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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rauchwacke - Rauchwarenzurichterei
dem Wege der öftern Bekanntmachung u. dgl. ge-
schehen. Geeignete Brennstoffe, wie Koks und Preß-
kohlen, vermindern die Ranchbildung. Die Abfüh-
rung der Rauchgase in die Kanalisation ist teilweise
in Hamburg üblich und scheint sich gut zu bewäh-
ren. (Über Einzelheiten der Einrichtung und des
Betriebes von Zimmeröfen s. Öfen, über gewerb-
liche Ofen s. Feuerungsanlagen.) Es fehlt bis jetzt
noch an solchen gesetzlichen Bestimmungen, welche
die Durchführung rauchverhütender Konstruktionen
für Kleinfeuerungen sichern. Solche Normen sind
1833 vom Verband deutscher Architekten- und In-
genieurvereine in einer Denkschrift vorschlagsweise
veröffentlicht. - Vgl. F. Siemens, Bericht über die
8niol56 ^datement I^xliidition zu London 1881-82
(Berl. 1882); Die Rauchbelästigung in großen
Städten, Denkschrift des Verbandes deutscher^Archi-
tekten- und Ingenienrvereine (ebd. 1893).
Rauchwacke oder Nauhwacke, dolomitischer
Kalkstein von rauhem zerfressenem Aussehen.
Rauchwaren, s. Pelzwcrk.
Rauchwarengerberei, s. Lederfadrikation
(Bd. 11, S. 14a).
Rauchwarenzurichterei, die Zurichterei von
Pelzwcrk (s. d.), die darin besteht, daß die Hant der
Felle dnrch eine Art von Gerbung weick, dehnbar
und dünn hergerichtet und die Haare, Wolle oder
Federn durch Neinigen und Läntcrn von dem natür-
lichen FeN und Schmutz befreit sowie möglichst ge-
ruchlos und glänzend gestaltet werden. Im wcitern
Sinne gehört hierher auch das Färben des Pelzwcrkes.
Zugerichtet werden mit wenigen Ausnahmen alle
im Rauchwarenhandel vorkommenden Fellarten
und zwar je nach Beschaffenheit der Haut (Leder-
seite) und der Haare oder der Wolle und Federn der
Felle nach zwei verschiedenen Hauptmetboden, ent-
weder durch Zuhilfenahme von Walkmaschinen
(Gerberwalken) oder durch Anwendung von ver-
schiedenen Beizen. Bei dem Walkv erfahren wer-
den die meisten Felle (außer Marder, Iltis, Nerze,
Zobel u. a., denen meist kein Fleisch anhastct) vor-
her vom Fleisch befreit. Die zu walkenden Felle
werden meistens zunächst im Leder leicht ange-
feuchtet, dann mit erwärmtem flüssigem Fett be-
strichen, und nachdem dasselbe in die Haut ein-
gedrungen ist, in die Walktröge gebracht. In letz-
tern kneten und bearbeiten auf- und niedergehende
Walkhämmer die Felle so lange, bis das Leder ge-
schmeidig und dehnbar geworden ist. Bis zu dem-
selben Stadium werden die mittels Beizen zu ger-
benden Felle entweder durch wiederholtes Vestreichcn
mit aus Salz und Alann, oder aus Salz und Oleum
(engl. Schwefelsäure, 95 -100 Proz.) oder endlich
durch eine Behandlung mit einer aus Getreideschrot
und Salz hergestellten Beize gebracht.
Die so weit vorgerichteten Felle werden nun größ-
tenteils in rotierenden, mit Sägespäncn, Sand und
Thon gefüllten und durch cin darunter befindliches
Holzkohlcnfeuer erwärmten Trommeln gereinigt und
geläutert, dann im Leder mit Salz- oder auch reinem
Wasser durch Vestreichen angefeuchtet und dann
vermittelst der Fleischcisen dünn geschabt, oder auf
schräg stehenden Falzbäumen mit dem Gcrberfalz
dünn gefalzt.
