Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

784
Reservatum ecclesiasticum - Reservefonds
steuer-Gemeinschaft, die besondern Rechte Württem-
bergs hinsichtlich der Viersteuer, des Post- und
Telegraphenwesens, des Reichskriegswesens und des
Eisenbahnwesens, endlich die Eremtionen Bayerns
von der Viersteuer-Gemeinschaft, von der Reichs-
post und Telegraphenverwaltung, von der Reichs-
eisenbahngesetzgebung, von der Reichsgesetzgebung
über das Heimats- und Niederlassungswesen, über
das Immobiliarversicherungswesen und insbeson-
dere seine Sonderstellung hinsichtlich des Militär-
wesens und der Festsetzung des Militäretats. (S.
Deutschland und Deutsches Reich ^Staatsrechtliches,
Bd. 5, S. 146fg.^.) Das Reservatrccht in betreff
der Branntweinsteuer ist durch die neueste Gesetz-
gebung auf diesem Gebiete beseitigt. Die litterar.
Kontroversen über die R., an welchen sich besonders
Laband, E. Löning, Hä'nel, Zorn beteiligt haben,
sind teilweise noch unerledigt. S. die Lehrbücher des
Reichsstaatsrechts von Laband, G.Meyer, Zorn,
dazu die Monographienvon Laband und E.Löning in
Hirths "Annalen des Deutschen Reichs" (1874,1875).
Asservätuin ooo1s8i2.3tiouin (lat., Geist-
licher Vorbehalt), die Bestimmung des Augs-
burgischen Religionsfriedens von 1555, wonach kath.
geistliche Reichsstände durch übertritt zum Prote-
stantismus ihre Benesizien verwirken sollen. Erst
durch den Westfälischen Frieden wurde dieselbe Norm
auf prot. geistliche Reichsstände ausgedehnt.
Itv8srvä.tnnz rnstiouin (lat.), s. Auszug.
Neserve (frz.), Vorbehalt; Zurückhaltung, ge-
messenes Wesen; etwas zur Aushilfe vorrätig Ge-
haltenes. Hand elstechnischbez eichnetN.dieRück-
lagen, namentlich aus dem Reingewinn der Aktien-
gesellschaften, aus den verdienten Prämien bei Ver-
sicherungsanstalten (Prämienreserve) u. s. w.
(S. Reservefonds.) - In der Wehrverfaffung
heißt R. die nach der aktiven Dienstzeit (s.d.) unter Vor-
behalt der Wiedereinstellung entlassene Mannsckaft,
durch welche bei der Mobilmachung (s. d.) die aktive
Armee und Marine auf Kriegsstärke gebracht wird;
ferner die im Kriegsfall neuorganisierten Truppen-
teile (Neferveregimenter, Reservebataillone), die zur
Unterstützung und Verstärkung der im Felde stehen-
den Truppen dienten (s. Ersatzreserve). Die Pflicht,
in der N. zu dienen, nennt man Reservepflicht;
sie bildet einen Teil der Dienstpflicht (s. d.) und ist
in den einzelnen Staaten verschieden (s. die Artikel
über das Heerwesen der einzelnen Staaten). Im
taktischen Sinne ist R. die bei Beginn eines Ge-
fechtes zur Verfügung des Höchstkommandierenden
ausgeschiedenen und zurückgehaltenen Truppen, be-
stimmt, für alle Wechselfälle des Kampfes zur Hand
zu sein und den letzten Entscheidungsstoß auszu-
führen oder abzuwehren. Zur Zeit der Linientaktik
kannte man die R. nicht, was eine Hauptschwäche
dieses Systems war; die Form der sog. schrägen
Schlachtordnung schuf in dem zurückgehaltenen (re-
füsierten) Flügel etwas der R. Ahnliches. Richtige
Verwendung der R. ist das ausschlaggebende Mo-
ment für jede Gefechtshandlung; Napoleon fah hierin
"das Genie des Krieges". In dem gegenwärtigen
Angriffsgefecht sind alle Truppen, die nicht von vorn-
herein in der ersten Linie auftreten, als allmählich
einzusetzende R. zu betrachten; im Verteidigungsge-
fecht unterscheidet man Abschnittsreserve und
Hauptreserve.
