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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rauchverhütung
Nauchverhütung, die Verhinderung des Aus-
tretens von Rauch und Ruß aus den Schornsteinen
der Feuerungsanlassen. Besonders in Gegenden,
wo als Brennmaterial Steinkohle zur Verwendung
kommt, hat der in großer Menge aus den Fabrik-
schornsteinen und noch mehr aus den viel zahl-
reichern Schornsteinen der Hausfeuerungen aus-
tretende Rauch und Ruß große Belästigungen her-
vorgerufen, einmal durch Verschlechterung der At-
mosphäre, dann durch Verderben und Verunstaltung
der in der Nachbarschaft der Schornsteine befind-
lichen Anlagen. Die schädlichen Bestandteile des
Rauchs sind besonders fester Kohlenstoff (Ruß),
Kohlenoxyd und schweflige Säure. Während der
Ruß sich mehr durch seine alles verschmutzende Wir-
kung unangenehm erweist und das Lüften der Woh-
nungen einschränkt, sind Kohlenoxyd und schweflige
Säure als direkte Gifte für Menschen, Tiere und
Pflanzen (besonders Coniferen, Obstbäume, Zier-
pflanzen) zu bezeichnen. Außer der Belästigung
und Gesundheitsschädigung bewirkt die Rauchbil-
dung aber auch einen bedeutenden wirtschaftlichen
Verlust, insofern im Rauch unverbrannte Gase und
Kohlenteile entweichen. Man hat berechnet, daß der
Ruß, der an einem einzigen Wintertage von der
Stadt London produziert wird, ein Gewicht von
50000 IcF besitzt. Für Deutschland schätzt man den
jährlichen, durch Rauchbildung bewirkten Verlust
an Brennmaterial auf 200 Mill. M. Darin sind
noch nicht jene Summen enthalten, die der Rauch
durch seine beschmutzende und zerfressende Wirkung
für Erneuerung oder Reinhaltung vieler Gegen-
stände fordert.
Angesichts dieser bedeutenden wirtschaftlichen
Verluste und im Interesse des Gesundheitszustan-
des der Großstädte ist eine Einschränkung der
Rauchbildung dringend geboten. In technischer Be-
ziehung ist das Problem der R. für jede Art der
Feuerung gegenwärtig als gelöst zu betrachten.
Wenn aber trotzdem im täglichen Leben von diesen
technischen Fortschritten noch wenig zu spüren ist, so
muß das Hauptaugenmerk in dieser Frage auf die
baldige Einführung der Verbesserungen in die Praxis
gerichtet fein.
Was zunächst die technischen Mittel zur R. be-
trifft, so lassen sich drei Arten unterscheiden. Erstens
kann man den sich bildenden Rauch und Ruß, also
die in den Verbrennungsgasen mitgeführten festen
Bestandteile, mechanisch daraus entfernen, zweitens
kann man den in der Feuerung zuerst gebildeten
Ruß im weitern Gange des Prozesses verbrennen
(Rauch Verbrennung), drittens die Entstehung
des Rußes beim Verbrennungsprozeß überhaupt
von vornherein verhindern. Die mechan. Abschei-
dung des Rußes aus den Verbrennungsgasen ge-
schieht durch Einbau von Rußfängern in die Züge
der Rauchgase. Diese Methode der R. ist wenig aus-
giebig, da man, wenn auch die kleinen Rusiteilchen
abgeschieden werden sollen, Apparate in die Züge
bringen müßte, die dem Strömen der Verbren-
nungsgase einen außerordentlichen Widerstand ent-
gegensetzen und so den Zug hindern würden. Die R.
