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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reichsstempelabgaben - Reichstag
und Herren saften, endlich die Reichsstädte. Die
vornehmsten R. waren die drei geistlichen und die
übrigen weltlichen Kurfürsten. Zur Erlangung
der Reichsstandschaft war der Besitz eines reichs-
unmittelbaren Fürstentums, einer dergleichen Graf-
oder Herrschaft, die Einwilligung des Kaisers und die
Zustimmnng des betreffenden Kollegiums (s. Reichs-
tag) erforderlich.
Über die französischen N. s. I^t^t8 gnn^i'^nx.
Reichsstempelabgaben, s. Stempel und Stem-
Reichsstifte, s. Stift. ftelsteuer.
Reichsstrafgesetzbuch, s. Strafgefetzgebung.
Reichssturmfahne, ursprünglich die Vliltfahne
(s. d.), deren Führung schon früher ein auszeichnen-
des Ehrenamt für die Tapfersten ans dem hohen
Adel des Reichs galt. Kaiser Ludwig der Bayer
belehnte 1336 mit ihrer Führung den Grafen Ulrich
von Württemberg, bei welcher Gelegenheit sie zum
erstenmal in den Urkunden "des Reiches Sturm-
fahnc" genannt wird. (S. Deutsche Farben.)
Reichssynode, s. Konzil.
Reichstadt, czech. 2akup7, Stadt im Gerichts-
bezirk Niemes der österr. Vezirkshauptmannfchaft
Vöhmisch-Leipa in Böhmen, am Zwittebach, der
durch die Pölzen zur Elbe fließt, und an der Linie
Böhmisch-Leipa-Niemes der Österr. Staatsbahnen,
hat (1890) 1136, als Gemeinde 1769 dentsche E.
und eine Zuckerfabrik im Vorort Neu-Reichstaot (139
E.). Die alte Dekanalkirche ist 1500 umgebaut und
1860 renoviert. Das Schloß ist nach dem Brande !
von 1573 hergestellt, 1683 dnrch den Herzog In-
lius Heinrich von Sachsen-Lauenbnrg erweitert. Es
hat 200 Gemächer, darnnter einen Thronsaal, eine
Schloßkapelle und einen großen Park. - R. kam
mit den damit vereinigten Herrschaften an die Kur-
fürsten von Bayern und 1805 an den Erzherzog
Ferdinand, den nachherigen Großberzog von Tos-
cana. Die Wiener Kongreß-Akte stellte den Besitz
von R. und den übrigen toscan. Gütern in Böhmen,
für den Fall, daß das Herzogtnm Lucca an Tos-
cana fallen sollte, dem Kaiser von Österreich in Ans-
sicht, und dieser, Franz I., verlieb 1819 seinem Enkel,
den Prinzen Franz Joseph Karl Napoleon, den Titel
eines Herzogs von N. (s. den folgenden Artikel).
Jener Fall trat mit dem Tode der Herzogin von
Parma (Maria Louise) 18. Dez. 1847 ein. Mit dem
Tode Kaiser Ferdinands I. (1875) gingen die Güter
in den Privatbesitz des Kaisers Franz Joseph I. über.
Neichstadt, Napoleon Franz Joseph Karl, Her-
zog von, der einzige Sohn des Kaisers Napoleon I.
aus seiner zweiten Ehe mit Maria Lonise (s. d.) von
Österreich, geb. 20. März 1811 zu Paris, empfing bei
seiner Geburt den Titel eines Königs von Rom.
