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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reichspfennigmeister - Reichsritterschaft
vertreten. Ihr Wahlaufruf von: Mai 1893 betont
das Fcsthaltcll der Partei au der durch Bismarck
eingeführten Wirtschaftspolitik, unter besonderer
Berücksichtigung von Landwirtschaft und Handwerk,
fordert Beseitigung der Mängel der socialen Gesetz-
gebung, Schutz sür Arbeiter und Arbeitgeber gegen
die Socialdemokratie, und strebt nach.Herbeiführung
einer Verständiguug zwifchcn den konservativen und
den gemäßigt liberalen Anschauuugen.
Reichspfennigmeister, im ehemaligen Deut-
schen Neich ein Beamter, welcher die Reichssteuern,
besonders den Römermonat (s. d.), einzunehmen und
zu verrechnen hatte.
Reichspost, Deutsche,s.Postweseu(S.3291)).
Reichspostamt, die höchste Behörde für das
deutsche Reichspost- und Telegraphenwcsen (mit
Ausschluß von Bayern und Württemberg) in Ber-
lin, entstanden (Erlaß vom 22. Dez. 1875) durch
Vereinigung des kaiserl. Generalpostamtes und der
Generaldirektion der Tclegraphie, zuuächst als
Generalpostamt unter Leituug des Generalpost-
meisters, seit 1880 (Erlaß vom 23. Febr.) als R.
untcr Leitung eines Staatssekretärs des R. Das
R. besteht aus drei Abteilungen: 1) PostWesen uud
Betriebsdienst der Post sowie ausländische Post-
beziehuugen, 2) Telegraphenwescn, Betrieb und
internationale Beziehungen der Telegraphie, 3) ge-
meinsame Abteilung für Gesetzgebung, Personal-
wesen, Bauten und Etatssachen. "Das 3t. ist die vor-
gesetzte Behörde der Oberpostdirektionen (s. d.).
Reichspostflagge, die deutsche Nationalflagge
mit einem in der Mitte des weißen Feldes ange-
brachten gelben Posthorn mit der kaiserl. Krone
darüber (s. Tafel: Flaggen der Seestaaten,
Bd. 6, S. 862). Diese R. haben nur die Behörden im
Bereiche des Neichspostamtes zu sühren; außerdem
haben solche deutscheu Schiffe, welche im Auftrage
der Reichspostverwaltung die Post befördern, so-
lange sie die Post an Bord haben, ueben der Natio-
nalflagge die Poststaggc im Großtop zu Heisien. Für
dieselbe Zeit sind diese Schiffe berechtigt, die Post-
flagge als Gösch auf dem Bugspriet zu führen.
Reichspostgesetz, f. Postgesetz.
Neichspostmuseum, eine seit 1874 im General-
vostgebäude (Neichspostamt) zu Berlin befindliche
Sammluug von Abbildungen und Modellen älterer
und neuerer Verkehrsmittel aller Zeiteu und Völker
sowie von Zeichnungen und Modellen von neuen
deutschen Post- und Tclcgraphengebäudcn u. s. w.
Der Grund dazu wurde von dem Gencralpostmeister
von Stephan Anfang 1874 mit Einrichtung einer
Plan- und Modellkammer gelegt, in welche die sei-
tens der Reichspostverwaltung 1873 auf der Wiener
Weltausstellung ausgestellt gewesenen Modelle von
Personen- und Güterpostwagen, Bahnpostwagen
n. s. w., ferner die amtlichen Kurskarten, Pläne
u. s. w., sowie die große Postwcrtzeichensammlung
des vormaligen Generalpostamtes Aufnahme fan-
den. Die Sammluug wurde allmählich zu einem
Post- und Telegraphenmuscum erweitert.
Das Museum umsaßt 20 Abteilungen. - Vgl.
Hennicke, Das N. (Berl. 1889).
Neichsprüfungs-Inspektoren, dem Reichs-
amt des Innern unterstehende Beamte, die darüber
zu wachen haben, daß die von dem Bundesrat er-
lassenen Vorschriften über die Prüfung der See-
schiffer, der Sccsteuerleute und der Secdampfschiffs-
maschinisten überall gleichmäßig befolgt werden. Es
giebt einen Reichsprüfungs-Inspektor für die See-
schiffer- und Seesteuermannsprüfungen und zwei R.
für die Seedampfschiffsmaschinisten-Prüfungen.
