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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Rückendarre; Rückenfußkrabben; Rückenmark; Rückenmarksdarre; Rückenmarksentzündung; Rückenmarkserschütterung

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Rückendarre - Rückenmarkserschütterung

Rückendarre, soviel wie Rückenmarksschwindsucht (s. d.).

Rückenfußkrabben (Notopoda), Familie der Krabben mit breiter Schwanzflosse und sehr gering entwickelten zwei letzten Beinpaaren, die zart und dünn und nach oben, nach dem Rücken zu gekrümmt sind und keinen Anteil an der Bewegung nehmen, aber oft Fremdkörper fassen und tragen, unter denen verborgen die R. einherkriechen. Hierher gehört die gemeine Wollkrabbe (Dromia vulgaris Milne Edwards, s. Tafel: Krustentiere II, Fig. 1), eine bis 8 cm breit werdende Bewohnerin des Mittelmeers und des Atlantischen Oceans an der europ. Westküste bis zum Kanal.

Rückenmark (Medulla spinalis, s. Tafel: Die Nerven des Menschen, Fig. 1, Bd. 12, S. 244), derjenige Teil des nervösen Centralorgans, der sich im knöchernen Kanal der Wirbelsäule befindet. Es ist ein walzenförmiger, von hinten nach vorn etwas platt gedrückter Strang, der vom Hinterhauptloche bis in die Lendenwirbel reicht, nach oben mit dem Gehirn zusammenhängt und beim Erwachsenen 35-40 cm lang und 8-10 mm dick ist. Zwei tiefe Spalten, eine vordere und eine hintere, teilen das N. in zwei seitliche symmetrische Hälften, die nur durch einen dünnen queren Streifen, die Kommissur, zusammenhängen. Jede Seitenhälfte hat einen aus einem vordern und hintern Lappen bestehenden grauen Kern, der von weißer Substanz umgeben ist, und beiderlei Substanzen erstrecken sich in dieser Anordnung durch die Länge des R. Die weiße Substanz einer jeden Seitenhälfte zerfällt in drei Stränge, in einen vordern, einen seitlichen und einen hintern Strang. In der Kommissur liegt hinten graue, vorn weiße Substanz, welche die Verbindung zwischen beiden Hälften des R. herstellen, und zwischen beiden findet sich ein feiner, mit Epithel ausgekleideter Kanal (Centralkanal). Das R. ist, wie das Gehirn, in drei Häute gehüllt: die weiche Rückenmarkshaut (pia mater spinalis), die dem R. allenthalben innig anliegt, die Spinnwebenhaut (arachnoidea spinalis), eine äußerst feine, durchscheinende Membran, die das R. als weite schlaffe Hülle umgiebt, und die harte Rückenmarkshaut (dura mater spinalis), die im Wirbelkanal einen ziemlich frei hängenden Sack bildet, der das R. aufnimmt. Die Zwischenräume zwischen dem R. und den Häuten sind mit einer wässerigen Flüssigkeit (Cerebrospinalflüssigkeit, liquor cerebrospinalis) erfüllt. Die Verbindung zwischen R. und Gehirn bildet das noch in der Schädelhöhle liegende verlängerte Mark (medulla oblongata, s. Gehirn, Bd. 7, S. 676b).