nach der zweiten und dritten Art streben zahlreiche,
meist patentierte, unter dem Namen rauchlose
Feuerungen bekannte Einrichtungen an. Bei
denjenigen, welche den entwickelten Rauch verbren-
nen, werden verschiedene Wege eingeschlagen. Man
erreicht das Ziel 1) durch überleiten der entwickel-
ten Rauchgase über die auf einem Teile des Rostes
hell glühende Kohlenschicht: 2) durch überleiten de:
Rauchgase über glühende Wandflächen der Feue-
rungsanlagen; als solche dienen in die Feuerzüge
eingebaute Chamotteringe und Chamottewände;
3) durch Zuführung von erhitzter Luft bei der Feuer-
brücke, im allgemeinen an einer Stelle, wo die Feuer-
gase noch Hitze genug besitzen, um das Entzünden der
Rußteilchen bei der Mischung mit dieser sekundären
Luft zu ermöglichen; 4) durch Einblasen von Dampf-
strahlen in die Feuergase direkt über den Kohlen, wo-
durch die Gase in Wirbelung versetzt werden und so
durch gute Mischung derFeuergase sich die Rußteilchen
mit dem den Gasen noch beigemengten Sauerstoff
entzünden. Als Mittel, das Entstehen des Rauchs
zu verhindern, sind hauptsächlich anzuführen: 1) die
Zuführung von Brennmaterial von der Unterseite
des Rostes aus durch die Rostspalten hindurch in
das Feuer. Hierbei bleibt dem Brennmaterial auf
dem Roste stets seine glühende Oberfläche erhalten;
die zugeführten Kohlenteile kommen direkt mit
glühenden Kohlen in Berührung und die Destilla-
tionsprodukte derselben verbrennen vollständig beim
Durchgang durch glühende Kohlenschicht; 2) die
gleichförmige kontinuierliche Beschickung des Rostes
von oben, ohne Öffnung der Feuerthür. Die Be-
schickung erfolgt hierbei automatisch. Die in kleinen
Stücken aufgestreute Kohle verbrennt vollständig
auf der glühenden Kohlenschicht; 3) die Gas-
feuerungen (s. d.), welche die zuverlässigsten An-
lagen dieser Art vorstellen. Ein geschickter Heizer
kann auch auf einem gewöhnlichen Planrost eine
fast rauchlose und zugleich ökonomische Verbrennung
erzielen, wenn er 1) die Feuerthür so kurze Zeit als
möglich öffnet; 2) bei geöffneter Thür den Zug ent-
sprechend verringert; 3) die Kohlen in geringer
Menge auf einmal und in kurzen Zeiträumen auf-
wirft; 4) den Rost nur mäßig beansprucht, d. h. pro
Quadratmeter Rostfläche in der Stunde bei schwa-
chem Zuge eine müßige, der Kohlenart entsprechende
Gewichtsmenge aufgiebt, und endlich 5) überhaupt
für Feuerungsanlagen nur Kohle verwendet, welche
keine starke Rauchentwicklung zeigt, insbesondere
Koks, der ganz rauchlos verbrennt.
Die Möglichkeit der R. ist also selbst bei ein-
fachen Anlagen gegeben. Für die Großfeuerungen
der gewerblichen und behördlichen Anlagen ist es
auch nicht schwer, die R. durchzuführen, weil die
Heizer, wenn sie nicht schon auf Heizerschulen vor-
gebildet sind, an Ort und Stelle die richtige Anlei-
tung erhalten können. Da trotzdem oft Bequemlich-
keit zu unrichtigem Heizen führt, so wird von Ver-
einswegen durch Prämiierung fleißiger Heizer eine
Anspornung zu größerer Aufmerksamkeit ausgeübt
(s. Heizerschulen), was allerdings richtiger durch die
Behörden geschehen sollte. Weit schwieriger ist es,
die Rauchbildung in den Kiemfeuerungen der Woh-
nungen zu beschränken, da hier der Unkenntnis der
das Feuern besorgenden Personen schwer entgegen-
zuarbeiten ist, und weil die Hausfeuerungen die
schlechtesten sind. Das beste Mittel, die Einzel-
feuerungen der Wohnungen überhaupt zu besei-
tigen, wäre die allgemeinere Einführung der Central-
heizungen, wie sie in England und Amerika an meh-
rern Orten für den ganzen Ort oder Ortsteile be-
reits bestehen. Solange Ccntralheizungen nicht ein-
geführt sind, müßten die Kleinfeuerungen behörd-
licherseits überwacht werden, etwa durch eine der
Gewerbeinspektion analoge Institution, und die An-
leitung des Publikums zum rationellen Feuern aus