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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reis (Frucht)
schen und subtropischen Gegenden der Erde beschränkt,
im materiellen Leben der Völker seit den ältesten Zei-
ten eine ausnehmend wichtige Rolle, denn er bildet
bei einem reichlichen Viertel der Menschbcit den fast
ausschließlichen oder vorwaltenden Näbrstoff. Ter
R. (Or^a !>.), zur Familie der Gramineen (s. d.)
gehörend, kommt sowohl wildwachsend als in an-
gebautem Zustande vor. Zu den wildwachsenden
Arten gehören der nordamerikanische R. oder
Wasserreis (s. Ä/nniH ^>.) in den Seen gebieten
Nordamerikas und der getüpfelteN. (Ov?H pnno
tat". Xolsc/lT/) im ganzen Sudan. Ter Kultur-
reis (s. Tafel: Gramineen III, Fig.2) entwickelt
auf einem 50-170 cin hohen, teilweise noch höhern,
nicht sehr kräftigen, hohlen Halme eine schmale,
überhängende Rispe mit einblütigen Ähren und 30
-60, ja 100 und mehr Samenkörnern. Letztere sind
mit denVlütenspelzen innig verwachsen, kantig und
von zwei Hüllen, einer innern, hellen, feinen Haut
und einer äußern meist gelben, kräftigen Schale, um-
geben. Es giebt viele hundert Varietäten mit weißen,
braunen und schwarzen Spelzen und Grannen, früh-
und spätrcifende, doch lassen sich alle diese untcr vier
Hauptformcn: Oi-^H 8lUivH, 0l)^g. pi'nscox, Oi-^n.
inonwna, und Oi^a, Flutino8H, gruppieren. 0l)^N
8Htiva,die edelste Sorte, verlangt zu ihrem Gedeihen
natürliches Sumpfgcbiet oder künstlich überschwemm-
tes Land und gebraucht zu ihrer Entwicklung 5-6
Monate. Oi-^H pi-aocox, ebenfalls Sumpfreis,
reift etwas schneller, giebt aber an Menge und Güte
geringere Ertrüge als Or)^^ Lativa. ^i-^u. mon-
lana,, Vergreis, wächst auf trocknen Ländereien,
obne künstliche Bewässerung, oft in beträchtlicher
Mcereshöhe (im Himalaja bis über 2000 m) und in
höhern Breiten. Er reift in 4 Monaten und bat
kurze Halme sowie kleine, nicht sehr zahlreiche Kör-
ner. Anbauvcrsuche in Nordeuropa, namentlich in
England damit angestellt, lieferten kein befriedigen-
des Ergebnis. 0i->-23.Flutinn8N,Klebreis, gedeiht
sowohl auf nassem als auch auf trocknem Boden,
eignet sich aber wegen der klebrigen Beschaffenheit
seiner länglichen Körner weder zu den orient. Reis-
speisen noch zur Ausfuhr; sein Anbau ist daber be-
schränkt. Da die bessern Reissorten eine hohe Wärme
(Sommerhalbjahrtcmperatur 20° lü.) und eine be-
trächtliche Feuchtigkeit erfordern, so beschränkt sich
ihr Anbau auf die tropischen und subtropischen Län-
der mit entsprechendem Klima. Seine Nordgrenze
liegt in Asien bei 42° (Turkestan), in Europa bei
46" (Po-Ebene), in Amerika bei 36" nördl. Br., auf
der südl. Halbkugel aber schon bei 26° südl. Br. Tie
wichtigsten Reisländer sind Japan, Korea, China,
die Philippinen, die ^unda-Inscln, Hinterindien,
Vorderindien, Ceylon und Madagaskar; in zweiicr
Linie folgen Persien, Ägypten, Italien, die südl.
