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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rezeßgelder - Rhamnose
abschiede, R6c688u8 imperii). Endlich nennt man
R. ein Protokoll oder einen schriftlichen Vertrag
von größerm Umfang.
Rezetzgelder, s. Rezeß und Bergwerksabgabe.
Rezinattvein, s. Griechische Weine.
Rezonville (spr. -songwil), Dorf im Kanton
Gorze, Landkreis Metz des Bezirks Lothringen,
etwa 14 km westlich von Metz, zwischen Gravelotte
und Vionville, hat (1890) 449 kath. E. Zur Ge-
meinde R. gehört der Weiler Flavigny (s. d.). Die
Schlacht bei Gravelotte (s. d.) wurde anfangs oft
Schlacht bei N. genannt.
Nl2", s. ^inl0!'2ÄIiä0.
^?gfl., s. Aee/.
N^vSüa., s. Rigveda.
N.K, chem. Zeichen für Rhodium (s. d.).
Rha, der alte Name der Wolga.
Rhabanus Maurus^ s. Hrabanus Maurus.
Rhabarber (IlliLum ^.), eine zur Familie derPo-
lygonaceen (s.d.) gehörige, dem Ampfer nahestehende
Gattung., die sich von dem letztern durch ein aus
6 gleichgroßen Abscbnitten bestehendes Perigon,
9 Staubgefäße, 3 kopfig-schildförmige Narben und
eine dreiftügelige Schließfrucht unterscheidet. Sämt-
liche Arten der Gattung I^iiöuiu sind sehr stattliche
Kräuter Mittelasiens, mit einem starken, ästigen,
fast fleischigen Wurzelstock; der Stengel ist aufrecht,
dick, oft von mehr als Armesstärke und, gleich den
Asten, in der Knospe von großen häutigen Scheiden
umhüllt. Die Blätter sind sebr groß, ganz oder ge-
lappt und die mächtigen Rispen aus vielblütigcn
Trauben kleiner weißlicher oder roter Blüten zu-
sammengesetzt.
Die Wurzelstöcke einiger Rhe'umartcn, vornehm-
lich von Illionin plllinlNuni ^. und 1^1i6um olüci'
nais ^ai/i. (s. Tafel: Polygoninen, Fig. 2),
sind ein sehr gebräuchliches Heilmittel sämtlicher
Kulturstaaten. Diese Drogue kommt vornehmlich
aus den chines. Provinzen Iün-nan und Sze-tschuan
sowie aus Tibet. Der Verbreitungsbezirk der
Nhe'umarten liegt zwischen dem 22. und 40.° nördl.
Br. Die Drogue bildet gelbe, dicke, verschieden
gestaltete, mehr oder minder von der äußern Schicht
befreite, durch Bestreuen mit Rhabarberpulver gelb
erscheinende abfärbende Stücke; häufig sind sie mit
einem Bohrloch versehen. Zum Kleinverkauf in den
Apotheken werden diefe Stücke meist in Würfelform
geschnitten oder gefägt. Die Drogue enthält fchr
viele Stoffe, unter denen Chrysophan- und Cathar-
tinsäure die Wirkung des Arzneimittels bedingen.
In größeren Gaben (1-5 3) wirkt der R. als gelinde
abführendes Mittel, während kleinere Gaben als
magenstärkendes fowie als tonifch adstringierendes
Mittel vielfache Anwendung finden.
Die Bezeichnung russischer R. hat ibren Ur-
sprung in dcm Umstände, daß der R. früher über
Kiachta auf Schlittenkarawanen nach Moskau und
Petersburg und von da in den europ. Handel ge-
langte. Diefer Handelsweg ist jedoch gänzlich auf-
gegeben, seitdem China zahlreiche Häfen dem europ.
Handel geöffnet hat. Zur Zeit unterscheidet man
Schen-si- und Sze-tschwan-Rhabarber im Handel;
ordinäre Sorten klassifiziert man wohl auch als
Kanton- und Shang-Hai-Rhabarber. Die Kenn-
zeichen des guten echten R. sind rötlichgelbe Farbe
des Bruches mit weißrötlicher Marmorierung, Knir-
schen beim Kauen, Schwere, feste Struktur, aroma-
tisch-bitterlicher, wenig adstringicrender, nicht schlei-
miger Geschmack. Ausfuhrhäfen für R. sind Shang-
hai (jährlich bis 7000 Pikuls ft 60k^) und Tien-tsin
(1500 Pikuls). Der Wert des R. schwankt nach seiner
Güte zwischen 2-10 M. für 1 K3 im Großhandel.
