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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Riga

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Riga'

Riga (Situationsplan)
Karte: Riga (Situationsplan)

Seite der Düna und zum Teil auf deren Inseln (Klein- und Groß-Klüversholm, Kiepenholm, Mücken- und Benkensholm) der Mitauer Stadtteil, meist von den niedern Volksklassen bewohnt, mit der alten Kobernschanze. Über die Düna führen eine Floßbrücke und eine Eisengitterbrücke für die Eisenbahn. Auf dem Schloßplatz steht eine Granitsäule (8 m hoch), oben mit einer bronzenen Siegesgöttin, 1814 dem Kaiser Alexander I. errichtet, und auf dem Herderplatz eine Büste Herders. Die Hauptverkehrsstraßen sind: die vom Rathausplatz nach NO. gehende Kalkstraße mit ihrer Fortsetzung, dem Alexander-Boulevard und dann der Alexanderstraße, sowie die Boulevards zu beiden Seiten der obengenannten Parkanlage. Außerdem sind noch zu erwähnen: der Wöhrmannsche Park und der Kaiserliche Garten.

Kirchen und weltliche Gebäude. R. hat 9 luth., 1 reform., 1 anglikan., 2 kath., 10 russ.-orthodoxe Kirchen, 1 Bethaus der Raskolniken, 1 Kapelle der Baptisten und 3 Synagogen. Bemerkenswert sind: die 1215 begonnene Dom- oder Marienkirche mit Kreuzgang, Grabmälern von Bischöfen und in neuerer Zeit einer der größten Orgeln (von C. F. Waller + Co. in Ludwigsburg); die St. Petrikirche, 1491 beendet, mit 140 m hohem Glockenturm, das Rathaus, das Schwarzhäupterhaus (14. Jahrh.), das 1515 erbaute, mehrmals umgebaute Schloß mit einer Statue seines Erbauers Wolter von Plettenberg über dem Eingang, das Ritterhaus des livländ. Adels, das Große und Kleine Gildehaus, die Börse von H. Bosse, das Theater von Bohnstedt, die Börsenbank, das Packhaus für unverzollt lagernde Waren, die Gasanstalt; im Petersburger Stadtteil: das Polytechnikum, mehrere Gymnasialgebäude, die Augenheilanstalt, die evang. Gertrudenkirche, die russ. Kathedrale; im Moskauer Stadtteil: der Bahnhof der R.-Dwinsker Eisenbahn, die Ambaren (private Warenniederlagen), die Jesus- und die (kath.) St. Franziskuskirche, Synagoge, das Wasserwerk; im Mitauer Stadtteil das Seemannshaus (1884 erbaut).

Behörden und Verwaltung. R. ist Sitz des Gouverneurs von Livland, des russ.-orthodoxen Bischofs von R. und Mitau, des evang. Landeskonsistoriums, der Verwaltung des zehnten russ. Schulbezirks R. und des Kommandos des 3. Armeekorps. Für die Verwaltung der Stadt gilt seit 1878 die russ. Städteordnung. Der Stadtrat (duma) besteht aus 72 Mitgliedern. Das Budget gleicht sich (1894) in Einnahme und Ausgabe mit 3,59 Mill. Rubel ↔ aus. R. hat 2 Gasanstalten. Von den zahlreichen Wohlthätigkeitsanstalten seien genannt: das Städtische Krankenbaus, das militär. Alexanderhospital, das Waisenhaus, mehrere Asyle für Bürgerwitwen.

Bildungswesen. R. hat eine Polytechnische Schule (gegründet 1862; in der Russifizierung begriffen) mit 7 Abteilungen, darunter eine landwirtschaftliche und eine handelswissenschaftliche, Bibliothek, (1894) 38 Docenten und 984 Hörern; 3 Gymnasien, 2 Realschulen, 1 städtische und 1 staatliche höhere Töchterschule (letztere Lomonossow-Gymnasium genannt), 1 geistliches Seminar, 1 Schifffahrtsschule; Stadtbibliothek, städtisches Museum, städtische Gemäldegalerie, die gemeinnützige litterar. praktische Bürgerverbindung, eine Bibelgesellschaft, die Lettisch-litterarische Gesellschaft, die Gesellschaft für heimatliche Geschichte und Altertumskunde, einen Technischen, Naturforscher-, Gewerbe-, Kaufmännischen Verein, den Verein «Muße» mit großem Zeitungssaal und Bibliothek, einen Russischen, einen Lettischen Klub; Stadttheater, 1 Sommertheater; 14 deutsche, 6 russ., 4 lettische Zeitungen, wovon die wichtigsten sind die «Düna-Zeitung»,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 872.