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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rom

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Rom (das antike)

denen die des Caligula am berühmtesten sind. Dieser Kaiser erbaute hier einen Cirkus, welcher unter Nero eine Stätte des Martyriums der ersten Christen war. Das Grab des Apostels Petrus giebt die Tradition als an diesem Cirkus gelegen; über ihm erhob sich seit dem 4. Jahrh. die vornehmste Kirche R.s. In der Mitte des Cirkus (auf der Spina) stand ein von Caligula aus Heliopolis geholter Obelisk (25 m), der 1586 aus den Petersplatz versetzt wurde, der einzige, welcher nie umstürzte. Zwischen Tiber und Janiculum lag ein namentlich von den niedern Volksklassen stark bewohntes Quartier; auch die Juden hatten hier ihr Viertel. Im südl. Teil, wo sich Parks und Gärten (Nemus Caesarum) befanden, legte Augustus ein elliptisches Bassin für Darstellung von Seegefechten an (Naumachia Augusti), 1800 Fuß lang, 1200 Fuß breit. Zur Versorgung der Region mit Wasser baute Angustus die Aqua Alsietina, 22 Miglien lang, ans dem See von Martignano; da das Wasser derselben nicht gesundheitsdienlich war, führte Trajan die nach ihm genannte Aqua Trajana aus dem See von Bracciano auf die Höhe des Janiculum (55 Miglien lang); dieselbe ist nach ihrer Wiederherstellung durch Papst Paul V. (1611) noch jetzt in Thätigkeit. Flußabwärts vor der Porta Portuensis lagen die Gärten des Cäsar, die er in seinem Testament dem röm. Volk schenkte.

f. Gräberstraßen. Die Landstraßen außerhalb der Stadt waren meilenweit hinaus auf beiden Seiten mit Grabmonumenten besetzt, da bei den Römern die Anlage großer geschlossener Kirchhöfe nicht üblich war. Die berühmteste und glänzendste Gräberstraße war die Via Appia (s. Appische Straße). Das Grabmal der Scipionen wurde oben erwähnt; am bekanntesten unter allen ist das Grabmal der Cäcilia Metella (s. d.). Viele andere Grabdenkmäler haben die 1851-53 unter Leitung des Architekten Canina gemachten Ausgrabungen zu Tage gefördert. An der Via Labicana und Praenestina finden sich unter anderm die Monumente der Arruntier (1732 ausgegraben) und Statilier (1875 gefunden); unmittelbar am Thore (Porta Maggiore) das wunderliche Denkmal eines Bäckers, M. Vergilius Eurysaces, in Form eines Haufens übereinander geschichteter Getreidemaße; außerhalb des Thores das Grab der heil. Helena, Mutter Konstantins d. Gr. (jetzt Torre Pignattara). Viele Gräber liegen auch vor der Porta Nomentana und Salaria, wo unter anderm die Begräbnisplätze für die Prätorianer u. s. w. sich befanden. Gräber mit schönen Dekorationen in Stucco und Wandmalerei sind an der Via Latina gefunden worden. An der Via Nomentana, eine Miglie von der Stadt, liegt das Grabmal der Constantia, Tochter Konstantins d. Gr., deren Porphyrsarkophag sich jetzt in der Antikensammlung des Vatikans befindet. Auf dem rechten Tiberufer an der Via Aurelia sind namentlich zahlreiche Kolumbarien (s. d.) gefunden worden; an der Porta Ostiensis liegt die Pyramide des Cestius (s. d.).

