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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Richterswil - Richtmünze
1869 Gesammeltes, 1874 ein letztes .heft "Bilder
und Vignetten". 1877 legte R. seine Professur nie-
der: er starb 19. Juni 1884 in Dresden. - Vgl.
Hofs, Adrian Ludwig N. (Drcsd. 1877) und R.s
Selbstbiographie: "Lebcnserinnerungcn eines deut-
schen Malers", hg. von seinem SobnHeinr. Richter
l Franks, a. M. 1885: 6. Aufl. 1890): Wessely, A. L.
R., ein Lebensbild Wien 1883); Gerlach, R.s Leben
dem Volk erzählt (Dresd. 1891).
Richterswil (Richterswvl), Marktflecken im
Bezirk Horgen des schweiz. Kantons Zürich, 22 km
südöstlich von Zürich auf dem südl.Ufer des Züricher
'^ees, an einer breiten, von anmutigen Höbcnzügen
umschlossenen Bucht, an den Linien Zürich-Linth-
thal der Nordost- und Wädensweil-Einsiedeln der
Südostbahn, Dampferstation, hat (1888) 3911 E.,
darunter 657 Katholiken, Post, Telegraph^Fern-
sprecheinrichtung, elektrische Kraftstation: ^eiden-
zwirnerei, Baumwollspinnerei, Kattundruckerei, me-
chan. Werkstätten, Teigwarensabrik, Brennereien,
Acker-, Wein- und Obstbau.
Feier, welche die Bauleute abhalten, sobald aus das
Dach eines Gebäudes der letzte Sparren aufgebracht
ist. Meist besteht es darin, dah ein mit bunten
Tüchern geschmückter Tannenbaum aufgepflanzt, die-
ser später unter feierlicher Rede abgenommen und
im Aufzuge zum Festorte getragen wird.
Richthofen, schlcs. Adelsfamilie, die ursprüng-
lich Schultheiß hieß, aus Vernau bei Berlin stammt
und sich im 16. Jahrh, latinisiert Prätorius nannte.
Paulus Prätorius (geb. 1521, gest. 1565), kaiserl.
und brandenb. Rat, adoptierte 1562 den Samuel
Schmidt (Fabricius), der den Namen Prätorius an-
nahm und 1605 als Bürgermeister von Frankfurt
a. O. starb. Dessen Enkel, Iobann Prätorius
(geb. 1611, gest. 1664), erhielt 1661 den böhm. Ritter-
ftand mit dem Beinamen von R. Der Freiberren-
stand kam 1735, 1741 und 1846 an die noch blühen-
den Linien, der preuh. Grafenstand nach dem Rechte
der Erstgeburt an den Kohlhöher Zweig 1846 (frei-
herrlich seit 1741).
Den freiherrl. Linien dieser Familie gehören an:
Karl Freiherr von R., geb. 30. Mai 1811
zu Damsdorf bei Striegau, wandte sich germanisti-
schen Studien zu, bereiste zu diesem Zweck 1834
Fricsland, war 1842-60 Professor an der Uni-
versität Berlin, 1849 Mitglied des Erfurter Parla-
ments, später Mitglied des preuß. Abgeordneten-
hauses und lebte seit 1860 teils in Berlin, teils in
Damsdorf, wo er 6. März 1888 starb. R. bat sich
besonders aus dem Gebiete der fries. Ncchtsgcschichte
ausgezeichnet. Er schrieb: "Altfrics. Rechtsquellen"
(Berl. 1840), "Altsrics. Wörterbuch" (Gott. 1840),
"Untersuchungen über sries. Rechtsgcschichte" (4 Bde.,
Verl. 1880-86), und war Mitarbeiter an den 1.6^63
der "^lonuinLnta (^rm^nillo uiätoi'icll" ("I^ex
I^i-izimiuni" im 3. Teil, Hannov. 1863): außerdem
veröffentlichte er: "Zur lex ^xonuin" (Berl. 1868),
"Über die singulären Erbrechte an schles. Ritter-
gütern" (ebd. 1844), und mit Kries "Die engl.
Armenpflege" (ebd. 1863). Während seines Augen-
leidens unterstützte ihn vielfach in seinen Arbeiten
sein Sobn Karl Freiherr von R., geb. 8. Okt.
1842, Oberregicrungsrat a. D., der mit seinem Va-
ter gemeinschaftlich die "1^6^63 Laxonum" (in den
"^lonum^ii^ (F6rlQ5wia6", 1.6363, Bd. 5, Hannov.