Reichsquartiermeister, s. Erzmarschall.
Reichsrat, in der Österreich-Ungarischen Mon-
archie (s. d., Bd. 12, S. 721d) Bezeichnung für
die parlamentarische Vertretung Cisleithaniens; in
Bayern für die Erste Kammer des Landtags; in Ruß-
land für die oberste Behörde der Staatsverwaltung.
Auch in Dänemark und in Schweden führten diesen
Namen ehemals zwei Versammlungen, die aus deu
höchsten Kronbeamtcn und andern vom König aus
dem Adel gewühlten Mitgliedern bestanden. Sie
besaßen in Dänemark bis 1660, in Schweden bis
1772 fast allen polit. Einfluß.
Reichsrayonkommission, s. Festungsrayon.
Neichsrechnungshof, s. Oberrechnungskam-
mer.
Reichsrecht, im Gegensatz znm Landesrecht
das durch das neue Deutsche Reich geschaffene Recht.
Reichsregiment, Regierungsbehörde, die auf
dem Augsburger Reichstag 1500 mit dem ständigen
Sitz in Nürnberg eingesetzt wurde und aus 20 Mit-
gliedern (6 Kurfürsten, 1 geistlichen und 1 weltlichen
Fürsten, 1 Deputierten der Grafen und Herren, 1 Prä-
laten, 2 Deputierten von 8 Reichsstädten und 6 De-
putierten der 6 Neichskreise) unter dem Vorsitz des
Kaisers oder eines von diesem ernannten Stellver-
treters bestand. Die Reichsregimentskanzlei stand
uutcr dein Erzkanzler. Das R. konnte alle innern
und äußeru Angelegenheiten des Reichs erledigen,
die fönst dem Kaiser allein oder mit dem Kurfürstew
kollegium oblagen. Aber schon 21. März 1502 löste
Kaiser Maximilian das N. wieder auf; ein neues,
1521 von Karl V. eingesetztes N., das aber nur
während der Abwesenheit des Kaisers in Wirksam-
keit treten sollte, erhielt sich bis 1530. - Vgl. V.
von Kraus, Das Nürnberger N. (Innsbr. 1883).
Reichsremlfahne, ein Feldzeichen des mittel-
alterlichen deutschen Reichsheers, welches von der
Vorhut geführt wordcu zu sein scheint, während die
Rcichssturmfahne (s. d.) sich beim Haupthecr befaud.
Reichsrezeß, s. Reichsabschied.
Neichsrittcrschaft, der ehemals in den ver-
schiedenen Kreisen Deutschlands angesessene, mit
seinem Gruudbesitz dem Kaiser und dem Reiche uu-
mittelbar uutersteheude Adel. Die R. übte auf
ihrem Gebiete über ihre Unterthanen die herkömm-
lichen Regierungsrechte, zahlte selbst weder Reichs-
noch Kreissteuern, sondern lieferte nur sog. Chari-
tativsubsidieu, die sie von ihren Unterthanen
erhob, an den Kaiser. Die Reichsritter nahmen
zwar nicht an den Reichstagen teil, genossen aber
die übrigen Rechte unmittelbarer Neichsstände. Es
waren zuletzt über 350 Familien, die zusammen
mehr als 5000 (il<m und 200 000 E. besaßen. Die
N. teilte sich in den Schwäbischen, Fränkischen und
Rheinischen Kreis, deren jeder wieder in eine An-
zahl Kantone zerfiel. An der Spitze jedes Kantons
stand ein Rittcrhauptmann mit einigen Rit-
te r r ät e n und einem Kantonausschuß. Jeder Kreis
hatte sciue Kreisversammluug und sein Direktorium.
Durch diese Verbindung und Solidarität gelang es,
gegen die von allen Seiten andringende laudes-
fürstl. Gewalt die hergebrachten Gerechtsame und
kaiserl. Privilegien zu schützen. Doch war schon im
18. Jahrh, ihr Verfall uuverkennbar, der durch die
neuen Staatenbildungen gefördert wurde. Die
Französische Revolution erschütterte zunächst ans
dem linken Nheinufer den bisherigen Besitzstand