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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ruhr - Ruhrort
Lpz. 1827); ferner die Ausgaben des Rutilius Lupus
(Leid. 1768; neue Aufl., Lpz. 1831 u. 1841, zugleich
mit R.s "lligtoria. critica oratorum Zrascornm"),
Vellejus Paterculus (2 Bde., Leid. 1779; neue Aufl.,
Lpz. 1830-39) und der "Opei-k" des Muret (4 Bde.,
Leid. 1789). Außerdem vollendete er die von Al-
berti begonnene Ausgabe des Hesychius (2 Bde.,
Leid. 1746 - 66). Ein Vfuster biogr. Darstellung
ist sein "Niobium liderii Il6in8t6i^u3ii" (Leid.
1768; neue Aufl. 1789 u. ö.). Nach seinem Tode
erschienen die "Opn8cnla oratoria,, pliilolo^ica,
ci-itica" (Leid. 1797 u. 1807), die später durch Berg-
mann (2 Bde., ebd. 1823) und Friedemann (2 Bde.,
Vraunschw. 1825) vervollständigt wurden; serner
"Nuünkenii, Valckenarii 6t aliorum kä ^. ^. Nr-
N68ti 6pi8to1a6" (Lpz. 1812), "I^uimkenii etVaicko-
narii epiätolas muw^6" (Vliessingen 1832), "Runn-
^6riii 6pi3t0ia6 ad äiv6r808" (ebd. 1834). Ebenso
wurden aus Kollegienheften veröffentlicht seine
"I^6Cti0N68 ac^äßmicat) in 3,Nti(MiHt08 l0M3.NÄ8))
(22 Hefte, Jena 1818-35), die "vicwtk in lerentii
coin06äia8" (Bonn 1825), die "sclioN^ in Zneto-
niuin" (Leid. 1828), die "Dictata, in Oviäii neroiäaä"
(Lpz. 1831). - Vgl. Wyttenbach, Vita Ruiinksnii
(Leid. 1799; neueste Aufl., Freiberg 1846); Rinck,
F. Hemsterhuis und David R. (Königsb. 1801).
Ruhr oder Dysenterie, eine schwere, meist
epidemisch auftretende Infektionskrankheit, die sich
vorwiegend auf den Darmkanal beschränkt. Bei dcr
R. wird die Schleimhaut des Dickdarms von einer
diphtheritischen Entzündung ergriffen, wobei sie
unter Abscheidung einer faserstoffreichen Ablagerung
brandig zu Grunde geht und abgestoßen wird. Die
eigentliche Heimat der R. sind die Tropenlünder, in
denen die Krankheit oft in außerordentlicher Heftig-
keit und Ausbreitung herrscht; hier sowohl wie in
den gemäßigten Klimaten sind die heiße Jahreszeit,
anhaltende Regengüsse und Windstille, sumpfiges
und niedrig gelegenes Terrain der Ausbreitung der
Seuche besonders günstig. Enges Veisammen-
wohnen, mangelhafte Lüftung, Unsauberkeit auf
der Straße und im Hause, Ercesse, Diätfehler und
Erkältung begünstigen den Ausbruch der Krankheit.
Direkt kontagiös, durch einfache Berührung an-
steckend scheint die N. nicht zu sein, kann aber leicl't
durch die Stublentleerungen Ruhrkranker und durch
damit in Berührung gekommene Gegenstände
(Aborte, Nachtgeschirre, Wäsche u. dgl.) weiter ver-
breitet werden. Die Krankheit beginnt mit leichten
Verdauungsstörungen (Appetitlosigkeit, Durst, mit-
unter Erbrechen, Neigung zu Durchfall), denen si<5
ein scheinbar unschuldiger Durcksall mit nur mäßi-
gem Leidschneiden anschließt. Später nehmen die
Stuhlentleerungen an Häufigkeit (20-30 in 24Stun-
den) zu, die Leidschmerzen werden häufiger, es tritt
äußerst quälender Stuhl- und öfters auch Harn-
zwang ein. Dabei werden aber immer nur geringe
Mengen Darminhalt entleert, und zwar nicht mehr
kotige Massen, sondern ein grauer (Weiße Ruhr)
oder blutiger Schleim (Note Ruhr, im Volks-
munde oft auch Vlutzwan g genannt), selbst reines
Blut. Zu diesen Erscheinungen gesellt sich Fieber,
höchste Entkräftung und Benommenheit der Sinne.