Vom R. entspringen 31 paarige Rückenmarks- oder Spinalnerven (nervi spinales), und zwar jeder Nerv auf einer Seite des R. mit zwei Wurzeln, einer stärkern hintern (mit den Empfindungs-) und einer schwächern vordern (mit den Bewegungsnerven). Die hintern Wurzeln bilden durch Einlagerung zahlreicher Nervenzellen einen Nervenknoten (Spinalganglion), mischen sich dann mit den Nerven der vordern Wurzeln und verlassen hierauf gemeinsam durch die Zwischenwirbellöcher den Wirbelkanal. An den obern Teilen des R. gehen sie ziemlich rechtwinklig vom R. ab, nach unten aber unter einem spitzen Winkel, und endlich löst sich das R. in einzelne Nervenstränge auf (Pferdeschweif, cauda equina, Fig. 1, 7). Wo die Nerven für Arme und Beine entspringen, hat das R. durch Vermehrung der Ganglienzellen Anschwellungen, die Halsanschwellung (intumescentia cervicalis, 4) und die Lendenanschwellung (intumescentia sacralis, 6). Man teilt die 31 Rückenmarksnerven in 8 Halsnerven, 12 Brustnerven, 5 Lendennerven, 5 Kreuzbeinnerven und 1 (selten 2) Steißbeinnerven. Seinem feinern Bau nach besteht das R., abgesehen von der weichen Nervenkittsubstanz (Neuroglia), aus zahllosen feinsten vielfach verschlungenen Nervenfasern und Nervenzellen oder Ganglien (s. d.), und zwar verlaufen die Nervenfasern nicht bloß quer, von einer Seite zur andern (in der Kommissur), sondern auch der ganzen Länge nach aufwärts bis in das Gehirn, so daß das R. die Verbindung zwischen Gehirn und den vom R. mit Nerven versorgten Körperteilen herstellt. Die vordern und seitlichen Stränge des R. vermitteln die motorische, die hintern Stränge die sensible Leitung zwischen Gehirn- und Rückenmarksnerven. Weiterhin enthält das R. eine Reihe automatisch wirkender Nervencentren für Herz- und Atmungsthätigkeit und ähnliche Reflexbewegungen (s. d.), die meist durch die Vermittelung der grauen Rückenmarkssubstanz zu stande kommen. Außerdem finden sich im R. Gefäßnervencentren, durch deren Thätigkeit die Wandungen der Blutgefäße dauernd in leichter Kontraktion (Gefäßtonus) erhalten werden. Unsere Kenntnisse über die einzelnen Leitungsbahnen des R. sind noch vielfach mangelhaft; am besten sind noch die Pyramidenbahnen bekannt, die vom Gehirn herkommen, in der Pyramidenkreuzung in die entgegengesetzte Hälfte des R. eintreten und hauptsächlich der motorischen Leitung dienen.

Rückenmarksdarre, s. Rückenmarksschwindsucht.

Rückenmarksentzündung, s. Rückenmarkskrankheiten.

Rückenmarkserschütterung (Commotio medullae spinalis), eine eigentümliche Erkrankung des Rückenmarks, die sich an heftige mechan. Erschütterungen des ganzen Körpers oder der Wirbelsäule anschließt und am häufigsten als Eisenbahnlähmung nach Eisenbahnunfällen entsteht, weshalb man sie in England auch als Railwayspine (d. h. Eisenbahnrückgrat) zu bezeichnen pflegt. Sie kann in schweren Fällen sofort oder binnen wenigen Stunden tödlich enden, während in andern Fällen die Verletzten sich allmählich wieder erholen, aber noch monate-, selbst jahrelang die Symptome von Funktionsstörungen des Rückenmarks darbieten. Anatomisch nachweisbare Veränderungen des Rückenmarks finden sich bei der Sektion derartig Verletzter oft nicht, man muß deshalb annehmen, daß die Erschütterung rein molekulare Veränderungen an den nervösen Bestandteilen des Rückenmarks hervorruft und dieselben dadurch funktionsunfähig macht. Die ersten Erscheinungen bei der R. sind gewöhnlich Bewußtlosigkeit, kleiner Puls, kühle Haut, Atemnot und Lähmung einzelner Gliedmaßen; hat sich der Verletzte hiervon erholt, so bleiben oft eine allgemeine Schwäche in den Bewegungen, Schmerzen im Rücken und in den Extremitäten, Ameisenkriechen und andere Gefühlsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaflosigkeit und hypochondrische Gemütsverstimmung zurück, die den Kranken auf Monate und Jahre hinaus, ja in einzelnen schweren Fällen für das ganze Leben erwerbsunfähig machen. Zuweilen handelt es sich um ausgesprochene Hysterie (s. Traumatische Neurose). Die Behandlung besteht unmittelbar nach dem Un-^[folgende Seite]