Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

599

Raibler Alpen - Rain

der Fauna der Raibler Schichten (in den «Sitzungsberichten» der Akademie der Wissenschaften zu Wien, 24. Bd.).

Raibler Alpen, s. Ostalpen (Bd. 12, S.699 b).

Raibolīni, Familienname des ital. Malers Francesco Francia (s. d.).

Raids (schott., spr. rehds, Einfälle, Streifzüge), im nordamerik. Bürgerkriege aufgekommene Bezeichnung für die Streifzüge von Kavallerieabteilungen im Rücken des Feindes, um Eisenbahn-, Straßen- und Telegraphenverbindungen zu unterbrechen, feindliches Eigentum zu zerstören oder wegzuführen, kleinere feindliche Ableitungen auszuheben, Kriegsgefangene zu befreien, den Feind zu Detachierungen zu veranlassen u. dgl.

Raiffeisensche Darlehnskassenvereine, s. Darlehnskassenvereine.

Railway (engl., spr. rehlweh), auch Railroad (spr. rehlrohd), Eisenbahn.

Railway Clearing House (engl., spr. rehlweh klihring haus’), s. Eisenbahnabrechnungsstellen.

Railway-spine (engl., spr. rehlweh spein), s. Rückenmarkserschütterung.

Raimondi, Marco Antonio, gewöhnlich Marc-Anton, Marcantonio genannt, der größte Kupferstecher der ital. Renaissance, berühmt durch treue Wiedergabe Raffaelscher Kompositionen. In Bologna um 1475 geboren, scheint er seine Lehrzeit bei Francesco Francia durchgemacht und in dessen Werkstätte sich zuerst in Nielloarbeiten versucht zu haben. Auch bei den ersten Grabstichelarbeiten dienten ihm die Zeichnungen seines Meisters neben denen Mantegnas und anderer häufig als Vorlagen. 1504 wird R. als hervorragender Stecher genannt; aus dem J. 1505 ist der erste datierte Stich erhalten. Bald danach muß er mit den Werken Dürers bekannt geworden sein, von denen er ganze Folgen in Kupfer stach. Um 1510 verlegte er seinen Wohnsitz nach Rom und trat dort sofort in Beziehungen zu Raffael. Nachdem er seine technische Befähigung durch zwei seiner gesuchtesten Stiche: die Kletterer und Lucretia, bewiesen, betraute ihn Raffael von da ab gern mit der Wiedergabe seiner vorzüglichsten Entwürfe. Die Stecher jener Zeit fertigten ihre Platten fast ausnahmslos nach Skizzen und Zeichnungen, höchstens nach den Kartons des Malern, aber nicht nach den fertigen Gemälden; von Wiedergabe der farbigen Wirkung eines Bildes wußte auch Marc-Anton nichts; dagegen ist seine Zeichnung von unvergleichlicher Wahrheit und edelster Linienführung, so daß schon früh die Sage entstand, Raffael selbst habe ihm die Umrisse auf die Platte vorgezeichnet. In dieser Hinsicht sind seine Werke unübertroffen. Die Thätigkeit Marc-Antons erreichte ihren Höhepunkt in den J. 1510‒24; eine Anzahl trefflicher Schüler, wie Marco di Ravenna, Agostino Veneziano, Jacopo Caraglio u. a., arbeiteten unter seinen Augen, und ihre Mithilfe ermöglichte innerhalb jener 12‒15 Jahre das Entstehen von Hunderten ausgezeichneter Platten. Nach Raffaels Tode (1520) arbeitete Marc-Anton häufig nach Zeichnungen Giulio Romanos; in einem Fall zu seinem Unglück, da die Wiedergabe der berüchtigten 20 Götterliebschaften ihm den Zorn des Papstes und Gefängnishaft zuzog. Das bedeutendste Werk der spätern Jahre ist der Tod des heil. Laurentius nach Bandinelli. Die Eroberung Roms (1527) trieb ihn nach Bologna zurück; von da ab verliert sich jede sichere Spur seines künstlerischen Wirkens. 1534 scheint er nicht mehr gelebt zu haben. Die vollständigsten Sammlungen seiner Stiche befinden sich in Paris und in der kaiserl. Bibliothek zu Wien.

Raïmskoe, russ. Fort am Aralsee (s. d.).

Raimund von Saint Gilles, s. Toulouse (Geschlecht).

Raimund, Ferd., österr. Bühnendichter und Schauspieler, geb. 1. Juni 1790 zu Wien, lernte bei einem Konditor, entfloh aber und ging zum Theater. Er trat zuerst, nachdem er in Meidling und Preßburg vergeblich sein Heil versucht hatte, in Steinamanger und seit 1809 in Ödenburg und Raab auf. 1814 gelang es ihm, am Theater in der Josephsstadt in Wien für das Fach lokalkomischer Partien angestellt zu werden; 1817 kam er an das Leopoldstädter Theater und wurde allmählich die Seele der Wiener Volksbühne. Seit 1823 trat er auch als Volksdichter auf. Im Herbst 1830 löste er sein Verhältnis zum Leopoldstädter Theater, dessen Direktion er in den letzten zwei Jahren geführt hatte. 1831 setzte er selbst in München und Hamburg, 1832 in Berlin und Hamburg seine Lustspiele in Scene, kaufte sich später eine kleine Besitzung bei Gutenstein, gab aber in den J. 1835 und 1836 wieder Gastrollen in München, Prag und Hamburg. In einem Anfall von Hypochondrie suchte er sich mittels eines Terzerols zu töten und starb am achten Tage nachher, 5. Sept. 1836. Am 18. Dez. 1872 wurde ihm an seinem Geburtshause zu Wien eine Gedenktafel errichtet. Von seinen Stücken, mit denen er die volkstümliche dramat. Dichtung zuerst wieder zu voller Anerkennung gebracht hat, sind besonders hervorzuheben: das Zauberspiel «Der Barometermacher auf der Zauberinsel» (1823), «Der Diamant des Geisterkönigs» (1824), «Der Bauer als Millionär» (1826), «Moisasurs Zauberfluch» (1827), «Die gefesselte Phantasie» (1828), «Alpenkönig und Menschenfeind» (1828), das tragikomische Zauberspiel «Die unheilbringende Krone» (1829) und «Der Verschwender» (1833), zugleich seine letzte und beste Schöpfung. R. gelingen die ergreifendsten und die lustigsten Scenen; seiner phantastischen Laune ist ebenso das sichere Auge für das scenisch Wirksame wie der tiefe Blick in das Menschenherz gepaart. Er ist ein echter, reicher Poet, so lange er in seiner Sphäre als Volksdichter bleibt. Seine «Sämtlichen Werke» gaben heraus Glossy und Sauer (3 Bde.; 2. Aufl., Wien 1891); mehrere seiner Werke erschienen auch in Reclams «Universalbibliothek». R.s Leben wurde mehrfach dichterisch behandelt: im Roman von O. Horn (Adolf Bäuerle): Ferdinand R. (3 Bde., Wien 1855); im Drama von Haffner: Therese Krones, Genrebild mit Gesang und Tanz (ebd. 1862); von Karl Elmar, F. R., Künstlerskizze mit Gesang (ebd. 1865); von J. Reuger, F. R. (Trauerspiel, in Perels «Deutscher Schaubühne», 10. Jahrg., 1869). – Ein Raimund-Theaterverein besteht seit 1890 in Wien, ein von diesem begründetes Raimund-Theater seit 28. Nov. 1893.

Raimund, Golo, s. Frederich, Bertha.

Raimundus de Pennaforti, s. Raymundus de Pennaforti.

Raimundus Lullus, Scholastiker, s. Lullus.

Rain, Stadt im Bezirksamt Neuburg a. D. des bayr. Reg.-Bez. Schwaben, an der Ach und unweit rechts des untern Lechs, an der Linie Ingolstadt-Neuoffingen der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Neuburg), hat (1890) 1420 meist kath. E., Postexpedition, Telegraph und eine Wasserleitung. Bei der Verteidigung, des Lech- ^[folgende Seite]