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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Reservelazarette - Reserveoffiziere
dienen hat, sowie die Art dieser Bildung, insonder- ^
heit den Teil des jährlichen Reingewinns, welcher
in den R. einzustellen ist, und den Mindestbetrag ^
des letztern, bis zu dessen Erreichung die Einstellung !
zu ersolgen hat. Nach §. 20 kann sür einen bestimm- i
ten Zeitraum, welcher zehn Jahre nicht überschreiten
darf, festgesetzt werden, daß der Gewinn nicht ver-
teilt, sondern dem N. zugeschrieben wird. Bei Ab-
lauf des Zeitraums kann die Festsetzung wiederholt
werden; für den Beschluß genügt, sosern das Statut
nicht andere Erfordernisse stellt, einfache Stimmen-
mehrheit. Bei der Gesellschaft mit beschränk-
ter Haftung ist die Bildung eines N. fakultativ. .
Ist ein solcher nach dem Gesellschaftsvertrage zu bil-
den, so ist er nach §.43 des Gesetzes vom 20. April
1892 als Passivum in die Bilanz aufzunebmen. Über
die Bildung des N. bei der Reicksbank s. Ncichs-
bank, Deutsche (S. 720 d). Das bei Begebung von
Anteilscheinen der Reichsbank zu gewinnende Aufgeld !
fließt dem N. zu; erreicht der Reingewinn nicht volle
3^2 Proz. des Neingewinns, so ist das Fehlende
aus dem R. zu ergänzen (§. 24 des Neichsbank-
gesetzes vom 14. Mai 1875). Macht das Deutsche
Reich von seinem vorbehaltencn Rechte, die Reichs-
bank zum Nennwert der Anteilscheine zu erwerben
oder die Reichsbank aufzulösen, Gebrauch, so geht
der bilanzmäßige R., soweit er nicht zur Deckung
von Verlusten in Anspruch zu nehmen ist, zu einer
Hälfte auf die Anteilseigner, zur andern Hälfte
auf das Reich über. Die Noten deutscher Noten- !
banken dürfen außerhalb des Staates, welcher!
ihnen die Befugnis zur Notenausgabe verlieben
hat, zu Zablungen gebraucht werden, wenn sie außer ^
andern in §. 44 des Reichsbankgesetzes bestimmten
Beschränkungen einen R. nach ähnlichen Bestimmun-
gen wie die Neichsbank ansammeln. Bei den Ver-
sicherungsanstalten der Alters-und Invalidi-
tätsversicherung sind nach dem Gesetz vom
22. Juni 1889, §. 21, die Rücklagen zum R.'für die
erste Beitragsperiode von 10 Jahren so zu bemessen,
daß am Schlüsse derselben der R. ein Fünftel des
Kapitalwerts der in dieser Periode der Versicherungs-
anstalt voraussichtlich zur Last fallenden Renten be-
trägt. Sofern der N. am Schluß der ersten Periode
diesen Betrag nicht erreicht hat, ist das Fehlende in
den nächsten Veitragsperioden (von je 5 Iabrcn)
aufzubringen. Die Verteilung auf diese Perioden
unterliegt der Genehmigung des Reichsversicherungs-
amtes. Durch das Statut der Versicherungsanstalt
kann bestimmt werden, daß der R. bis zur doppelten
Höhe des vorgeschriebenen Betrags zu erhöhen ist.
Der R. sowie dessen Zinsen dürfen, solange der
erstere die vorgeschriebene Höhe noch nicht erreicht
hat, nur in dringenden Bedarfsfällen mit Genehmi-
gung des Neichsversicherungsamtes angegriffen
werden. In dem Krankenversicherungsgesctz
vom 10. April 1892 ist sowobl sür die Gemeinde-
krankcnversicherungskasse (§Z. 9, 10, 14), als für die
Ortskrankenkasien (§. 32), als für die Hilfskassen
mit Krankenversicherung (§. 75) die Bildung von
R. vorgeschrieben. Ebenso in dem Unsallver-
sicherungsgesetz vom6.Iuli 1884, §.18, für die
Berufsgenossenschaften; bei der erstmaligen Um-
legung der Entschädigungsbeträge sind 300 Proz.,
bei der zweiten 200 Proz., bei der dritten 150 Proz.,
bei der vierten 100 Proz., bei der fünften 80 Proz.,
bei der sechsten 60 Proz., und von da ab bis zur
elften jedesmal 10 Proz. weniger als Zufchlag zu
den Entschädigungsbeträgen zu erheben. Nach Ab-
Vrockhaus' Konversations-Loxikon. 14. Aufl. XHI.
