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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ritornell - Ritschl (Friedr. Wilh.)
manischen Museums in Nürnberg und langjähriges
Mitglied des Verwaltungsausschusses desselben
verdient gemacht.
Ritornell (ital. i-itornsilo, "Wiederholungs-
satz"), in einem musikalischen Stücke derjenige Teil,
welcher während des Pausierens der Solostimmen
von dem begleitenden Orchester gespielt und im Ver-
laufe des Stücks, nachdem der Sänger oder der kon-
zertierende Instrumentalist seine Abschnitte geendet
hat, meist Note um Note wiederholt wird. In dieser
bestimmten Form wurde das R. zuerst in der Arie
des 17. Jahrh, ausgebildet.
N. heißt auch eine Form ital. Volkslieder, deren
wahrer Name Störn elli ist. Sie bestehen gewöhn-
lich aus einem fünfsilbigen Verse und zwei elfsilbi-
gen, deren zweiter auf den fünfsilbigen reimt. Der
fünfsilbige enthält meist nur einen Blumennamen,
woher man in Sicilien diese Gedichte Cinci nennt.
Eine andere Form aus drei elfsilbigen Versen ent-
stand durch Einfluß der Terzine. Die 8wi-ueI1i sind
die beliebte Form für Improvisation und poet. Wett-
kampf. Sie stammen aus Toscana; in Rom nannte
man sie durch Verwechselung mit dem Nefrain (ritor-
iieiio) auch Ritornelli, welcher Name in Deutsch-
land gebräuchlich ward. Die Melodien dazu sind
höchst einfach. Die ersten deutschen Versuche machte
Rückert in dem Taschenbuch "Urania" (Lpz. 1822).
- Vgl. Echuchardt, N. und Terzine (Halle 1875).
Nitri, Stadt in Vöotien, s. Erythrä.
Ritschenhaufcn, Dorf im Kreis Meimngen
des Herzogtums Sachsen-Meiningen, an den Linien
Plaue-R. (56,8 km) der Preuß. und Meiningen-
Bad Kissingen der Bayr. Staatsbahnen, hat (1890)
484 E., Post und Telegraph.
Ritscheuwalde, Stadt im Kreis Obornik des
preuß. Reg.-Bez. Posen, an der Flinta und der
Nebenlinie Rogasen-Dratzig (im Bau befindlich)
der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 961 E.,
darunter 344 Evangelische und 191 Israeliten, Post
und Telegraph.
Nitfchl, Albrecht, prot. Theolog, geb. 25. März
1822 zu Berlin als Sohn des nachherigen evang.
Bischofs Georg Karl Benjamin R. (geb. 1. Nov.
1783 zu Erfurt, seit 1810 Pfarrer an der Marien-
kirche zu Berlin, 1827-54 Gencralsuperintendcnt
und evang. Bischof von Pommern, gest. 18. Juni
1858 in Berlin als Ehrenmitglied des Evangelischen
Oberkirchenrats), studierte in Bonn, Halle, Heidel-
berg und Tübingen, habilitierte sich 1846 in Bonn,
woselbst er 1852 außcrord., 1859 ord. Professor
wurde; 1864 folgte er einem Rufe nach Göttingen,
wurde 1874 Konsistorialrat, 1878 Mitglied des
hannov. Landeskonsistoriums und starb daselbst
20. März 1889.
Von der Tübinger Schule ausgegangen, zeigt
sich R. in der Schrift "Das Evangelium Marcions
und das kanonische Evangelium des Lukas" (Tüb.
1846) noch ganz als Schüler F. Chr. Vaurs (s. d.);
