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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reihe - Reil
Turnplatz ein. - Vgl. Epieh, R. und Liederreigen
(aus dem Nachlaß hg. von Waßmannsdorff, 2. Aufl.,
Franks, a. M. 1885); Zeltler, Über Rcigcnbildung (in
den "Jahrbüchern der deutschen Turnkunst", 1889).
Reihe, in der Mathematik eine Folge von Glie-
dern, die nach einem bestimmten Gesetz gebildet sind.
Die einfachsten R. sind die Progressionen (s. d.). In
der höhern Analysis versteht man unter einer un-
endlichen R. eine Summe 3,1 4- ^2 > ^ ^ ... von
unendlich vielen Zahlen ^, ^, ^ ...; jedoch hat
eine solche N. nur dann einen Sinn, wenn sie
konvergiert, d. h. wenn die Summe 8^ der 11 ersten
Glieder 8^ ^ ^ -^ ^ ^ ... -> a,,^ ^- ^ stets
gleich einer endlichen Zahl ist, wie groß man auch
die positive ganze Zahl n wählen mag, und wenn
es außerdem eine solche endliche Zahl 8 giebt, daß
die Differenz 8 - 8" mit wachsendem n so klein
wird, als man nur will. Diese Zahl 8 bezeichnet
man dann als die Summe oder den Grenzwert
i1ini68) der unendlichen N. So konvergiert z. B. die
sog. geometrische N. 11" I- "^ -^ ... immer, wenn
a zwischen -1 und ^ 1 (diese Grenzen ausge-
schlossen) liegt, und ihre Summe ist -- .-------. Kon-
1 - "
vergiert eine R. nicht, so sagt man, daß sie diver-
giert. Man braucht die unendlichen N., um die
irrationalen Zahlen (z. B. die Ludolfsche Zahl, s. d.)
und die Funktionen darzustellen. Die regulären
Funktionen (z. B. Exponentialfunktion, Logarith-
mus, Goniometrische Funktionen und Cyklometrische
Funktionen) lassen sich nach ganzen positiven Po-
tenzen der Veränderlichen in konvergente Potenz-
reihcn entwickeln. (S. Taylorscher Lehrsatz.) Die
trig 0 n 0 metrischen N. schreiten nach dem Sinus
und Cosinus vom Vielfachen eines Winkels fort;
sie können auch unstetige Fnnktioncn darstellen und
finden besonders in der mathcm. Physik vielfache An-
wendung. (S. Harmonische Neihe, Differenzenreihe.)
Reihenpflaster, s. Pflasterung.
Reihenschaltung, Serienschaltung, Hin-
tereinanderschaltung, Einschaltung der einzel-
nen Stromverbrauchsstellen hintereinander, derart,
daß der elektrische Strom alle hintereinander durch-
stießt; so werden vielfach Bogenlampen (f. Bogen-
licht) in R. gebrannt. Eine größere Zahl (in Ame-
rika bis zu 60) Lampen hintereinander liegen in einem
einzigen Kreis, der von einer Maschine entsprechend
hoher Spannung mit Strom versorgt wird.
Reihenzieher, landwirtschaftliches Gerät, s.
Marqueur.
Reiher (^räLiä^L), eine aus 5 Gattungen und
gegen 80 Arten bestehende, kosmopolitisch ver-
breitete Familie der Stelzvögel, bei welcher der
Schnabel so lang oder länger als der Kopf, gerade,
zusammengedrückt, sehr spitzig, bis unter die Angen
gespalten und mit schneidenden, nach vorn fein ge-
zühnelten Kieferrändern versehen, die Zügelgegend
unbefiedert ist, die Nasenlöcher spaltförmig, an
der Schnabelwurzel gelegen und in eine bis zur
Schnabelspitze auslaufende Furche verlängert und
die Läufe hoch und geschildet sind. Die eigentlichen
R. haben eine hohe Statur, sehr langen Hals, lange
Beine, deren Mittelzehe kammartig gesägt ist,
halten sich in wasserreichen Gegenden auf, sind ge-
fräßig, teils Tag-, tcils Nachtvögel, monogamisch
und in kältern Gegenden Zugvögel. In der Nnhe
stehen sie auf einem Beine, mit tief eingezogenem
Hälfe, ganz unbeweglich da. Sie nähren sich von
größern Wasscrtieren aller Art, auch von Amphi-
bien, besonders sind sie gefährliche Feinde der Fisch;
teichc und werden deshalb verfolgt. Wenige sind
von bunter Färbung, einige jedoch vom reinsten
Weiß. Die Männchen besitzen öfters einen Schmuck
von sehr verlängerten, im Nacken oder in der Kropf-
gegend wurzelnden schmalen Federn, die zum Putze ge-
sucht sind. Durch ihre Schnabelhicbe, bei denen sie
den Kopf plötzlich vorschnellen und die sie besonders
auf Gesicht und Augen richten, können sie gefährlich
werden. Man teilt die R. in zwei Unterfamilien:
1) in die eigentlichen R. (^i-dsin^), die wieder in
drei Gruppen zerfallen, nämlich in die dünnhalsigen
N. (^rä6H6), die einen sehr langen und dünnen
Hals haben, an dessen unterm Teile schmale Federn
weit herabhängen' zweitens in die dickhalsigen R.