Im strategischen Sinne versteht man unter N.
solche Heeresteile, die im eigenen Lande zurückgehal-
ten werden. Gerechtfertigt ist ein solches Verfahren
nur dann, wenn diese Heeresteile thatsächlich noch
nicht operationsfähig sind.
In der Forstwirtschaft sind R. Aufspeiche-
rungen am Holzvorrat, die der Erhaltung eines
strengen Nachhaltsbetriebes in unvorhergesehenen
Fällen dienen sollen. Man unterscheidet stehende
R., Bestände, die bei der Forsteinrichtung außer
Rechnung bleiben, und fliegende R., wobei man
den wirtlichen Vorrat einer Bctriebsklasse etwas
über den normalen hält. Beide Arten von R. sind
zu verwerfen.
Referveanstalten, in Österreich-Ungarn die
Sanitüts- sowie diejenigen Formationen, welche
Munition, Verpflegung, Schanzzeug, Trainmate-
rial u. s. w. der Armee nachführen. Brücken- und
Telegraphentrains gehören nicht zu den R.
Refervedivisionen, die Verbände mehrerer in
Erste Neserve gestellter Schiffe oder Fahrzeuge in
der deutschen Marine. Nur ein Schiff der be-
treffenden Reservedivision ist mit voller Besatzung
in Dienst gestellt; die Besatzung dieses Stamm-
fchiffs hält auch die übrigen zur Reservedivision
gehörigen Schiffe in kriegsbereitem Zustand. R.
nennt man ferner die zur Verstärkung der Feld-
armee bestimmten, aus Mannschaften der Reserve
und Landwehr gebildeten Divisionen. In den letzten
Jahren sind R. bei Kaisermanövern in Deutschland
aufgestellt worden.
Reservefonds, derjenige Teil eines Vermögens,
welcher zur Deckung unvorhergesehener Verluste
zurückgelegt wird, namentlich bei der Berechnung des
zur Verteilung gelangenden Gewinnes ausgeschlossen
bleibt. Wenn er nicht einen besonders verwalteten
Teil des Vermögens bildet, wird er zu diesem Behnf
in der Bilanz, ebenso wie die Schulden, von dem
Gesamtvermögen als Passivum in Form eines
Reservecontos abgezogen. Nach dem Deutschen
Handelsgesetzbuch Artikel 185d und 239d ist (zur
Deckung eines aus der Bilanz sich ergebenden Ver-
lustes bei Aktiengesellschaften und Komman-
ditgesellschaften auf Aktien) ein R. zu bilden,
in welchen einzustellen sind 1) von dem jährlichen
Reingewinn mindestens der zwanzigste Teil so lange,
als der R. den zehnten oder den im Gesellschafts-
vertrage bestimmten höhern Teil des Gesamtkapitals
nicht überschreitet; 2) der Gewinn, welcher bei Er-
richtung der Gesellschaft oder Erböhung des Ge-
famtkapitals durch Ausgabe der Aktien für einen
höhern als den Nominalbetrag erzielt wird. Wird
der R. in zinstragenden Papieren angelegt, so sind,
wenn die Statuten nicht etwas anderes bestimmen,
die Zinsen des R. ein Teil des Gesamteinkommens
und wie dieses zu behandeln; sie müssen nicht, bloß
deshalb, weil sie aus dem R. stießen, wieder dazu
geschlagen werden. Selbstverständlich muß der R.
fortgeführt bez. aufbewahrt werden, bis der Zweck
seiner Verwendung eintritt; der Generalversamm-
lung steht nicht die Befugnis zu, über eine andere Ver-
wendung des gesetzlichen R. zu verfügen. Enthalten
aber die Statuten Bestimmungen über die An-
sammlung eines höhern R. als im Gesetze bestimmt
ist, so können diese statutarischen Bestimmungen
durch Statutenänderung abgeändert werden (Ent-
scheidung des Reichsgerichts vom 8. Juli 1891).
Für Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen-
schaften enthält das Gesetz vom 1. Mai 1889,
! §. 7, die Bestimmung, daß das Statut bestimmen
i muß die Bildung eines N., welcher zur Deckung
l eines aus der Bilanz sich ergebenden Verlustes zu