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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reliefschreiber - Religion

metr. Eindruck macht, wie der durch dasselbe dargestellte Körper, so müssen entsprechende Punkte des Körpers (des Originals) und des Reliefs auf Linien liegen, die alle durch den Augenpunkt gehen, eine Anforderung, die auch bei der gewöhnlichen Perspektive (s. d.) für das ebene Abbild eines Körpers gilt. Die Verkürzungen entstehen dadurch, daß man die Linien, welche im Original senkrecht auf der vordern Ebene (der Bildebene) des Reliefs stehen, im Relief nach einem gemeinsamen Fluchtpunkt gehen läßt. In nachstehender Figur ist ein kastenförmiger Raum ABCDDQRST, wie ihn jedes Zimmer darstellt, reliefperspektivisch abgebildet, und zwar der Übersichtlichkeit wegen in schiefer Projektion. Der auf der Grundebene G stehende Beschauer OO<sub>1</sub> mit dem Augenpunkt O sieht die einzelnen Ecken A, B, C u. s. w. in der Richtung der Sehstrahlen OA, OB, OC u. s. w. Verbindet man dann den Fluchtpunkt F mit den Ecken Q, R, S, T, so erhält man die reliefperspektivischen Bilder a, b, c, d der Ecken A, B, C, D als Schnittpunkte der Geradenpaare OA, FQ; OB, FR; OC, FS; OD, FT und somit den ganzen mit starken Linien gezeichneten Raum. Die R. findet Anwendung besonders bei solchen Reliefs, bei denen geometrisch definierbare Gebilde, z. B. Architekturen, vorkommen; auch dient sie zur Konstruktion des Bühnenraums von Theatern (s. Theaterperspektive). - Vgl. Burmester, Grundzüge der R. (Lpz. 1883).

Relĭefschreiber, s. Elektrische Telegraphen (Bd. 5, S. 1009 a).

Relĭefzüge, soviel wie Bogenzüge (s. d.).

Religion (vom lat. religio, das die ehrfurchtsvolle Scheu vor der Gottheit bedeutet), im allgemeinen die lebendige Beziehung des menschlichen Selbstbewußtseins auf das Gottesbewußtsein, der das thatsächliche, durch innere Erfahrung und Nötigung innegewordene Verhältnis zu Grunde liegt, worin der menschliche Geist zum göttlichen steht. Lange bevor der Mensch ein ausdrückliches Nachdenken auf dieses Verhältnis zu richten vermag, äußert sich die R. in dem unwillkürlichen Gefühl seiner Abhängigkeit von einer höhern Macht und in dem unwiderstehlichen Drange, zu dieser Macht ein solches Verhältnis einzugehen, das ihm den Beistand derselben zu sichern oder Übel, die ihm bei einem entgegengesetzten Verhalten zu ihr drohen, von ihm abzuwenden vermag. Die ersten religiösen Regungen entspringen daher aus dem Bewußtsein der Endlichkeit und Beschränktheit alles menschlichen Lebens, werden aber zu wirklich religiösen Regungen immer erst unter der Voraussetzung, daß der Mensch die Abhilfe für die innegewordenen Lebenshemmungen weder in sich selbst, noch in der ihn umgebenden Welt, sondern in einer höhern Macht sucht, die er sich persönlich vorstellen muß, um ein persönliches Verhältnis zu ihr eingehen zu können. Die geistige Macht, von der der Fromme sich abhängig weiß. kommt ihm aber immer nur so weit zum Bewußtsein, als sein eigenes Leben bereits mit geistigem Gehalt erfüllt ist; daher in den Göttern zunächst nur noch thatsächlich endliche Mächte, Naturkräfte oder (höher hinauf) Kräfte des Geistes verehrt werden, menschenähnlich vorgestellt und keineswegs frei von allerlei Unvollkommenheiten und Mängeln, bis der Mensch sich gedrungen fühlt, über den ganzen Bereich des erscheinenden Daseins, um die Gottheit zu finden, hinauszugehen und den ganzen Naturzusammenhang und Weltverlauf überhaupt von ihr abhängig zu setzen. Denn der zum tiefern Denken herangereifte Mensch kann sich mit einer Gottheit, die selbst nur ein relativ entschränktes Endliche wäre, nicht begnügen, sondern beruhigt sich erst, wenn er alles endliche, in Raum und Zeit erscheinende Dasein auf seinen unendlichen und ewigen Grund zurückgeführt hat, und dieser Zug zum Unendlichen hin, der erst auf den höhern Stufen geistiger Entwicklung als solcher uns zum Bewußtsein kommt, liegt unbewußt auch schon den ersten religiösen Regungen zu Grunde. Je nachdem das Welt- und Selbstbewußtsein des Menschen noch unmittelbar am sinnlich-natürlichen Dasein haftet oder bereits geistigen und sittlichen Inhalt gewonnen hat, gestaltet sich auch der sonstige Inhalt des religiösen Glaubens verschieden. 2) Dem Standpunkte des Naturmenschen entspricht die Naturreligion, dem herangereiften Geistesleben die geistige R., dem erwachten sittlichen Bewußtsein die ethische R.; auf der ersten Stufe wird das Göttliche nur erst als Macht, auf der zweiten zugleich als Intelligenz, auf der dritten auch als Wille des Guten verehrt. Wiederum auf der Stufe der sittlichen R. unterscheiden sich die Gesetzesreligion und die Versöhnungs- und Erlösungsreligion als Vorstufe und als Vollendungsstufe. Steht auf jener der göttliche Wille dem menschlichen noch äußerlich gegenüber als von außen her sich offenbarende, gebietende, lohnende oder strafende Macht, so ist auf dieser der Gegensatz aufgehoben und der göttliche Geist im Menschengeiste gegenwärtig, als die denselben beseelende, durchwaltende und mit sich versöhnende unendliche Liebe. Die R. des Alten Testaments ist vorwiegend Gesetzesreligion, doch in der Prophetie über sich selbst hinausweisend zu der Vollendungsstufe. Letztere ist principiell im Christentum (s. d.), der vollkommenen Erlösungsreligion, erreicht.

Zwischen R. und religiöser Vorstellung muß sorgfältig geschieden werden. Erstere besteht ebensowenig aus einer bestimmten Gattung von Handlungen als in einer Summe fertiger Wahrheiten, wie man etwa (nach orthodoxer Lehre) auf Autorität hin anzunehmen hätte oder, wie der Rationalismus (s. d.) meinte, aus reiner Vernunft zu gewinnen vermöchte. Sie ist vielmehr, wie besonders Schleiermacher ausgeführt hat, eine Bestimmtheit unsers Gemütslebens, die sich in dem nach außen mitteilbaren Vorstellen und Wollen, im Sprechen und Handeln, stets nur in abgeleiteter Weise reflektiert. R. ist Sichwissen des menschlichen Geistes in seiner Beziehung auf den göttlichen Geist, eine unmittelbare Gewißheit des menschlichen Subjekts von dem Verhältnis seiner selbst zu Gott und ein dieser Gewißheit entsprechender innerer Antrieb, das ganze Leben zu Gott in Beziehung zu setzen und mit Gott immer völliger eins zu werden. Dieser Antrieb äußert sich in der Herausgestaltung religiöser Vorstellungen und Handlungen oder von Glaubens-^[folgende Seite]