Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rom

951

Rom und Römisches Reich (als Republik)

hält ihr Gepräge durch die äußere Ausbreitung der römischen Herrschaft bis zur Einigung Italiens. Die freigebige Verteilung des Bürgerrechts stärkte die Bürgerschaft (318 und 239 wurden zwei neue Tribus eingerichtet); namentlich ist für umfassende Bürgerrechtsverleihungen die Censur (310 oder 312) des Appius Claudius, desselben, der die erste Wasserleitung (Aqua Appia) und die erste Landstraße nach Rom (Via Appia) anlegte, bekannt geworden. Die ärmern Bürger fanden in den auch weiter zur Sicherung der röm. Oberherrschaft angelegten Kolonien ein Unterkommen. Entsprechend stieg die Macht der Volksversammlung, in der jetzt überwiegend die höhern Offiziere des Bürgerheers (tribuni militum, später auch duoviri navales) gewählt wurden, auch der Einfluß der Volkstribunen auf die Entwicklung des Staatslebens wuchs. Die Beamtenschaft rekrutierte sich seit dem Ausgleich der Stände nicht mehr so überwiegend aus den Patriciern, sondern aus den wohlhabenden Familien überhaupt; aber sehr bald bildete sich wieder ein kleiner abgeschlossener Kreis, aus dem die Bewerber hervorgingen, und in den man nur ungern einen Neuling (homo novus) aufnahm; an Stelle des Geburtsadels trat ein Beamtenadel, die Nobilität (s. Nobilitas). Der Schwerpunkt des Staates wird aus dem Patriciat in den Senat verlegt.

Den ersten großen Krieg nach der Niederwerfung der Latiner mußten die Römer mit den Samnitern führen. Sie sahen wohl den Zusammenstoß voraus und sicherten sich 336 durch einen 30jährigen Frieden mit den Galliern den Rücken. Den nächsten Anlaß dieses sog. zweiten Samniterkrieges (327-304) bildete der deutlich ausgesprochene Wille Roms (Besetzung von Fregellä im Liristhal und Angriff auf das von Samnitern bewohnte Neapel), die Samniter nicht an dem neuerrungenen Herrschaftsgebiet, vor allem an Campanien, teilnehmen zu lassen. Hier, in Apulien und Samnium selbst spielte sich der Kampf vorzüglich ab. Das Kriegsglück schwankte hin und her; 321 erlitten die Römer eine empfindliche Niederlage durch die Gefangennahme eines ihrer Heere in den Caudinischen Pässen. Nach einer kleinen Kampfpause erhielten aber die Römer das Übergewicht; sie gewannen die Unterstützung der den Samnitern stammverwandten Lucaner und sicherten rasch und energisch die eroberten Gebiete durch Kolonien (Luceria, Interamna). Die Hilfe, die dagegen die Samniter durch die Etrusker und die meisten der kleinen mittelital. Stämme erhielten, blieb ohne Wirkung. 303 wurde der letzte Widerstand der Etrusker gebrochen, 305 fiel die Hauptstadt der Samniter, Bovianum. 301 kam es zum Frieden, der Rom die Herrschaft in Mittelitalien verbürgte. Während aber die Römer die neuen Erwerbungen wieder durch neue Militärstraßen (nach der Via Appia, die nordwärts nach Etrurien führende Via Flaminia und die ostwärts durch das Marserland laufende Via Valeria) und neue Kolonien (Alba Fucentia, Carseoli) zu festigen suchten, brach der (sog. dritte) Samniterkrieg mit Samnitern, Galliern und Etruskern, denen sich auch die Lucaner anschlossen, von neuem los. Er gestaltete sich für die Römer zunächst nicht glücklich, bis 295 durch die Schlacht von Sentinum in Umbrien die Macht der Koalition gebrochen wurde. 290 wurde der Friede geschlossen.

