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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Räude - Raudische Felder
tragen, oder es werden nur die obersten Grannen-
haare und Wollteile so behandelt, während die
untersten Grundwollfarben durch Eintauchen in
erwärmte Farbenbäder erzeugt werden. Manche
Sorten Felle müssen bis zwanzigmal gestrichen wer-
den,' jedesmal nach dem Streichen werden die Felle
4-6 Stunden Haar auf Haar in Haufen zusammen-
gelegt, auf Trockenfälen getrocknet und von dem
Tötungs- und Farbenschmutz befreit. Die hier ver-
wendeten Beizen sind dieselben wie bei der Schwarz-
färberei, während die Farben aus gebrannten: Gal-
lus, Salmiak, Schwefelantimon, Pottasche, Kupfer-
vitriol, Kupferasche, Eisenvitriol, Glätte, Rotholz-
extrakt, Grünspan, Alaun, Schmackertrakt u. a. be-
stehen. Die Grundwollfarbe wird in einem Bade her-
gestellt, das die Beizen und Farbstoffe untermengt
enthält, und in diesem Bade färbt die Grundwolle
der Felle ohne vorher gebeizt zu fein. Das obere
Haar und die obern Spitzen sind bei den lncr ver-
wendeten Fellen schon entfettet und angefärbt.
Bei der Buntfärberei, dem Färben von Pelz-
fellcn in den verschiedensten Farben (ausgenommen
schwarz und braun) und Imitationen, verwendet
man als Farbstoffe Gallus, Schwefelleber, Chrom-
kalium, Alaun, Schmack, Pegu-Cutsch, Eisenvitriol,
Kupfervitriol, Stahlblau, Bleizuckcr, Extrakte von
Vlauholz, Gelbholz und Rotholz sowie auch ver-
schiedene Anilinprüparate, während die Beizen
Soda, Kalk, Salmiak, Alaun, Atznatron, Eisen-
vitriol, Weinstein, Silberglätte u. s. w. enthalten.
Das Blenden wird vornehmlich bei Visamfellen
angewandt; das Verfahren besteht darin, den dar-
unter vorkommenden bellen und mißfarbigen Fellen
eine dunkelbraune Decke zu geben, sowie nach Be-
finden noch zwei oder drei parallel laufende, dunk-
lere, fast schwarze Streifen in dieser braun geblen-
deten Decke (Farbe) herzustellen. Auch das An-
bringen einer dunklern Deckfarbe bei misifarbigcn
Exemplaren der verschiedensten Fellgattungcn, wie
Zobel, Marder, Skunks u. s. w. bezeichnet man mit
diesem Ausdruck. Die beim Blenden anzuwendende,
aus Kalk, Salmiak, Alaun und Weinstein bestehende
Beize wird mittels Bürsten aufgetragen, ebenso die
aus gebranntem Gallus, Alaun, Salmiak, Grün-
span und Eisenvitriol bestehende Farbe.
Räude bei den Haustieren, auch Rande, Krätze
oder Grind genannt, eine durch sog. Räude- oder
Krätzmilben verursachte übertragbare Hautkrankheit.
Die Formen der R. sind verschieden, je nach der
Gattung der Räudemilben und der von denselben
heimgesuchten Tierart. Man unterscheidet drei Gat-
tungen von Räudemilben: 1) Grabmilbcn (s^rcop-
t63); 2) Saugmilben (OermawcopteL oder Dei-ma-
toäectez); 3) schuppenfressende Milben (vLi-inaw-
pKkFN8 oder 3^inl)i0to8). Die Grabmilbe nräude
verbreitet sich über den ganzen Körper und kommt
vor beim Pferd, Hund, Katze und Schwein. Diese R.
