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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ritter (Henry) - Ritter (Lorenz)
Hierhin gehören die Untersuchungen über die Lehre
des Empedokles (in Wolfs "Litterar. Analekten",
1820), seine "Geschichte der ion. Philosophie" (Berl.
1821), die "Geschichte der Pythagorischen Philo-
sophie" (Hamb. 1826) und die "Bemerkungen über
die Philosophie der megarischen Schule" (in dem
"Rheinischen Museum", 2. Jahrg.). Sein Haupt-
werk ist die "Geschichte der Philosophie" (12 Bde.,
Hamb. 1829-53; 2. Aufl., Bd. 1-4, 1836-38),
welche die Geschichte dieser Wissenschaft bis auf Kant
herabführt. Daran reihen sich der "Versuch zur Ver-
ständigung über die neueste deutsche Philosophie seit
Kant" (2. Aufl., Braunschw. 1853) und "Die christl.
Philosophie nach ihrem Begriff, ihren äußern Ver-
hältnissen und ihrer Geschichte bis auf die neuesten
Zeiten" (2 Bde., Gott. 1858-59). Außerdem ver-
öffentlichte R. "Vorlesungen zur Einleitung in die
Logik" (Berl. 1823), "Abrih der philos. Logik" (ebd.
1824; 2. Aufl. 1829), "Über die Erkenntnis Gottes
in der Welt" (Hamb. 1836), "über das Böse" (Kiel
1839), "Kleine philos. Schriften" (3 Bde., ebd. 1839
-40), "System der Logik und der Metaphysik"
(2 Bde., Gott. 1856), "Encyklopädie der philos.
Wissenschaften" (3 Bde., ebd. 1862-64), "Ernest
Renan über die Naturwissenschaften und die Ge-
schichte" (Gotha 1865), "Unsterblichkeit" (2. Aufl.,
Lpz. 1866), "Philos. Paradoxa" (ebd. 1867) und
"Über das Böse und seine Folgen" (hg. von D. Pei-
pers, Gotha 1869; 2. Ausg. 1876). Mit Preller gab
er die " Historie zMioLoykiaL ßraecHe" (7. Aufl.,
Gotha 1888) heraus.
Ritter, Henry, Genremaler, geb. 26. Mai 1816
zu Montreal in Canada, machte seine Studien in
Hamburg unter Gröger und seit 1836 unter Sohn
in Düsseldorf. Die Gegenstände seiner Darstellun-
gen entnahm er meistens dem Seemanns- und
Fischerleben; sie sind von packender Charakteristik
und koloristischem Reiz. Zu den bedeutendem seiner
Werke gehören: Schmuggler von engl. Dragonern
angegriffen (1839), der Aufschneider (1841), der
Heiratsantrag inderNormandie(1842; Städtisches
Museum in Leipzig), der ertrunkene Sohn des Lot-
sen (1844; Galerie Ravens zu Berlin), der Wild-
dieb (1847; sein größtes Bild), Indianer ans der
Flucht vor dem Prairicnbrand, die Nachricht vom
Tode des Sohnes, der Seekadett die trunkenen
Matrosen tadelnd (Städtisches Museum zu Köln).
Außerdem hat er kleinere Werke ausgeführt sowie
Illustrationen, z. B. zu den Werken Washington
Irvings, die nach R.s Tode von W. Camphausen
zu Ende geführt wurden (englisch und deutsch, Lpz.
1856). R. starb 21. Dez. 1853 in Düsseldorf.
Ritter, Karl, Geograph, geb. 7. Aug. 1779
zu Quedlinburg, erhielt seine erste Erziehung zu
Schnepfenthal, bildete sich hierauf auf der Univer-
sität zu Halle zum Pädagogen aus und trat 1798
zu Frankfurt a. M. als Erzieher in das Vethmann-
Hollwegsche Haus. Hier lernte er 1807 Humboldt
kennen. Er begleitete seine Zöglinge auf die Aka-
demie zu Genf, besuchte mit ihnen die Schweiz, Sa-
voyen, Frankreich und Italien und hielt sich hierauf
1814-19 zu Göttingen auf. 1819 wurde er an
Schlossers Stelle als Professor der Geschichte am
Gymnasium zu Frankfurt angestellt, schon 1820
aber, nachdem er die "Vorhalle europ. Völker-
geschichten von Herodot" (1. Teil, Verl. 1820) ver-
öffentlicht hatte, als Professor der Geographie an
die Universität und die Allgemeine Kriegsschule zu
Berlin berufen. Bald wurde er auch Mitglied der
Prüfungskommission, Mitglied der Akademie (1822)
und Studiendirektor der königl. Kadettenanstalt.
