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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rhodos - Rhodus
Die Fortpflanzung der R. kann geschlechtlich und
ungeschlechtlich sein. Letztere erfolgt derart, daß aus
bestimmten Zellen des Thallus, häufig an besondern
Zweigen, je vier Sporen, Tetrasporcn, gebildet
werden, die beim Auskeimen wieder eine neue Pflanze
erzeugen können. Die geschlechtliche Fortpflanzung
erfolgt durch Antheridien (s. Taf. II, Fig. 18 d), in
denen die männlichen Befruchtungszellen, kleine farb-
lose, nicht mit Eigenbewegung ausgestattete kugelige
Körperchen, gebildet werden, die bei der Reife passiv
durch Strömungen des Wassers zu den weiblichen
Organen, den Procarpien oder Karpogonen,
hingeführt werden. Diese letztern besitzen einen eigen-
tümlichen Bau, sie stehen meist auf kleinen Ästchen
und sind aus mchrern Zellen zusammengesetzt, von
denen eine als die weibliche anzusehen ist. Die Be-
fruchtung erfolgt nun nicht in der Weise, daß die
männlichen Zellen sich dirett mit den weiblichen ver-
einigen, sondern durch Vermittelung eines besondern
Organs, der Trichogyne, eines farblosen haar-
förmigen Gebildes, das aus einer andern Zelle des
Procarpiums hervorwächst. An dieses Empfängnis-
organ legen sich die männlichen Zellen an und ver-
wachsen mit demselben. Nachdem auf diese Weise
die Befruchtung erfolgt ist, findet eine lebhafte
Teilung der weidlichen Zelle statt und dieselbe wächst
allmählich zu einem Sporenhäufchen heran. Das
letztere bleibt entweder ohne weitere Umhüllung oder
es bildet sich, und dies ist der häufigere Fall, um
dasselbe eine krugförmige Hülle aus den übrigen
Zellen des Procarpiums, so daß schließlich eine
Sporenfrucht, Cystocarpium lFig.18c), entsteht.
In diesem entwickeln sich die Sporen weiter und
treten bei der Reife durch eine am Scheitel befind-
liche Öffnung heraus. Sie erzeugen, bei der Keimung
ebenfalls wieder eine neue Pflanze. Bei manchen
R. besteht ein Generationswechsel in der Weise, daß
aus den Tctrasporen Individuen hervorgehen, die
Antheridien und Procarpien bilden, während aus
den geschlechtlich erzeugten Sporen der Cystocarpien
die Tetrasporen entwickelnde Generation entsteht.
Zu den N. gehören zahlreiche durch leuchtende Far-
ben und zierlich verzweigten Thallus ausgezeichnete
Formen, ferner einige als Gemüse in manchen Küsten-
gegenden dienende, sowie die Stammpflanzen des
sog. Carrageenmooses (s. d.). Hierzu s. Tafel: Al-
gen 1, Fig. 5-11; Taf. II, Fig. 17,18; vgl. zur
Erklärung die Artikel liocÄiniimi, ^or^Hin^, Oki-a-
miuiii, I^o^kipüoiiiH, Carrageenmoos, 8c1ii2)'iu6niÄ.
Rhodos, Insel, s. Rhodus.
Rhodos, Nymphe, s. Heliaden.
Rhodospermeen, s. Rhooophyceen.
Rhodt, Pfarrdorf im Bezirksamt Landau des
bayr. Reg.-Vez. Pfalz, am Ostfuh der Hardt, hat
(1890) 1499 evang. E., Post, Telegraph, Wasser-
leitung; Sandstcinbrüche und Weinbau (besonders
Traminer) und wird als Luftkurort besucht. In der
Nähe das königl. Schloß Ludwigshöhe und die Ruine
der Nietburg.
Rhodus, Insel im südöstl. Teil des Agäischen
Meers, etwa 20 km von der südwestl. Küste Klein-
asiens, jetzt zum türk.WilajetDschesairi-Vahri-Sefid
gehörig, ist 77 km lang, bis 30 km breit und
1460 hkin groß und wird von Gebirgen durchzogen,
deren höchster, von den Alten Atabyrion (jetzt
Atairo) genannter Gipfel 1240 in erreicht. In äl-
tester Zeit herrschten hier die Phönizier, die auch die
drei Städte Lindos, Ialysos und Kameiros grün-
deten. Sie wichen um den Beginn des 1. Jahr-
tausends v. Chr. vor den einwandernden Hellenen,
überwiegend Doriern; ihre Städte bildeten nun mit
Halikarnassos, Knidos und Kos einen Vundesver-
ein, die sog. dorische Hexapolis (s. Doris). Die Macht
der Insel hob sich rasch, Gela in Sicilien und andere
Kolonien gingen von ihr aus. Gesteigert und ge-
sammelt wurde sie noch durch die 408 v. Chr. von
den drei Städten gemeinsam ausgeführte Gründung
einer neuen, der Insel selbst gleichnamigen Central-
stadt auf der Nordostspitze der Insel nach dem Plan
des berühmten Architekten Hippodamus von Milet.