In leichten Füllen lassen die Erscheinungen nack
vier bis acht Tagen nach; in schweren nehmen die
Schmerzen und die übrigen Symptome an Heftig-
keit zu; dann gehen Fetzen von Darmschleimhaut
ab, und endlich kann unter Schwinden des Bewußt-
seins der Tod erfolgen.
Tritt nach schweren Fällen Genesung ein, so bleiben
doch die Zerstörungen des Darms zurück; das die
Schleimhaut ersetzende Narbengewebe verengt den
Darm, wodurch habituelle Verstopfung mit ihren
lästigen Folgen entsteht; auch hinterbseiben öfters
Gefchwüre, die selbst zu Bauchfellentzündung führen
können. In leicbten Fällen gleichen sich zwar die
Störungen im Darm leicht aus, es bleibt aber
immer eine lange andauernde Erschöpfung zurück.
In den Tropenländern aefellcn sich zur R. nicht sel-
ten die gefurchtsten Leberabscesse, die durch Pyä-
mie meist zum Tode führen. Mitunter geht die
Krankheit auch in die chronische R. über, wobei
sich monate- oder jahrelang die Symptome einer
chronischen Dickdarmaffektion, verbunden mit den
Zeichen allgemeiner Kacherie, vorfinden. Hinsicht-
lich der Behandlung erweisen sich im Anfang der
Krankheit milde Abführmittel (Ricinusöl, Kalomel,
Tamarinden) als wohlthätig. Der Kranke muß das
Bett hüten und darf nichts Schwerverdauliches,
sondern nur Suppen, Milch, Fleischbrühe genießen;
warme Breiumschläge auf den Leib und örtliche
Vlutentziehungen am After erleichtern die Schmer-
zen. Im weitern Verlauf der Krankheit wendet man
zusammenziehende und stopfende Mittel (Opium) an.
Ruhrähnliche, von denen der eigentlichen R. aber
verschiedene Erscheinungen können auch bei chroni-
schem Darmkatarrh (katarrhalische R.) sowie bei
der Sublimatvergiftung auftreten. Da sich der Keim
der R. in den Ausleerungen vorfindet, so müssen
diese zur Verhütung von Ansteckung durch Carbol-
säure oder Sublimatlösung sorgfältig desinfiziert
werden. Wäsche, Nachtstühle und Klystierspritzen,
deren sich Ruhrkranke bedienen, dürfen von Gesun-
den unter keiner Bedingung gebraucht werden.
Ruhr, der wichtigste rechte Nebenfluß des Rheins
im preuß. Staat, entspringt im Kreise Brilon des
Reg.-Vez. Arnsberg, auf dem Plateau von Winter-
berg, 664 m hoch an der Nordfeite des Ruhrkopfs,
stießt bis Olsberg nord- und nordwestwärts über
Meschede, Arnsberg, dann mit Windungen nach
Westen und mündet bei Ruhrort (s. d.), von wo der
4,5 Km lange Ruhrkanal nach Duisburg führt. Der
Fluh hat eine Länge von 235 kni, ein Flußgebiet
von 4700 ykm, wird über 30 in breit und ist im
untern Laufe 75 km weit bis Witten mittels elf
Schleusen fahrbar. Doch wird die Schiffahrt öfters
durch niedrigen Wasserstand unterbrochen. Die N.
nimmt aus: rechts die Mohne oder Möne; links die
Henne, Wenne, Röhr, Hönne und bei Syburg die
Lenne (s. d.). Von Herdecke bis Mülheim durch'
schneidet die R. eins der ausgedehntesten und wich
tigstcn Steinkohlenlager (s. Rheinisch-Westfälisches
Kohlenbecken) des europ. Kontinents.
Ruhr, Nebenfluß der Maas, s. Roer.
Ruhrbeckeu, Ruhrkohlenrevier, s. Rhei-
nisck-Wcstfälisches Kohlenbecken.
Ruhrblei, s. Iungfernblei.
Rührender Reim, s. Reim.
Ruhrkraut, s. (-nap^Älium.
Rührmichnichtan, Pflanze, s. ImpatisnZ.
Ruhrort. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Düssel-
dorf, hat 329,56 ykm und (1890) 80145 (41919
männl., 38 226 weibl.) (§., 2 Städte und 21 Land-
gemeinden. - 2) Kreisstadt im Kreis R., an der
Mündung der Ruhr in den Rhein und den Linien
R.-Sterkrade (10,3 kni), R.-Krefeld (20,i km), N.-
Mülbeim a. d. Ruhr (11 km) und R.-Oberhausen
(8,9 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Land-