Kantons St. Gallen, in 521 m
Höhe, an der wilden Tamina, da wo dieselbe aus
der engen Tbalspalte von Psäfers (s. d.) in das
Rbeinthal hinaustritt, an der Linie Norschach-Cbur
der Vereinigten Schweizerbahnen, hat (1888) 1932 E.,
darunter 435 Evangelische, Post, Telegraph, Fern-
spreckeinricktung, elektrische Straßenbeleuchtung und
Drabtseiloabn nach der Pension Wartenstein. Die
indifferenten Thermen (37,5° lü.) entspringen in der
Pfäferserschlucht und werden durch eine Leitung
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