Nun trocknet man die Felle auf den Trockenfälen
oder auch im Freien wieder, zieht dieselben, um das
Leder noch dehnbarer und weicher zu machen, wie-
derholt vor den halbstumpfen Fleischciscn herum
(pökeln), läutert sie noch ein- oder mehreremal in
Vrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
erwärmten oder nicht erwärmten Trommeln, giebt
der Lederseite durch Einstreuen mit Mehl, oder durch
sog. Trampeln mittels Kanonenkugeln in mit Mehl
und entsprechender Farbe gefüllten rotierenden
Trommeln eine weiße, gelbliche oder rötliche Fär-
bung und klopft, putzt, kämmt und streckt sie dann.
Jetzt sind die Felle marktfertig. Die Zurichtereien be-
fassen sich auch bei verschiedenen Fellen, wie Nutria,
Biber, Otter u. s. w. mit dem sog. Enthaaren der
Felle, d. b. sie entfernen die langen, über dem wei-
chern Unterhaar vorstehenden härtern Grannenhaare
während des Zurichtens.
Bei Vogelbälgen wird die Lederseite zunächst mit
Salz- und Alaunbeize und durch Liegen in nassen
Sägespänen angefeuchtet und dann mittels eiser-
ner Löffel von schmutz und Fleischteilen befreit.
Hierauf trocknet man die Felle ab, läutert diefelben
wiederholt, klopft sie, befreit die Federseite durch
Anwendung von Benzin von den noch hier und da
gebliebenen gelben Flecken soweit als möglich und
streckt die Bälge.
Die R. arbeitet fast ausschließlich für die Rauch-
warcnhändlcr und Pelzgeschäfte, die zugerichteten
Felle sind also meistens Eigentum der letztern.
Das Färben der Pelzfclle bietet befondere
Schwierigkeiten insofern, als auf die gute Erhal-
tung des Leders große Rücksicht genommen werden
muß; daher dürfen die Beizen (Tötungen) und die
Farbenbädcr nicht etwa, wie bei Baumwolle und
Seide, bis zu 60/ lü. erhitzt werden. Zudem lassen
sich die Farbstoffe namentlich auf die Haare der
Wildfelle viel fchwicriger befestigen, weil diese Haare
die Farbstoffe so lange nicht gehörig in sich aufneh-
men^ bis sie vollständig entfettet sind. Alle in der
Rauchwarcnsärberei zur Anwendung kommenden
Beizen (Tötungen, Mordants) bestehen hauptsäch-
lich aus ammoniak-, eisen-, blei-, säure-, gerbstoff-
u. s. w. haltigen Substanzen, wie Soda, Kalke,
Eisenvitriol, Kupfervitriol, Bleiglätte, Vleizucker,
Weinstein, Alaun, Salmiak u. s. w.
Man unterscheidet bei der Rauchwarenfärberei
vier verschiedene, meist gesondert betriebene Arten
der Färberei: Schwarzsärberei, Braunfärberei,
Vnntfärberei und Blenden.
Zu den Tötungen der zum Schwarz färben be-
stimmten Felle wird meist nur Soda und Kalk ver-
wandt; man erwärmt die Tötungen je nach Art der
Felle auf 25-45° (^. und taucht die Felle dann
2-6 Stunden hinein. Nachher wäscht und schleu-
dert man die Felle, um sie dann in das Farbenbad
zu bringen. Die auf 30-45° 0. erwärmtenFarben-
bädcr sind zusammengesetzt aus Blauholzertrakt,
Eisenvitriol, Kupfervitriol, rohem oder geröstetem
Gallus, holzessigsaurem Eisen, Curcuma, Schmack
u. s. w. Die Felle werden nach dem einmaligen
oder mehrmaligen Eintauchen jedesmal auf Stan-
gen gehängt, da durch den Hinzutritt des in der
Luft enthaltenen Sauerstoffs die Farbe oxydiert
und sich mehr entwickelt. Sobald die Felle die ge-
wünschte Nuance (blau, schwarz, tiesfchwarz) erlangt
haben, werden sie gewaschen, halb trocken geschleu-
dert, dann je nach der Art der Felle durch Auf-
hüngen auf Stangen vollständig getrocknet und
in großen rotierenden Trommeln mit Sand oder
Sägespänen geläutert oder auch direkt nach dem
Schleudern geläutert. Nach dem Klopfen und
Strecken sind die Felle marktfertig.
Bei der Braunfärberei werden die Beizen
und Farben entweder kalt, mittels Bürsten aufge-
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