1875) und allein die "I^6x ^iiui'iuFoi-nm" (Hanno-
ver), sowie den "Kölner Schiedsspruch von angeblich
1169" (in den "Forschungen zur deutschen Geschichte",
Bd. 8, Gott. 1868) herausgab.
Emil Freiherr von R., geb. 11. Juni 1810,
wurde 1833 Regierungsassessor und nach Übertritt
zur Militärintendantur 1838 Intendanturrat. 1840
an die Oberrechnungskammer berufen, 1843 als
Geh. Kriegsrat und vortragender Rat in das Kriegs-
ministerium versetzt, erhielt N. 1846 das General-
konsulat in Iassy für die Moldau und Walachei.
1848 wurde er nach Berlin berufen und mit der
Organisierung und Leitung des Prehbureaus im
^taatsministerium beauftragt, 1849 Generalkonsul
für Portugal und Spanien, 1851 Ministerresident
in Mexiko, mit welchem Lande er 10. Juli 1855
den Handels- und Schiffahrtsvertrag des Zoll-
vereins abschloß. 1856 wurde R. preuh. Mitglied
der curop. Kommission sür die Reorganisation der
Donaufürstentümer, 1859 Gesandter bei den Groß-
herzögen Mecklenburgs und den Hansestädten, 1867
Gesandter in Stockholm, nahm 1874 seinen Abschied
und lebt in Baden-Baden. Er schrieb: "Die Medi-
zinaleinrichtungen des preuß. Heers" (2 Bde., Bresl.
und Potsd. 1836-37), "Der Haushalt der Kriegs-
bcere" (2 Bde., Berl. 1840), "Die äußern und innern
polit. Zustände der Republik Mexiko" (ebd. 1859),
"Geschichte der Familie von R." (Magdeb. 1884),
"Zur Gymnasialreform in Preußen" (ebd. 1887).
Ferdinand Freiherr von R., Geograph,
Geolog und Forschunqsreisender, geb. 5. Mai 1833
;u Karlsruhe in Schlesien, studierte seit 1850 inVres-
lau und Berlin, sührte 1856 eine geolog. Aufnahme
des südöstl. Tirols aus und beteiligte sich 1856-60
an den Arbeiten der k. k. Geologischen Reichsanstalt
in Wien. Mit dem Range eines Legationssekretärs
begleitete R. als Geolog die preuß. Expedition nach
Japan, China und Siam, besuchte Java, die Phi-
lippinen und Hinterindien. Hierauf ging er nach
Kalifornien und Nevada, 1868 nach Shang-Hai und
widmete sich durch vier Jahre der Erforschung von
China und eines Teils von Japan. Ende 1872 nach
Europa zurückgekehrt, begann R. in Berlin die Aus-
arbeitung der Resultate seiner umfassenden Reisen.
1873-75 und dann wieder nach )886 war er Prä-
sident der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin. 1875
wurde er ord. Professor für Geographie in Bonn,
1883 in Leipzig, 1886 in Berlin. Von seinen Ar-
beiten sind hervorzuheben: "Geognost. Beschreibung
der Umgegend von Predazzo u. s. w." (Gotha1860),
"Die Kalkalpcn von Vorarlberg und Nordtirol" (im
"Jahrbuch der k. k. Geologischen Neichsanstalt",
1859,1861), "Studien aus den ungar.-siebenbürg.
Trachytgcbirgen" (ebd. 1860), "^1i6 ^on^tock loäe"
(San Francisco 1865), "Princip!63 ol t1i6 nawi-ai
8)"3t6in ol voic^nio i-ocll8" (ebd. 1867), "Die Metall-
produktion Kaliforniens" (Gotha 1865), "I^twi^ to
td6 äuÄNZiiki lüliaiiid6i' ot' eoinmorc^" (Shang-Hai
1869-72), "China, Ergebnisse eigener Reisen und
darauf gegründeter Studien" (Bd. 1, Verl. 1877;
Bd. 2, 1882; Bd. 4, 1883), "Aufgaben und Metho-
den der heutigen Geographie" (Lpz. 1883), "Atlas von
Cbina. AbteU. 1: Das nördl. China" (Berl. 1885),
"Führer für Forfchungsreisende" (ebd. 1886).
Richtlinie, s. Cylinder.
Richtmatz, soviel wie Aichmaß.
Richtmünze (frz. xieälort), Stal (korrumpiert
aus dem frz. 63tHion, 6t3.1on, d. i. Muster), im
Mittelaltcr ein Normalstück für Korn und Ge-
wicht der Münzen. Es wurde, um Verwechse-
lungen zu verhüten, mit den Stempeln der Mün-