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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Riechen - Riedel
Endausbreitungen der Riechnerven enthalten. Nach
den Augenhöhlen zu werden die Labyrinthe durch
die beiden dünnen Papierplatten (I^win^o pu-
^race^s), nach der Nasenhöhle zu durch die obere
und untere Nasenmuschel (^oncka etkmoiäg.-
1i8 8up6i'ioi- et inferior) begrenzt. (S. Nase.)
Riechen, Riechnerv, s. Geruch. s680a).
Riechkolben, s. Gehirn (Vd. 7, S. 677 d und
Riechsalze, Salze, die entweder mit Riechstoffen
getränkt sind oder durch ihre Vermischung stark
riechende flüchtige Stosse, namentlich Ammoniak,
entwickeln. Sie werden gegen Ohnmachten und
Schwächczustände verwendet. Am bekanntesten ist
das englische Niechsalz, das aus 1 Teil kohlen-
saurem Kalium und 3 Teilen kohlensaurem Ammo-
nium (s. Ammoniumcarbonat), mit etwas Salmiak-
geist übergössen, besteht; ferner das weifte oder
flüchtige Niechsalz oder Prestonsalz, mit La-
vendelöl durchfeuchtetes kohlensaures Ammonium.
Riechstoffe, s. Parfümerie.
Riechzellen, s. Geruch und Nase.
Riecke, Karl Victor von, württemb. Minister,
geb. 27. Mai 1830 in Stuttgart, studierte seit 1849
auf der land- und forstwirtschaftlichen Akademie in
Hohenheim, 1849-52 in Tübingen ^taatswissen-
schaften, war bis 1853 bei dem Kameralamt in Tü-
bingen und bei der Oberfinanzkammer in Stuttgart
thätig, machte dann Studienreisen in Deutschland
und Belgien und wurde 1854 Beamter bei dem
Kameralamt in Heilbronn, 1858 Sekretär, 1859
Referent beim Finanzministerium, 1862 Finanzrat
und 1867 Obersinanzrat. 1871-72 und wieder seit
1892 war N. württemb. Bevollmächtigter zum
Bundesrat, 1872-91 Mitglied der Kammer der
Standesherren, 1873-80 Vorstand des Statistifch-
Topographischen Bureaus, 1880-86 Vorstand des
Steuerkollegiums, 1886-91 Mitglied des Geheimen
Rats. 1891 wurde er zum württemb. Finanzmini-
ster ernannt. R. veröffentlichte zahlreicke Aufsätze
in den von ihm 1872-80 redigierten "Württcmb.
Jahrbüchern für Statistik und Landeskunde", fer-
ner.' "Die internationale Finanzstatistik, ihre Ziele
und ihre Grenzen" (Stuttg. 1876), "Verfassung,
Verwaltung und Staatshaushalt des Königreichs
Württemberg" (2. Aufl., ebd. 1887), "Altwirtem-
bergisches aus Familienpapieren" (aus dem Nach-
laß seines Schwiegervaters, des Historikers C. Fr.
Ried, s. Moor. l-vaug; ebd. 1887).
Ried, Pflanzenart, s. ?1iraFinit68.
Ried. 1) Bezirkshauptmannschaft in Oberöster-
reich, hat 744,77 ykN und (1890) 59180 (29061
männl., 30119 weibl.) deutsche E. in 41 Gemeinden
mit 761 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke
Haag, Obernberg und R. - 2) Stadt und Sitz der
Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts und Be-
zirksgerichts (368,13 hkiu, 29 606 E.), früher Haupt-
stadt des Innkrcises, an den Linien Wels-Simbach
und Ischl-Schürding der Osterr. Staatsbahnen, hat
(1890) 4517, als Gemeinde 4720 E., Pfarrkirche,
altkath. Kirche, Kapuzinerkirche, Frauentloster St.
Anna und Kirche, Schloß, jetzt Sitz von Behörden,
Obergymnasium, Bürgerschule; Elektricitätswerk;
Wollspinnerei, Fabrikation von Leder, Pech, Wagen-
fett und landwirtschaftlichen Maschinen, Kunst-
mühle, Brauerei, Ziegeleien und Heilbad sowie
Handel mit Landesprodukten. In R. wurde zwischen
Österreich und Bayern 8. Okt. 1813 ein Vertrag ab-
geschlossen, zufolge dessen letzteres den Verbündeten
gegen Napoleon beitrat.