lauf der ersten 11 Jahre sind die Zinsen des R.
dem letztern so lange weiter zuzuschlagen, bis dieser
den doppelten Jahresbedarf erreicht hat. Ist das
der Fall, so können die Zinsen, soweit als der Be-
stand des R. den laufenden doppelten Jahresbetrag
übersteigt, zur Deckung der Genossenschastslasten
verwendet werden. Auf Antrag des Genossenschafts-
vorstandes kann die Genossenschastsversammlung
mit Genehmigung des Neichsversicherungsamtes
jederzeit weitere Zuschläge und auch beschließen, daß
der R. über den doppelten Jahresbedarf erhöht
werde. In dringenden Bedarfsfällen kann die Ge-
nossenschaft mit Genehmigung des Reichsversiche-
rungsamtes schon vorher die Zinsen und erforder-
lichenfalls auch den Kapitalbestand des R. an-
greifen. Die Wiederergänzung erfolgt alsdann nach
Anordnung des Reichsversicherungsamtcs. Ent-
sprechende Bestimmungen sind für die Berufs-
genossenschaften der Seeschiffahrtsbe-
triebe in dem Gesetz vom 13. Juli 1887, mildere
für die Benlfsgenossenschasten von Baugewerb-
treib enden und die von denselben errichteten Nn-
sallversichcrungsanstalten für Bauarbeiter in dem
Gesetz vom 11. Juli 1887 getroffen. Die Ver-
sicherungsgesellschaften auf Gegenseitig-
keit treffen die Bestimmungen über den R. in ihren
Statuten; bei Lebensversicherungsanstalten werden
bisweilen auch die Prämienreserven mit dem Namen
R. bezeichnet.
, Refervelazarette, die immobilen staatlichen
! Lazarette, welche im Inland zur Aufnahme der vom
Kriegsschauplatz kommenden Verwundeten und Kran-
^ ken bei Ausbruch eines Krieges errichtet werden,
serner vom ersten Mobilmachungstage ab die
> schon im Frieden vorhandenen und während des
! Krieges in Thätigkeit verbleibenden Garnisonlaza-
rctte. Die Einrichtung der R. wird schon im Frie-
den vorbereitet. Für sämtliche R. gelten durchweg
die sür die Friedenslazarctte in der Friedens-Sani-
tätsordnung enthaltenen Bestimmungen. Über-
führungen aus einem Reservelazarett in ein an-
deres sollen möglichst vermieden werden, sofern nicht
das Bedürfnis vorliegt, die dem Kriegsschauplatze
näber gelegenen N. zur Aufnahme neuer Transporte
^chwerverwundeterund Schwerkranker zu entleeren.
Tie R. stellen daher, im Gegensatz zu den mobilen
, ^anitätsanstaltcn, den ständigen Teil der Kriegs-
krankenpflege dar, woselbst der Verwundete und
Kranke bis zur endgültigen Entlassung aus der
Lazarettbchandlung verbleibt. Eine Ergänzung der
staatlichen R. bilden die Vereinslazarette (s. d.) und
Privatpfiegestätten der Freiwilligen Krankenpflege.
Reserveoffiziere sind Wehrpflichtige des Be-
urlaubtenstandes (s. d.), die, im Deutschen Reich in
! der Regel nach Ableistung einer einjährigen aktiven
Dienstpflicht, Erwerbung eines Befähigungszeug-
nisses ihres Truppenteils, Leistung der vorschrifts-
mäßigen Übungen und Wahl durch das Offizier-
korps des Veurlaubtenstandes ihres Wohnorts, den
^ Rest ihrer 7jabrigen Dienstpflicht im stehenden Heere
' oder der Marine in der Reserve desselben abdienen.
Die R. baben im Frieden bis zu drei 4-8wöchige
^ Dienstleistungen in der Regel bei ihrem Truppen-
! teil zu machen, haben dieselben Aufgaben der
! Ausbildung und Führung der Truppen und die
! gleichen Avancementszeiten wie ihre aktiven Kame-
raden und bilden mit den übrigen Offizieren des
Veurlaubtenstandes eigene Ehrengerichte, denen sie
! auch im Civilvcrhältnis unterstehen. In: Dienst
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