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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Reichenbach

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Reichenbach (Georg von) - Reichenbach (Karl, Freiherr von)

männl., 7046 weibl.) E., Postamt erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, drei Kirchen, Synagoge, Realgymnasium, höhere Mädchenschule, städtische und Kreissparkasse, Vorschußverein, Wasserleitung, Kanalisation, Gasbeleuchtung; Baumwollwaren- und Wurstfabrikation, Spinnerei, Wagenbauereien, Dampf- und Wassermühle, Garnhandel, Kunst- und Gemüsegärtnereien und besuchte Getreide- und Viehmärkte. – R. ist bekannt durch den Sieg Friedrichs Ⅱ. über die Österreicher 16. Aug. 1762, den daselbst von Juni bis Juli 1790 abgehaltenen Reichenbacher Kongreß, welcher zu der 27. Juli 1790 zwischen Österreich und Preußen abgeschlossenen Reichenbacher Konvention führte, worin Österreich auf Gebietserwerbungen von der Türkei verzichtete, während Preußen seine Vergrößerungspläne auf Kosten Polens aufgab, endlich durch die Verhandlungen, die hier seitens Preußens und Rußlands während des Waffenstillstandes Juni 1813 über einen Subsidienvertrag mit England stattfanden, der den Abbruch der Friedensverhandlungen mit Frankreich in Prag herbeiführte. – Vgl. Kurze Geschichte der Stadt R. (Reichenbach 1874). – 3) R. im Vogtland, Stadt in der Amtshauptmannschaft Plauen der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, in bergiger Gegend, an den Linien Leipzig-Hof, Dresden-Chemnitz-R. (141,2 km) und R.-Eger (99,3 km) der Sächs. Staatsbahnen, von zwei Bächen durchflossen, Sitz eines Amtsgerichts Landgericht Plauen) und einer Reichsbanknebenstelle, zerfällt in die tiefgelegene Altstadt und die hochgelegene Neustadt und hatte 1834: 5165,1885: 18406, 1890: 21496 (10475 männl., 11021 weibl.) E., darunter 641 Katholiken und 37 Israeliten, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, zwei Kirchen, kath. und Methodistenkapelle, Rathaus, nach dem Brande von 1833 neu gebaut, Realschule mit Progymnasium, zwei Bürgerschulen, Webschule, Handelsschule, Museum des Vereins für Naturkunde, Armen-, Kranken-, Waisenhaus, Filiale der Sächsischen Bank, Vorschuß- und Sparverein, städtische Sparkasse, zwei Wasserleitungen und Gasbeleuchtung. Hauptzweige der Industrie sind Fabrikation wollener und baumwollener Waren, Bleicherei, Appretur, Färberei, Kammgarn- und Streichgarnspinnerei, Wollkämmerei und -Wäscherei (zusammen etwa 150 Firmen), ferner Maschinenbau und Feinmechanik. 7 km westlich die großartige Göltzschthalbrücke (s. Göltzsch). An R. stößt das Dorf Ober-Reichenbach mit 3039 E.– 4) R. in der Oberlausitz, Stadt im Landkreis Görlitz des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, nahe der sächs. Grenze, unweit der Schwarzen Schöps, an der Linie Dresden-Görlitz der Sächs. Staatsbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Görlitz), hat (1890) 1944 E., darunter 73 Katholiken, Post, Telegraph, evang. Lehrerseminar, Rettungshaus für Mädchen; Fabrikation von landwirtschaftlichen Maschinen, Käse, Chemikalien und Farben. In der Nähe (bei Markersdorf) lieferten die Franzosen 22. Mai 1813 den Russen ein siegreiches Gefecht.