geht auch auf den Menschen durch Verkehr mit den
daran erkrankten Tieren über. Die Saugmilben-
räude kommt nur an durch Haarwuchs geschützten
Stellen vor und zwar beim Pferde im Kehlgang,
unter der Mähne, am Eckweife u. s. w., während sie
als gewöhnliche Form der so sehr gefurchteren Schaf-
räude infolge der allgemeinen Vewollung sich über
den ganzen Körper verbreitet. Die durch schup-
pen fressende Milben erzeugte N. ist die am we-
nigsten bedeutende; sie kommt vor als Fuhr äude
beim Pferde, als Steißräude beim Rind und als
Ohrräude beim Hunde, Kaninchen und bei der
Katze. Bei Hühnern kommt eine Grabmilbenräude
(DkrinktoriiMsL mutan8 _L7i?e)^) vor, bekannt unter
dem Namen weißer Kamm oder Kalkbeine,
Fuß kratze sje nachdem der Kopf oder die Füße be-
fallen sind). Außerdem kommt bei Hühnern, Tauben
und Stubenvögeln die gemeine Vogelmilbe (Deima-
11788U8 Nviuni DnF.) vor, ein blutsaugender Schma-
rotzer, der auch auf Pferde und andere Haustiere
sowie auf den Menschen übergehen kann. - Die
Erscheinungen der N. sind im wesentlichen entzünd-
liche Vorgänge auf der Haut und Iuckgefühl auf
derselben, das die Tiere durch anhaltendes Beißen,
Kratzen und Scheuern verraten. Die N. heilt nicht
von selbst, sondern muh durch eine unter sachver-
ständiger Leitung begonnene Rändekur beseitigt
werden. Für die volkswirtschaftlich hochwichtige
Schafräude ebenso wie für die sarcopte^ und
V6i-mac0pt68-Räude der Pferde ist dieses durch das
Reichsviehseuchengesetz vorgeschrieben. Die Haupt-
sache bei der Behandlung besteht darin, daß die
Krusten und Borken auf der räudekranken Haut
nach Entfernung der Haare durch Schmierseife auf-
geweicht werden und hierauf die Näudemilben durch
Perubalsam, Benzin oder Kreosot (mit Al gemischt),
Teer (mit Schmierseife und Spiritus gemischt), durch
Tabakabkochung, Kreolinwasfer oder Kreolinlmiment
(mit Spiritus und Seife) getötet werden. Für die
Behandlung der Schafräude sind besondere Bäder
im Gebrauch (Walzsche Lauge, Gerlachsches Näude-
bad, Zündelschcs Räudebad, Arsemtbäder und
Sublimatbäder ftie beiden letzten sehr giftig^; jetzt
hauptsächlich Kreolinbäder, die im Königreich Preu-
ßen durch Erlaß vom 25. Febr. 1889 obligatorisch ge-
macht worden sind). Nach durchschnittlich acht Tagen
muß das Bad wiederholt werden; in der Zwischen-
zeit austretende Scheuerstellen sind mit bereit ge-
haltener Flüssigkeit einzureiben. Alte R. ist nament-
lich bei Pferden und Hunden oft sehr schwer zu be-
seitigen und erfordert eine ganze Reibe von Bädern.
Nicht zu vergessen ist die gründliche Reinigung und
Desinfektion (Chlorkalklöfung) des Stalles, der Stall-
geräte u. s. w. - Nicht zu der R. im engern Sinne
gehörig, aber ähnlich auftretend und deshalb gemein-
hin mit derselben zusammengeworfen, kommt noch
der Haarsackmilbenausschlag bei Hund und
Katze, seltener beim Schwein vor. Dieser Ausschlag
wird erzeugt durch in den Talgdrüsen der Haut
lebende Milben (^0^1-113 oder vkinoäsx koiliculo-
i-um cHQi8 ^lt?/v, cHti^o?/^. und p1iMoiä63 Oso/coi');
der Ausschlag ist ausgezeichnet durch die Bildung
von Knötchen, Knoten und Pusteln, die auf Druck
Blut entleeren, daher auch roteR. genannt. Be-
handlung wie bei der R., aber sehr schwer und lang-
wierig. Jede einzelne Pustel muh ausgedrückt wer-
den; m die hierauf entstandene Hautöffnuna ist das
milbentötende Mittel einzureiben. - Vgl. Zürn, Die
Schmarotzer, Tl. 1: Tierische Parasiten (2. Aufl.,
Weim. 1882); Kaiser, Über Skabies bei den Haus-
säugetieren (in den "Vortragen für Tierärzte", Jena
1882); derf., Das Kurverfahren bei der Schafräude
(2. Aufl., Marb. 1883); Fricdberger-Fröhner, Spe-
cielle Pathologie und Therapie derHaustiere (2Bde.,
3. Aufl., Etuttg. 1892).
Näudemilbe (I^soi-opt^ C0inmum8 I^i-<5t),
eine etwa ^2 mm lange Krätzmilbe (s. d.), die auf der
Haut von Schafen, Rindern und Pferden hinter
Oberhautschuppen lebt, aber keine Gänge gräbt wie die
eigentlichen Krätzmilben. Sie erzeugt die Räude (s. d.).
Raudifche Felder, s. Vercelli.