Er wirkte in diesen Stellungen bis zu seinem Tode
23. Sept. 1859.
Mit N., neben Alexander von Humboldt dem
Schöpfer der "allgemeinen vergleichenden" Erd-
kunde, beginnt eine neue Epoche in der Geschichte
der geogr. Wissenschaften. Durch ihn erst erhielt
die Geographie einen wissenschaftlichen Charakter.
Die von ihm neugestaltete Wissenschaft wußte er in
seinen Vorträgen mit hinreißender Beredsamkeit
lebendig zu veranschaulichen. R. vernichtete das
bis dahin herrschende Vorurteil, daß es nur eine
polit. Geographie gäbe, und eroberte der Betrach-
tung der naturgegebenen Vodenformen den Platz
einer Grundlage jeglicher geogr. Forschung. (S. Geo-
graphie, Bd. 7, S. 807 d). Ein Streben nach die-
sem Ziele verrät schon sein Erstlingswerk "Europa"
(2 Bde., Franks. 1804 u. 1807); zur vollen Entwick-
lung brachte er diese Reform dann in seinem Haupt-
werk "Die Erdkunde im Verhältnis zur Natur und
Geschichte des Menschen" (2 Bde., Verl. 1817-18),
das er in der zweiten Auflage nach einem erweiterten
Plan bearbeitete, so daß der erste Teil (2. Aufl., ebd.
1822) Afrika als abgeschlossenes Ganzes behandelt,
während die folgenden bis zu seinem Tode erschiene-
nen Teile (Bd. 2-19, ebd. 1832-59) noch innerhalb
der Beschreibung Asiens sich bewegen. Zur Erläute-
rung des Werkes dient R.s in Verbindung mit Etzel
herausgegebener "Atlas von Asten". Der zweite
Hauptpunkt seiner Bedeutung liegt darin, daß er
zuerst in die geogr. Beschreibung die Methode streng
wissenschaftlicher Quellenkritik einführte; endlich ver-
tiefte er den Begriff der Geographie dadurch, daß er
zuerst systematisch versuchte, in ihr die Erklärung für
geschichtliche Vorgänge zu finden. Außerdem lieferte
R. viele Abhandlungen in den "Schriften" der Aka-
demie der Wissenschaften, von denen er die vortreff-
lichsten in "Einleitung zur allgemeinen vergleichen-
den Geographie und Abhandlungen zur Begründung
einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erd-
kunde" (Berl. 1852) zusammenstellte. 1838 erschien
von ihm "Die Stupas, oder die architektonischen
Denkmale an der indobaktrischen Königstraße und
die Kolosse von Bamyan" (Berlin). Vieles hat er
auch in den "Monatsberichten" der Berliner Geo-
graphischen Gesellschaft, in der (Berliner) "Zeitschrift
für allgemeine Erdkunde", in der "Zeitschrift der
Societät der Wissenschaften zu Göttingen" u. a. m.
niedergelegt. Aus seinem Nachlaß wurden die Vor-
lesungen über "Geschichte der Erdkunde und der Ent-
deckungen" (Berl. 1861; 2. Aufl. 1880), über "All-
gemeine Erdkunde" (ebd. 1862) und über "Europa"
(ebd. 1863) von Daniel herausgegeben. 1865 wurde
ihm zu Quedlinburg ein Denkmal errichtet. Seinem
Andenken sind ferner die Karl-Ritter-Stiftung
zu Verlin (seit 1860) und die zu Leipzig (seit 1861)
gewidmet, beide mit dem Zweck, die Erdkunde durch
Unterstützung von Reisen oder wissenschaftlichen
Arbeiten zu fördern. - Vgl. die Biographien R.s
von Kramer (2 Bde., Halle 1864; 2. Aufl. 1875)
und Gage (Lond. 1867); ferner Marthe, Was be-
deutet Karl R. für die Geographie? (Berl. 1880);
Peschel, Abhandlungen zur Erd- und Völkerkunde,
hg. von I. Loewenberg, Bd. 1 (Lpz. 1877); Ratzet,
Zu Karl R.s hundertjährigem Geburtstage (Beilage
zur "Allgemeinen Zeitung", 1879, Nr. 219 fg.).
Ritter, Lorenz, Maler und Radierer, geb.
27. Nov. 1832 zu Nürnberg, war Schüler K. von