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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Russen - Russisch-Centralasien

Mammut, Elephas primigenius Blumenb., Backzähne, s. Taf. II, Fig. 3 u. 5, und Elephas s. Euelephas antiquus, Taf. II, Fig. 7, aus dem Pliocän und Postpliocän Europas), bei Loxodon aber rautenförmig sind (so beim Loxodon s. Elephas africanus Blumenb., s. Taf. I, Fig. 2 und Taf. II, Fig. 9; Elephas meridionalis, Taf. II, Fig. 8, aus dem europ. Pliocän, und bei Elephas planifrons Falconer, Taf. II, Fig. 1, aus dem obern Miocän von Indien). Mastodon, ein den echten Elefanten sonst sehr ähnliches Geschlecht aus dem Miocän und Pliocän Europas, Asiens und (z. B. Mastodon giganteus Cuv.) aus dem Postpliocän Amerikas, unterscheidet sich dadurch, daß seine zahlreichern Backenzähne in der einen Gruppe, Trilophodon (Mastodon giganteus Cuv.)., Taf. II, Fig. 6), drei, in der andern, Tetralophodon (Mastodon arverensis, Taf. II, Fig. 4), vier, und bei Penatalophodon (Mastodon sivalensis, Taf. II, Fig. 10), wenigstens die hintern, fünf Paar warzenförmiger Höcker besitzt. Das lange Zeit rätselhafte Dinotherium (s. d.) giganteum Kaup (Taf. II, Fig. 2, restauriert) gehört ebenfalls zu den R.

Russen, russ. Russkije (Einzahl Russkij), slaw. Volksstamm, der den größten Teil des Flächenraums Rußlands inne hat: vom Weißen Meer bis zum Schwarzen und Asowschen Meer und von Finland, den Ostseeprovinzen, den litauischen und poln. Gouvernements bis zu den östl. Küsten Sibiriens. In Europa berührt er sich im NW. mit den Finnen; im W. mit den Esthen, Litauern, Polen, Czechen (Slowaken), Magyaren und Rumänen. Innerhalb dieser Grenzlinien giebt es Gebiete, die mit andern Stämmen ziemlich stark besetzt sind: so finden sich deutsche Kolonisten in den Gouvernements Cherson, Jekaterinoslaw, in der nördl. Krim, an der untern Wolga; südslaw. Kolonisten (Serben, Bulgaren u. a.) in den südl. Steppen des europ. Rußlands; Tataren an der mittlern Wolga und an der Kama. Der russ. Volksstamm zerfällt in drei Hauptgruppen: die Großrussen (schlechtweg R. genannt), die Kleinrussen (s. d.) oder Ruthenen und die Weißrussen (s. d.). Über ihre gegenseitigen Grenzen s. Russische Sprache. Das bei weitem größte Gebiet nehmen die Großrussen ein. Kleinrussen giebt es außer in ihren kompakten Wohnsitzen noch im nördl. Kaukasus und unter den Ansiedlern aus dem europ. Rußland in West- und Ostsibirien. Die Zahl der R. ist schwer festzustellen. Nach Janson betrug Anfang der siebziger Jahre die Zahl aller R. und Ruthenen in Europa etwa 55 Mill.; nach den Berechnungen des Centralstatistischen Komitees (1886) betrug die Bevölkerung Rußlands, ohne Finland und Polen, etwa 102 Mill., so daß also auf die R. etwa 75 Mill. kommen, weil diese nach Janson 72,5 Proz. der Gesamtbevölkerung bilden. Dazu kommen noch 3 Mill. Ruthenen in Österreich-Ungarn, so daß die Summe aller R. etwa 78 Mill. beträgt. Von der Gesamtzahl der R. in Rußland kommen nach Janson auf die Großrussen 71,4, auf die Kleinrussen 22,5, auf die Weißrussen 6,1 Proz., oder nach der Berechnung von 1886: 53 Mill., 19½ Mill. und 4½ Mill. Seelen. Fast die gleiche Zahl bilden die Griechisch-Orthodoxen mit den Raskolniken, nämlich 72,2 Proz. der Bevölkerung Rußlands. - Vgl. Janson, Vergleichende Statistik Rußlands und der westeurop. Staaten (russisch, Bd. 1, Petersb. 1878); Die Statistik des Russischen Reichs, hg. vom Centralstatistischen Komitee (Bd. 10, russisch, ebd. 1886); XIV. 33 (russisch. Pypin, Geschichte der russ. Ethnographie 4 Bde., ebd. 1892-94).

