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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reisen (Stadt) - Reiskornwurm

die Apodemik. Reiseanweisungen wurden wohl am frühesten mit besonderer Rücksicht auf die Wallfahrten nach dem Heiligen Lande entworfen und zuerst handschriftlich verbreitet. So z. B. von Johann Bassenheimer 1426: "Das ist die Ordnung, wie man sich halten soll über Meer und auch die heiligen Städte besuchen" (in der königl. Bibliothek zu Dresden). Auch sind sie schon im 15. Jahrh. gedruckt, allerdings, wie folgendes Beispiel zeigt, unter seltsamem Titel: "Ain hubscher Tractat wie durch Herzog Gotfrid von Pullen (Bouillon) ... das gelobte Landt ... gewonnen ist" (Augsb. 1479). Aus dem 16. Jahrh. sind zu nennen: "Gradarolus, de regimine iter agentium" (Bas. 1561); Pictorius, "Reisbüchlein" (3. Aufl. 1565); Zwinger, "Methodus apodemica" (ebd. 1577). Am meisten verbreitet waren im 17. Jahrh. die Schriften Martin Zeillers: "Getreuer Reisgefert" (Ulm 1632). Dergleichen Werke sind noch bis Ende des 18. Jahrh. (z. B. "Apodemik", Lpz. 1795) erschienen. Ein vorzügliches Buch ist A. Michelis’ "Reiseschule" (4. Aufl., Lpz. 1889). Merkwürdig ist, daß sich auch eine Gegenströmung gegen das Reisen bemerklich machte. Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg erließ 1700 ein Reiseverbot und P. I.^[Paul Jacob] Marperger verlangte in seinem Schriftchen "Anmerkungen über das Reisen in frembde Länder" (Dresden und Leipzig ohne Jahr, um 1720), man müsse eine Reisesteuer einführen, um zu verhindern, daß durch die R. zu viel Geld ins Ausland geschleppt werde. Neuerdings hat man in Deutschland, ebenfalls nach engl. Vorbild, auch Reisebibliotheken, d. i. Sammlungen von Schriften unterhaltenden Inhalts zur Lektüre während der Fahrt, begonnen. Mit den Reisebüchern vermehrten sich auch die Post- und Reisekarten, unter denen für Deutschland besonders die von Graf, Handtke, Liebenow zu empfehlen sind. Die Form der Reisebeschreibung ist öfter benutzt worden, um moralisch-pädagogischen, naturwissenschaftlichen oder satir. Erzählungen als Gerüst zu dienen. Das bekannteste Beispiel ist der Defoesche "Robinson"; neuerdings erzielte Jules Verne mit seinen fingierten naturwissenschaftlichen Reisebeschreibungen große Erfolge. Periodische Druckschriften specifisch touristischen Inhalts sind die "Mitteilungen" des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, "Österr. Touristenzeitung" (Wien, Organ des Österreichischen Touristenklubs), "Der Tourist" (Berlin, Organ des Deutschen Touristenverbandes), "Wanderer im Riesengebirge" (Hirschberg), "Über Berg und Thal" (Dresden), die "Blätter des Schwäbischen Alb-Vereins" (Tübingen), "Riesels Reise- und Verkehrsblätter" (Berlin) und "Stangens Illustrierte Reise- und Verkehrszeitung" (ebd.).

Reisen, poln. Rydzyna, Stadt im Kreis Lissa des preuß. Reg.-Bez. Posen, am Polnischen Landgraben, an der Linie Posen-Breslau der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 1155 E., darunter 408 Katholiken und 49 Israeliten, Post, Telegraph, evang. und kath. Kirche, ehemaliges Piaristenkloster. Nahebei Schloß R. des Fürsten Sulkowski mit 85 E., Gemäldegalerie, Park und Orangerie.

Reisender, kaufmännischer, s. Handlungsreisender; buchhändlerischer, s. Reisebuchhandel und Handlungsreisender.

Reiseroute, Zwangspaß, s. Paß.

Reiseunfallversicherung, die Versicherung einer Person gegen körperliche Unfälle auf Reisen, besonders auf Reisen mit der Eisenbahn. Die R. ist Sache der Unfallversicherungsanstalten. (S. Unfallversicherung.)

Reisglas, soviel wie Alabasterglas (s. d.).