Vereinigten Staaten und Brasilien; unbeträchtlich
ist der Anbau in den mittelasiat. Oascn, in Meso-
potamien, im tropischen Afrika, in Spanien und
Westindien und einigen Republiken span. Zunge so-
wie auf Hawaii und Ncucaledonien. Für die "Aus-
fuhr nach Europa kommen fast nur Vorder- und
Hinterindicn und zwar besonders Birma (Rangun,
Akjab, Malmen), neuerdings auch Siam und Japan
in Betracht. Die wichtigsten Handelssorten sind
Carolinareis (stark durchscheinend, klar, glatt, bart,
länglichschmales Korn), Iavatafelreis ^durcki'cbei-
nend, mit gerieften, langen Körnern), ostindischer
R. (Patna, die beste Sorte, klein und sehr weiß),
Levantiner R. (groß im Korn und von rötlicher
Farbe) und italienischer N. (weiß, voll und dem
Carolinareis ziemlicb ähnlich; Ostiglianer ist die
beste Sorte). Die Güte des R. wie die aller
Kulturfrüchte ist abhängig von der Art des An-
baues, dem Jahrgang, dem Transport und der
Aufarbeitung. Einen sichern Anhalt für die Güte
bildet das hornartige Aussehen der gleichmäßig
durchweinenden Körner, deren Härte, Größe und
Trockenheit sowie reiner Geschmack (sie dürfen beim
Aufkochen nicht säuerlich schmecken).
In ganz Süd- und Ostasien bildet die Negen-
periodc, die im Frühling dem Monsunwechsel folgt,
die natürliche Grundlage für den Reisbau. Aber
da diei'e Regen keineswegs überall mit voller Regel-
mäßigkeit und Stärke eintreten, so hat man in einigen
Ländern, wie in Japan, China und auf Java, feit
alten Zeiten künstliche Bewässerungsanlagen geschaf-
fen. Dadurch wird es auch möglich, auf eiuem und
demselben Felde zwei Ernten im Jahre zu erzielen.
Das japan. Bewässerungssystem z. B. zerlegt die
betreffende Fläche in eine große Zahl von vielfach
terrassenförmigen Quadraten, die durch etwa ^ m
bobe Dämme voneinander getrennt werden. Jeder
Scheidedamm hat mehrere Durchstiche sür den Zu-
und Ablauf des Wassers. Dieses überrieselt mit
schwachem Strome das Feld bis zu einer gewissen
Höhe und fließt dann zum nächsten Grundstücke über.
In wasserarmen Gegenden Japans und Chinas hat
man Sammelbecken (Teiche), die vielfach auch zur
Fischzucht dienen. Die vollkommensten Bewässe-
rungsanlagen finden sich in der Po-Ebene. Die
Art" des Reisbaues ist je nach der Kulturstcllung
der beteiligten Völker sehr verschieden. Solche nie-
derer Kultur (auf Sumatra, Vorneo, den Philippi-
nen, in gewissen Teilen Hinter- und Vorderindiens
u. a.) säen die Reiskörner einfach in den Bodcn-
fchlamm und überlassen bis zur Reife das weitere
der Natur. Die fortgeschrittenen Reisbauer dagegen
(Japan, China, Java, Vereinigte Staaten, Ober-
italien u. a.) verfahren etwa so wie unsere Rübcn-
pflanzer. Auf einem forgfältig vorbereiteten Saat-
beete werden zunächst dicht nebeneinander junge
Pflanzen erzogen. Haben diese ein Alter von etwa
35 Tagen und eine Höhe von etwa 20 cin errcichl,
so werden sie ausgezogen und auf die eigentlichen,
vorbcr genügend gereinigten und bewässerten Felder
in Gruppen von 4 bis 6 Stecklingen mit gewissen
Abständen umgepflanzt. Sind die Stecklinge festgc-
wachsen, so werden die Felder von Zeit zu Zeit von
Unkraut gereinigt, bewässert und wohl auch gedüngt
(z. B. in China mit flüssigem Dünger). Damit wird
fortgefahren, bis die Halme anfangen gelb zu wer-
den. Nach erfolgter Reife werden diese ausgerauft
oder geschnitten, dann, meist gleich auf den Feldern,
gegen den Rand eines Gefäßes oder an einengrohen
Stein geschlagen. Tie dadurch abfallenden Körner
werden darauf von der gelben obern Hülse befreit,
was auf verschiedene Weise geschieht. In dieser
Form beißt die Frucht Paddy und wird auch meist
so verschifft. Die Entfernung der innern feinern
Haut geschieht in den Produttionsländern mittels
primitiver, meist von Menschen betriebener Stam-
pfen, während man dafür in Europa besondere
Rcismüblcn (s. unten) erbaut bat, wie solche neuer-
dings auch in einigen Ausfuhrländern, wie z. B. in
Indien und in Virma, angelegt worden sind.
Tie umstehende Tabelle ist von Schcrzcr ent-
worfen: