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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rückforderungsanspruch - Rückrechnung
dieselbe bisher noch nicht außerbalb des Tierkörpers
züchten. Impfexperimente auf Affen gelangen. Die
Übertragung der mithin streng parasitifch vegetieren-
den Vlutmikroben ist noch untlar, am wahrscheinlich-
sten ist es, daß sie durch blutsaugende Insekten (Flohe)
geschieht. - Zuweilen treten Gallenbestandteile in
das Blut über (biliöses Typhoid, biliöseForm
des R.), und zwar in so großer Menge, daß zahl-
reiche Blutkörperchen sich auflösen und das Blut
eine dunkle Farbe und eine teilweise durchsichtige
Beschaffenheit annimmt. Innere und äußere Blu-
tungen können die Folge dieser gefahrdrohenden
Komplikation sein. Bis jetzt ist das Rücksallfieber
fast nur bei schlecht genährten, in ungünstigen
äußern Verhältnissen lebenden Individuen, nament-
lich bei Landstreichern und Vagabunden beobachtet
worden; die Krankheit ist zweifellos ansteckend, wird
aber nur von Person zu Person, nicht durch die
Vermittelung des Bodens und Wassers übertragen.
DieVehandlung ist in derHauptsache eine sympto-
matische, da weder das Chinin noch die übrigen
antipyretischen Heilmittel den eigentümlichen Ver-
lauf der Krankheit zu beeinflussen vermögen. -
Vgl. Griesinger, Infektionskrankheiten (im "Hand-
buch der speciellen Pathologie und Therapie", hg.
von Virchow, 2. Aufl., Erlangen 1864): Wyß und
Bock, Studien über I^6dii8 l6cui-r6N8 (Berl. 1869):
Lebert, R., Flecktyphus und Cholera (im "Handbuch
der speciellen Pathologie und Therapie", hg. von
Ziemssen, 2. Aufl., Bd. 2, Lpz. 1876).
Rückforderungsanfpruch, s. Aussonderung.
Rückgewähr, s. Anfechtung (Bd.1, S.612d fg.).
Rückgrat (3pinH lioi-si), im engern Sinne die
in der Mittellinie des Rückens fühlbaren Spitzen der
Dornfortsätze der Wirbelknochen, im weitern Sinne
auch gleichbedeutend mit Wirbelsäule (s. d.).
Rückgratsverkrümmung, s. Wirbelsäule.
Rückgrattiere, s. Wirbeltiere.
Rückgriff, s. Regreß.
Rückkauf oder Wiederkauf, der Kaufver-
trag, den der Verkäufer einer Sache mit feinem
Käufer dahin abschließt, daß er die diesem veräußerte
Sache zurückerwirbt. In der Regel wird der R. in-
folge eines Vorbehalts bei der Veräußerung ge-
schlossen, welcher das Recht zum N. giebt (das Mo
tum ä6 rstro emsnäo, frz. paets äs racliHt). Ist
im Vertrag nichts anderes bestimmt, so hat der R.
zu demselben Preise zu erfolgen, zu welchem ver-
kauft ist (so auch der Deutsche Entwurf ß. 433; Preuß.
Allg. Landr. 1,11, §. 296; Sächs. Bürgert. Gesetzb.
§. 1131; Österr. Bürgert. Gesetzb. ß. 1068). Das
Recht zur Ausübung erlischt nach Gemeinem Recht,
wenn nichts anderes bestimmt ist, allgemein in 30
Jahren; nach dem Deutschen Entwurf bei unbeweg-
lichen Sachen in 30 Jahren, bei beweglichen in 3
Jahren; nach Sächs. Bürgcrl. Gesetzbuch in 10 Jah-
ren und 1 Jahr; nach Preuß. Allg. Landrecht ist die
Ausübung an keine Zeit gebunden, geht aber dann
auch auf die Erben nur über, wenn das ausgemacht
ist. Der Vertrag giebt nur einen persönlichen An-
spruch, doch wird der Verpflichtete von seiner Ver-
bindlichkeit nicht befreit, wenn er die Sache an einen
Dritten veräußert oder belastet hat. Er hat dann,
wenn er sie nicht wieder zurückerlangen oder pfand-
frei zurückgeben kann, dem Berechtigten Schaden-
ersatz zu geben. Ist der R. an Grundstücken einge-
räumt, so kann er in Preußen, Sachsen und in Oster-
reich auch gegen den dritten Besitzer ausgeübt wer-
den, wenn er im Grundbuch eingetragen war. Nach
dem Österr. Bürgert. Gesetzbuch findet der Vorbe-
halt des R. überhaupt nur bei unbeweglichen Sachen,
nach dem Bürgert. Gesetzbuch für Aargau findet er
hier gerade nicht statt. Nach Preuß. Allg. Landrecht
und nach Österr. Bürgert. Gesetzbuch kann das Rech:
nicht abgetreten, nach letzterm auch nicht vererbt
werden. Steht es mehrern zu, so können sie es
nur vereint ausüben. Wird es ausgeübt, so muß
der Preis und was der Verpflichtete an Verwen-
dungen zu fordern hat, sofort bar bezahlt werden.
Häufig wird der Verkauf auf Wiederkauf statt eines
Pfandvertrags zur Sicherung einer Forderung ge-
schlossen. Die Beschränkungen des Pfandrechts,
namentlich die ^ommigZoria. lex (s. d.), finden dann
entsprechende Anwendung (s. Pfandleih- und Rück-
kaufsgeschäfte). Der Vertrag, durch welchen sich der
Käufer das Recht zum Nückverkauf vorbehält (pac-
tuni äe retro vßnäsnäo), ist analog dem Rückkaufs-
vertrag zu behandeln. ^kaufsgeschüfte.
Nückkaufsgeschäfte, s. Pfandleih- und Rück-
Rückkehrpunkt, s. Singularitäten.
Rücklage, handelstechnisch soviel wie Reserve
(s. d.). - über R. in der Baukunst s. Risalit.
Rücklauf, Rückstoß, die beim Abfeuern von
Geschützen zu beobachtende Erscheinung, daß das
Geschütz infolge des Drucks der Pulvergase auf den
Boden des Rohrs oder auf den Verschluß von sei-
nem Aufstellungsort nach rückwärts rollt. DerR. be-
ruht auf der Gegenwirkung (s. d.). Abgesehen von der
dabei leicht möglichen Gefährdung der Bedienungs-
mannschaften wird durch diesen Vorgang auch die
Feuergeschwindigkeit empfindlich beeinträchtigt; des-
halb sind die Bemühungen seit langer Zeit darauf ge-
richtet, den R. der Geschütze beim Schießen möglichst
einzuschränken; alle dahin zielenden Einrichtungen
(s. Rücklaufbremsen) finden aber in der Rücksicht auf
Schonung der Lafetten, welche durch gewaltsame
Hinderung des R. sehr leiden, eine starke Begren-
zung. (S. auch Hemmkeile.)
Rücklaufbremfen, Bremsen, die den Rücklauf
(s. d.) der Geschütze zu hemmen bestimmt sind. Die
R. gewinnen in neuerer Zeit, wo alles auf erhöhte
Anfangsgeschwindigkeiten und Feuergeschwindigkeit
der Geschütze berechnet ist, und hierdurch unmittel-
bar auch der Rücklauf vergrößert wird, erheblich an
Bedeutung. Bei neuern Geschützen werden die alten
unzureichenden Bremsmittel durch Hydraulische
Bremsen (s. d.) und Luftbremfen (s. d.) immer mehr
verdrängt. Auch für die Feldgeschütze, die bisher
nur selten Schußbremsen hatten, werden solche un-
entbehrlich, und zwar sucht man sie überall möglichst
selbstthätig wirkend zu machen. (S. auch Lemoine-
Rückläufig, s. Nechtlüusig. ^Bremse.)
Rückmarsch, s. Kriegsmarsch.
RückPositiv, der Teil der Orgel, der unmittel-
bar an der Brüstung des Orgelchors, also abgeson-
dert von dem Hauptwerke, aufgestellt und von der
eigentlichen Orgel durch den Fußboden des Orgel-
chors erheblich getrennt ist. Das R. ragt direkt
in die Kirche hinein und liegt im Rücken des Orga-
nisten (daher der Name). Im 16., 17. und 18. Jahrh,
wurden R. mit Vorliebe gebaut und zartere Register
hineingefetzt. Bei neuern Orgelwerken findet man
das R. nicht mehr. Geschäft.
Rückprämie, s. Empfangsprämie und Prämien-
Rückrechnung, Retourrechnung, Ricam-
biorechnung, die Rechnung, welche im Wechsel-
regreß (s. d.) der Regrehnehmer über den Betrag
seiner Rcgreßforderung aufstellt.