Reishamster, s. Hamster.

Reisig, s. Holzaufbereitung.

Reisig, Christ. Karl, Philolog, geb. 17. Nov. 1792 zu Weißensee in Thüringen, studierte in Leipzig und Göttingen, ward 1818 Privatdocent in Jena, 1820 außerord., 1824 ord. Professor in Halle und starb 17. Jan. 1829 in Venedig. Er veröffentlichte eine Ausgabe der "Wolken" des Aristophanes (Lpz. 1820) und des "Ödipus auf Kolonos" des Sophokles (Jena 1820), wozu "Commentationes criticae" (2 Bde., 1822 u. 1823) kamen. Ritschl gab aus R.s Vorlesungen heraus: "Reisigii emendationes in Aeschyli Prometheum" (in "Ritschelii opuscula philologica", Bd. 1, Lpz. 1867); Haase mit wertvollen eigenen Anmerkungen R.s "Vorlesungen über lat. Sprachwissenschaft" (ebd. 1839; neu bearb. von Hagen, Heerdegen, Schmalz und Landgraf, 3 Tle., Berl. 1881-88). - Vgl. Dittenberger, De Carolo Resigio Thuringo (Halle 1892).

Reisige (von Reise in der ursprünglichen Bedeutung Kriegsfahrt), die schwerbewaffneten Reiter (Ritter und ihre Knappen) der Heere des Mittelalters. (S. Deutsches Heerwesen, Bd. 5, S. 62.)

Reiske, Joh. Jak., Philolog und Orientalist, geb. 25. Dez. 1716 zu Zörbig bei Halle a. S., studierte in Leipzig und Leiden, erhielt 1748 in Leipzig den Titel als Professor der arab. Sprache und wurde 1758 Rektor der Nikolaischule. Er starb 14. Aug. 1774. Außer seinen "Animadversiones ad graecos auctores" (Bd. 1-5, 1757-66) sind zu erwähnen: die Ausgabe der Schrift des Konstantinus Porphyrogennetos "De caeremoniis" (zusammen mit Leich, 2 Bde., Lpz. 1751-54), des Theokrit (2 Bde., Wien und Lpz., 1765-66), der griech. Redner (12 Bde., Lpz. 1770-75), der Anthologie des Kephalas (ebd. 1754), der sämtlichen Werke des Plutarch (12 Bde., ebd. 1774-82), des Dionysius von Halikarnaß (6 Bde., ebd. 1774-77), des Maximus Tyrius (2 Bde., ebd. 1774-75), der "Reden" des Dio Chrysostomus (2 Bde., ebd. 1784 u. 1798) und des Libanius (4 Bde., Altenb. 1791-95). Seine Übersetzung der "Reden" des Demosthenes und Äschines (5 Bde., Lemgo 1764-69) und der Reden im Thucydides (Lpz. 1761) ermangelt der Eleganz, zeichnet sich aber durch große Treue und kräftige Sprache aus. D’Orvilles "Chariton" übersetzte er ins Lateinische. Im Gebiete der arab. Litteratur, auf deren histor. und ästhetischen Wert er als einer der ersten hinwies, machte er sich namentlich durch die Bearbeitung der "Annales Moslemici" des Abulfeda (hg. von Adler, 5 Bde., Kopenh. 1789-94) verdient. - Vgl. Morus, Vita Reiskii (Lpz. 1777); Gelehrter Briefwechsel zwischen R., Moses Mendelssohn und Lessing (2 Bde., Berl. 1789). R.s Selbstbiographie (Dessau 1783) gab seine Gattin heraus.

Ernestine Christine N., Tochter des Superintendenten Müller, geb. 2. April 1735 zu Kemberg, gest. daselbst 27. Juli 1798, war seit 1764 mit R. vermählt und unterstützte ihn bei seinen gelehrten Arbeiten. Auch lieferte sie u. d. T. "Hellas" (2 Bde., Mitau 1778) und in den Schriften "Zur Moral" (Dess. und Lpz. 1782), sowie "Für deutsche Schönen" (Lpz. 1786) Übersetzungen aus griech. Schriftstellern und schrieb eine "Verteidigung" ihres Mannes gegen die Angriffe Michaelis’ in Göttingen (ebd. 1786).

Reiskornwurm, s. Kornweibel.