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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rancé - Randschit Singh
den Linon, erweitert sich unterhalb Dinan zu einem
211<in langen Meeresarm und mündet nach einem
Lauf voll 110 km im Depart. Ille-et-Vilaine bei St.
Malo in den Kanal.
Nancö (spr. rangßeh), Dominique Armand Jean
le Vouthillier de, Stifter der Trappisten (s. d.), geb.
9. Jan. 1626 zu Paris, wurde 1651 Priester und
1654 Doktor der Theologie. N. gab sich den grob'
sten Ausschweifungen hin, bis er 1660 infolge eines
erschütternden Ereignisses die .Hauptstadt verlieh
und der übertriebensten Ascese sich zuwendete. Er
verzichtete auf sämtliche Pfründen mit Ausnahme
des Klosters La Trappe, das er zum Sitz der streng-
sten Entsagung machte, und schrieb seinen "Iraite
(I6 1". 8lNNt6t6 6t (1"8 si6V0ii'3 ä6 lü, V16 IQ0N9.8'
tiliu6" (Par. 1683). Er starb 12. Okt. 1700. - Vgl.
Marsollier, Vio äo ?.. (Par. 1703; neue Aufl. 1756);
Chateaubriand, Vi6 äs li. (ebd. 1814); Dubois,lli3-
wii-6 ä^ 1'adds äs R. (2. Ailfi., 2 Bde., ebd. 1869).
Nancheros (spr. rautsch-, vom span. ranclio,
d. i. einzeln liegendes Haus, Bauerngeböft), in
Mexiko Landleute, aus einem Gemisch von span. und
indian. Blute hervorgegangen, die vortreffliche Rei-
ter und Jäger sind und den größten Teil der beritte-
nen Truppe, eine Art irreguläre Kavallerie bilden.
Rancune (frz., spr. rangkühn'), Groll, Nachsucht.
Randa, Anton, Jurist, geb. 8. Juli 1834 zu
Bistritz in Böhmen, studierte die Rechte in Prag,
habilitierte sich 1859 daselbst für österr. Civilrccht
und wurde 1862 zum ausierord., 1868 zum ord.
Professor des österr. Civil-, dann des Handels-
und Wcchselrechts mit czech. Vortragsspracke er-
nannt. 1881 wurde R. lebenslängliches Mitglied
des österr. Herrenhauses, kurz darauf Mitglied des
Reichsgerichts. N., welcher zu den besten Kennern
des österr. Civilrechts zählt, schrieb auf diesem Ge-
biete eine große Reihe von Abhandlungen, nament-
lich in der von ihm (1861) mitbegründeten jurist.
Zeitschrift "1'i'ä.vniic". Er veröffentlichte in deut-
scher Sprache seiue Hauptwerke: "Der Besitz nach
österr. Rechte" (Lpz.1865; 3. Aufl. 1879) und "Das
Eigentumsrecht nach österr. Recht" (ebd. 1884;
I.Hälfte, 2. Aufl. 1893); ferner "Der Erwerb der
Erbschaft" (Wien 1867) und "Beiträge zum österr.
Wasferrccht" (3. Aufl., Prag 1891). In czech.Sprachc
gab R. ein Lehrbuch des österr. Eigentums- und
des Handelsrechts heraus und bebandelte in Mono-
graphien die Lehre über den Schadenersatz und
die Entwicklung der öffentlichen Bücher in Böhmen
und Asterreich.
Nmtdäl, burschikos soviel wie Skandal; davon
das Zeitwort randalieren.
Nandazzo, mit Zunamen Etnea, lat. ?i88a,
Stadt im Kreis Acireale der ital. Provinz Catania
auf Sicilien, in 754 m Höhe zwischen dem 15 1cm
entfernten Ätna im S. und den Monti Nebrodi im
N., am Alcantara und an der Hltna-Ringbahn ge-
legen, ist von bezinnten Lavamaucrn mit normann.
Türmen und Spitzbogenthorcn umgeben und meist,
besonders die Kirchen, aus Lava erbaut, hat schöne
Paläste und (1881) 10210 E., die Kirche Eta. Maria
aus dem 13. und 14. Jahrh, und Handel mit Vein,
Randbeet, s. Angewende. M und Käse.
Randbläschen, s. Randkörperchen.
Rändelgabel, s. Krausräder.
Rändelmaschine, s. Münze (Bd. 12, S. 85d).
Rändelfcheiben, soviel wie Krausräder (s. d.).
Randen, Bergrücken des Juras im schweiz. Kan-
ton Schaffhausen, erhebt sich nördlich vom Klettgau
als breites, von tiefen Thälern durchfurchtes Hoch-
plateau mit bewaldeten Abhängen und kahlen, jetzt
zum Teil aufgeforsteten Kämmen, deren höchster,
der Hohe R., an der bad.-schweiz. Grenze mit zwei
Kuppen, dem Hagen und dem Klausen, 914 und
928 iu ü. d. M. erreicht.
Nanders, Hauptstadt des dän. Amtes R. (2432
sjwn mit 110453 E.) des Stiftes Aarhus in Iüt-
land, 37 km nördlich von Aarhus und östlich von
Viborg, an den Linien Vamdrup-Frederiksbavn,
R.-Ryomgaard und R.-Hadsund der Jütischen Eisen-
bahn und an der Guden-Aa, 11 km von ihrer
Mündung in den 22 km langen und für Schiffe
von 4 m Tiefgang fahrbaren Randersfjord
gelegen, Sitz eines deutschen Konsuls, hat (1890)
16 617 E., aot. St. Mortenskirche (14. bis 15. Jahrh.),
ein Denkmal von Nils Ebbesen (gest. 1340), einen
Hafen, eine gelehrte Schule, Hospital; Brauereien
und Brennereien, Margarinfabrikation, Schwcine-
schlächterei, Handschuhfabriken sowie Eisenbahn-
wagenbau. Auch betreibt man Lachsfischerei und
Handel mit eigenen Fabrikaten, Ausfuhr von Ge-
treide, Butter, Salzfleisch, Einfuhr von Kohlen,
Eisen, Tabak, Kaffee, Reis u. s. w.; bedeutend sind
die Pferdemürkte.
Randgebirge, s. Gebirge.
Randglossen, soviel wie Marginalien (s. d.).
Randkörperchen, Sinnesorgane der Quallen
der Hydroidpolypen (s. d.), die entweder Bläschen
mit wässerigem Inhalt und festern Konkrementen
(Otolitben) darin darstellen und auch Randblas-
chen genannt und als Gehörorgane gedeutet wer-
den, oder Pigmentanhäufungen mit eingelagerten,
Hellern, lichtbrechenden Körperchen bilden und als
Augen angeseben werden. Unter ihnen befinden sich
im Schirmrande der Qualle nervöse Anschwellungen.
Randleiste, ornamentaler Streifen, welcher meist
an der linken Seite eines Drucksatzcs eingefügt und
oft auch mit eingesetzter Schrift angewendet wird,
letzteres namentlich bei Anwendung als Briefleiste.
(S. Kopfleiste.)
Randow, rechter Nebenfluß der Ucker, in seinem
obern, kanalisierten Laufe als Land graben
Grenze der Ukermark und Pommerns und mit der
Welse, einem kleinen linken Zufluß der Oder, in Ver-
bindung stehend, mündet bei Eggcsin im preuh.
Reg.-Vez. Stettin.
Randow, Kreis im preuß. Neg.-Bez. Stettin,
hat 1315,69 hkm und (1890) 115412 (57069
männl., 58343 wcibl.) E., 5 Städte, 106 Land-
gemeinden und 75 Gutsbezirke. Sitz des Landrats-
amtes ist Stettin.
Randschit Singh (engl. Runjeer Singh),
Herrscher der Eikh im Pandschab (Ostindien), geb.
2. Nov. 1780 als Sohn des Maha Singh, dem er
schon im 12. Jahre in der Herrschaft über einen der
Distrikte der Sikh unter der Vormundschaft seiner
Mutter folgte. Diefe vergiftete er in seinem 17. Jahre,
um unabhängig regieren zu können. Mittels eines
bedentenden Schatzes und seines Einflusses in den
benachbarten, ihn: von seinem Vater überkommenen
Distrikten gelang es ihm bald, seine Herrschaft be-
trächtlich zu erweitern. Dem Afghanenschah Siman
geleistete Dienste verschafften ihm die Belehnung mit
Lahaur. Außerdem machte er sich mehrere Häupt-
linge seines eigenen Volks zinsbar und nahm dann
sogar den Afghanen selbst einige Plätze am westl.
Indusufer ab. Nach dem Vertrag zu Amritsar,
25. April 1809, welcher den Satladsch als Grenze
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