Während Alexanders d. Gr. Regierung stand die
Insel unter macedon. Herrschaft, machte sich aber
^323 v. Chr.) nach seinem Tode unabhängig, wider-
stand siegreich ein Jahr lang (305-304) dem Städte-
eroberer Demetrius und schwang sich bald zu einer
See- und Handelsmacht ersten Ranges auf. Ihre
Seegesetzgebung galt in allen Gewässern dcs Mittel-
ländischen Meers und wurde später von den Römern
angenommeil. Auch Wissenschaft und bildende Kunst
standen in hoher Blüte; es entwickelte sich bald eine
eigene Bildbauerschule (eins ihrer ersten und be-
rühmtesten Erzeugnisse war der am Hafen aufge-
stellte Koloß Is. d.'^ des Sonnengottes) und später
eine Nednerschule (Molon). Den Römern bewährte
sich N. während ihrer ersten Kämpfe im griech.
Orient seit 200 v. Chr. als treue Bundesgenossin
und erhielt zum Lohn dafür 189 v. Cbr. Lycien und
den südl. Teil Kariens; diesen großen Besitz mußten
die Rhodicr zwar schon 167 v. Chr. wieder auf-
geben, aber sie behielten die südlichste Halbinsel
Kariens, welche nun den Namen des rhodischen
Peräa (s. d.) führte. Die Insel behielt nominell ihre
Selbständigkeit bis auf Kaiser Diocletian, wo sie
zum Mittelpunkt einer eigenen Provinz, der sog.
Insclprovinz (provincia inLnIaruiu), gemacht wurde.
Später teilte R. das Schicksal des Byzantinischen
Reichs, wurde 1309 endlich durch den Johanniter-
orden (s. d.) besetzt, dessen Mitglieder daher auch
den Namen Nh o diserritt er bekamen. Der Orden
verließ aber die Insel 1522 und vertauschte sie mit
Malta, weil er sich gegen die furchtbaren Angriffe
des osman. Sultans Suleiman d. Gr. nicht länger
zu halten vermochte. R. ist jetzt Sitz eines Paschas
und eines griech. Erzbischofs, hat 30000 E., wovon
20200 Griechen, 0800 Türken und 2000 Juden,
und befindet sich in einem sehr vernachlässigten Zu-
stande. Der Ertrag an Oliven, Feigen und Süd-
früchten ist gering; nur die Rebe behauptet den al-
ten Ruhm. Die Infel wurde oft von Erdbeben, be-
sonders sehr stark 23. April 1863, heimgesucht.
Die Hauptstadt N., größtenteils von Griechen
bewohnt, liegt noch jetzt an der alten Stelle. Sie
ist amphitheatralisch erbaut, hat zwei Häfen und
bietet den Anblick des traurigsten Verfalls. Die
Festungswerke liegen in Ruinen, desgleichen seit
dem Erdbeben von 1863 die Johanniskathedrale der
Nhodiser, welche in eine Moschee umgewandelt war.
An die Zeit der Ordensritter erinnern noch die ma-
lerische Ritterstrafte sowie die verschiedenen Groß-
prioreien. Sonst ist nur noch Lindos an der Ost-
küste zu erwähnen, jetzt von Fischern bewohnt. -
Vgl. Roß, Reisen nach Kos, Halikarnassos, R. und
der Insel Cypern (Halle 1852); Berg, Die Insel N.
(2 Bde., Braunschw. 1861); Guerin, Vo^a^s äans
I'Nk ä6 Nnoä68 (Par. 1866); Biliotti und Cottret,
> I.'il6 ä(! R1wä"3 (ebd. 1881); Torr, I^ioäoä in an-
! cieiit tim68 (Cambridge 1885); Schumacher, Ds
! Nboäwi'um reprMica. (Heidelb. 1886); Hiller von