Russia, der 232. Planetoid.

Russinen, slaw. Volksstamm, s. Ruthenen.

Russisch-Amerika hieß früher das Territorium Alaska (s. d.) der Vereinigten Staaten von Amerika, das die Russen seit 1799 kolonisierten und 1867 an die Vereinigten Staaten verkauften.

Russisch-Amerikanische Compagnie, eine 1779 in Petersburg gegründete Aktiengesellschaft zur Ausübung der Pelzjagden in Russisch-Amerika und zur Beförderung des Pelz- und Theehandels mit China, mit Faktoreien in Moskau, Kasan, Tomsk, Irkutsk, Jakutsk, Aëan und Kamtschatka. Sie ward 1865 aufgelöst. - Vgl. Tichmenew, Geschichte der R. C. (russisch, Petersb. 1863).

Russisch-Armenien, der nordöstliche zu Rußland gehörige Teil von Armenien, umfaßt die südlich von der Kura gelegenen Gouvernements und Gebiete in Transkaukasien.

Russisch-Centralasien, zusammenfassende Bezeichnung für die nachfolgenden Generalgouvernements und Gebiete in dem zu Rußland gehörigen Teil Asiens: das Steppen-Generalgouvernement (umfassend die Gebiete Akmolinsk, Semipalatinsk und Semirjetschensk), das Generalgouvernement Turkestan (umfassend die Gebiete Syr-darja, Samarkand und Ferghana), die Gebiete Uralsk, Turgaj und Transkaspien, zusammen 4011355,1 qkm mit 6355000 E., d. i. 1,5 auf 1 qkm. (Hierzu Karte: Russisch-Centralasien und Turkestan.)

Die Kämpfe der Russen mit den Steppenvölkern R.s begannen erst nach der vollständigen Eroberung Sibiriens. Die seit dem Ende des 16. Jahrh. am Jaik (Ural) angesiedelten Kosaken hatten von dem als goldhaltig bezeichneten Lande Chowaresmien oder Chiwa am Aralsee gehört und unternahmen dorthin Raubzüge, die indessen unglücklich verliefen. Peter d. Gr. sandte 1717 ein Heer gegen Chiwa, welches siegreich in die Oase vordrang, aber durch Verrat bis auf den letzten Mann niedergemacht wurde. Die Chiwinzen beunruhigten seitdem beständig die russ. Ansiedelungen am Ural und der Ostküste des Kaspisees und beraubten häufig Karawanen, die von Orenburg nach Turan und Turkestan zogen. Als dann 1824 die erste aus Rußland nach Buchara gesendete Karawane von ihnen überfallen wurde, entsendete Nikolaus I. 1839 den General Perowskij mit 4500 Mann, 22 Geschützen und einem ungeheuren Troß gegen Chiwa; doch fand dies Heer, dessen Ausrüstung 6½ Mill. Rubel gekostet hatte, durch Frost, Hunger und Krankheiten in der Steppe den Untergang, ohne mit dem Feinde in Berührung gekommen zu sein. Gleichwohl bestimmte der brit. Einfluß den Chan von Chiwa dazu, Rußlands Forderungen zu erfüllen. Die Russen begannen nunmehr in der Kirgisensteppe eine Reihe von befestigten Plätzen anzulegen; so 1847 an der Mündung des Syr-darja in den Aralsee. Der weitern Ausdehnung des russ. Einflusses suchte der Chan von Chiwa durch Anlegung eines Forts am Kuwan-darja, einem Nebenflusse des Syr-darja, Einhalt zu thun. Indessen unterwarfen sich 1847 auch die Kirgisen den Russen, welche ein Jahr zuvor in deren Gebiete die Festung Kopal erbaut hatten. Hierdurch wurde der Chan von Kokan veranlaßt, am untern Syr-darja mehrere Forts anzulegen, von denen aus Einfälle in das russ. Grenzgebiet unternommen wurden. Die Russen eroberten