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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reichsbank (Russische) - Reichsbeamte
Gesamtumsätzen entfallen 1894 auf die Reichsbaupt-
bank 33 648 Mill., auf die Reichsbankanstalten
77136 Mill. M. Der durchschnittliche Bankzinsfuß
stellte sich 1894 auf 3,n? Proz. für Wechsel und
3,6i7 und 4,ii7 Proz. für Lombarddarlehne (s. Lom-
bardgoschäft). Der durchschnittliche Notenumlauf ^
betrug 1000384000 M.; Notenstcuer ist 1894 nickt
zu zahlen gewesen. Die Noten waren im Durch-
schnitt des Jahres mit 93,40 Proz. metallisch ge-
deckt. Das Guthaben des Reichs und der Bundes-
staaten betrug Ende 1894: 87 808 431,22 M. Die
durchschnittliche Anlage in Platzwechseln betrug
296 728 000 M., in Versandwechseln anf das In-
land 248 201000 M. und in Wechseln auf das Aus-
land 2540000 M.
wurden 43200 Stück im Betrage von 52079000 M.
übernommen. Im Lombardverkchr wurden 1894
neu ausgeliehcn 6567 Darlehne mit 825030050 M.
Offene Depots (f. Depot) waren Ende 1894: 255605
Stück mit 2636594955 M. vorhanden. Bei den
Abrechnungsstellen (f. Clearing-Honse und Giro-
verkehr) wurden 1894: 18398039600 M. abgerech-
net. Der Neingewinn betrug 1893:17,584 Mill. M.,
wovon an die Reichskasse 8,538 Mill. M. fielen. Die
Aktionäre erhielten 7,53 Proz. gegen 6,38 Proz. im
I.1892. Die Dividende betrug/im Durchschnitt der
18 Jahre (1876-93) 6,463 Proz.
Vgl. neben den jährlich erscheinenden Verwal-
tungsberichten der N.: Soetbeer, Deutsche Vank-
vcrfassuug (Erlangen 1875; Nachtrag 1880); Lotz,
Geschichte und Kritik des deutschen Bankgesetzes (Lpz.
1888); A. Wagner in Schönbergs "Handbuch der
polit. Ökonomie" (Bd. 1, S. 478'fg.; 3. Aufl., Tüb.
1890); Übersicht über die gesetzlichen und statutari-
schen Bestimmungen überdieZettelbanken und Bank-
noten in Deutschland (in den "Annalen des Deut-
schen Reichs", VIII, 1890); Laband, Staatsrecht,
Bd. 2 (2. Aufl., Freib. i. Vr. 1891), S. 133 fg.;
R. Koch, Die R. und deren Organisation in jurist.
Beziehung (in "Vorträge und Aufsätze", S. 120fg.,
' Verl. 1892); den Artikel "Reichsbank" in von Sten-
gels "Wörterbuch des deutschen Verwaltungsrechts",
Bd. 2, S. 346 fg.; AllgcmeineBestimmnngen übcr
den Geschäftsverkehr mit der N.; Telsckow, Der
gesamte Geschäftsverkehr mit der R. (6. Aufl., Lpz.
1893).
Reichsbank, Russische (russ. (-033uäai-8w6n-
nvj ^^nil), in St. Petersburg organisiert durch
Gesetz vom 31. Mai 1860, ist eine Staatsbank zur
Beförderung von Industrie und Handel und zur
Unterstützung der Finanzverwaltung mit einem für
Staatsausgaben nicht verwendbaren Kapital von
25 Mill. und einem Reservefonds von 3 Mill. Rubel.
Sie besitzt im Reich (1894) 9 Hauptstellen (Ic mit 01-7),
96 beständige (einschließlich Bucharas) und 9 zeit-
weilige Filialen (otäöl^ni^). Sie emittiert in
Stücken zu 1, 3, 5, 10, 25 und 100 Rubel das russ.
Papiergeld (Neichskreditbillets), welches Zwangs-
kurs besitzt und zur Zeit uueinlöslich ist. Am 1. Jan.
1894 hatte das Conto des "Varfonds und der Kre-
ditbillets" 780 Mill. Rubel Noten begeben und be-
saß dagegen 210,4 Mill. Gold und 1^ Mill. Silber.
Die ungedeckte Notensumme ist als ein unverzins-
liches Darlehn des Staates an die Bank anzusehen.