nachdem er aber schon in der 1. Auflage seiner "Ent-
stehung der altkath. Kirche" (Bonn 1850) zu einer
von Baur mannigfach abweichenden Auffassung von
der Geschichte der alten Kirche gelangt war, sagte
er sich mit der völlig umgearbeiteten 2. Auflage die-
fes Werkes (ebd. 1857) offen von der Tübinger
Schule los. In durchgreifendem Gegensatz zu der
Methode wie den Resultaten derselben begründete
R. eine neue Auffassung der ältesten Kirchengeschichte.
Zwischen den beiden Auflagen dieses Werkes ver-
öffentlichte N. noch die Schrift "über das Ver-
hältnis des Bekenntnisses zur Kirche. Ein Votum
gegen die neuluth. Doktrin" (Bonn 1854). Seitdem
wandte er sich vorzugsweise dogmatischen Studien
zu und wurde der Begründer einer weitverbreiteten,
der sog. Nitschlsch en Schule,die unterAnlehnung
an Kants Erkenntnistheorie und deren Ausbildung
durch Lotze die Metaphysik und Philosophie völlig
aus dem Bereiche der Theologie ausscheidet und so
den alten Streit zwischen Glauben und Wissenschaft
durch vollständige Trennung der beiderseitigen Ge-
biete zu schlichten sucht, während sie andererseits die
reformatorischen religiös-sittlichen Grundgedanken
Luthers auszubilden und für das praktische, ethische
Christentum fruchtbar zu machen bestrebt ist. Nach
dem Programm "1)6 ira vei" (Bonn 185,9) und einer
Reihe von Abhandlungen in den "Jahrbüchern für
deutsche Theologie" (1857-68) über die Lehre von
Gott und die Versöhnungslehre veröffentlichte R.
sein umfangreiches Werk über "Die christl. Lehre von
der Rechtfertigung und der Versöhnung" (3 Bde.,
Bonn 1870 - 74; 3. Aufl. 1888-89). Außerdem
erschienen: "Schleiermachers Reden über die Reli-
gion und ihre Nachwirkungen auf die evang. Kirche
Deutschlands" (Bonn 1874), "Die christl. Vollkom-
menheit" (Gott. 1874; 2. Aufl. 1889), "Unterricht
in der christl. Religion" (Bonn 1875; 4. Aufl. 1890),
"Über das Gewissen" (ebd. 1876), "Theologie und
Metaphysik. Zur Verständigung und Abwehr" (ebd.
1881; 2. Aufl. 1887), "Drei akademische Reden"
(ebd. 1887), "^iä63 implicite. Eine Untersuchung
über Köhlerglauben, Wissen und Glauben, Glauben
und Kirche" (ebd. 1890). Als Frucht seiner in-
zwischen wieder aufgenommenen histor. Unter-
suchungen erschien die "Geschichte des Pietismus"
(3 Bde., Bonn 1880-86). N.s "Gesammelte Auf-
sätze" erschienen Freib. i. Vr. 1893. Seine Biogra-
phie schreibt sein Sohn Otto R.: "Albrecht R.s
Leben" (1. Bd. 11822-64^, Freib. i. Br. 1892); vgl.
auch Frank, Zur Theologie A. R.s (3. Aufl., Lpz.
1891); Psteiderer, Die Nitschlsche Theologie kritisch
beleuchtet (Vraunschw. 1891); Vcrtrand, Uue nou-
V6Ü6 eoncsption ä6 1a reäeinption. 1^3. äoctrine
äs 1a. ^'nätiliciitioii et ä6 1a i-econciliHtioii ällNL 1e
87MM6 äs N. (Par. 1891).
Ritschl, Friedr. Wilh., Philolog, geb. 6. April
1806 zu Grohvargula in Thüringen, widmete sich
zu Leipzig und Halle den klassischen Studien. Nach-
dem er 1829 mit seiner Schrist "scliLd^o critioas"
promoviert und sich bald darauf auch habilitiert
hatte, erfolgte 1832 seine Ernennung zum außerord.
Professor und 1833 seine Versetzung nach Vreslau,
wo ihm zugleich die Mitdirektion des philol. Se-
minars übertragen und er 1834 zum ord. Professor
besördert wurde. 1839 wurde er als Professor der
klassischen Litteratur und der Beredsamkeit sowie
als Mitdirektor des philol. Seminars nach Bonn
berufen, und 1854 daselbst zum Oberbibliothekar,
Direktor des akademischen Kunstmuseums und des
Rheinischen Museums vaterländischer Altertümer er-
nannt. 1865 folgte er einem Rufe an die Universität
Leipzig, wo er mit demselben glänzenden Erfolge
wie in Bonn durch Vorlesungen, Leitnng der Übun-
gen des philol. Seminars und einer philol. Privat-
gesellschaft bis zu seinem 9. Nov. 1876 erfolgten
Tode wirkte. Die in den "^cta. 80ci6wti8 7MI0-
I0FH6 I^p8i6N3i8" (6 Bde., Lpz. 1872-76) veröffent-
lichten Arbeiten feiner Schüler stehen einer frühern
von seinen Schülern in Bonn veranstalteten Samm-
lung ("Z^ludola pinioloAOlUN L011116118MM iu ko-