Schon im Jahre vorher (291) hatten die Römer in Apulien festern Fuß und eine 20000 Mann starke Kolonie nach Venusia gelegt. Sie wurden mit dieser Ausdehnung ihres Gebietes notwendig tiefer in die unterital. Verhältnisse hineingezogen. Die Griechenstädte rangen hier mit den sie immer wieder bedrängenden Bergstämmen der Bruttier und Lucaner, und nur mit auswärtiger Hilfe hatten sie sich behauptet. Tarent war unter ihnen noch die wehrhafteste und vornehmste Stadt, eine Art Vormacht; mit ihr geriet Rom wegen des Schutzes von Thurii, das in Tarent und Rom Hilfe gesucht hatte, in Konflikt (282). Die alten Feinde vom letzten Samniterkriege her: Samniter, Lucaner, Bruttier, ergriffen wieder gegen Rom die Waffen. Dennoch war das Bürgerheer siegreich; erst als Tarent den als berühmten Feldherrn bekannten König Pyrrhus (s. d.) von Epirus herbeirief, wurde die Lage für Rom ernster. Aber den schweren Niederlagen bei Heraklea in Lucanien (280) und bei Asculum in Apulien (279) folgte 275 der Sieg bei Maluentum (Benevent), das 268 eine starke Kolonie erhielt; Pyrrhus räumte Italien und 272 ward Tarent erobert. Bis zum J. 265 brach Rom den letzten Widerstand in Unteritalien und festigte seine Herrschaft, die nun teils unmittelbar, teils mittelbar (Bundesgenossenschaft unter Roms Führung) das ganze Italien im damaligen Sinne von den Nordabhängen des Apennin südwärts bis zur Sicilischen Meerenge umfaßte.

Auch die dritte Periode der Republik (265-133 v. Chr.) steht im Zeichen des Kampfes nach außen; sie zieht die Konsequenzen der italischen Herrschaft und begründet Roms Weltherrschaft, ist zugleich der Höhepunkt der speciell ital.-röm. Geschichte. Die vorausgehenden Kriege hatten den ohnehin kriegerischen Sinn des röm.-ital. Volks gestählt und geschult, die Taktik der hellen. Zeit, hatte ihm nicht standzuhalten vermocht. Daneben dehnten sich trotz der schweren Zeiten Handel und Verkehr aus; 269 beginnt in Rom die Silberprägung. Die unmittelbare Berührung mit dem Gebiet (Sicilien) der letzten großen Handelsmacht des westl. Mittelmeers, Karthago, mußte notwendig zu einem Entscheidungskampfe zwischen beiden Staaten führen, und er ist erfolgt in den drei sog. Punischen Kriegen (s. d.; 264-241, 218-201,149-146). Rom hat nach schweren und schwankenden Kämpfen gesiegt und seinen Gegner schließlich erbarmungslos vernichtet. Der Sieg über Karthago bedeutete die Herrschaft im Westen des Mittelmeers, über Sicilien, Sardinien, Corsica, den größten Teil von Spanien und Nordafrika. Außerdem hatten die Römer kurz vor dem zweiten Punischen Kriege die Po-Ebene (Gallia cisalpina) erobert und bald nach dem dritten in Südgallien (Gallia Narbonensis) festen Fuß gefaßt und damit ihren Besitz abgerundet, auch gegen die Illyrer und ihre Königin Teuta hatten sie siegreich gefochten. Die röm. Provinzialverwaltung begann sich allmählich zu entwickeln (s. Provinz). Zu den Erwerbungen im Westen kamen nach dem zweiten Punischen Kriege Eroberungen im Osten. Dort bestanden noch die Diadochenreiche Macedonien, von dem Griechenland abhängig war, Syrien, das über ganz Vorderasien herrschte, und Ägypten; alle zwang Rom nach und nach in seine Herrschaftssphäre. Macedonien wurde nach den Kriegen mit König Philipp V. 200-197 (Schlacht bei Kynoskephalä) und Perseus, Philipps Sohn, 171-168 (Schlacht bei Pydna) noch in dieser Periode dem Römischen Reiche als Provinz ein-^[folgende Seite]