Die freien Barmittel der Finanzverwaltung werden
der R. und ihren Zweiganstalten in laufender Reck-
nung übergeben und diese leistet umgekebrt der
Reichskasse mannigfache Dienste durch Vorschüsse,
Übernahme der Zinsauszahlungen u. dgl.
Allickhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl. XIII.
Die frühere Polnische Bank in Warschau,
ebenfalls als Staatsbank 1828 gegründet, ist, nach-
dem sie schon dnrch Ukas vom 12. April 1860 das
Recht zur Notenausgabe verloren hatte, 1836 auf-
gehoben und in eine Hanptstelle (kontora) der N.,
ihre Filialen in den Gouvcrnementsstädten in Fi-
lialen der R. verwandelt worden.
Vgl. Wagner, Die russ. Papierwährung (Riga
1868); Handwörterbuch der Staatswissenschaftcn,
Bd. 2 (Jena 1891), S. 157 fg.
Neichsbankthaler, s. Rigsdaler.
Reichsbanner, Reichspanier, s. Banner und
Deutsche Farben. Nicht zu verwechseln mit dem R.
ist die Reichssturmfahne (s. d.) und die Reichsrcnn-
Reichsbaron, f. Baron. M)ne (s. d.).
Reichsbauordnung, s. Baupolizei, Bauord-
nung, Vaurecht (Bd. 2, S. 540a).
Reichsbeamtc, diejenigen Beamten, welche vom
Deutschen Kaiser oder einem Organ des Reichs an-
gestellt werden und in einem Dienstverhältnis zum
Kaiser als dem Vertreter des Reichs stehen; aber
anch diejenigen Landesbeamten, welche den Anord-
nungen des Kaisers Folge zu leisten verpflichtet sind,
d. h. die Post- und Telegraphenbeamten (außer in
Bayern und Württemberg) und die Militärbcamten
(ausier in Bayern). Diese Landesbeamten werden
als "mittelbare R." bezeichnet. Die Beamten von
Elsaß-Lothringen werden von einigen Staats-
rechtslehrern zu den R. gerechnet, von andern als
clsaß-lothr. Landesbeamten bezeichnet. Die nach
Maßgabe der Verfassung (Art. 18) und den Ge-
setzen des Deutschen Reichs ernannten Beamten
werden auch als kaiserl. Beamten bezeichnet (Allge-
meiner Erlaß vom 3. Aug. 1871). Die Dienstver-
hältnisse derjenigen R., welche entweder vom Kaiser
angestellt sind oder nach Vorschrift der Neichsver-
fassung den Anordnungen des Kaisers Folge zu
leisten verpflichtet sind, sind geregelt durch das
Neichsgesetz vom 31. März 1873, das für Elsaß-
Lothringen durch einen besondern gesetzgeberischen
Akt maßgeblich geworden ist. Bei gewissen Ve-
amtenkategorien hat der Bundesrat ein Vorschlags-
recht. Die Mitglieder der höhern Neichsbehörden
sowie diejenigen N., welche nach ihrer dienstlichen
Stellung denselben vorgehen oder gleichstehen, und
die Konsuln erhalten eine kaiserl. Vestallnng; da-
gegen werden die Anstellungsurkunden der übrigen
R. im Namen des Kaisers vom Reichskanzler oder
von den dnrch denselben ermächtigten Behörden er-
teilt. Die Ableistung eines Diensteides ist nicht zur
Anstellung im Reichsdienst, wohl aber Zur nber-
nabme eines Reichsamtes erforderlich. Zur Be-
stellung einer Kaution siud diejenigen R. verbunden,
denen die Verwaltung einer dem Reiche gehörigen
Kasse oder eines Magazins oder die Aufbewahrung
von Geld und geldwerten Gegenständen obliegt (Ge-
setz vom 2. Juni 1869, im qanzen Reiche gültig). Die
R. haben die Pflicht zur Wahrnehmung des ihncn
übertragenen Amtes, zur Treue und zum dienst-
lichen Gehorsam und zu eiuem achtungswürdigen
Verbalten in und außer den: Amte. Zur Annahme
von Geschenken oder Belohnungen in Bezug auf das
Amt bedürfen die R. der Genehmigung der obersten
Reichsbehörde; zur Annahme von Titeln, Ehren-
zeichen und Geschenken von andern Regierungen
oder Regenten der Genehmigung des Kaisers. Der
Vctrieb eines Gewerbes ist den R. im aktiven
Dienst mit Ausnahme der Wahlkonsuln untersagt.
Die Verletzung der Dienstpflicht P cm Disciplinar-
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