Die Wurzeln einiger in England und Österreich ge-
züchteter Arten (z. B. litieuin unäulawia ^.) werden
auch medizinisch gebraucht, stehen aber im Werte
niedriger als der chinesische R. und sind durch den
mehr rosafarbenen Bruch und die fehlende Marmo-
rierung leicht zu erkennen.
Rhabarbersaft (8ii-uz)u8 Riiei), ein mit Zucker
versetzter wässeriger Auszug der Rhabarberwurzel,
der als Absührmittel für Kinder dient.
Rhabarbertinktur. 1) Wässerige R. (1inc>
wi-g. Nei iiciuoZH), der Hauptsache nach ein wässe-
riger Auszug der Rhabarbcrwurzel, eine braune
Flüssigkeit. 2) Weinige R. oder Rhabarber-
wein (^inctura I^lioi vino83.), eine gelbbraune
Flüssigkeit von süßem, gewürzhaftem Geschmack,
wird erhalten durch Ausziehen von 8 Teilen Rha-
barberwurzel, 2 Teilen Pomeranzcnschalen und
1 Teil Kardamom mit 100 Teilen I'creswein, unter
Zusatz von 12 bis 15 Teilen Zucker. Die R. sind
beliebte Magen- und gelinde Abführmittel.
Rhachiälgie (grch.), Schmerz im Rückgrat,
Wirbelschmcrz; Rhachiokyphosis, Krümmung
des Rückgrats nach hinten; Rhachiolordosis,
Krümmung des Rückgrats nach vorn; Rhachio-
myelophthrsc, Rückenmarksschwindsucht; Rha-
chioparalyse oder Rhachioplegie, Lähmung
der Rückenmarksnerven.
Rhachis (grch.), Rückgrat, Wirbelsäule.
Rhachitis (grch.), Rhachitismus, s. Englische
Itka.oopIiöi'N3, s. Flugfrosch. Mraukheit.
Rhadamanthys, ein (5ohn des Zeus und der
Europa, Bruder des Minos. Wegen eines Streites
mit letzterm floh er aus Kreta nach Okalea in Böo-
tien, wo er sich mit Alkmene vermählte. Ursprüng-
lich fcheint er als König auf der Insel der Seligen
gedacht, wo auch nach der ältern Sage die Ver-
mählung mit Allmene stattfand. Dann ist er neben
Minos und Aiakos strenger, aber gerechter Richter
in der Unterwelt, wo er nach Platon die Thaten
der aus Asien kommenden Schatten richtet.
Rhadames, Stadt in Tripolis, s. Ghadames.
Nhagädes (grch.), f. Auffpringen der Haut.
Rhamnaceen, Pflanzenfamilie aus der Ordnung
der Fraugulinen (s. d.) mit gegen 450 vorzugsweise
in den tropischen und subtropischen Gegenden wachsen-
den Arten, Bäume oder Sträucher, zum Teil mit
kletterndem Stengel. Die Blätter sind ungeteilt und
bei vielen Arten lederartig; die Blüten sind klein und
haben einen meist dreifächerigen Fruchtknoten, der
auf feinem Scheitel einen Griffel mit drei Narben
trägt. Die Frucht ist eine Kapsel oder Steinfrucht,
drei- bis vierfächerig mit je eiucm Samen im Fache.
^ Rhamlnn und Rhamnetnt, die Farbstoffe der
^ Beeren von Nhamnusarten. Rhamnin spaltet sich
l beim Kochen mit verdünnten Säuren in Rhamnetin
und eine Zuckerart.
Rhamnöfe, Isodulcit, c^i^ ^^O, ^
ihren Eigenschaften nach zudenZuckerarten gehörende
Verbindung, die sich in mehrern Glykosiden, z. B.
im Tanthorhamnin aus den Gelbbeeren und im
! Quercitrin, vorfindet und aus diesen beim Kochen
mit verdünnten Säuren abgespalten werden kann.
Ihrer chem. Konstitution nach ist sie wahrscheinlich
Methylarabinose, ^IIy O^cilI). Sie krystallisiert in
großen Krystallen mit einem Molekül Krystallwasser,
die bei 93" schmelzen.