Reichenbach, Georg von, Mechaniker, geb. 24. Aug. 1772 zu Durlach, besuchte die Militärschule in Mannheim, bereiste 1791‒93 England und trat dann als Artillerielieutenant in die bayr. Armee, wo er 1800 Hauptmann wurde. In München setzte R. seine mathem. Studien fort und gründete hier 1804 in Verbindung mit Jos. von Utzschneider (s. d.) und dem Mechaniker Liebherr eine mechan. Anstalt, deren Instrumente infolge der von R. erfundenen Kreisteilmaschine die bestgeteilten Kreise besaßen. 1809 traten Utzschneider und R. mit dem Optiker Jos. Fraunhofer (s. d.) zu einer weitern Vereinigung zur Herstellung vorzüglicher Fernrohre zusammen. Die von ihnen gebauten Refraktoren standen lange Zeit unerreicht da. Nachdem R. seine berühmten Wassersäulenmaschinen auf der Linie Reichenhall, Traunstein, Rosenheim ausgeführt hatte, ernannte ihn König Max Joseph von Bayern 1811 zum Salinenrat, als welcher er später (1817) die größte und wirksamste aller Wassersäulenmaschinen, in Illsang bei Berchtesgaden, baute. 1820 zum Direktor des Wasser- und Straßenbauwesens ernannt, überließ er bald darauf seine gemeinsam mit Traugott Ertel geführte mechan. Werkstätte dem Genossen allein. In demselben Jahre legte R. in Wien die Stückbohrerei nach seinem Plane an. Außerdem verbesserte er die Gewehrfabrik in Amberg sowie die bayr. Hochöfen und Eisengießereien. R. war Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München und starb 21. Mai 1826. Seine von Kirchmayr gefertigte Büste ist in der Walhalla aufgestellt.

Reichenbach, Heinr. Gottlieb Ludw., Botaniker und Zoolog, geb. 8. Jan. 1793 zu Leipzig, studierte in Leipzig Medizin und Naturwissenschaften, wurde hier außerord. Professor und folgte 1820 einem Rufe nach Dresden, wo er den botan. Garten schuf, das zoolog. Museum umgestaltete und als Professor der Naturgeschichte an der chirurgisch-mediz. Akademie (bis zu deren Aufhebung 1862) wirkte. Er starb 17. März 1879. Auf dem Gebiete der Botanik begründete er ein eigenes, zuerst in seinem «Conspectus regni vegetabilis» (Lpz.1828) angedeutetes, in seiner «Flora germanica excursoria» (ebd. 1833) und dem «Handbuch des natürlichen Pflanzensystems» (Dresd. und Lpz. 1837; 2. Ausg. 1850) entwickeltes System der Pflanzen. R.s umfangreichstes botan. Werk ist die erwähnte deutsche Flora mit den dazugehörigen «Icones florae germanicae et helveticae» (Bd. 1‒22, Lpz. 1823‒86; mit 2700 illuminierten Tafeln), die nach seinem Tode sein Sohn Heinrich Gustav R, (geb. 1824, gest. 1889 als Direktor des Botanischen Gartens in Hamburg) fortsetzte. Auf dem Gebiete der Zoologie veröffentlichte er: «Regnum animale» (Bd. 1, Lpz. 1834‒36; mit 79 Tafeln), «Deutschlands Fauna» (2 Bde., ebd. 1842) und «Die vollständigste Naturgeschichte des In- und Auslandes» (ebd. 1845 fg.).

Reichenbach, Karl, Freiherr von, Naturforscher und Industrieller, geb. 12. Febr. 1788 zu Stuttgart, studierte in Tübingen, gründete zu Villingen ein Eisenwerk und errichtete zu Hausach in Baden die ersten großen Holzverkohlungsöfen. 1821 verband er sich mit dem Altgrafen Hugo zu Salm in Wien (gest. 1836) zur Gründung von Eisenwerken zu Blansko in Mähren. Nach Salms Tode zog sich R. zurück. Er hatte seinen Wohnsitz auf Schloß Reisenberg bei Wien und starb 19. Jan.1869 zu Leipzig. Er entdeckte das Kreosot und Paraffin. Die Gegend um Brünn und Blansko

^[Wappen von Reichenbach (2)]

^[Wappen von Reichenbach (3)]