Riedbahn, von Darmstadt über Gcrnsheim
nach Hofheim (38 km, 1868 genehmigt, 1869 er-
öffnet), Strecke der Hess. Ludwigs-Eisenbahn.
Riedegost, weno. Heiligtum, s. Rethra.
Niedel, August, Maler, geb. 27. Dez. 1799 in
Bayreuth, begann seine künstlerische Laufbahn 1818
unter Langer auf der Münchener Akademie und
ging 1828 nach Rom, wo er 8. Aug. 1883 als Pro-
fessor an der Akademie von San Luca starb. Er
machte die von dem Zauber des Sonnenlichts um-
spielte menschliche Figur zum fast ausschließlichen
Gegenstand seiner Darstellungen, welche in der
Farbe geschickt behandelt, aber nicht ohne Süßlichkeit
sind. Zu seinen berühmtesten Bildern gehören: Nea-
politanische Mutter am Mecresstrande (gestochen von
Sagert), Sakuntala (Galerie Lotzbeck in München,
wiederholt für die königl. Galerie in Stuttgart), die
Neapolitanische Fischcrfamilie (gestochen von Lüde-
ritz), Judith, das Porträt der schönen Vittoria aus
Albano und andere Albanerinnen (sämtlich in der
Neuen Pinakothek zu München), Badende Mädchen,
Albanerinnen (1838; beide in der Nationalgalerie
zu Berlin), Albanerin mit Kind (1879; Museum in
Leipzig). Eine Medea kam in die Galerie zu Stuttgart.
Riedel, Eduard von, Baumeister, geb. 1. Febr.
1813 zu Bayreuth, Bruder des vorigen, war auf der
Münchener Akademie ein Schüler Gärtners und
nahm später hervorragenden Anteil an der Erbauung
des Königsschlosscs in Athen. Nach seiner Rückkehr
nach Müuchen (1850) rückte er zum Direktor der Hof-
bauintendanz auf; er starb 24. Aug. 1885 zu Starn-
berg. Von seinen Bauten ist hervorzuheben das
Bayrische Nationalmuseum in München, das letzte
Werk. des Marimlliansstils (1858-66).
Riedel, Emil, Freiherr von, bayr. Finanzminister,
geb. 6. April 1832, studierte in München die Rechte
und begann 1859 seine Veamtenlaufbahn im bayr.
Ministerium des Innern; im Nov. 1877 übernahm
er die Leitung des Finanzministeriums. Auch ist er
Bevollmächtigter zum Bundesrat. R. beteiligte sich
hier an der Bearbeitung volkswirtschaftlicher An-
gelegenheiten und trug wesentlich zur Förderung
des ersten Neichsbankgesetzes bei, für welches er als
Referent thätig war. Von seinen Reformen und
finanziellen Maßnahmen sind hervorzuheben die Her-
stellung des Gleichgewichts in den bayr. Finanzen,
die Konversion der bayr. Staatsschuld, die Reform
der bayr. direkten und indirekten Steuergesetzgebung,
die Reorganisation der königl. Bank in Nürnberg
sowie der staatlichen Ökonomie- und Gewerbebetriebe
und insbesondere die Neugestaltung des forstlichen
Unterrichts und der gesamten bayr. Forstverwaltung.
Ferner lag ihm ob, die bayr. Binnenlandsinteressen
in Zollfragen in Berlin zu vertreten, zahlreiche reichs-
fincmzielle Bestimmungen in Bayern einzuführen
u. s. w. 1890 wurde 3t. vom Prinz-Regenten in den
erblichen Freiherrenstand erhoben. Hervorzuheben
sind seine Kommentare zu der Reichsverfassung, zu
den bayr. Heimat- und Armengesetzen und dem bayr.
Polizeistrafgcsetzbuch.
Riedel, Karl, Musiker, geb. 6. Okt. 1827 zu
Cronenberg bei Elberfeld, besuchte die Gewerbe-
schule zu Hagen und widmete sich 1843 - 48 der
Scidenfärb crci in Krefcld und Zürich. Hierauf wandte
er sich dem Studium der Musik zu, zunächst unter
Leitung Karl Wilhelms in Krefeld, dann 1849-52
auf dem Leipziger Konservatorium. In Leipzig wurde
R. bald ein gesuchter Musiklehrer und gründete hier
1854 den Riedel-Verein, der sich große Ver-