D. Die Bauten der spätern Kaiser. Der schnelle Niedergang des Römischen Reichs unter den Gewaltherrschern des 3. Jahrh. war auch von Einfluß auf die Baugeschichte der Hauptstadt. Zwar Septimius Severus und sein Sohn Caracalla restaurierten mit Eifer, doch hastig und ohne Geschmack, ältere Bauwerke: so das Pantheon, den Portikus der Octavia, den Tempel des Vespasian u. a. Ferner erbaute Severus auf dem Palatin einen prachtvollen Palast, dessen südlichen, der Via Appia zugewandten Prospekt das Septizonium bildete; auf dem Forum wurde ihm zum Andenken an die Siege über Parther, Araber und Adiabener 203 n. Chr. der noch erhaltene dreithorige Triumphbogen errichtet, auf dem Forum Boarium von den Kaufleuten und Maklern dieses Marktes eine Ehrenpforte (Monumentum Argentariorum). Unter den Bauten des Caracalla nehmen die kolossalen Thermen (s. Tafel: Bäder I, Fig. 1), welche er in der XII. Region an der Via Appia errichten ließ, die erste Stelle ein. Die gesamte, von Portiken umgebene Anlage hat 330 m im Quadrat, der Mittelbau, das eigentliche Bad, für 1600 Benutzer zugleich ausreichend, ist 220 m lang, 114 m breit. Eine Menge trefflicher Kunstwerke, z. B. der Farnesische Stier (s. d. und Tafel: Griechische Kunst III, Fig. 8), schmückte das Gebäude.

Von den Bauten der Kaiser des 3. Jahrh. sind nur wenige Reste vorhanden; zu nennen die Wiederherstellung der Nerothermen durch Alexander Severus (Thermae Alexandrinae), um 225; ferner der Ehrenbogen des Gallienus (262 n. Chr.) auf dem Esquilin. Aurelian (270-275) baute im Campus Martius den prachtvollen Tempel der Sonne. Bezeichnend für den Wandel der Zeiten ist, daß derselbe kraftvolle Kaiser es für nötig erachtete, R., nachdem es über drei Jahrhunderte eine offene Stadt gewesen war, aufs neue zu befestigen. Die von ihm erbaute Mauer (Aureliansmauer) aus Ziegeln, im Durchschnitt etwa 15 m hoch, ist in Abständen von 25 bis 30 m durch Türme verstärkt, hat nach der Innenseite einen gewölbten Wehrgang und wird von 14 Thoren durchbrochen. Sie beginnt am Tiber nördlich vom Mausoleum des Augustus, läuft am nördl. Rande des Pincius und Quirinal entlang bis zum Prätorianerlager, welches als großes Fort der Befestigung einverleibt ist, folgt dann südlich dem Laufe der Wasserleitungen, mehrmals Straßenübergänge derselben als Thore benutzend (s. S. 944 a), umschließt südlich den Cälius, schneidet den (fälschlich zum Aventin gerechneten) Hügel von Sta. Balbina und San Saba und erreicht unterhalb des Emporiums den Tiber. Auch der Fluß selbst erhielt eine Mauer, aber minder stark und mit weniger Türmen; endlich wurde auch der transtiberinische Stadtteil in die Befestigung mit einbegriffen. Die Mauer, von Aurelians Nachfolger Probus vollendet, später von Honorius ausgebessert, ist teilweise erhalten.

Eine letzte Epoche des Aufschwungs für R. bezeichnen die Regierungen des Diocletian und Konstantin. Außer einer großen Zahl von Restaurationsbauten verdanken der Epoche von 300 bis 330 folgende Monumente ihre Entstehung: die Thermen des Diocletian auf dem Quirinal und Viminal (305), die größten R.s, für 3000 Besucher zu gleicher Zeit ausreichend. Ihr Hauptsaal ist jetzt zur Kirche Sta. Maria degli Angeli umgebaut, in den Nebenräumen des über 1700 m im Umfang messenden Gebäudes befindet sich eine Kaserne, eine Menge von Wohlthätigkeitsanstalten, Schulen, die Rundkirche San Bernardo alle Terme u. s. w. Die Thermen Konstantins d. Gr. auf dem Quirinal, reich an vorzüglichen Kunstwerken (u. a. die Rossebändiger), sind großenteils im 17. Jahrh. beim Van des Palastes Rospigliosi zerstört worden. Das bedeutendste noch erhaltene Denkmal Konstantins ist der Triumphbogen, welchen Senat und Volk ihm 312 nach der Besiegung des Maxentius unweit des Kolosseums