(Dotaui-uL) oder Rohrdommeln (s. d.), und drittens
in die Nachtreiher (s. d., X^cticorax); 2) in die
Kahnschnäbel, zu denen außer dem gewöhnlichen
Kahnschnabel (s. d.) auch der Schuhschnabcl (Zk-
1^6nic6^8 rex <3c"A?li, s. Tafel: Stelzvögcl III,
Fig. 6) gehört. Zur ersten Gruppe gehört der große
Silberreiher oder die Eg rette (HeroäiaL aidk
2v.) und der kleineSilberreiher (Heroäi^ 6ar-
26ttH ^.), welche hauptsächlich in Ungarn ba'ufig
sind und deren Nucken- und Schulterfedern zu kost-
baren Federbüschcn verwendet werden. Ferner der
durch seine stattliche Größe ausgezeichnete Goliath-
reiher (^räea nodi1i8 Z^t/t) aus Afrika und In-
dien. Auch der graue N. oder große Fischreiher
(^räea. cin6l63. ^., s. Taf. I, Fig. 5), welcher der
häufigste unter den in Deutschland vorkommenden
R. ist, gehört zu dieser Gruppe. Von seinen kunst-
losen, stets auf Bäumen angelegten Nestern bilden
20-100 Stück, die sich in kurzen Entfernungen von-
einander befinden, die Reih erstände, die man
ehedem sorgfältig fchützte, als noch die Jagd auf N.
mit abgerichteten Falken (die Neiherbeize, s. Beize
und Falken) em Vergnügen der Vornehmen war.
In zoolog. Gärten sind die verschiedenen Neiher-
arten gern gesehene Vögel, die sich bei Fisch und
rohem Fleisch gut halten und auch zur Fortpflanzung
schreiten. Die Preise schwanken zwischen 5 M. für
den Fifchreiher und 250 M. für den Goliathreiher.
Reiherbufch, Kopfschmuck, s. Aigrette.
Neiherente, s. Enten (Bd. tt, S. 167 d).
Reihergras, s. 8tipa.
Reiherschnabel, Pflanze, s. Nroäwm.
Reihcschiffahrt, s. Beurten.
Reihschcit, Neihschiene, s. Neibschiene.
Reihungen, s. Gewölbe (Bd. 7, S. 995 d).
Reikholt, Reikiavik, s. Reykjavik.
Reil, Joh. Christian, Mediziner, geb. 28. Febr.
1759 zu Nhaude in Ostfriesland, studierte 1779-82
zu Göttingen und Halle Medizin. Nacbocm er einige
Jahre in seinem Vaterlande als praktischer Arzt ge-
wirkt hatte, wurde er 1787 als außerord. Professor
der Medizin nach Halle berufen, wo er 1788 die ord.
Professur der Therapie mit der Direktion des Klini-
kums und 1789 das Stadtphysikat übernahm. 1810
tam er als Professor an die neucrrichtete Universität
zu Berlin; 1813 erhielt er die oberste Leitung der
Kriegshospitäler auf dem linken Elbufer. R. starb
22. Nov. 1813 als Opfer seiner Thätigkeit am Hospi-
taltyphus zu Halle. Unter seinen Schriften sind her-
vorzuheben: "über die Erkenntnis und Kur der Fie-
der" (5 Bde., Halle 1799-1815; neue Aufl., Verl.
1820-28), "Rhapsodien über die Anwendung dei
psychischen Kurmethode auf Geisteszerrüttungen"
(Halle 1803; 2. Aufl. 1818). Mit Hoffbaucr gab n