Vergebens versnchte Napoleon, cbe er 11. April
1814 die Entsagungsakte unterzeichnete, seinem
Sohne die Thronfolge zu sichern. Während der ge-
stürzte Kaiser nach Elba ging, führte man seinen
Sohn nach Schönbrunn bei Wien^ Maria Louise
erhielt durch den Vertrag von Fontainebleau 1814
das Herzogtum Parma mit dem Rechte, es an ihren
Sohn zu vererben. Nach der Niederlage bei Waterloo
dankte Napoleon zu Gunsten seines Sohnes ab, den
er zugleich als Kaiser Napoleon II. proklamierte
(22. Juni 1815), freilich ohne jeden Erfolg. Als
Maria Louise im Frübjahr 1816 nach Parma zog,
blieb ibr Sohn in Wien unter der Obhut seines
Großvaters, des Kaisers Franz. Infolge eines zu !,
Paris 10. Juni 1817 geschlossenen Vertrags der ver-
bündeten Mächte verlor der Prinz sein Erbrecht auf I
Parma an Karl Lndwig, den Sohn der Königin
Maria Lnife von Etrurien, dagegen wurden ihm
von dem Kaiser Franz für den Todesfall des Groß-
herzogs Ferdinand III. von Toscana die Herrschast
Neichstadt und die sog. pfalzbayr. Domänen in Böh-
men zugesichert. Mit dem 12. Geburtstage erhielt
er ein Fühnrichspatent, 1828 wurde er Hauptmann,
1830 Major; 1831 erhielt er als Oberstlieutenant
ein Bataillon im Regiment Gynlai. Er betrieb
besonders militär. Studien mit unermüdlichem
Eifer. Im April 1832 zeigten sich bei dein Prinzen
die ersten Spuren der Lungenschwindsucht, die so
reihende Fortschritte machte, daß er 22. Inli 1832
zn Schönbrunn starb. Bei d^r Thronbesteigung
Kaiser Napoleons III. wurde der Herzog von R. als
Napoleon II. unter den franz. Souveränen mitge-
zählt. - Vgl. außer den Schriften von Montbel
(Par. 1833), Lecomte (1842), Guy (1853) und Saint-
Felir (1853) noch Graf von Prokesch-Osten, Mein
Verhältnis zum Herzog von R. (Stuttg. 1878).
Reichstass, im alten Deutschen Reiche Bezeich-
nnng für die Versammlungen der Neichsstände (s. d.).
Alle Inhaber königl. Ämter hatten der Ladung des
Kaisers zum N. in der Stadt, die er bestimmte, zu
entsprechen. Seit Rndolf von Habsburg erfchienen
anch die Städte regelmäßig auf dem R. Diese
batten, nach den Reichsgrundgesetzen und dem Her-
kommen, als Neichskörper mit dem Kaiser die ge-
meinschaftliche Ausübung aller Hoheitsrechte, die
nicht an die Landesherren übergegangen waren und
mit Ausschluß der kaiserl. Reservate. Alle von
der Entscheidung des Kaisers und des Reichs ab-
bä'ngenden Angelegenheiten konnten nur auf dem
R. verhandelt werden. Früher erschien der Kaiser
persönlich auf den R., in spätern Zeiten lieh er
sich durch seinen Prinzipalkommissarins, der ein
Reichsfürst war, repräsentativen Charakter und
einen die Geschäfte leitenden Konkommissarius zur
Seite hatte, vertreten. Kurmainz, als Reichs-
erzkanzler in Deutschland, war Direktor der Reichs-
vcrsammlung. Die reichsständifchen Gesandten
überreichten ihre Beglanbigungsschreiben sowohl
dem Prinzipalkommissarins als dem Kurfürsten
von Mainz, bei welchem letztern sich auch die
auswärtigen Gesandten legitimierten. In Ab-
wesenheit des Reichscrzkanzlers vertrat ihn sein
Direktorialgesandtcr. Alles an den R. Gerichtete
ging an den Kurfürston von Mainz und wurde von
der mainzischen Kanzlei den übrigen Kanzlisten in
die Feder diktiert, später gewöhnlich gedruckt ver-
teilt, was die Diktatnr hieß. Die Verhandlungen
geschahen in drei Kollegien (Reichskollegien),
nämlich: 1) in dem Kurfürstenkollegium, wo Kur-
mainz die Stimmen fammelte und die feinige an
Sachsen abgab; 2) in dem fürstl. Kollegium (Rcichs -
fürstenrat), welches sich in die weltliche und die
geistliche Bank teilte (s. Fürstcnbank). Die Reichs-
grafen hatten in diesem Kollegium keine Virilstim-
men, sondern waren in die wetteranische, schwäb.,
frank, und westfäl. Grafenbank, von welchen jede
nur eine Stimme (vntuin curilituin) hatte, geteilt.
So auch die Rcichsprälaten oder Äbte, Pröpste nnd
Äbtissinnen, die sich in die schwäb. und rhein. Bank
teilten und zusammen nur zwei Stimmen hatten.
Das Direktorium in dem Fürstenkollegium führten
abwechselnd der Erzbischof von Salzburg und der
Erzherzog von Österreich. Im ganzen wurden bier
100 Stimmen (94 Viril-, 6 Knnatftimmen) geführt:
3) in dem reichsstädtischen Kollegium, welches sich